Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Ringkampf für eine bessere Pflege (eBook)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
176 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-29353-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Ringkampf für eine bessere Pflege -  Sascha Sandhorst
Systemvoraussetzungen
5,99 inkl. MwSt
(CHF 5,85)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Der Pflegeberuf ist einer der wichtigsten überhaupt. Pflegekräfte leisten in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie auch im ambulanten Bereich unschätzbare Dienste. Umso bedenklicher ist der schlechte Stand dieser Berufsgruppe hierzulande. Mangelnde Anerkennung, schlechte Bezahlung und schwierige Arbeitsbedingungen machen die Pflege unattraktiv, was nicht nur zu Nachwuchsproblemen führt, sondern sogar zunehmend Pflegekräfte in den Berufswechsel treibt. Sascha Sandhorst vermittelt in diesem Buch einen groben Überblick über die aktuelle Lage, die dringendsten Probleme und Lösungsansätze. Er möchte die Pflegekräfte dazu ermuntern, sich für die eigenen Interessen und die der gesamten Berufsgruppe einzusetzen, auch ehrenamtlich und politisch. Dazu berichtet er aus seinem eigenen politischen Engagement, unter anderem in der Pflegekammer Niedersachsen. Die Pflege muss für ihre Interessen selber eintreten, das wird gerade unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Pandemie wieder deutlich.

Mangelnde Wertschätzung in der Pflege

Schon die bekannte deutsche und inzwischen verstorbene Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. Monika Krohwinkel hat zu ihren Lebzeiten einmal gesagt: »Pflege ist der wohl spannendste Beruf, den es überhaupt gibt.« Ich kann mich dem nur vollumfänglich anschließen. Vielen KollegInnen in der Pflege und auch pflegenden Angehörigen geht es vermutlich ähnlich. Trotzdem fehlt dem Pflegeberuf und denen, die ihn ausüben, eine angemessene Anerkennung in unserer Gesellschaft. Wie kann es z. B. sein, dass ein Facharbeiter in der Automobilindustrie eine wesentlich höherer Wertschätzung von der Gesellschaft erfährt als eine Pflegefachperson in einer Altenpflegeeinrichtung? Es kann nach meiner Einschätzung nicht daran liegen, dass der Beruf Pflege, in dem ca. 85 Prozent Frauen arbeiten, auch im 21. Jahrhundert noch ein typischer Frauenberuf ist. Nein, die Gründe sind weitaus vielfältiger.

Eine zentrale Frage, die es hier zu beantworten gilt, lautet: Was ist uns in Deutschland in Zukunft eine gute Pflege wert? Das Statistische Bundesamt weist aus, dass sich die Gesundheitsausgaben in Deutschland im Jahr 2018 auf insgesamt 390,6 Milliarden Euro beliefen. Das entspricht 4.712 Euro je EinwohnerIn. Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt lag 2018 bei 11,7 Prozent. Für das Jahr 2019 wird ein weiterer Anstieg auf 407,4 Milliarden Euro geschätzt, das wären 4,3 Prozent mehr als im Jahr 2018 (www.destatis.de). Mit der Verabschiedung vieler Pflegegesetze, u. a. den Pflegestärkungsgesetzen, der Konzertierten Aktion Pflege und der anstehenden Pflegereform 2021 werden die Kosten und Ausgaben weiter steigen. Dies wird voraussichtlich mit höheren Beiträgen für die Pflegeversicherung verbunden sein.

Die soziale Pflegeversicherung wurde 1995 als Teilabsicherung des Pflegerisikos eingeführt und wird annähernd zu gleichen Teilen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanziert. Um auch zukünftig eine medizinische und pflegerische Versorgung auf hohem Niveau gewährleisten zu können, muss Deutschland mehr Geld für die Pflege in die Hand nehmen. Allein die Kosten für den demografischen Wandel und den Anstieg der Anzahl der Pflegebedürftigen, wird eine Reform der Pflegeversicherung und Veränderungen mit sich bringen, z. B. die Ergänzung um eine kapitalgedeckte Zusatzversicherung.

Vertrauen und ein gewisses Maß an Hintergrundwissen sind zentrale Voraussetzungen für eine höhere Wertschätzung und Anerkennung der Pflege in unserer Gesellschaft. Die Pflege muss im Einklang mit den Anforderungen der Gesellschaft und den gesetzlichen Vorgaben durch die Politik durchgeführt und besonders auch nach außen hin kommuniziert werden. Hier ist gerade im umgänglichen Sprachgebrauch noch viel zu tun. Die Pflege gibt in der Öffentlichkeit immer noch kein einheitliches und zielgerichtetes Bild ab und wird an vielen Stellen auch sehr leicht zerredet. Untern den BürgerInnen gibt es zu viele unterschiedliche Vorstellungen und Ideen davon, was die Pflege überhaupt leistet und welche Rolle sie für die Erhaltung oder auch Wiedererlangung unserer Gesundheit spielt. Das ist leicht festzustellen, wenn man sich einmal mit Freunden und Bekannten über das Thema Pflege austauscht, die nicht in der Pflege arbeiten und somit auch nicht wissen, was sich hinter den Kulissen abspielt und was die einzelne Pflegeperson in ihrem Pflegealltag erlebt und bewirkt. Darüber habe ich mich Anfang des Jahres 2015 mit unserem ehemaligen Landrat des Landkreises Aurich unterhalten. Walter Theuerkauf hatte mein Buch Altenpflege mit Herz vorab gelesen, dadurch einen tieferen Einblick in den Pflegeberuf bekommen und hatte nun ein besseres Bild davon, was Pflege leistet und welchen umfangreichen Aufgabenbereich dieser Beruf abdeckt. Er hat dann das Vorwort geschrieben.

Heutzutage sind die Frauen in der Regel genauso berufstätig wie die Männer und gehen meist einer Vollzeitbeschäftigung nach. Sie sind emanzipiert und anerkannt, trotzdem haben sie es immer noch besonders schwer, neben ihren familiären Pflichten im Berufsleben Fuß zu fassen. Der Gesetzgeber hat dies erkannt und aus diesen Gründen auch einige Gesetze erlassen, um Frauen, besonders während der Erziehungszeit, zu entlasten und den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern. Hierzu zählt das seit 01. Januar 2007 gültige Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz, das Eltern eine finanzielle und arbeitszeitliche Gestaltung im Familienleben ermöglicht, um ihren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Eltern können somit mehr bei ihren Kindern bleiben und trotzdem ihren Beruf weiter ausüben. Eine Teilzeitgestaltung ist mit dem Eltern-Plus-Geld möglich. Ein vordergründiges Ziel der Politik sollte es sein, den Anteil der Frauen im Berufsleben zu erhöhen. Gerade in Zeiten personeller Knappheit im Pflegeberuf ist das eine zusätzliche Ressource, mehr Personal in diesem Beruf zu gewinnen. Mit dem Familienpflegezeitgesetz können Beschäftigte ihre wöchentliche Arbeitszeit für maximal 24 Monate auf bis zu 15 Stunden reduzieren, wenn sie einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung pflegen. Frauen wollen ja gerne arbeiten. Die Gesetze müssen so weiterentwickelt werden, dass Frauen auch die Möglichkeit bekommen, eine langjährige Berufsbiografie zu schreiben. Das ist auch zwingend erforderlich, weil Frauen trotz Anerkennung unter Wettbewerbsbedingungen beruflich immer noch Schutz benötigen. So trat am 01. Januar 2016 das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst in Kraft. Das Gesetz verpflichtet Unternehmen zur Handlung, bis ein Frauenanteil von 30 Prozent in Aufsichtsräten erreicht ist. Hier sei nebenbei auch erwähnt, dass Frauen im Jahr 2019 in Deutschland im Durchschnitt 19 Prozent weniger Verdienst hatten als Männer (www.destatis.de). In der heutigen Zeit ist dies ein Skandal. Der Gesetzgeber ist dringend gefordert, etwas dagegen zu unternehmen. Die Stärkung der Frau im Berufsleben bringt aufgrund des hohen Frauenanteils in der Pflege automatisch auch eine Aufwertung des Pflegeberufes mit sich.

Das mangelnde Verständnis für die Pflege liegt nicht zuletzt auch am Trend zur Auslagerung der Pflegefälle. Die einst unumgängliche Pflege durch Angehörige, das Zusammenleben als Großfamilie, wird mehr und mehr durch Kleinsthaushalte abgelöst, das Wohnraumangebot gießt dies buchstäblich in Beton.

Das Idealbild der Familie hat sich verändert und es bleibt die Frage, welche Rolle der alte Mensch eigentlich heute noch in unserer Familie spielt? Was machen wir mit Oma und Opa, wenn diese z. B. noch mit ihren Kindern zusammenleben und immer mehr Hilfe und Aufsicht benötigen, weil sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert? Die Kinder gehen arbeiten, die Enkelkinder zur Schule und der demenzkranke Opa stellt die Wohnung auf dem Kopf. Hier begibt man sich dann sehr leicht – ob man möchte oder nicht, vielleicht auch schleichend und unbewusst – auf eine Gratwanderung. Es besteht die Gefahr, Opa und Oma innerlich aufs Abstellgleis zu schieben, ohne dass man es beabsichtigt. Es kann nicht jeder gleich gut mit Krankheiten, Alter und Gebrechlichkeit umgehen. Für uns alle kommt einmal der Zeitpunkt, an dem wir sterben müssen. Das Alter und der Tod gehören zum Leben dazu. Dem Familienparadigma und dem Familienleben wird schon frühzeitig die bedeutsame Aufgabe zu teil, Aufklärung zu betreiben und sich selbst zu informieren. Es geht darum, sich frühzeitig mit Alter und Tod zu beschäftigen. Das innerhalb der Familie scheinbar immer noch tabuisierte Thema muss offen angesprochen werden, damit alle Familienangehörigen gut informiert und auf ihre Rolle eingestimmt sind und diese auch wahrnehmen können, wenn ihr Tod oder der Tod eines Familienangehörigen naht. Eltern und Kinder lassen dadurch Trauer und Angst zu und sind frühzeitig auf das vorbereitet, was sie in Zukunft erwartet, wenn die Eltern pflegebedürftig werden und, irgendwann, sterben. Wir alle sollten uns die Frage stellen, wie wir mit Sterbenden und dem Tod umgehen. Wie werden wir in der Zeit danach unsere Trauerphase durchleben, um den Verlust zu verarbeiten? Nur wenn man sich darüber im Klaren ist, was einem ein geliebter Mensch wirklich bedeutet, kann man auch eine qualifizierte Entscheidung bezüglich seiner Pflege und Betreuung treffen. Das wiederum bringt mehr Verständnis für den Pflegeberuf zurück in die Gesellschaft.

Durch die Vereinzelung der Gesellschaft und den massiven Rückgang des klassischen Großfamilienmodells ändern sich auch die Ansichten. Alte Menschen fühlen sich heutzutage mitunter überflüssig, schlimmstenfalls ungeliebt und als Belastung. Das kann dazu führen, dass sie sich selbst ausgrenzen, zurückziehen und gar keine Hilfe mehr annehmen wollen. Hier ist ein geschultes Auge erforderlich, um zu erkennen, wo und in welcher Situation adäquat Hilfe benötigt wird. Nicht jeder notwendige Hilfebedarf ist offensichtlich und erkennbar, es gibt auch...

Erscheint lt. Verlag 29.3.2021
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Geschichte / Politik Politik / Gesellschaft
Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
Technik
Schlagworte Pflege • Pflegeberuf • Pflegekammer Niedersachsen • Pflegekraft • Pflegepersonal • Politik
ISBN-10 3-347-29353-3 / 3347293533
ISBN-13 978-3-347-29353-3 / 9783347293533
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Mit Beiträgen von Christian Baron, Dietmar Dath, Aladin El-Mafaalani, …

von Wolfgang M. Schmitt; Ann-Kristin Tlusty

eBook Download (2024)
Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
CHF 16,60
Die großen Fragen ethisch entscheiden

von Alena Buyx

eBook Download (2025)
Fischer E-Books (Verlag)
CHF 19,50
Die neue Verletzlichkeit als Herausforderung der Freiheit

von Frauke Rostalski

eBook Download (2024)
C.H.Beck (Verlag)
CHF 11,70