Die Berufs- und Handelsschule der Stadt Kleve im Nationalsozialismus (eBook)
332 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-21684-6 (ISBN)
Hans Reder, Jahrgang 1950, Oberstudiendirektor i.R., Berufsausbildung zum Verwaltungsfachangestellten, 2. Bildungsweg, Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Siegen und der Universität zu Köln in Betriebswirtschaftslehre, Organisation/EDV, Versicherungswissenschaften und Berufs- und Arbeitspädagogik, Berufsschullehrer in Düsseldorf, Mönchengladbach und seit 1981 an den Berufsbildenden Schulen des Kreises Kleve, zuletzt Berufskolleg Kleve des Kreises Kleve, von 1994 bis 2001 Stellvertretender Schulleiter und von 2001 bis 2014 Schulleiter dieser Schule.
Hans Reder, Jahrgang 1950, Oberstudiendirektor i.R., Berufsausbildung zum Verwaltungsfachangestellten, 2. Bildungsweg, Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Siegen und der Universität zu Köln in Betriebswirtschaftslehre, Organisation/EDV, Versicherungswissenschaften und Berufs- und Arbeitspädagogik, Berufsschullehrer in Düsseldorf, Mönchengladbach und seit 1981 an den Berufsbildenden Schulen des Kreises Kleve, zuletzt Berufskolleg Kleve des Kreises Kleve, von 1994 bis 2001 Stellvertretender Schulleiter und von 2001 bis 2014 Schulleiter dieser Schule.
1 DIE GESCHICHTE DER SCHULE BIS ZUR NS-ZEIT
Das heutige Berufskolleg Kleve, eine Schule in Trägerschaft des Kreises Kleve, hat viele Schulen als Vorgänger. Zunächst blieb die Schule auf die Stadt Cleve und ihre unmittelbare Umgebung begrenzt. Nach und nach weitete sich der Schulbezirk aus und besteht heute aus dem Gebiet der Stadt Kleve sowie der Gemeinden Kranenburg und Bedburg-Hau, der Städte Kalkar, Emmerich und Rees, der Gemeinde Uedem sowie der Stadt Goch. Schulbezirke im engeren Sinne gibt es aber heute nicht mehr, die Schule kann Schüler aus benachbarten Kommunen aufnehmen und Schüler aus dem Bereich Kleve können auch Berufskollegs benachbarter Kommunen besuchen.
Aus heutiger Sicht besteht das Berufskolleg im Wesentlichen aus den Vorläufern der Berufsschulen in Cleve, Kalkar, Uedem, Goch, Emmerich und Rees. Es hat fünf Berufsfelder: Wirtschaft und Verwaltung (früher „kaufmännisch“, Technik (früher „gewerblich“), Gesundheit und Ernährung (früher „hauswirtschaftlich“), Sozialwesen (früher z. T. „hauswirtschaftlich“) und Agrarwirtschaft (früher „Landwirtschaft“ und „Gartenbau“)
Die Anfänge der Schule gehen auf die Errichtung einer Handwerker-Fortbildungsschule in Cleve durch den Gewerbeverein im Jahre 1837 zurück. Die gleiche Aufgabe stellten sich der katholische Gesellen- und Katholische Lehrlingsverein in Cleve, die seit 1863 bzw. 1881 Fortbildungseinrichtungen unterhielten.
Erster Schulleiter war Gymnasiallehrer Konrektor Vierhaus, 1860 übernahm der Advokatsanwalt Junck die Leitung. Die Bemühungen des Vorstandes, der Schule Körperschaftsrechte zu verleihen, wurde durch die Stadt Cleve zunächst abgelehnt. Erst am 25.09.1886 wurde die Satzung hierzu genehmigt. Dem Kuratorium gehörten nun der jeweilige Landrat, der Bürgermeister, der Leiter der Schule und 2 Handwerksmeister an. (Schwartmann, S. 5 f.) Es handelte sich also noch nicht um eine Schule der Stadt Kleve.
Um die Handwerker-Fortbildungsschule entstand in Kleve um 1873 ein erbitterter Streit im Klever Stadtrat, der seinen Ursprung sicher im Konfessionshader des Kulturkampfes hatte. Obwohl der Bürgermeister der Stadt Cleve im Vorstand der Schule war, beteiligte sich die Stadt nicht oder unwesentlich an den Kosten der Schule. Die Lehrer der Schule, die auf eine Beteiligung im Vorstand drängten, wollten den Kreis als Schulträger, „da dieser die Schule im Gegensatz zur Stadt finanziell unterstütze.“ (Gorissen, S. 321) Es dauerte bis 1880, bis ein Statut (u.a. sollte die Schule eine „freie“ Schule sein, frei ohne Erteilung von Religionsunterricht) von der Stadtverordneten-Versammlung angenommen wurde. (Gorissen, S. 322) Nachdem zwei katholische Lehrer entlassen wurden (Mönnichs I und II), fühlte sich die kath. Mehrheit der Bevölkerung brüskiert und boykottierte die Schule. Bis April 1882 sank die Schülerzahl der Handwerker-Fortbildungsschule auf 10 – 12 Schüler. (Gorissen, S. 322)
Die Handwerker bevorzugten die Schule des katholischen Gesellen- und Lehrlingsvereins, da sie der Überzeugung waren, dass das Prinzip der konfessionell getrennten Schule das allein richtige sei. (Gorissen, S. 325) Auch nach dem Tode des ev. Schulleiters Junck im Jahre 1888 konnte der Konflikt nicht beigelegt werden, da die Katholiken eine Förderung des Religiösen zum Ziel hatten und die Schule des katholischen Gesellen- und Lehrlingsvereins favorisierten, die etwa dreimal so viele Schüler besuchten (1891/92 ca. 150 freiwillige Schüler). (Gorissen, S. 325 f.) „Die Regierung kam den Wünschen der Katholiken nach und erteilte dem Kaplan Johann Verheyen am 18. und dem Pfarrer Dr. Driessen am 22. August 1894 auch die Erlaubnis zur Errichtung einer Fortbildungsschule für die Mitglieder des katholischen Gesellenvereins zu Cleve. Der Lehrstoff wurde so aufgeteilt, daß die Lehrlinge nur in den allgemeinen Fächern (Religion, Deutsch, Rechnen, Buchführung, Zeichnen), die Gesellen darüber hinaus in ihrem Fachgebiet unterwiesen wurden. “ (Gorissen, S. 326)
In der Folge wurden beide Schulen von der Stadt unterstützt, noch im Jahr 1900 lehnte die Stadt die Übernahme der Trägerschaft einer Handwerker-Fortbildungsschule ab, da für den Fortbildungsunterricht hinreichend durch die Handwerker-Fortbildungsschule und die Schule des Kath. Gesellen- und Lehrlingsvereins gesorgt sei. Allerdings trat am 1. April 1913 endlich das Ortsstatut in Kraft, das aufgrund des Gesetzes über die Pflicht-Fortbildungsschulen 1909 erlassen worden war. „Das Schullokal war das von der Landwirtschaftsschule nach Fertigstellung ihres Neubaus aufgegebene Gebäude an der Ecke der Hagsche Straße und Lindenallee.“ (Gorissen, S. 326) Leiter der nun städtischen Schule wurde Joseph SCHWARTMANN aus Gelsenkirchen. Damit trat anstelle der bisherigen beiden gewerblichen Fortbildungsschulen mit freiwilligem Besuch die städtische Fortbildungsschule mit Pflichtbesuch, seit 01.04.1921 durfte sie sich „Berufsschule“ nennen. (Schwartmann, S. 6)
Mit dem Aufblühen der Stadt Kleve als Industrie- und Handelsstadt wuchs auch das Bedürfnis für eine berufliche Ausbildungsgelegenheit der Kaufmannslehrlinge, so dass die Vereine der Handlungsgehilfen im Jahre 1904 bei der Stadt die Errichtung einer städtischen kaufmännischen Fortbildungsschule beantragten, die 1908 als Schule mit freiwilligem Besuch eingerichtet wurde.
Aus diesen beiden Schulen wurde am 01.10.1924 dann die neue Berufsschule gebildet.
Der Unterricht sowohl der gewerblichen Berufsschule als auch der kfm. Berufsschule wurde mit Ausnahme des Schulleiters Josef SCHWARTMANN nur von nebenamtlichen Lehrkräften erteilt. Nachdem das Preußische Ministerium für Handel und Gewerbe, dem die Berufsschulen seit 1885 unterstanden, eine besondere Lehrerausbildung für Berufsschulen an den Universitäten startete, trat am 1. April 1919 der erste hauptamtliche Gewerbeoberlehrer Josef GOERTZ aus Erkelenz seinen Dienst an der Schule in Kleve an. Ein Verzeichnis aller Lehrkräfte Ende des Schuljahres 1932/33 enthält die Namen von 14 hauptamtlichen Lehrerinnen und Lehrern und 5 nebenberuflichen und nebenamtlichen Lehrern (Pfarrer, Schneidermeister, 2 Friseurmeister, Kreislehrgärtner). (Schwartmann, S. 13 f.)
Bis 1931 war die Berufs- und Handelsschule in dem alten Landwirtschaftsschulgebäude an der Lindenallee untergebracht. Seit 1930 stand der Schule das ganze Gebäude zur Verfügung, zur Unterbringung der damals 50 Berufsschul- und 2 Handelsschulklassen mussten noch andere Räume angemietet werden. Im Jahre 1928 beschloss die Stadtverordneten-Versammlung, die sog. „neue Kaserne“ an der Brabanter Straße zur Berufsschule umzubauen. Am 18.04.1931 fand die Eröffnungsfeier statt.
Im Folgenden soll die Geschichte jeder der fünf Abteilungen dargestellt werden, um dem Bedürfnis nach der Geschichte der einzelnen Abteilungen der Schule Rechnung zu tragen.
Seit dem Schuljahr 2016/17 hat die Schule als sechste Abteilung die Abteilung „Basis- und Ausbildungsvorbereitung“. Sie besteht im Wesentlichen aus internationalen Förderklassen für zugewanderte Jugendliche, Klassen für Jugendliche ohne Schulabschluss und Klassen für junge Menschen, die durch Maßnahmen der Agentur für Arbeit besonders gefördert werden. Solche Klassen gab es bis auf die internationalen Förderklassen, in denen in den letzten Jahren asylsuchende Jugendliche beschult werden, selbstverständlich schon seit Jahrzehnten, nur nicht als selbstständige Abteilung. Die Beschulung dieser Jugendlichen erfolgte bis zu diesem Zeitpunkt vor allem innerhalb der Abteilung Technik, aber auch in anderen Abteilungen.
Da diese Abteilung erst im Schuljahr 2016/17 gebildet wurde, erübrigt sich in dieser Schrift eine Darstellung ihrer Geschichte, obwohl es sicher lohnend wäre, die Geschichte ihrer Schülerschaft, z. B. Jugendliche ohne Schulabschluss, Ungelernte, Jugendliche ohne Ausbildung („Jungarbeiter“) sowie Berufsvorbereitung zu untersuchen.
Abteilung Technik
In der 1837 errichteten Handwerker-Fortbildungsschule erhielten die Schüler wöchentlich 6 Stunden Unterricht in Zeichnen, Rechnen und Raumlehre sowie in Deutsch und Buchführung. Der Unterricht wurde von Zeichenlehrern, Volksschullehrern und Handwerksmeistern bzw. Bautechnikern erteilt. Der erste Leiter der Schule war der Gymnasiallehrer Konrektor VIERHAUS. Im Jahre 1860 übernahm der Advokatsanwalt JUNCK die Schule. Eine gleiche Aufgabe wie die Handwerker-Fortbildungsschule hatten sich der katholische Gesellen- und katholische Lehrlingsverein Cleve gestellt, die seit 1863 bzw. 1881 Fortbildungs-Einrichtungen unterhielten.
Durch die fehlende Schulpflicht konnte der Zweck der Schulen nicht erreicht werden, da zu viele Schüler unregelmäßig und auch unpünktlich die Schule besuchten.
Am 01.04.1913 trat eine Ortssatzung der Stadt Cleve nach Genehmigung durch den Bezirksausschuss in Düsseldorf in Kraft. Die Leitung der gewerblichen Berufsschule wurde dem hauptamtlichen Gewerbelehrer...
| Erscheint lt. Verlag | 16.2.2021 |
|---|---|
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Geschichte / Politik ► Politik / Gesellschaft |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Technik | |
| Schlagworte | Berufsbildende Schulen • Berufskolleg • Berufsschule • Berufsschule Goch • Berufsschule im Nationalsozialismus • Berufsschule Kleve • Berufsschulpflicht • Bücher • Dienstanweisung • Einschüchterung der Lehrer • Entnazifizierung • Gartenbau • Gedenkfeiern • Geschichte • Handelsschule • Handwerk • Hauswirtschaft • Hitlerjugend • Innung • Jüdische Berufsschüler • Jüdische Schüler • Kleve • Kontext Beruflicher Schulen • Landwirtschaft • Lehrer • Lehrpläne • Luftfahrtlehrgänge • Nationalsozialismus • NS-Zeit • Politik • reichsberufswettkampf • Schule im Dritten Reich • Schüler • Schulformen • Schulordnung • Technik • Wirtschaft • Ziele |
| ISBN-10 | 3-347-21684-9 / 3347216849 |
| ISBN-13 | 978-3-347-21684-6 / 9783347216846 |
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