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Norbert Wickbold Denkzettel 7 (eBook)

Die siebte Staffel
eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
120 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-16458-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Norbert Wickbold Denkzettel 7 -  Norbert Wickbold
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Die Denkzettel wären keine Denkzettel, ein sie nicht Stellung zu den Themen beziehen würden, die aktuell die Gemüter bewegen. Das dies auch möglich ist ohne dabei eine der gängigen Sichtweisen zu hofieren, möchte ich mit der siebten Ausgabe der Denkzettel demonstrieren. Und der Leser kann auch noch seinen Spaß bei der Lektüre haben.

Norbert Wickbold, 1957 in Bremen geboren, nach einer Elektrikerlehre und einem Kunsttherapiestudium Umzug an den Bodensee. Dozent für künstlerische und literarische Kurse. Freie künstlerische Arbeit. Altenpflege. Masterstudium Erwachsenenbildung. Seit 1996 verheiratet mit Irene Wickbold. Zusammen entsteht das Projekt Heilkunst und Farbenpracht. Meine Schriften: »Die Wiederkehr der Morgenlandfahrer« Ein Roman vom Finden der eigenen Kraftquelle. »Wer weiß, wie wir mal werden - Selbstentwicklung kreativ fürs Alter nutzen« In diesem Buch werden umfassende Möglichkeiten aufgezeigt, die Belange seiner Persönlichkeit zu ordnen und damit das eigene Alter zu gestalten. »Vom Sinn des Lebens, des Sterbens und der Aufgabe des Alters« Ein Beitrag in der Zeitschrift Psychosynthese, Nawo-Verlag, Zürich, zum selben Thema. »Was seht Ihr ?« Eine Sammlung von 42 Gedichten. »Norbert Wickbold: Denkzettel« Eine fortlaufende Reihe kleiner Schriften zu Fragen des Alltags und des Lebens. Inzwischen siebzig Denkzettel in sieben Büchern. Als Zusammenfassung zu biblischen Themen erschien: Geschichten aus dem Paradies. Für alle, die damals nicht dabei waren.

Norbert Wickbold, 1957 in Bremen geboren, nach einer Elektrikerlehre und einem Kunsttherapiestudium Umzug an den Bodensee. Dozent für künstlerische und literarische Kurse. Freie künstlerische Arbeit. Altenpflege. Masterstudium Erwachsenenbildung. Seit 1996 verheiratet mit Irene Wickbold. Zusammen entsteht das Projekt Heilkunst und Farbenpracht. Meine Schriften: »Die Wiederkehr der Morgenlandfahrer« Ein Roman vom Finden der eigenen Kraftquelle. »Wer weiß, wie wir mal werden - Selbstentwicklung kreativ fürs Alter nutzen« In diesem Buch werden umfassende Möglichkeiten aufgezeigt, die Belange seiner Persönlichkeit zu ordnen und damit das eigene Alter zu gestalten. »Vom Sinn des Lebens, des Sterbens und der Aufgabe des Alters« Ein Beitrag in der Zeitschrift Psychosynthese, Nawo-Verlag, Zürich, zum selben Thema. »Was seht Ihr ?« Eine Sammlung von 42 Gedichten. »Norbert Wickbold: Denkzettel« Eine fortlaufende Reihe kleiner Schriften zu Fragen des Alltags und des Lebens. Inzwischen siebzig Denkzettel in sieben Büchern. Als Zusammenfassung zu biblischen Themen erschien: Geschichten aus dem Paradies. Für alle, die damals nicht dabei waren.

 

Norbert Wickbold

Denkzettel Nr. 61

 

Und dann geht es mit Gesang in den Weltuntergang!

Hier soll es um nichts Geringeres als den Weltuntergang gehen. Ich weiß, damit spaßt man nicht. Man sagt aber auch, dass mit Musik alles besser geht. In einem bekannten Volkslied heißt es:

Wo man singt, da lass dich ruhig nieder,

böse Menschen haben keine Lieder.

Das stimmt wohl nur so lange, wie die Bösen es nicht selbst mit der Angst bekommen. Die bösen Geister der Vergangenheit schmetterten lautstark heraus, dass sie die ganze Welt zur schwarzbraunen Haselnuss machen wollten. Obwohl der Welt und insbesondere Deutschland im Jahr 1942 das Schlimmste noch bevorstand, sang Zarah Leander vollmundig:

Davon geht die Welt nicht unter,

sie wird ja noch gebraucht!

Drei Jahre später war die schwarzbraune Welt nicht mehr zu gebrauchen. Man musste ein neues Lied anstimmen und bei null anfangen. 1953 war der meiste Schutt beseitigt, meine Eltern heirateten, bekamen bald darauf einen Sohn, nämlich meinen Bruder, und man schunkelte ganz vergnügt zu dem Lied:

Am dreißigsten Mai ist der Weltuntergang. Wir leben nicht mehr lang, wir leben nicht mehr lang!

Als ich drei Jahre später auch noch zur Welt kam, existierte diese immer noch! Dennoch stand der Weltuntergang praktisch jederzeit vor der Tür. Davon waren viele überzeugt. Die einen befürchteten, die schlimme Zeit könnte sich wiederholen und die anderen wollten davon lieber nichts mehr wissen. Unsere Oma hatte zwei Weltkriege miterlebt und glaubte, es würde bald wieder eine Hungersnot geben. Deshalb sollten wir Kinder froh sein, wenn wir Schwarzbrot bekämen. Damals dachte ich, die Älteren hatten den Weltuntergang zum Glück schon hinter sich. Als Kinder der Nachkriegsgeneration waren wir praktisch damit groß geworden, dass uns der nächste Weltuntergang ständig bevorstand. Niemand konnte sagen, wann der kommen würde. Nur, dass er kommen würde, das war gewiss! Unsere Eltern trösteten sich direkt nach den Wirtschaftswunderjahren mit dem Karnevalslied von Ernst Neger:

Heile, heile Gänschen, es ist bald wieder gut.

Als das gar nicht helfen wollte, sollten schon wieder Notstandsgesetze beschlossen werden. Es brach zwar kein Notstand aus, aber die Ruhe war vorbei. Die gerade erst wieder heil gewordene Welt bekam mit dem Aufkommen der Protestbewegung ihre ersten Risse. Es war eben doch nicht alles gut geworden. Da half auch die letzte Zeile des Liedes nicht:

Heile, heile Mausespeck,

in hundert Jahren ist alles weg.

Die Älteren legten immer mehr Speck an und die Jüngeren wollten natürlich keine hundert Jahre warten.

Mit ihren Protesten machten die Achtundsechziger mächtig Gegenwind. Eine ganze Jugendära wurde geprägt durch das Lied von Bob Dylan:

Blowing in den Wind.

Doch hartnäckig wurden all ihre Warnungen in den Wind geschlagen. Obwohl sich viele Menschen nach Frieden sehnten, glaubten einige Politiker, sie könnten einen neuen Krieg riskieren. Sie ließen so viele Waffen bauen, dass sie, um die Kräfte im Gleichgewicht halten und jonglieren zu können, jede Menge Weltuntergänge auf Halde produzierten. Anfang der Achtzigerjahre wuchs die Zahl derer, die von den Rüstungsbeschlüssen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs schwindlig wurden, dass es die anderen auch mit der Angst bekamen. Friedensbewegt wollten wir ohne Waffen Frieden schaffen, aber durchaus nicht klein beigeben. Wir wuschen gemeinsam unsere unschuldigen Hände in weichem Wasser, wurden immer mutiger und sangen:

Es reißt die schwersten Mauern ein.

Und sind wir schwach und sind wir klein.

Wir wollen wie das Wasser sein.

Das weiche Wasser bricht den Stein.

So laut wir mit der holländischen Gruppe Bots auch sangen, dem weichen Wasser gelang es, keinen der angesammelten Weltuntergänge wegzuspülen. Einerseits entstand so unter den jungen Menschen in Westdeutschland eine eher pessimistische Stimmung. Der Slogan der Zeit lautete: No Future! Andererseits war das auch die Zeit der neuen Deutschen Welle. Eine Zeit der ausgelassenen Fröhlichkeit unter den jungen und jung gebliebenen Menschen. Und die junge Nena versuchte mit Neunundneunzig Luftballons die Welt vor dem Untergang zu retten. Allmählich kam es aus der Mode, sich mit dem bevorstehenden Weltuntergang zu befassen und das neue Motto sang dann Markus Mörl: Ich will Spaß, ich will Spaß !

Doch aus Spaß wurde schon bald ernst. Als 1986 durch die schwere Atomkatastrophe im russischen Tschernobyl die Welt – mal wieder – am Abgrund stand, war vielen durchaus nicht mehr zum Singen zu Mute. Weil auch die Regierenden gerade nicht auf Weltuntergang eingestellt waren, sangen sie dem erschrockenen Volke das alte Lied vor:

Wir lassen uns das Singen nicht verbieten.

Das Singen nicht und auch die Fröhlichkeit.

Die Welt, die diesmal auch nicht untergegangen war, strahlte munter weiter. Und die Menschen strahlten vor Freude. Oder einfach nur so zum Spaß. 1983 hatte Heinz Rudolf Kunze gesungen:

Wenn sie tatsächlich rote Knöpfe drücken, das Licht der Welt schon morgen ausgeblasen wird, dann ist von diesem Augenblick an alles möglich. Ich habe keine Angst, ich habe keine Angst!

Später erfuhren wir, dass das Licht der Welt im Jahr 1987 tatsächlich beinah ausgeblasen worden wäre. Als bei einem russischen Offizier alle Alarmglocken auf einmal läuteten, behielt dieser zum Glück einen klaren Kopf und verhinderte so den Weltuntergang. Dennoch brach die Welt im Jahr 1989 wirklich zusammen, – allerdings nur im Osten. Die Welt des real existierenden Sozialismus. Nein, nicht die Welt brach zusammen, sondern die Menschen kamen zusammen. Die schwere Mauer wurde tatsächlich eingerissen. Der stete, montägliche Tropfen des weichen Wassers im Osten hatte den Stein wirklich mürbe gemacht. Wie ein Wunder fügte sich die Welt auf einmal neu zusammen. Die Rockgruppe Scorpions besang den zauberhaften Wind of Change jener Tage.

Der Sieg des weichen Wassers hatte sich bewahrheitet. Das erstaunte zunächst die Mächtigen, sodass sie sich dazu erweichen ließen, ein paar überschüssige Weltuntergänge zu verschrotten. Die einst sehnsuchtsvoll gesungenen Lieder von der internationalen Solidarität warfen wir in den Mülleimer der Geschichte. Jetzt wurde es global. Wir vergaßen die Gefahr des Weltuntergangs und die Berge von Waffen verschwanden hinter den Warenbergen. Die aus Waren und Konsumgütern errichteten Türme wuchsen bald in den Himmel. Als hier bei uns dafür erst noch Stück für Stück das Fundament gelegt wurde und Nicole in herzzerreißendsten Tönen um ein bisschen Frieden bat, sang Rio Reiser schon triumphierend:

Der Turm stürzt ein. Der Turm stürzt ein.

Halleluja, der Turm stürzt ein.

Damals wusste niemand, von welchem Turm überhaupt die Rede war. Doch im Jahre 2001 verlor die Neue Welt ihre Unschuld. Die zwei höchsten Türme der Welt, die Symbole des freien Warenhandels, stürzten ein. Und dann kam der Tsunami, die Flut, die alles mitriss. Das war zweimal Vorgeschmack auf den Weltuntergang. Erst der Sturz der babylonischen Türme und dann die Sintflut! Wenig später gerieten weltweit die Geldtürme einiger steinreicher Dagoberts mächtig ins Wanken. Von da an ging alles so schnell, dass uns immer schwindliger wurde. Hier und da bemerkte jemand den Schwindel und rief verzweifelt:

Halt die Welt an, ich will aussteigen!

Nein, lebend kommen wir nicht von der Welt. Solange wir leben wollen, brauchen wir diese Welt. Wir haben nur die eine! Manche versuchten wegzulaufen:

Achtung, fertig, los und lauf

Vor uns bricht der Himmel auf

Wir schaffen es zusammen übers Ende dieser Welt

Die hinter uns zerfällt.

So klang das bei Hotel Tokio. Und von Hawaii aus sang uns Israel Kamakawiwo´ole Over the rainbow als fernen Traum aus einer fernen, heilen Welt.

Ein paar Jahre später war die Hoffnung groß, es würden nun endlich einige alte Diktatoren fortgejagt. Das war auch teilweise gelungen, doch dafür setzten sich neue auf den alten Thron. Die Türme wankten, aber sie fielen nicht.

Zur selben Zeit ging ein Beben vom Meer ans Land und setzte die Welt in Brand. Ein Weltenbrand, der nicht gelöscht werden konnte. Dann, im Jahr 2012 hätte tatsächlich der Weltuntergang stattfinden sollen. Von den Mayas von langer Hand geplant. Auf jeden Fall stand die Uhr auf fünf vor zwölf. Heute fordert sogar der Generalsekretär der Vereinten Nationen die Weltbevölkerung zu internationaler Solidarität auf. Die haben wir leider vor dreißig Jahren entsorgt! Wer konnte damals ahnen, dass wir die irgendwann wieder brauchen würden? Und ist es immer noch fünf vor zwölf? Namhafte Wissenschaftler haben jetzt die „Doomsday Clock“, also die...

Erscheint lt. Verlag 5.2.2021
Reihe/Serie Norbert Wickbold: Denkzettel
Norbert Wickbold: Denkzettel
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Gesundheit / Leben / Psychologie Lebenshilfe / Lebensführung
Technik
Schlagworte Alternative • Dummheit • Gähnen • Geburtstagskind • Kamel durchs Nadelöhr • Künstliche Intelligenz • Plastikmüll • Schnapszahl • Verrückt werden • Weltuntergang
ISBN-10 3-347-16458-X / 334716458X
ISBN-13 978-3-347-16458-1 / 9783347164581
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