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WEINKULTUR IN MÄHREN (1648-1804) (eBook)

WACHSTUM VON WEINBAU UND WEINKONSUM. DIE SPEZIFIK DER GRUNDHERRSCHAFTEN UND RESIDENZEN DER FÜRSTEN VON LIECHTENSTEIN
eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
440 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-18874-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

WEINKULTUR IN MÄHREN (1648-1804) -  Bernd Müller-Kaller
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WEINKULTUR IN MÄHREN (1648-1804) Die Dissertation beleuchtet ca. 150 Jahre Weinkultur im 17. und 18. Jahrhundert in der 'Markgraphschaft Mähren.' Das Land gehörte bis 1804 zu den Erbländern der Habsburger im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Herausragend wird durch die Quellenforschung nachgewiesen, dass es trotz der enormen Zerstörungen und großen Verluste nach dem Dreißigjährigen Krieg gelang, besonders im Zusammenhang mit der Weinkultur einen zwar differenzierten aber stetig steigenden Wohlstand herbeizuführen. Stetiges Wachstum von Weinbau, Weinproduktion, Weinhandel und Weinkonsum wurden zur Ausnahmeerscheinung, die sich wohltuend gegenüber anderen Weinbaugebieten des Reiches und Europas abhob. Das führt zu den spannenden Fragen, wie das möglich war, welche Bedingungen dafür geschaffen wurden und welche Triebkräfte dafür mobilisiert werden konnten. Die Dissertation beantwortet diese Fragen detailliert. Ein zweiter Schwerpunkt des Buches ist die hervorgehobene weinkulturelle Spezifik der Grundherrschaften und Residenzen der Fürsten von Liechtenstein. Die Fürsten hatten bekanntlich ihre größten Besitzungen in Mähren. Daraus ergeben sich auch die in der Dissertation belegte besondere Rolle und der prägende Einfluss auf die Weinkultur. Die seinerzeit bedeutendsten Schlösser und Parkanlagen in Eisgrub (heute Lednice) und Feldsberg (heute Valtice) gehören in Tschechien zum Weltkulturerbe.

Biographisches zum Autor: 1939 geb. in Schackendorf/Veilsdorf (Thüringen); 1953-56 Werkzeugmacherlehre; 1956-58 NVA (Nationale Volksarmee) der DDR; 1598-60 Abitur an der "Arbeiter- und Bauernfakultät"; 1961-65 Lehrerstudium an der Pädagogischen Hochschule Dresden, Oberstufenlehrer für Geographie und Russisch, Lehrtätigkeit an verschiedenen Schulen; 1977-83 Philosophie-Studium an der TU Dresden, Abschluss Dipl.Phil.; 1983-89 inhaftiert in der Sonderhaftanstalt des MfS Bautzen II; 1989 Übersiedlung mit der Familie in die BRD nach Stuttgart; 1989-91 tätig im Kultusministerium Baden-Württemberg; 1991-05 tätig im Sächsischen Staatsministerium für Kultus; 2003-14 Mitglied des Rundfunkrates des MDR, Mitglied im Rat der Stiftung Sächsische Gedenkstätten; Träger der Sächsischen Verfassungsmedaille; 2000-13 ehrenamtlich Vorsitzender des Landesverbandes der VOS Sachsen e.V.

Biographisches zum Autor: 1939 geb. in Schackendorf/Veilsdorf (Thüringen); 1953-56 Werkzeugmacherlehre; 1956-58 NVA (Nationale Volksarmee) der DDR; 1598-60 Abitur an der "Arbeiter- und Bauernfakultät"; 1961-65 Lehrerstudium an der Pädagogischen Hochschule Dresden, Oberstufenlehrer für Geographie und Russisch, Lehrtätigkeit an verschiedenen Schulen; 1977-83 Philosophie-Studium an der TU Dresden, Abschluss Dipl.Phil.; 1983-89 inhaftiert in der Sonderhaftanstalt des MfS Bautzen II; 1989 Übersiedlung mit der Familie in die BRD nach Stuttgart; 1989-91 tätig im Kultusministerium Baden-Württemberg; 1991-05 tätig im Sächsischen Staatsministerium für Kultus; 2003-14 Mitglied des Rundfunkrates des MDR, Mitglied im Rat der Stiftung Sächsische Gedenkstätten; Träger der Sächsischen Verfassungsmedaille; 2000-13 ehrenamtlich Vorsitzender des Landesverbandes der VOS Sachsen e.V.

II. WEINBAU

2.1 DIE NATÜRLICHEN VORAUSSETZUNGEN UND BEDINGUNGEN FÜR DEN WEINBAU IN MÄHREN

2.1.1 Räumliche Ausdehnung und Grenzen des Weinbaues

Die historischen Karten zeigen den Grenzverlauf und die wichtigsten geographischen Fakten. Mähren hatte einen Gebietsumfang von 403,77 Quadratmeilen, was 22.233 Quadratkilometern entspricht. 121 Es grenzte im Westen an Böhmen, im Norden an Schlesien, im Osten und Südosten an Ungarn und im Süden an das Erzherzogtum Österreich. Im Westen, Norden und einem größeren Teil des Ostens ist Mähren von Randgebirgen eingeschlossen: an der Westgrenze die Böhmisch-Mährische Höhe (Javorice 806 m), im Norden die Sudeten (Glatzer Schneeberg 1.417 m), dann von der Quelle der March an setzt sich das nördliche Gebirge als Schlesisches Gesenke fort, nördlich davon das Altvatergebirge mit dem Altvater (1.487 m) und der Hohen Heide (1.490 m) als höchste mährische Erhebung. Im Osten folgen die Karpaten mit ihren Verzweigungen (Beskiden mit Smrk 1.339 m und Weißes Gebirge, (Wisoka) 1.020 m). Zwischen den Flüssen Morava, Thaya und Zwittava befindet sich das isolierte Marsgebirge, das im Süden und Südwesten von einem Hügelland umsäumt wird und im Hrad 534 m erreicht. Im Südwesten davon erheben sich über dem flachen Hügelland die Pollauer Berge mit dem Maydenstein (544 m). Die fruchtbarsten Gebiete sind das Tal der Morava und die Niederungen an der Thaya sowie die Ebene der Hanna.

Das Weinbaugebiet Mährens beschränkte sich ab 1648 auf die Altkreise Brünn, Znaim und Hradisch. 122 Franz SCHAMS betont das 1835 ausdrücklich. Innerhalb der administrativen Grenzen dieser Altkreise befanden sich die einzelnen Weinbauregionen, die wiederum den damaligen Grundherrschaften und den Flurgrenzen der Weinbaugemeinden zugeordnet waren. Wenn in der Folge vom "Weinbaugebiet Mähren" gesprochen wird, werden die genannten drei Kreisgebiete bezeichnet. Weiter wird in Weinbauzentren und Weinbauregionen mit mehreren Weinbaugemeinden unterteilt und in einzelne Weinbaugemeinden mit ihren Flurgrenzen und Weinrieden. Üblicherweise wird sonst in Veröffentlichungen vom "südmährischen Weinbaugebiet" geschrieben und auch LANDSTEINER verwendet diesen Begriff in seiner Dissertation.123 Der Begriff "Südmähren" ist auch heute im Politischen ein gängiger Begriff, war aber im Untersuchungszeitraum in dieser Weise nicht im öffentlichen Sprachgebrauch und es gab administrativ und geographisch keine Abgrenzungen. Die Studie bezieht sich wesentlich auf die im Untersuchungszeitraum oben angeführten drei südlichen Altkreise.

Der klimatisch bedingte nördliche Grenzverlauf des Weinbaues jener Zeit ist in die beigefügte Karte eingezeichnet. Er beginnt im Nordwesten bei Oslavan, verläuft nördlich von Brünn über Austerlitz, Buchlowitz nach Napagedl im Osten. Die östliche Grenze von da an nach Süden reicht über Hradisch, Marzatitz, Bisenz und Strassnitz bis zur österreichischen Grenze. Westlich von Znaim hört ebenfalls der Weinbau auf. 124 Spezielle geographische und geologische Grenzverläufe und Begriffe werden noch im Folgenden dargestellt:

Die wichtigsten Regionen des mährischen Weinbaues im 17. und 18. Jahrhundert:

1. Archlebau, Scharditz, Kosteletz, Borschau, Groß Blatnitz

2. Bisenz zusammen mit den Nachbarorten Domanin, Petrov und Strassnitz

3. Nikolsburg mit den umliegenden Gemeinden

4. Znaim mit den nordöstlich, östlich und südöstlich liegenden Gemeinden

5. Die Weinbaugemeinden um die Pollauer Berge

6. Auspitz mit den Nachbargemeinden

7. Die Landeshauptstadt Brünn mit den Vororten und den Weinbau treibenden Klöstern.

Abb. 1: Mit rot vom Autor eingezeichneter westlicher, nördlicher und östlicher Grenzverlauf des mährischen Weinbaues im 17. und 18. Jahrhundert. 124 Vgl. LOTTER, Conradt: Karte Mährens aus dem Jahre 1758 mit farbig eingetragenen Kreisen. 126 1783 erfolgte eine neue Einteilung der Kreise, 1792 erneut Änderungen. 127

2.1.2 geologische und bodenkundliche sowie klimatische Grundlagen für Weinbau

Neben der topographisch-geographischen Lage der Weinberge, d. h. vor allem wegen ihrer südlichen, südwestlichen oder südöstlichen Neigung, sind die Terroireigenschaften des Bodens und des Klimas sehr wichtig. Sie werden heute im Weinbau mehr beachtet denn je. Auch im 17. Jahrhundert waren bereits aus der Erfahrung heraus die Bedingungen und Wirkungen des Bodens und des Klimas bekannt und wurden bei der Anlage und Aufrebung von Weinbergen beachtet. Bemerkenswert ist, was in der alten Fachliteratur dazu geschrieben wurde und was zum Beispiel 1629 Ernst Abraham DEHN über diese Zusammenhänge geäußert hat: ,,Boden, fein milder und geiler Sand, und etwas mit kleinen unschädlichen Steinen ist der beste Boden." Weiter schrieb DEHN: ,,im Kies aber, doch nicht im ganz rohen oder kalten Boden wird wohl harter und frischer Wein." An anderer Stelle erwähnt er noch: "Man pfleget auch das Erdreich oder Grund zu probieren, was es/(er) für Wein tragen soll." 128 DEHN, wie sicher auch anderen Weinbaufachleuten seiner Zeit war also schon bewusst, dass sich ein mit Sand und kleinen Steinen durchsetzter Boden sehr gut für den Weinbau eignet. Auch schien ihm, bevor man größere Rebpflanzungen aussetzte, wichtig gewesen zu sein, mit einigen wenigen unterschiedlichen Rebpflanzen auszuprobieren, für welche Rebart sich der gewählte Boden am besten nutzen lässt.

Zunächst wird im Folgenden ein kurzer Überblick aus dem gegenwärtigen Wissensstand über die geologischen, bodenkundlichen und klimatischen Bedingungen gegeben, um danach weiter zu hinterfragen, welche Erkenntnisse für den Weinbau im 17. und 18. Jahrhundert in Mähren genutzt wurden und aus heutiger Sicht zutrafen.

Geologischer Überblick über das Weinbaugebiet Mähren:

Stark vereinfacht kann das südliche Mähren in folgende geologische Einheiten unterteilt werden, in das Moravikum, das Brunovistulikum, das Moldaunuvikum, Weiße Karpaten, Wiener Becken, Pleistozäne und holozäne Sedimente. “Weiße Karpaten“ und “Wiener Becken“ sind nicht nur geographische, sondern auch geologische Begriffe mit typischen Sediment- und Gesteinsschichten. 129

Beim Moravikum/Brunovistulikum/Moldanuvikum handelt es sich überwiegend um metamorphe Gesteine wie Orthogneise und Paragneise, Phylite, Glimmerschiefer, Marmore, Amphibolite oder Kalksilikat-Hornfelse als Erlane. Primär sind das proterozoische und paläozoische Sedimente, Vulkanite und Plutonite, die mindestens in einem ortogenetischen Prozess gefaltet wurden. Bei Znaim (Znojmo), Trebitsch (Trebic) und Brünn (Brno) existieren in diesen kristallinen Komplexen auch Plutonite als Granitmassive, die nur geringe metamorphe Beeinflussungen aufweisen. 130

Bei den Weißen Karpaten am südöstlichen Rand Mährens handelt es sich überwiegend um marine Sedimente als Kalksteine, kalkhaltige Tonsteine, Radiolante und meist kalkhaltige Sandsteine. Diese Schichten wurden hier seit dem Mesozoikum abgelagert und später aufgefaltet. 131

Das Wiener Becken entstand im Zusammenhang mit großen tektonischen Prozessen seit der Oberkreide bzw. dem Tertiär. In diesem Becken wurden marine und limnische Sedimente als meist kalkhaltige Sande und Tone abgelagert, die den Rand des Tethis - Meeres zugeordnet werden können. Hier wurde noch bis vor wenigen Jahren bei Göding (Hodonin) Lignit unter Tage abgebaut und noch heute wird Erdöl gefördert.Pleistozäne und holozäne Sedimente finden sich zahlreich im Süden Mährens. Da es in diesem Raum in den Eiszeiten keine Vergletscherung gab, finden sich hier vor allem Löß und Lößlehme als äolische Sedimente sowie Sande, Kiese und Tone als fluviatile und limnische Ablagerungen.132 Um für ausgewählte

Weinbauregionen Mährens eine überblicksmäßige Zusammenstellung der anstehenden

Böden und Substrate geben zu können, wird eine stark vereinfachte Nomenklatur nach

Werner PÄLCHEN gewählt bei der die Angaben in den tschechischen Quellen
der CGÚ (2015) und Jiři KOZAKOV (2005) zusammengefasst wurden: 133

BRÜNN STADT: Schwarzerden auf kalkigen Tonen, Braunerden auf kristallinen

Gesteinen.

SÜDLICHER STADTRAND BRÜNN:

Schwarzerden meist auf Löß, Braunerden (Camisol) auf kristallinen Gesteinen. MÖDRITZ und RAIGERN:

Schwarzerden auf Löß, Braunerden auf fluviatilen Sedimenten (Sande und Kiese mit geringer Bodenbildung).

GROSS – SEELOWITZ: Braun - und Schwarzerden meist auf Löß, Sanden und Tonen. AUSPITZ und UMGEBUNG:

Schwarzerden und Brauerden auf kalkigem Ton - und Sandsteinen, seltener auf Löß. ZNAYM und UMGEBUNG:

Schwarzerden, selten Braunerden, meist auf quartären Sanden und Lößlehmen sowie...

Erscheint lt. Verlag 1.3.2021
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften
Technik
Schlagworte Dissertation • Geschichte • Weinkultur
ISBN-10 3-347-18874-8 / 3347188748
ISBN-13 978-3-347-18874-7 / 9783347188747
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