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Episoden einer kolonialen Gegenwart - Daniel Bendix, Chandra-Milena Danielziks, Franziska Müller, Lata Narayanaswamy, Juan Telleria, Friz Miriam Trzeciak, Aram Ziai

Episoden einer kolonialen Gegenwart

erzählt in Comics
Buch | Hardcover
104 Seiten
2026
edition assemblage (Verlag)
978-3-96042-209-9 (ISBN)
CHF 29,90 inkl. MwSt
  • Noch nicht erschienen (ca. April 2026)
  • Portofrei ab CHF 40
  • Auch auf Rechnung
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Für dieses kollaborative Comic-Projekt haben sich sieben Autor:innen und sieben Künstler:innen aus Mexiko, Namibia, China, Kanada, Indien, Deutschland und dem Baskenland zusammengetan, um der alltäglichen gegenwärtigen Kolonialität unterschiedlichster Ausprägung in Form von Comicgeschichten nachzugehen. In fünf Comic-Geschichten und vier Comic-Collagen geht es zum einen darum, den Spuren der kolonialen Vergangenheit in allen möglichen Winkeln unseres heutigen Lebens nachzuspüren und die globaler Ungleichheit innewohnende koloniale Gewalt aufzudecken. Zum anderen beleuchten die Beiträge aber auch das dekolonisierende Potenzial alltäglicher Kämpfe um Anerkennung von und Reparationen für die Auswirkungen des europäischen Kolonialismus – in all ihren Ambivalenzen und ihrer Widersprüchlichkeit. Viele der Geschichten sind inspiriert von den Familiengeschichten und aktivistischen Erfahrungen der Autor:innen, die in Graphic Novel-Stil erzählt werden. Jeder Beitrag hat ein Literaturverzeichnis, denn die kreativen Erzählungen beruhen auf wissenschaftlichen Recherchen.

Daniel Bendix ist Sozialwissenschaftler und forscht zu kolonialer Macht in der Entwicklungspolitik, reproduktiver Gesundheits- und Bevölkerungspolitik sowie Migration und Rassismus. Er wuchs in einer bürgerlichen Familie auf. Als weißer Jugendlicher wurde er in entwicklungspolitischen Kontexten sozialisiert. Viele seiner Familienmitglieder wurden in der Shoah verfolgt und ermordet. Seine Familie profitierte aber auch von Kolonialismus und Apartheid oder unterstützte diese. Geprägt von diesem familiären Hintergrund engagiert er sich gegen rassistische und kapitalistische Ungleichheit. Er ist Autor des Romans „Hotel Castoria“ (KLAK Verlag).

Chandra-Milena Danielziks Eltern sind beide nach Deutschland eingewandert, der eine aus Osteuropa, der andere aus dem globalen Süden. Sie ist die erste in ihrer Großfamilie mit einem Abitur und die erste, die an einer Universität studiert. Chandras aktivistisches und akademisches Schaffen ist geprägt von ihrem Arbeiterklasse-Hintergrund, ihren Erfahrungen mit Rassismus in Deutschland sowie ihrem jahrzehntelangen Engagement in den Bereichen soziale Ungleichheit, Migration, Rassismus, globale Klassenverhältnisse und Queerfeminismus. Sie ist seit vielen Jahren in der postkolonialen politischen Bildung tätig und beschäftigt sich derzeit mit Fragen des Rassismus in der deutschen Justiz und im deutschen Gesundheitswesen.

Franziska Müller erlebte eine behütete Kindheit, gefolgt von einer intensiven Politisierung in ihrer Jugend. Heute lehrt sie internationale Politik, Energy Governance und Postkolonialismus und versteht sich als Wissenschaftlerin/Aktivistin, die sich der Klimagerechtigkeitsbewegung und der Gruppe „kassel postkolonial“ angeschlossen hat. Ihre Familiengeschichte ist nicht nur mit dem Nationalsozialismus, sondern auch mit dem deutschen Siedlerkolonialismus verbunden, und sie erlebt hautnah, wie die deutsche Einwanderung immer noch als Suche nach Freiheit und Selbstbestimmung romantisiert wird. Als Ihre antikoloniale Spielverderberin möchte sie dieses Narrativ ändern, indem sie Geschichten wie die von Louis Hanitch und seinem Alligator „Bismarck“ sammelt.

Ohne das britische Empire würde Lata Narayanaswamy in ihrer heutigen Form schlichtweg nicht existieren: geboren und aufgewachsen im Globalen Norden (Kanada), mit familiären Wurzeln im Globalen Süden (Südasien) und heute lebend im imperialen Zentrum (Großbritannien). Sie wuchs inmitten widersprüchlicher Erfahrungen und komplexer Kenntnisse auf, die Wissenschaft, Religion, eine Vielfalt von Sprachen und das, was man allgemein als „Kultur” bezeichnet, miteinander verbanden und die alle durch eine tiefe Verflechtung mit einer gemeinsamen kolonialen Vergangenheit untermauert waren, die ständig mit der neoliberalen Gegenwart kollidierte. Diese widersprüchliche Position als Akademikerin war die Inspiration für ihre antirassistischen/feministischen/dekolonialen akademischen und aktivistischen Bemühungen, die sich darauf konzentrieren, kritisch zu hinterfragen, „wessen Wissen zählt”. Für sie ist diese Zusammenarbeit ein Versuch, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, die sie sich als westliche Frau einer „ethnischen Minderheit” in der akademischen Welt des Globalen Nordens immer wieder stellt: „Was bedeutet es, sowohl Kolonisatorin als auch Kolonisierte zu sein?”

Juan Telleria wuchs im angespannten und gewalttätigen politischen Umfeld des Baskenlandes der 1980er und 1990er Jahre auf. Schon früh verstand er, dass soziale und politische Themen komplex und vielschichtig sind, dass jede Meinung wichtig ist und dass vereinfachende Darstellungen der Realität systematisch einigen zugutekommen, während andere darunter leiden. Aus diesem Grund konzentriert sich seine Forschung heute auf die Analyse der Diskurse mächtiger internationaler Akteure, um aufzudecken, dass ihre angeblich neutralen und guten Absichten (vereinfachend) einigen zugutekommen, während andere darunter leiden.

Friz Miriam Trzeciak ist eine queere feministische Aktivistin und Soziologin. Sie wuchs in einem kleinen katholischen Dorf am Niederrhein in Deutschland zwischen Plattdeutsch und Hochdeutsch, großen Gemüsegärten und vielen seltsamen Traditionen auf. Ihre ersten Ideen zum Widerstand lernte sie von ihrem Großvater, einem Landarbeiter und Fabrikarbeiter, der ihr beibrachte, sich niemals von den Mächtigen klein machen zu lassen. Mit 13 entdeckte sie den Punk, der ihr die rebellische Hoffnung gab, dass die Zukunft anders sein könnte. Ihre politische Sozialisation wurde weitgehend von den Solidaritätsbewegungen zwischen den Zapatisten und vielen Basisgruppen in Europa und auf der ganzen Welt geprägt. Wenn sie nicht an ihrem Schreibtisch sitzt, versucht sie, gemeinsam mit vielen anderen zu den Kämpfen im Herzen des Systems beizutragen und spielt in einer queeren feministischen Punkband.

Aram Ziai Ardastaninejad wollte vor langer Zeit mal in der „Entwicklungshilfe“ arbeiten, um den Armen auf der Welt zu helfen, unberührt von kritischem Bewusstsein über koloniale Ungerechtigkeit und neokoloniale Kontinuitäten. Heute lehrt er postkoloniale Studien, globale politische Ökonomie und Entwicklungspolitik in Kassel. Zusammen mit Daniel war er Gründer der Gruppe „Kassel postkolonial”, in der er nach wie vor aktiv ist. Obwohl er in Deutschland geboren wurde und normalerweise als weiß durchgeht, wurde ihm von den Einheimischen klar gemacht, dass er nicht ganz dazugehört, und „Woher kommst du eigentlich?” war die Frage, die ihm am zweithäufigsten gestellt wurde – gleich nach „Wie geht es dir?”. Sein deutscher Großvater kämpfte im Vernichtungskrieg der Wehrmacht in Osteuropa und forderte später seine Mutter (in deutlichen und rassistischen Worten) auf, sie solle sich einen „anständigen Deutschen“ suchen, anstatt ihren iranischen Freund zu heiraten. Sie hörte nicht auf ihn.

Hannah Pöhlmann, 1990 in Berlin geboren, studierte Englisch, Spanisch und Deutsche Literatur. Sie ist Teil des solidarischen Kollektivs Planet Neun – Kommunikation in Wort und Bild, das Zusammenarbeit nach Prinzipien von Gemeinschaft, Fairness und einer werteorientierten Arbeitsweise auslegt. Sie arbeitet als Lektorin und Übersetzerin aus dem Englischen und Spanischen. Bei der Auswahl der Literatur und Texte, die sie übersetzt, legt sie Wert auf Themen und Geschichten, die gesellschaftliche Normen hinterfragen und Perspektiven marginalisierter Gruppen sichtbar machen.

Aram Ziai Ardastaninejad wollte vor langer Zeit mal in der „Entwicklungshilfe“ arbeiten, um den Armen auf der Welt zu helfen, unberührt von kritischem Bewusstsein über koloniale Ungerechtigkeit und neokoloniale Kontinuitäten. Heute lehrt er postkoloniale Studien, globale politische Ökonomie und Entwicklungspolitik in Kassel. Zusammen mit Daniel war er Gründer der Gruppe „Kassel postkolonial”, in der er nach wie vor aktiv ist. Obwohl er in Deutschland geboren wurde und normalerweise als weiß durchgeht, wurde ihm von den Einheimischen klar gemacht, dass er nicht ganz dazugehört, und „Woher kommst du eigentlich?” war die Frage, die ihm am zweithäufigsten gestellt wurde – gleich nach „Wie geht es dir?”. Sein deutscher Großvater kämpfte im Vernichtungskrieg der Wehrmacht in Osteuropa und forderte später seine Mutter (in deutlichen und rassistischen Worten) auf, sie solle sich einen „anständigen Deutschen“ suchen, anstatt ihren iranischen Freund zu heiraten. Sie hörte nicht auf ihn.

Übersetzer Hannah Pöhlmann
Zusatzinfo Erzählt in fünf farbigen Comic-Geschichten und vier Comic-Collagen, mit Zeichnungen von Hangula Werner, Roshni Vyam, Michel Esselbrügge, Qi Zhou, RotmInas – Rotmi Enciso & Ina Riaskov und Maite Mentxaka Tena
Verlagsort Münster
Sprache deutsch
Original-Titel Episodes From a Colonial Present
Maße 210 x 297 mm
Themenwelt Literatur Comic / Humor / Manga Comic
Sozialwissenschaften Soziologie
Schlagworte Antisemitismus • Dekolonialisierung • Entwicklungspolitik • epistemische Gewalt • Globalisierung • Kapitalismus • Klimakatastrophe • Kolonialismus • Migration • postkoloniale Ungleichheit • Rassismus
ISBN-10 3-96042-209-1 / 3960422091
ISBN-13 978-3-96042-209-9 / 9783960422099
Zustand Neuware
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