Ziehbrunnen Petinesca
Seiten
2007
|
1., Aufl.
rubmedia AG (Verlag)
978-3-907663-11-0 (ISBN)
rubmedia AG (Verlag)
978-3-907663-11-0 (ISBN)
Zwischen 1985 und 1992 wurden im Unterdorf von Petinesca drei Ziehbrunnen entdeckt und vollständig untersucht. Die archäologische (Rudolf Zwahlen und Susanne Frey-Kupper) und archäobiologische (Heide Hüster Plogmann, Barbara Stopp, Barbara Grundbacher, Marlies Klee, Angela Schlumbaum und Lucia Wick) Auswertung ihres Inhalts wird hier als gemeinsames Forschungsergebnis vorgelegt.
Die drei Brunnenschächte des Unterdorfs durchstossen im oberen Bereich ein mehrere Meter mächtiges Schotterpaket und dringen dann zwischen 5 m und 12 m tief in die Molasse ein. Die oberen Schachtbereiche waren in zwei Fällen mit Trockenmauerwerk und im dritten mit einem Holzkasten gesichert.
Die Entstehungszeit der einzelnen Brunnen können wir nicht eindeutig datieren. Ihre Aufgabe und Verfüllung erfolgte im 3. Jahrhundert und zwar jeweils relativ rasch (1–2 Jahre).
Die Keramik reiht sich gut in die wenigen bisher bekannten Referenzkomplexe des 3. Jahrhunderts aus dem schweizerischen Mittelland ein. Besonders deutlich zeigt sie die sich vom mittleren zum späten 3. Jahr-hundert vollziehende Entwicklung der Glanztonware.
Die Archäozoologie kann aufgrund der spezifischen Zusammensetzung der Tierreste ein bisher in Petinesca nicht erkanntes Gewerbe nachweisen: die Sämischgerberei. Die in die Auswertung miteinbezogenen
Knochenfunde aus einer Grube des 1. Jahrhunderts n. Chr. machen deutlich, dass im Unterdorf Feingerber bereits zu dieser Zeit und somit vermutlich während mehr als 200 Jahren tätig waren. Sie stellten Felle und geschmeidige Leder her. Während der Grubeninhalt aus dem 1. Jahrhundert auf das Gerben von Schafffellen hinweist, belegen die Brunnenfunde schwergewichtig die Produktion von Ziegenleder. Zusätzlich verarbeiteten die Gerber des 3. Jahrhunderts eine Vielzahl von Pelztieren – vom Fuchs über das Hermelin bis zum Maulwurf und wahrscheinlich auch Hunde. Gleichzeitig dienten die aufgelassenen Brunnen auch der Ent-sorgung von Kadavern (Pferde, Ochsen, Schweine und Hühner) und von Speiseresten (Haustiere, wenig Wild, mindere Fische).
Im Grundwasserbereich von Brunnen 1 sind Holzabfälle, tierischer Mist, Schaf- und Ziegenkoprolithen sowie zahlreiche pflanzliche Abfälle – insbesondere viele unverkohlte Samen und Früchte – erhalten
geblieben. Sie bezeugen die Tierhaltung sowie den Garten- und Ackerbau (z.B. Flaschenkürbis, Rispenhirse und Dinkel) im Vicus und seiner nahen Umgebung.
Insgesamt repräsentieren die tierischen und pflanzlichen Nahrungsmittel die Ernährungsgrundlage einer einfachen Bevölkerungsschicht und passen somit bestens zu einem Handwerkerquartier.
Die drei Brunnenschächte des Unterdorfs durchstossen im oberen Bereich ein mehrere Meter mächtiges Schotterpaket und dringen dann zwischen 5 m und 12 m tief in die Molasse ein. Die oberen Schachtbereiche waren in zwei Fällen mit Trockenmauerwerk und im dritten mit einem Holzkasten gesichert.
Die Entstehungszeit der einzelnen Brunnen können wir nicht eindeutig datieren. Ihre Aufgabe und Verfüllung erfolgte im 3. Jahrhundert und zwar jeweils relativ rasch (1–2 Jahre).
Die Keramik reiht sich gut in die wenigen bisher bekannten Referenzkomplexe des 3. Jahrhunderts aus dem schweizerischen Mittelland ein. Besonders deutlich zeigt sie die sich vom mittleren zum späten 3. Jahr-hundert vollziehende Entwicklung der Glanztonware.
Die Archäozoologie kann aufgrund der spezifischen Zusammensetzung der Tierreste ein bisher in Petinesca nicht erkanntes Gewerbe nachweisen: die Sämischgerberei. Die in die Auswertung miteinbezogenen
Knochenfunde aus einer Grube des 1. Jahrhunderts n. Chr. machen deutlich, dass im Unterdorf Feingerber bereits zu dieser Zeit und somit vermutlich während mehr als 200 Jahren tätig waren. Sie stellten Felle und geschmeidige Leder her. Während der Grubeninhalt aus dem 1. Jahrhundert auf das Gerben von Schafffellen hinweist, belegen die Brunnenfunde schwergewichtig die Produktion von Ziegenleder. Zusätzlich verarbeiteten die Gerber des 3. Jahrhunderts eine Vielzahl von Pelztieren – vom Fuchs über das Hermelin bis zum Maulwurf und wahrscheinlich auch Hunde. Gleichzeitig dienten die aufgelassenen Brunnen auch der Ent-sorgung von Kadavern (Pferde, Ochsen, Schweine und Hühner) und von Speiseresten (Haustiere, wenig Wild, mindere Fische).
Im Grundwasserbereich von Brunnen 1 sind Holzabfälle, tierischer Mist, Schaf- und Ziegenkoprolithen sowie zahlreiche pflanzliche Abfälle – insbesondere viele unverkohlte Samen und Früchte – erhalten
geblieben. Sie bezeugen die Tierhaltung sowie den Garten- und Ackerbau (z.B. Flaschenkürbis, Rispenhirse und Dinkel) im Vicus und seiner nahen Umgebung.
Insgesamt repräsentieren die tierischen und pflanzlichen Nahrungsmittel die Ernährungsgrundlage einer einfachen Bevölkerungsschicht und passen somit bestens zu einem Handwerkerquartier.
| Erscheint lt. Verlag | 1.11.2007 |
|---|---|
| Zusatzinfo | mit 3 Faltpl. ; 30 Taf. |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 210 x 297 mm |
| Gewicht | 1000 g |
| Einbandart | gebunden |
| Themenwelt | Sozialwissenschaften ► Ethnologie ► Volkskunde |
| Schlagworte | Archäologie • Hardcover, Softcover / Ethnologie/Volkskunde • HC/Ethnologie/Volkskunde • Petinesca • Vorderberg • Ziehbrunnen |
| ISBN-10 | 3-907663-11-X / 390766311X |
| ISBN-13 | 978-3-907663-11-0 / 9783907663110 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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