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Pressekriege - Dominik Geppert

Pressekriege

Öffentlichkeit und Diplomatie in den deutsch-britischen Beziehungen (1896-1912)

(Autor)

Buch | Hardcover
VIII, 490 Seiten
2007
De Gruyter Oldenbourg (Verlag)
978-3-486-58402-8 (ISBN)
CHF 69,70 inkl. MwSt
"

Dominik Geppert, Jahrgang 1970, studierte Geschichte, Philosophie und Rechtswissenschaften in Freiburg und Berlin. 1996-2000 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin tätig. Im Herbst 2000 promoviert er mit einer Arbeit über Margaret Thatcher und die Entstehung des Thatcherismus in den Jahren 1975 bis 1979. Seit November 2000 ist er am Research Fellow am Deutschen Historischen Institut in London tätig.

1;INHALT;6
2;Für Christina;9
3;Einleitung;10
4;1. Kommunikation und Aussenpolitik;38
5;2. Etablierung von Wahrnehmungsmustern: das Krügertelegramm als Medienereignis;100
6;3. Publizistische Eskalationsmechanismen in Konfliktzeiten: der Burenkrieg;134
7;4. Die Vorreiterrolle Der Richtungspresse: Die Deutsche Gefahr in den englischen Medien;188
8;5. Schreckensnachrichten mit Methode: Flottenpropaganda in Deutschland und England;242
9;6. DIE VERSTÄRKERFUNKTION DER MASSENPRESSE: DAS BEISPIEL DES NORTHCLIFFEKONZERNS;308
10;7. Versuche einer Abrüstung der Presse : die Journalistenreisen 1906 und 1907;360
11;8. Publizistische Entspannungsinitiativen nach der zweiten Marokkokrise;396
12;Die Transformation der Diplomatie durch die Massenpresse;430
13;DANK;448
14;Verzeichnis der Abbildungen;450
15;AbkürzungsVerzeichnis;452
16;Quellen;454
17;Abstract;484
18;PERSONENREGISTER;486

"Am Beispiel des britisch-deutschen Antagonismus vor dem Ersten Weltkrieg untersucht Dominik Geppert die zwischen beiden Ländern hin und her wogenden ,Pressekriege', die durch Wettbewerb, Abgrenzung, Gewalt und Feindschaft geprägt waren. Anschaulich beschreibt er nicht nur die jeweilige nationale Öffentlichkeit, sondern darüber hinaus auch deren ,mediale Interaktionen'." Gottfried Niedhart, FAZ 12.3.2008 "Eine beeindruckende Quellenkenntnis erlaubt es dem Autor, mit einer Vielzahl von Beispielen immer wieder aufflammenden medialen Missvergnügens die Rivalität zwischen der aufstrebenden Kontinentalmacht und dem Empire zu illustrieren. ... Überaus materialreich, gewähren die ,Pressekriege' nicht nur erhellende Einblicke in die unterschiedlichen Pressekulturen sowie die zunehmende diplomatische Bedeutung der sich mit Macht entwickelnden Massenmedien. Dominik Geppert beleuchtet dankenswerterweise auch jene komplexen Anziehungs- und Abstoßungsvorgänge zwischen England und Deutschland um die Jahrhundertwende, die in der historischen Betrachtung sonst meist von den Verheerungen des Ersten Weltkrieges überlagert sind." Alexander Menden, SZ 14./15.6.2008 "...ist die vorbildliche Arbeit um so erfreulicher, da sie nicht zu abenteuerlichen soziologischen oder kommunikationswissenschaftlichen Schlußfolgerungen kommt, sondern zu wissenschaftlich fundierten historischen Erkenntnissen, die auf breiter Quellenbasis angereichert mit erquicklichen Zitaten und einigen Abbildungen angenehm zu lesen ist." Martin Schramm, Historische Zeitschrift Heft 2/2008 "Mit seiner Untersuchung der Auseinandersetzungen zwischen deutscher und britischer Presse von 1896 bis 1912 schließt er eine nicht unerhebliche Lücke in der Analyse der Beziehungen zwischen beiden Staaten. [...] Eine beeindruckende Quellenkenntnis erlaubt es dem Autor, mit einer Vielzahl von Beispielen immer wieder aufflammenden medialen Missvergnügens die Rivalität zwischen der aufstrebenden Kontinentalmacht und dem Empire zu illustrieren. [...] Dominik Geppert beleuchtet dankenswerterweise auch jene komplexen Anziehungs- und Abstoßungsvorgänge zwischen England und Deutschland um die Jahrhundertwende, die in der historischen Betrachtung sonst meist von den Verheerungen des Ersten Weltkrieges überlagert sind." Alexander Menden, Süddeutsche Zeitung 14./15.06.2008 "Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn seines kulturhistorischen Ansatzes läßt alles meilenweit zurück, was bisher zu diesem Thema veröffentlicht wurde." Lothar Kettenacker, HPB, Heft 3/ 2008 "Gepperts Pressekriege sind somit kein Beitrag zur Kriegsursachenforschung, sondern eine hervorragende, international vergleichende historische Arbeit zur Rolle der Medien in der internationalen Politik vor der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts." Thomas Birkner, in: H-Soz-u-Kult "Neu an der Studie ist vor allem, dass Geppert die in der älteren Medienforschung vorherrschende Sphäre der ,nationalen Öffentlichkeit' verlässt und stattdessen ,mediale Interaktionen zwischen verschiedenen nationalen Öffentlichkeiten' in den Blick nimmt. Grundlagen der Untersuchung sind neben einschlägiger Forschungsliteratur und gedrucktem Quellenmaterial vor allem ein umfassend ausgewerteter Querschnitt wichtiger zeitgenössischer deutscher und britischer Presseorgane sowie eine beeindruckende Fülle unterschiedlichster Archivbestände bzw. Sammlungen. ... Geppert analysiert diese spannenden Prozesse eindringlich nicht nur am Beispiel bekannter Konflikte ..., er entwickelt aus souveränder Kenntnis der ... Quellen vielmehr ein dichtes und differenziertes Bild der komplexen deutsch-britischen Pressebeziehungen." Matthias Stickler, sehepunkte "Geppert hat gezeigt, dass es sich lohnt, den - internationalen - Beziehungen zwischen Politik und Öffentlichkeit weiter nachzugehen." Monika Wienfort, Neue Politische Literatur 3 (2008)

" 8. Publizistische Entspannungsinitiativen nach der zweiten Marokkokrise (S. 395-396)

If the Morocco settlement is achieved, there ought to be some serious attempt to improve press relations between England and Germany, so that the Governments might get into touch. I feel certain that the growth of armaments is becoming a positive danger to peace and established order. (Francis W. Hirst an Theodor Schiemann, 19. September 1911)

A) Kritik an Greys Geheimdiplomatie

Wie die beiden Journalistenbesuche der Jahre 1906 und 1907 als strategie publizistischer schadensbegrenzung nach der ersten Marokkokrise zu verstehen sind, so müssen die vielfältigen entspannungsinitiativen der Jahre 1911 und 1912 als reaktion auf den schrecken der zweiten Marokkokrise im sommer und herbst 1911 interpretiert werden. es war kein zufall, dass Presse und Publizistik wieder im Mittelpunkt zahlreicher dieser bemühungen standen. denn die agadirkrise hatte in den augen vieler zeitgenossen bewiesen, wie wenig geltung die überkommenen regeln der kabinettsdiplomatie für die außenpolitik der großmächte noch besaßen und wie zentral zugleich die pressepolitischen Überlegungen der außenämter in internationalen krisensituationen geworden waren.
Trotzdem reagierten die radikal-liberalen kritiker außenminister greys in england mit verzögerung auf die zweite Marokkokrise. unmittelbar nach lloyd georges rede im Mansion house hatten sie sich teils aus patriotischer loyalität zu ihrer regierung, teils mit rücksicht auf die innenpolitischen Frontverläufe, zum teil aber auch schlicht überrumpelt ruhig verhalten. Mittelfristig führte die internationale konfrontation der sommermonate jedoch zu einer verschärfung der angriffe gegen die vom außenminister verkörperte Politik der Entente mit Frankreich und russland samt ihrer Frontstellung gegen das kaiserliche deutschland.

Im Zusammenhang mit dem spannungsverhältnis zwischen diplomatie und Öffentlichkeit sind zwei aspekte dieser kritik, die in der Forderung nach dem rücktritt des außenministers gipfelte, von interesse. zum einen beinhaltete sie einen allgemeinen Protest gegen das Prinzip der geheimdiplomatie. zahlreiche britische radikal-liberale fürchteten, grey oder sein konservativer amtsvorgänger hätten ihr land in einem geheimvertrag verpflichtet, Frankreich im Falle eines deutsch-französischen krieges zu hilfe zu kommen. zum anderen setzte sich bei redakteuren der wichtigsten radikal-liberalen zeitungen und zeitschriften die Überzeugung durch, es liege nicht zuletzt an ihnen als Pressevertreter, den außenpolitischen Missständen abzuhelfen und eine annäherung an deutschland anzubahnen.

Neben der Marokkokrise verstärkten vor allem die spannungen mit dem russischen Entente-Partner in Persien den unmut der radikal-liberalen über das, was sie zunehmend lauter und schärfer als greys geheimniskrämerei"" (secrecy) brandmarkten.3 Mitte november polemisierte henry william Massingham, chefredakteur der zeitschrift The Nation, in einer artikelserie gegen our secret diplomacy"", wenige tage später folgte gardiner in der Daily News mit einer ähnlichen anklage gegen the Perils of secret diplomacy"".

Kurz zuvor hatte der cambridger orientalist und Persienfreund edward g. browne bereits in einem leserbrief an den Manchester Guardian aufgelistet, was ihm an greys außenpolitik missfiel: die wohlwollende duldung der zerstörung Marokkos und der britischen geschäftsinteressen dort, um Frankreich zufrieden zu stellen, tatenlosigkeit angesichts der vernichtung Persiens, um russland nicht zu verärgern, die entfremdung von Moslems in der ganzen welt wegen der britischen komplizenschaft mit Paris und st. Petersburg, das verschleudern nationalen Prestiges und die entwertung moralischer standards in der internationalen Politik, vor allem aber."

Erscheint lt. Verlag 3.9.2007
Reihe/Serie Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London/ Publications of the German Historical Institute London ; 64
Zusatzinfo 14 b/w ill.
Verlagsort Berlin/München/Boston
Sprache deutsch
Maße 154 x 235 mm
Gewicht 880 g
Themenwelt Geschichte Allgemeine Geschichte Neuzeit (bis 1918)
Geisteswissenschaften Geschichte Regional- / Ländergeschichte
Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung Staat / Verwaltung
Schlagworte Außenpolitik • Außenpolitik / Auswärtige Politik • Deutsch-britische Beziehungen • Deutsches Reich • Deutsches Reich 1871-1918 • Diplomatie • Geschichte • Großbritannien • Großbritannien, Geschichte • Kommunikationsgeschichte • Neuere Geschichte • Öffentlichkeit • Presse • Wilhelminische Zeit
ISBN-10 3-486-58402-2 / 3486584022
ISBN-13 978-3-486-58402-8 / 9783486584028
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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