Zur Philosophie und Politik
Meiner, F (Verlag)
978-3-7873-1255-9 (ISBN)
Die Materialien, die den Zeitraum von der Mitte des Ersten Weltkrieges (1916) bis zu Cassirers Tod (1945) umfassen, bieten u.a. Einblicke in seine Auffassung des philosophischen Staatsbegriffs, des Rechtsbegriffs, der Frage universaler oder national bedingter Geltung philosophischer Wahrheiten und in den Begriff der Demokratie. Einige Texte befassen sich mit der Verantwortung des Philosophen gegenüber antihumanistischen Bestrebungen in Wissenschaft, Kultur und Politik.
Besonders hervorzuheben sind Ausschnitte des dritten Teils der Manuskriptfassung vom 'Myth of the State', die nicht in die Veröffentlichung aufgenommen worden sind, so z.B. Passagen über Adolf Hitler, Alfred Rosenberg oder den Antisemitismus.
Ernst Cassirer wird 1874 in Breslau geboren. Er studiert Jura, Literatur und Philosophie in Berlin, wechselt aber dann nach Marburg und schließt sich der Marburger Schule des Neukantianismus an. 1899 erfolgt die Promotion mit einer Schrift über Descartes bei Paul Natorp. Nach seiner Habilitation 1906 hält Cassirer als Privatdozent Lehrveranstaltungen in Berlin und folgt dann 1919 einem Ruf an die neugegründete Universität in Hamburg. Hier kommt es zu einer außerordentlich fruchtbaren Zusammenarbeit mit der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg, in der der Grundstein für die Entwicklung seines Hauptwerkes Die Philosophie der symbolischen Formen gelegt wird. In diesem dreibändigen Werk (1923-29) wird der Entwurf einer systematischen Philosophie der Kultur unternommen. Dem Begriff der symbolischen Formen, in denen sich menschliches Erleben mit Hilfe z. B. von Sprache, Kunst, Mythen oder Wissenschaft ausdrückt, kommt dabei die Funktion zu, einen geistigen Bedeutungsgehalt mit einem sinnlichen Zeichen zu verknüpfen. Kultur ist in diesem Zusammenhang die Sinnschöpfung des Menschen durch Symbole, was dem Umstand Rechnung trägt, daß es auch primitivere Formen der Welterkenntnis gibt.1933 emigriert Ernst Cassirer über England nach Schweden und nimmt die schwedische Staatsbürgerschaft an. Acht Jahre später übersiedelt er mit seiner Frau und drei Kindern nach Amerika, wo er bis zu seinem Tod 1945 verschiedene Lehrtätigkeiten ausübt.
John Michael Krois (* 24. November 1943 in Cincinnati, Ohio; † 30. Oktober 2010 in Berlin) war ein international renommierter Cassirer-Experte. Seit 1994 lehrte er als Privatdozent (apl. Prof.) für Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. John Michael Krois promovierte 1975 an der Pennsylvania State University bei Donald Phillip Verene mit einer Dissertation über Ernst Cassirer. 1988 folgte die Habilitation an der Philipps-Universität Marburg. John M. Krois ist vor allem als Cassirer-Experte bekannt; er war einer der Hauptherausgeber der unveröffentlichten Schriften von Ernst Cassirer (Nachgelassene Manuskripte und Texte, Hamburg, Felix Meiner Verlag, 1995 ff.) Krois war Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin (1992), British Academy visiting scholar am Warburg Institute in London (1998), Yale University Beinecke Library Hermann Broch Fellow (1998), seit 2000 Honorary Research Fellow in the Centre for Intercultural Studies, University of Glasgow, und 2003/04 Ernst-Cassirer Gastprofessor am Swedish Institute for Advanced Studies. Außerdem lehrte er an der Emory University in Atlanta sowie an den Universitäten Braunschweig, Trier und Düsseldorf. Krois war zuletzt Mitherausgeber der Zeitschrift für Kulturphilosophie und seit 2008 Sprecher der DFG-Kolleg Forschergruppe Bildakt und Verkörperung.
Christian Möckel (1952-2023) lehrte als Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin. Er war Vorstandsmitglied der Ernst-Cassirer-Gesellschaft und seit 2014 Herausgeber der Ausgabe »Ernst Cassirer. Nachgelassene Manuskripte und Texte« (ECN). Als Abschluss der Ausgabe 2022 erarbeitete er ein umfassendes Gesamtregister (ECN 19) aller 18 Bände der Ausgabe.
»Diese fesselnde Publikation, die Cassirers häufig unterschätzte politische Standfestigkeit materialienreich unterstreicht, enthält auch die zum ersten Mal in deutscher Sprache publizierte Antrittsrede seiner Exilprofessur in Göteborg vom Oktober 1935. In ihr stellt er sich einer Diagnose Albert Schweitzers. Dieser, so Cassirer, erkenne, 'in unserer Kultur schwere geistige und ethische Schäden, und er wirft der zeitgenössischen Philosophie vor, dass sie diese Schäden nicht früh genug gesehen und daher nicht rechtzeitig vor ihnen gewarnt hat'.«
Die Warte / Luxemburger Wort 4.3.2010
»Dieser neunte Band verdeutlicht sehr prägnant, wie entschlossen Cassirer kulturphilosophisch ansetzt. Er geht von der Erschütterung der nationalen Identität und neuhumanistischen Kultur durch den überspannten Nationalismus und den Antisemitismus aus und sucht die normative Orientierung im Rückgang hinter die politischen Verfassungsfragen durch eine Verhältnisbestimmung von Kultur und Staat zu stärken. Der umfangreichste Text dieses Bandes dürfte hier eine kleine Sensation sein: die Erstveröffentlichung einiger unfertiger Kapital vom 'Myth of the State', die Charles W. Hendel, ein Kollege, nach Cassirers plötzlichem Tod in eigener Entscheidung ausschied. Die Hamburger Ausgabe bringt die amerikanische Buchfassung. Mit den ausgeschiedenen Kapiteln zusammengenommen kann die Diskussion nun differenzierter geführt werden. Der neunte Band ermöglicht insgesamt eine ernste Besinnung auf die nationale Problematik, die Cassirer zu seiner katholischen Revision der kulturellen Grundlagen der Humanität führte. Er ermöglicht eine entwicklungsgeschichtliche Gesamtbesinnung auf Cassirers idealistischen Grundgedanken, zeigt das Bekenntnis zum Primat der praktischen Vernunft und macht das Krisenbewußtsein von der Fragilität der nationalen Humanitätskultur deutlich, das Cassirer zum Rückgang hinter Fichtes Naturrecht auf die platonische Gerechtigkeitsidee führte. Die Edition dokumentiert den Weg zum 'Myth of the State' und macht dieses unabgeschlossene Werk als echtes Schlußwerk und Vermächtnis stark. Beilagen knapper Parallelaufzeichnungen vertiefen den Blick in die Werkstatt. Das Buch ist gut lesbar. Die wichtigsten Texte sind ausformuliert. Es verliert sich nicht in Marginalien, sondern wirft neues Licht auf die politischen Wurzeln von Cassirers Kulturphilosophie. Die Berliner Ausgabe ist sehr aufwendig. John Michael Krois und Christoph Möckel sind erfahrene Kenner.«
Philosophischer Literaturanzeiger, Bd. 61, Heft 2 (April-Juni 2008)
| Erscheint lt. Verlag | 1.5.2008 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Ernst Cassirer, Nachgelassene Manuskripte und Texte ; 9 |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 160 x 237 mm |
| Gewicht | 932 g |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften ► Philosophie ► Philosophie der Neuzeit |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung ► Politische Theorie | |
| Schlagworte | Cassirer, Ernst • Hardcover, Softcover / Philosophie/20., 21. Jahrhundert • HC/Philosophie/20., 21. Jahrhundert • Hegel, G.W.F. • Kulturphilosophie • Philosophiebegriff • Politische Philosophie |
| ISBN-10 | 3-7873-1255-2 / 3787312552 |
| ISBN-13 | 978-3-7873-1255-9 / 9783787312559 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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