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Elektriker ausbilden in Bangladesch -  Jakob Schaub

Elektriker ausbilden in Bangladesch (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
224 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-6206-0 (ISBN)
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Jakob Schaub, 1944 geboren, wuchs in bescheidenen Verhältnissen im St. Galler Rheintal auf. Nach seiner Ausbildung im Elektrizitätswerk Buchs wirkte er in dieser Firma in verschiedenen Funktionen und Arbeitsbereichen mit. Aufgrund seiner vielseitigen Tätigkeiten und Erfahrungen wurde er 1990 zum Verantwortlichen für die ganze Technik bestimmt. Bereits 1972 wurde er während eines freiwilligen Einsatzes für das Internationale Rote Kreuz in Bangladesch mit der dortigen Armut konfrontiert. Diese Eindrücke liessen ihn über Jahre hinweg nicht mehr los. Und so beschloss Jakob Schaub im Anschluss an seine Pensionierung, Nägel mit Köpfen zu machen. Für ihn war klar: Wir, die wir in einem gewissen Wohlstand leben dürfen und uns nicht um das tägliche Brot kümmern müssen, sind die Ausnahme auf dieser Welt. Diese Erkenntnis bildete den Startschuss zu einer grösseren sozialen Tätigkeit im Rahmen von Shanti-Schweiz, durch die inzwischen Hunderte von Menschen Hilfe erhalten durften.

Jakob Schaub wurde 1944 im St. Galler Rheintal geboren. Dank seiner nebenberuflichen Kenntnisse im Morsen erhielt er 1972 den Auftrag, für das IKRK in Bangladesch den Funkkontakt mit der Schweiz sicherzustellen. Das auf dieser Reise angetroffene Elend veranlasste ihn, gegen Ende seiner Berufslaufbahn einen Verein zu gründen, um den Armen vor Ort zu helfen. Über seine regelmässigen Reisen nach Bangladesch und Indien verfasste er Reiseberichte, die er nun in seinem Buch Elektriker ausbilden in Bangladesch zusammengefasst hat.

Jugendjahre


Ich wurde als dritter Nachwuchs in eine Arbeiterfamilie hineingeboren. In den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts waren in unserem Dorf die meisten Familien noch einfache Bauersleute mit eigenem Grund und Boden. Wir waren eine Grossfamilie, denn wir lebten zusammen mit den Eltern meines Vaters unter einem Dach. Mein Vater arbeitete in den vergangenen Dreissigerjahren in einem Steinbruch im Buchserberg, da es ansonsten kaum eine andere Arbeit gab. Die Arbeitslosenzahlen waren damals aufgrund einer Wirtschaftskrise sehr hoch. Erst später fand er eine für ihn passende Arbeit in einer Teppichfabrik. Er war als solcher aber immer noch eine Ausnahme in unserem Dorf, da die meisten noch von der Landwirtschaft lebten. Damals waren die Löhne gerade auch in den Fabriken für Männer wie auch für Frauen eher niedrig.

Meine älteste Schwester Rösli musste gleich nach der Primarschule als Magd auf einem Bauernhof arbeiten und somit zu unserem Lebensunterhalt beitragen. Die zweitälteste Schwester Vreni genoss hingegen das Privileg, eine kaufmännische Lehre absolvieren zu dürfen. Und die jüngste Schwester Erna gesellte sich als Nachzüglerin erst 15 Jahre später zur Familie. Sie absolvierte ihre Ausbildung in einem Modegeschäft, heiratete bereits in frühen Jahren und übte in unserem Verein Shanti-Schweiz während vieler Jahre das Amt als Kassiererin aus.

Jakob

Auf dem Kartoffelacker: meine Mutter, Schwester Vreni, Grossmutter väterlicherseits und Jakob um 1950

Als Kinder haben wir – so wie alle anderen auch – viel gespielt, uns gezankt und auch einige Streiche ausgeheckt. Damals fuhren nur ganz wenige Autos durch unser Dorf, sodass wir auf der Strasse Fussball spielen konnten. Es gab weder Fernsehen noch die heutigen Computerspiele. Dennoch kannte unsere Fantasie kaum Grenzen und so erfanden wir in der Freizeit zusammen mit den Nachbarskindern jeweils eigene Spiele. Wenn wir dann aber inmitten unserer Begeisterung von den Eltern nach Hause gerufen wurden, weil es an der Zeit war, ins Bett zu gehen, so empfanden wir dies schon fast als Strafe. Hin und wieder wurde unsere Freizeit etwas eingeschränkt, wenn wir aufgefordert wurden, auf dem Kartoffelacker zu jäten und die Schädlinge einzusammeln. Das war für uns keine beliebte Beschäftigung. Hingegen war es im Herbst kein Muss, die dürren Kartoffelstauden anzuzünden und darüber rohe Kartoffeln zu braten. Ihren angenehmen Duft und den Rauchgeschmack habe ich heute noch in der Nase.

Mein Grossvater, den ich über alles liebte und schätzte, übte im Gemeinderat das Amt eines Armenpflegers aus. Heute bezeichnet man seinen damaligen Beruf als «Sozialarbeiter.» Als Verdingkind (oder: Armeleutekind) lernte er früh die Armut und das harte Leben auf einem Bauernhof kennen. Dies und die Entbehrungen im Ersten und Zweiten Weltkrieg formten ihn zu einem sehr sozial eingestellten Menschen. Er brachte seine Familie als Schifflisticker durch und war nach dem Zusammenbruch der Stickereiindustrie gezwungen, jede ihm angebotene Arbeit anzunehmen. Im Strassenbau ertrug er aber aufgrund eines Lungenleidens den Staub nicht und musste sich deshalb eine andere Arbeit suchen. Der sozialen Missstände und der Arbeitslosigkeit wegen trat er als überzeugtes Mitglied der Sozialdemokratischen Partei bei und half mit, arme Mitbürger zu unterstützen. Als er in den Gemeinderat gewählt wurde, übertrug man ihm schliesslich das unbeliebte Amt eines Vormunds. Als solcher hatte er verschiedene Mündel zu betreuen, zum Teil echt schräge Vögel, meist aber harmlose Gesellen.

Einmal sollte er einen Arbeitsscheuen in die Justizvollzugsanstalt Realta ins bündnerische Domleschg begleiten. Doch bereits in Buchs verlor er diesen aus den Augen und verpasste prompt den Zug. Ihm blieb nichts anderes übrig, als den nächsten bis Sargans zu nehmen. Er wusste genau, wo er seinen Ausreisser zu suchen hatte: im Bahnhofbuffet! Dort sass dieser bereits vor dem zweiten grossen Bier und begrüsste meinen Grossvater mit den Worten: «So, bisch au scho do.» Nun, das Bier konnte er noch kostenlos geniessen (er hatte ja kein Geld im Sack). Danach musste er dann aber doch aufgrund eines vor einiger Zeit getätigten Diebstahls ins Gefängnis.

Mein Grossvater hatte wahrlich mit einigen ganz besonderen Gesellen zu tun. Als er einmal einen seiner Mündel, einen richtigen Vagabunden, fragte, wo er denn eigentlich übernachte, gab dieser zur Antwort: «Wie der Heiland – in allen Krippen.»3

Mein Grossvater während der Rationierung im Rathaus Buchs, 1940

Ein anderes Original, ein Gelegenheitsarbeiter und Alkoholiker, Märty mit Namen, durfte beim Pfarrer in Oberschan während einiger Tage das Holz spalten. Jeden Tag brachte ihm die Magd Wurst und Brot sowie einen Schnaps zum Znüni. Eines Tages vergass sie jedoch, ihm seinen Vormittagsimbiss zu bringen. Plötzlich hörte der Pfarrer, wie draussen jemand lärmte. Als er zum Fenster hinausschaute, war ausser dem Märty jedoch weit und breit niemand zu sehen. «Was ist denn los, Märty, warum schreist du denn so?» Ja, es sei gerade eine Frau vorbeigegangen und habe ihn gefragt, ob er schon sein Znüni gehabt habe. «Das geht die doch nichts an!», grinste er dem Pfarrer entgegen. – Einige Minuten später hatte er seinen gewünschten Imbiss – inklusive des dazugehörenden Schnapses.

Mein Grossvater ermutigte mich jeweils auch, wenn wieder ein neues Schuljahr begann. Wenn ich nur noch die sprichwörtliche Wand vor mir sah, meinte er kurz und treffend: «Aller Anfang ist schwer.» Wie recht er doch hatte! Jeder Mensch muss im Laufe seines Lebens einige Male neu anfangen.

Ebenfalls eine Form der Schule, die es heute nur noch ganz selten gibt, war damals die Sonntagsschule. Dort gab es immer wieder biblische Geschichten zu hören, die mich berührten. Aber auch die einzelnen Berichte von Missionaren faszinierten mich. Wenn wir dann jeweils gegen Schluss der Stunde unser Zwanzigrappenstück dem nickenden dunklen Männlein spenden durften, so war auch für uns Kinder klar, dass wir jetzt eine gute Tat vollbracht hatten.

Im gleichen Gebäude, in dem früher der Kindergarten untergebracht war, führte Herr Blöchliger von der Heilsarmee in einer Jugendstunde einen Stummfilm vor, natürlich in Schwarzweiß. Wir glaubten fast an Zauberei, als wir sahen, wie die auf die Leinwand projizierten Bilder plötzlich lebendig wurden. Blätter und Sträucher bewegten und wiegten sich im Wind und Vögel flatterten plötzlich auf und davon. Wäre da nicht das laute Rattern des Filmprojektors gewesen, hätte man wohl eine Stecknadel fallen hören können. Wir waren alle wie gebannt.

Herr Blöchliger war nicht nur ein guter Unterhalter, sondern auch ein begnadeter Kunstmaler. Beim Hauseingang hing ein Bild von ihm, das ich heute noch – viele Jahrzehnte später – in lebhafter Erinnerung habe. Dargestellt war in ausdrucksvollen Farben ein Segelschiff auf stürmischer See mit dem kurzen Reim: «Wenn des Lebens Stürme toben, richte deinen Blick nach oben.»

In der Kindheit war ich eher ein Einzelgänger und fertigte gerne Sachen an, deren Bastelanleitungen ich in Zeitschriften entdeckte. So baute ich ein funktionierendes Grammophon, bestehend aus einem drehbaren Holzteller und einem «Zündholzschächteli» mit einer Nadel als Tonabnehmer. Beim Drehen ertönte tatsächlich Musik, natürlich in jämmerlicher Qualität. Als ein Nachbar das sah, staunte er nicht schlecht und meinte, dass sollte man dem «Gelben Heft», einer Zeitschrift, die in fast jedem Haushalt anzutreffen war, mitteilen. Dazu ist es aber nicht gekommen. Wenn ich heute über meine Jugendzeit nachdenke, so erinnere ich mich auch an die seinerzeitigen Besuche von Hausierern. Unter diesen gab es nicht wenige Originale, so wie beispielsweise das «Chellawiibli», welches geschnitzte Küchenutensilien aus ihrem Rucksack anbot. Ein besonders urwüchsiger und bodenständiger Mann war auch der «Zündhölzlimaa» mit seinen riesigen Ohrläppchen. Vor diesem hatte ich als kleiner Junge immer eine panische Angst und verkroch mich jeweils unter dem Sofa, wenn er zu uns auf Besuch kam. In lebhafter Erinnerung ist mir aber auch das «Wurscht-Bethli» geblieben. Diese Frau verteilte jeweils Tag für Tag die bestellten Fleischwaren einer Metzgerei und rauchte dabei immer dicke Toscani-Zigarren. Fahrradfahren konnte sie nicht. Sie stiess deshalb den Anhänger immer vor sich her und qualmte dabei ihre geliebten «Stumpen.»

Meine Mutter hatte Mitleid mit diesen «fahrenden Händlern», die ohne spezielle Bewilligungen ihre Geschäfte machten, und kaufte ihnen gerne hin und wieder etwas ab. Als diese «Lebenskünstler» verstarben, ging in unserer Kultur doch einiges verloren. Diese speziellen Erdenbürger wurden durch Krawatten tragende Handelsvertreter ersetzt, die längst nicht mehr so viel Farbe ins Leben brachten wie die seinerzeitigen Dorforiginale. Nun boten gewiefte Verkäufer Radiogeräte und Staubsauger an und hauten mit zum Teil teuren Fantasiepreisen da und dort die Leute...

Erscheint lt. Verlag 16.5.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
ISBN-10 3-7693-6206-3 / 3769362063
ISBN-13 978-3-7693-6206-0 / 9783769362060
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