Resiliente Dienstpläne für Kindertagesstätten (eBook)
80 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-3463-0 (ISBN)
Henrike Holz, Jahrgang 1970, ist eine erfahrene Expertin für frühkindliche Bildung und Kita-Organisation. Mit über 28 Jahren Erfahrung als Kita-Leiterin hat sie sich als Referentin, Beraterin und Autorin etabliert. Holz engagiert sich für innovative Konzepte in der Kindertagesbetreuung, was durch ihre Teilnahme an wichtigen Fachveranstaltungen und Auszeichnungen belegt wird. "Resiliente Dienstpläne für Kindertagesstätten" bietet praxisnahe Lösungen für aktuelle Herausforderungen in Kitas.
3. Der Dienstplan: Schlüssel zur erfolgreichen Kita-Organisation
Überlegen wir zunächst rein sachlich, was ein Dienstplan überhaupt ist.
Ein Dienstplan ist ein Plan, der die Arbeitszeiten für Mitarbeiter in einer Organisation, wie zum Beispiel einer Kindertagesstätte, festlegt. Er ist ein wichtiges Instrument, um sicherzustellen, dass es ausreichend Personal gibt, um den Bedürfnissen der Organisation und ihrer Kunden gerecht zu werden. Ein guter Dienstplan sollte die Bedürfnisse der Mitarbeiter, der Organisation und ihrer Kunden (hier Kinder und Eltern) berücksichtigen. Er sollte flexibel genug sein, um Änderungen in den Personalbedürfnissen zu berücksichtigen, und regelmäßig überprüft und aktualisiert werden, um sicherzustellen, dass er effektiv bleibt. Er ist ein organisatorisches Instrument, das dazu dient, die Arbeitszeiten und Aufgaben der Mitarbeiter in einer Organisation, einem Unternehmen oder einer Einrichtung zu planen und zu koordinieren. Er bietet eine strukturierte Übersicht über die geplanten Einsatzzeiten und Zuständigkeiten für jeden einzelnen Mitarbeiter.
Der Dienstplan ist von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass eine angemessene Anzahl von Mitarbeitern zur Verfügung steht, um die betrieblichen Anforderungen zu erfüllen und einen reibungslosen Ablauf der Arbeitsprozesse zu gewährleisten. Qualitäten in der pädagogischen Arbeit sollen abgesichert sein. Er hilft auch, potenzielle Engpässe oder Unterbesetzungen zu identifizieren, und ermöglicht eine optimale Verteilung der Arbeitsbelastung.
Unter einem Dienstplan verstehen wir also sicherlich nicht nur eine Zusammenstellung von Anfangs- und Endzeiten der Mitarbeiter. Der Dienstplan kann ohne Untertreibung als »Motor der Kindertagesstätte« bezeichnet werden.
3.1. Der Motor der Kita ist der Dienstplan
Der Dienstplan ist die entscheidende Schaltstelle in der Kita und hat damit eine zentrale Bedeutung. Er regelt die Verteilung der Arbeitszeiten und Zuständigkeiten im Kita-Alltag. Damit kann er als Motor für Kindertagesstätten beschrieben werden und hat auf diese Weise eine zentrale Bedeutung. Man muss sich nur vorstellen, was passiert, wenn man einen Motor für einen Kleinwagen in einen Ferrari einbaut. Ein schlechter Dienstplan kann zu Unzufriedenheit, Stress, gesundheitlichen Problemen und Qualitätsmängeln in der Betreuung führen.
Ein gut durchdachter Dienstplan trägt jedoch maßgeblich dazu bei, dass die Mitarbeiter zufrieden sind, die Betreuungsqualität hoch ist und die Organisation reibungslos funktioniert. War der Dienstplan früher, soweit es überhaupt einen gab, ein starres Konstrukt mit teilweise verschrobenen Konstruktionen und Sonderregelungen, muss ein moderner Dienstplan flexibel sein, alle Zeiten des Schichtbetriebes abdecken und auch bei kleinen Notsituationen funktionieren. Insbesondere bei personellen Engpässen ist ein gut durchdachter Dienstplan unerlässlich, um eine gute Qualität in der Erziehungs-, Bildungs-und Betreuungsarbeit zu gewährleisten. Es ist wichtig, dass der Dienstplan regelmäßig überprüft und angepasst wird, um sicherzustellen, dass er den aktuellen Anforderungen entspricht. Dabei sollten auch die Arbeitsabsprachen und Verträge kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass sie noch zeitgemäß sind und den aktuellen Anforderungen entsprechen. Eine offene Kommunikation im Team und mit den Eltern ist dabei ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
3.2. Ziele des Dienstplans in der Kita
Im Zentrum der Neuausrichtung von Dienstplänen in Kindertagesstätten steht der Betreuungsbedarf. Er richtet sich an den tatsächlichen Anwesenheitszeiten der Kinder und an den pädagogischen Erfordernissen aus. Wenn es Zeiten gibt, in denen zu viele Pädagogen mit zu wenigen Kindern arbeiten, gibt es zwangsläufig auch immer wieder Zeiten, in denen zu wenige Pädagogen mit zu vielen Kindern arbeiten (siehe Abb. 3).
Ziel muss also sein, die richtigen Mitarbeiter mit den richtigen Qualifikationen zur richtigen Zeit an den richtigen Orten zu haben.
Durch ein optimiertes, ganzheitliches Belegschaftsmanagement kann langfristig sowohl die Personalsituation deutlich verbessert, wie auch die Mitarbeiterzufriedenheit gesteigert werden. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist wichtig, aber im Zweifelsfall kommt das Betriebsinteresse vor dem Mitarbeiterinteresse. Fachliche Aspekte stehen in der Dienstplangestaltung vor persönlichen Vorlieben.
3.3. Was muss ein guter Dienstplan anzeigen?
Die Erstellung eines Dienstplans berücksichtigt verschiedene Faktoren, wie z. B. die Verfügbarkeit der Mitarbeiter, ihre Qualifikationen und spezifischen Aufgabenbereiche, gesetzliche Arbeitszeitvorschriften, Kundenbedürfnisse und Arbeitsbelastung. Ein gut geplanter Dienstplan ermöglicht eine effiziente Arbeitsorganisation, optimale Arbeitsauslastung und eine gleichmäßige Verteilung der Arbeitszeiten unter den Mitarbeitern.
Auf einen Blick sollte im Dienstplan zu erkennen sein, wer zu welcher Uhrzeit, in welchem Raum, wie lange mit welcher Aufgabe betreut ist.
Folgende Dienste sollen im Dienstplan klar definiert werden:
- Arbeitsbeginn
- Arbeitsende
- Arbeit mit den Kindern, in welcher Altersstruktur
- Arbeitsbereich (Raum, Gruppe, Projekt …)
- Zusammenarbeit mit anderen Kollegen
- Verfügungszeiten
- Pause
- Praxisanleiterzeit
- Leitungszeit
- Stellvertretende Leitungszeit
- Sonderdienste wie z. B. Sicherheitsbeauftragter
- Mittagessen
- Schlafenszeit
- Welche Räume sind wann und wie lange geöffnet?
- Frühgruppen, Spätgruppe, Kernzeit
- Wer ist wann nicht anwesend?
- Wer übernimmt die Vertretung?
- Das durchschnittliche Besucherverhalten der Kinder in fünfzehn Minuten eingeteilt
Warum ist die Fünfzehn-Minuten-Regelung wichtig?
Wenn in einer Kindertagesstätte nur fünfzehn Minuten Arbeitszeit pro Arbeitstag eingespart werden können, bedeutet dies bei 240 Öffnungstagen sechzig gewonnene Stunden pro Jahr. Diese errungene Zeit kann genutzt werden, um die Qualität der pädagogischen Arbeit zu verbessern. Freiwerdende Zeiten werden in Qualitätszeiten umgewandelt.
3.4. Was beeinflusst den Dienstplan?
Die Erstellung eines effektiven und resilienten Dienstplans in einer Kindertagesstätte erfordert die Berücksichtigung verschiedener Faktoren, die sich direkt auf die Qualität der pädagogischen Arbeit und das Wohlbefinden aller Beteiligten auswirken. In den folgenden Punkten werden wir die wesentlichen Aspekte betrachten, die bei der Dienstplangestaltung eine zentrale Rolle spielen. Diese Faktoren reichen von gesetzlichen Vorgaben über die Bedürfnisse der Kinder bis hin zu den Kompetenzen der Mitarbeiter. Indem wir diese Elemente sorgfältig in unsere Planung einbeziehen, können wir einen Dienstplan entwickeln, der flexibel auf die Herausforderungen des Kita-Alltags reagiert und gleichzeitig eine hohe pädagogische Qualität gewährleistet. Lass uns nun diese wichtigen Einflussfaktoren im Detail betrachten.
3.4.1. Besucherverhalten der Kinder
Der Dienstplan in einer Kindertagesstätte wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Einer der ausschlaggebendsten Faktoren ist das Besucherverhalten der Kinder. Es ist wichtig, die Anzahl der Kinder, die die Einrichtung zu verschiedenen Zeiten besuchen, zu analysieren, immer wieder zu überprüfen und dann zu berücksichtigen. Am Besucherverhalten der Kinder muss sich das einzusetzende Personal orientieren. Hier ist es wichtig zu erkennen, wer mit welcher Qualifikation was zu welcher Zeit übernehmen kann.
Praxisbeispiel:
Eine dreigruppige Kita öffnet um 7:00 Uhr. Um diese Uhrzeit stehen in der Regel vier Kinder vor der Türe. Die nächsten vier Kinder kommen zwischen 7:15 Uhr und 7:30 Uhr. Ab 8:30 Uhr kommen ca. dreißig Kinder auf einmal. Um 9:00 Uhr sind in der Regel siebzig Kinder anwesend.
Aufgrund des Besucherverhaltens der Kinder wird deutlich, dass die Morgenzeit mit wenig Personal abgedeckt werden kann. Zur Hauptstoßzeit muss entsprechend den Kinderzahlen mehr Personal vorgehalten werden.
3.4.2. Öffnungszeiten
Die Öffnungszeiten von Kindertagesstätten sind ein zentraler Aspekt der Betreuungsqualität und haben weitreichende Auswirkungen auf die Arbeitsorganisation des pädagogischen Personals sowie auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Eltern. Sie bestimmen nicht nur den Rahmen der direkten Kinderbetreuung, sondern auch das Zeitfenster für notwendige Vor- und Nachbereitungsarbeiten. Der bundesweit im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) verankerte Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz bildet die Grundlage für die Gestaltung der Öffnungszeiten. Dieser Anspruch besteht für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr und ist unabhängig von der Beschäftigungssituation oder den Einkommensverhältnissen der Eltern. Die gesetzlich festgelegte Mindestbetreuungszeit von 20 Wochenstunden...
| Erscheint lt. Verlag | 13.1.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sozialwissenschaften ► Pädagogik |
| ISBN-10 | 3-7693-3463-9 / 3769334639 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-3463-0 / 9783769334630 |
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