Konstruktion und Wirkungsmacht von professionellen Selbstverständnissen (eBook)
XXIII, 541 Seiten
Springer VS (Verlag)
978-3-658-46458-5 (ISBN)
Kanonische Studien im Professionalisierungsdiskurs der Sozialen Arbeit legen den Schluss nahe, dass nicht vorausgesetzt werden kann, dass Hochschulabsolvent*innen einschlägiger Fachstudiengänge der Sozialen Arbeit die Entwicklung von Professionalität per se als sinnhaftes berufliches Entwicklungsziel für sich akzeptieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass Professionalität für Praktiker*innen per se kein relevantes Thema darstellt. Anzunehmen ist eher, dass Professionalität für sie mit spezifischen Relevanzen besetzt ist. Der Autor rekonstruiert in dieser qualitativen Studie mit einer Triangulation von zwei hermeneutischen Methoden, wie Praktiker*innen der Sozialen Arbeit ihr professionelles Selbstverständnis als subjektive Vorstellungen von Professionalität narrativ konstruieren. Das Interesse der Studie gilt darüber hinaus der Frage, welche bildhaften Sinnstiftungsmuster diese Konstruktion sinnhaft anleiten. Der Blick auf professionelle Selbstverständnisse als Sinnkonstruktionen und Ordnungsleistungen des Individuums schärft den Blick dafür, unter welchen Bedingungen Professionalität für Praktiker*innen der Sozialen Arbeit zu einem sinnstiftenden Projekt wird, in das es sich in Form von Zeit, Energie, Fortbildung, Reflexion, etc. zu investieren lohnt. Die Arbeit elaboriert den Begriff des professionellen Selbstverständnisses als analytisches Konzept für den Professionalisierungsdiskurs Sozialer Arbeit.
Geleitwort 5
Literatur 8
Danksagung 9
Inhaltsverzeichnis 11
Abkürzungsverzeichnis 18
Abbildungsverzeichnis 20
1 Einleitung 23
1.1 Problemstellung: Professionelles Selbstverständnis als terminologisch-unscharfer Begriff 25
1.2 Ein sensibilisierendes Konzept erleichtert den Einstieg: Professionelle Selbstverständnisse als subjektive Vorstellungen von Professionalität 26
1.3 Begriffliche Präzisierung anhand des Erkenntnisinteresses: Identität oder Selbstverständnis? 28
1.4 Zur Fragestellung der vorliegenden Arbeit 30
1.5 Argumentationsgang und Aufbau der Arbeit 31
2 Forschungs- und Diskussionsstand: professionelles Selbstverständnis als diffuser Begriff in der qualitativ-empirischen Professionalisierungsdiskussion Sozialer Arbeit 36
2.1 Professionelles Selbstverständnis als das (professionspolitische) Bewusstsein, Angehörige*r einer Profession zu sein (Nadai, Sommerfeld et al.) 41
2.2 Professionelles Selbstverständnis als berufspraktischer Umgang mit disziplinären und fachlichen Inhalten der Profession (Ackermann & Seeck 1999 u. a.)
2.3 Ein theoretisch informierter Selbstverständnis-Begriff, um die Verknüpfung von beruflichen Selbstverständnissen und beruflichen Handlungsmodellen zu rekonstruieren (Heiner 2004) 58
2.4 Thematisierungsaktivitäten als analytischer Zugang zur Plausibilisierung von Studienwahlmotiven (Schallberger & Schwendener 2008)
2.5 Biographische Erzählungen als Verknüpfung von Lebenserfahrung und Professionalitätsvorstellungen (Daigler 2008) 73
2.6 Metaphernanalytische Arbeiten zum professionellen Selbstverständnis und zur Konstruktion von professionellem Selbstverständnis 81
2.6.1 Professionelle Selbstverständnisse als diffuses Element von metaphorischen Szenarien (Gräber 2020) 83
2.6.2 Metaphorische Konzepte als latente Sinnstrukturen, die berufliches Handeln vorprägen (Schmitt 1995, 2017b) 92
2.6.3 Eine zentrale Metaphorik als Grundlage von professionellem Selbstverständnis? (Schütz 2019) 96
2.7 Zusammenführung & Bestimmung des Forschungsdesiderats
2.8 Ausleitung 113
3 Theoretische Konzeptualisierung I: die Konstruktion von professionellen Selbstverständnissen als narrative Identität 116
3.1 Narrative Identität in Life Stories (Michael Bamberg) 117
3.2 Kritische Würdigung der Arbeiten von Michael Bamberg: Konstruktion von professionellem Selbstverständnis als narrative Identität 128
3.3 Konzeptionelle Erweiterung: der Ansatz der Rekonstruktion narrativer Identität nach Lucius-Hoene & Deppermann (2004)
3.4 Kritische Würdigung des Ansatzes der Rekonstruktion narrativer Identität: Biographische Konstruktion von Selbstverständnissen bei beziehungslosem Erzählen? 138
3.5 Die Konstruktion von professionellen Selbstverständnissen als narrative Identität: Bestandsaufnahme der 1. theoretischen Konzeptualisierung 140
4 Theoretische Konzeptualisierung II: das Rekurrieren auf latente Sinnstiftungsmuster als metaphorische Strukturierung 145
4.1 Grundannahmen der kognitiven Metapherntheorie 147
4.2 Zentrale Begriffe der kognitiven Metapherntheorie: Metapher – metaphorische Strukturierung – metaphorisches Konzept – bildgebende Schemata 149
4.3 Kritische Würdigung der kognitiven Metapherntheorie nach Lakoff und Johnson 154
4.4 Das Rekurrieren auf latente Sinnstiftungsmuster als metaphorische Strukturierungen: Bestandsaufnahme der 2. theoretischen Konzeptualisierung 156
5 Methodologie 158
5.1 Methodologische Herausforderungen 158
5.2 Qualitative Forschungsansätze als Ansatz für die Rekonstruktion von Sinnstiftungsakten und -mustern 164
5.3 Die autobiographische Stegreiferzählung als analytisches Medium 176
5.4 Vergleich der Erzählbegriffe von Biographieforschung und Rekonstruktion narrativer Identität 178
5.4.1 Zum Erzählbegriff der Biographieforschung 178
5.4.2 Zum Erzählbegriff des Ansatzes der Rekonstruktion narrativer Identität 186
5.5 Zur methodologischen Verknüpfung der Analysen von narrativen Identitäten und Metaphern 189
5.6 Triangulation als Modus der Verknüpfung von Rekonstruktion narrativer Identität und Metaphernanalyse 195
6 Forschungsdesign 197
6.1 Zusammenschau: Stand der Argumentation 197
6.2 Analysedimensionen und Analysefragen 199
6.3 Datenerhebungsverfahren 200
6.3.1 Begründung der Auswahl des narrativen Interviews als geeignetes Datenerhebungsverfahren 200
6.3.2 Darstellung der Datenerhebungsmethode: das narrative Interview 202
6.3.3 Zum Problem eines Interviewstils, der sensibel für die Metaphoriken der Forscher*innen ist 206
6.4 Datenauswertungsverfahren 211
6.4.1 Darstellung des Forschungsansatzes der Rekonstruktion narrativer Identität als 1. Auswertungsverfahren 212
6.4.2 Darstellung der systematischen Metaphernanalyse als 2. Auswertungsverfahren 219
6.5 Samplebildung 224
6.5.1 Theoretisches Sampling als Ausgangsüberlegung 224
6.5.2 Theoretische Samplebildung als sukzessive Samplebildung entlang von theoretisch relevanten Eckfällen 226
6.6 Datenschutzkonzept 227
6.7 Transkription 227
7 Tatsächlicher Verlauf der Untersuchung 229
7.1 Zur Konstruktion des Erzählstimulus 230
7.2 Grundsätzliche Überlegungen zur Samplebildung der vorliegenden Arbeit 232
7.2.1 Entscheidung für hermeneutische Detailanalysen anhand einer bewusst klein gehaltenen Fallzahl 233
7.2.2 Handlungs- bzw. arbeitsfeldbezogene oder feldunspezifische Datenerhebung? 233
7.2.3 Rekrutierungskriterien in der Samplebildung 235
7.2.4 Zum Problem der theoretischen Sättigung bei Samples mit geringen Eckfallzahlen 235
7.3 Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf den Forschungsprozess 236
7.3.1 Datenerhebung in Form von narrativen Online-Interviews 237
7.3.2 Feldzugang & Samplingprozess unter den Bedingungen der Coronavirus-Pandemie
7.4 Zum Umgang mit Interviewfehlern und (vermeintlich) ‚gescheiterten‘ Interviews 244
7.4.1 Grundsätzlicher Umgang mit Interviewfehlern im Rahmen der vorliegenden Arbeit 244
7.4.2 Auswertung von methodisch gescheiterten Interviews als Ausgangspunkt zur Weiterentwicklung des Analysefokus 245
8 Ergebnisdarstellung 246
8.1 Zum Aufbau der Ergebnisdarstellung: kommunikative Strategien & latente Sinnstiftungsmuster in der Konstruktion von professionellen Selbstverständnissen
8.2 Die Eckfälle des Samples: biographische Stationen, Aufbau der Haupterzählungen und Erkenntniswert der jeweiligen Interviews 250
8.2.1 Eckfall 1: Das Interview „So ähnlich“ 250
8.2.2 Eckfall 2: Das Interview „Dran sein“ 265
8.2.3 Eckfall 3: Das Interview „Mein Weg“ 286
8.2.4 Zwischenfazit: von der fallbezogenen Betrachtung theoretisch relevanter Eckfälle zur fallübergreifenden Analyse von sprachlich-kommunikativen Strategien der Konstruktion von professionellem Selbstverständnis 294
8.3 Kommunikative Strategien in der Konstruktion von professionellem Selbstverständnis 296
8.3.1 Implizite Thematisierung von Professionalitätsvorstellungen im Medium von Hilfeverständnissen 298
8.3.2 Explizite Thematisierung von Professionalitätsvorstellungen 327
8.3.3 Futuring als kommunikative Strategie, um professionelle Selbstverständnisse in die Zukunft zu konstruieren 341
8.3.4 Inszenierung einer Wendepunkt-Erfahrung als Grundlage für die Konstruktion eines professionellen Selbstverständnisses 380
8.3.5 Antizipation von (vermeintlichen) Erwartungshaltungen 387
8.3.6 Thematisierungsregeln als kommunikative Strategie, die einen kohärenten Selbstentwurf in der Konstruktion von professionellem Selbstverständnis zu ermöglichen 395
8.3.7 Konstruktion einer Kontrastfolie, um spezifische Aspekte des professionellen Selbstverständnisses zu schärfen 401
8.3.8 Thematisierungsregeln als kommunikative Strategien, die die Konstruktion einer systematischen Kontrastfolie ermöglichen 405
8.3.9 Konstruktion von ‚langen Linien‘ in der Entwicklung von Professionalitätsvorstellungen 416
8.4 Latente Sinnstiftungsmuster, auf die Praktiker*innen in der Konstruktion von professionellem Selbstverständnis rekurrieren 422
8.4.1 Agency als Heuristik zur Interpretation von metaphernanalytischen Befunden 424
8.4.2 Aber doch nicht, „weil ma DRAN ist“: In Kämpfen um die Deutungshoheit über die legitime Metaphorisierung eines identitätsrelevanten Zielbereichs werden Implikationen und blinde Flecken latenter Sinnstiftungsmuster deutlich 430
8.4.3 „wenn die Familie mitarbeitet“ – das Futuring des IP basiert auf verletzten Implikationen wirkmächtiger Sinnstiftungsmuster, auf die er zur Deutung seiner Klientel rekurriert 472
9 Zusammenfassung der Arbeit und Konsequenzen für den Professionalisierungsdiskurs der Sozialen Arbeit 505
9.1 Zusammenfassung 505
9.2 Ertrag der Arbeit & Konsequenzen für den Professionalisierungsdiskurs der Sozialen Arbeit
9.2.1 Welche Herausforderungen ergeben sich aus der expliziten und impliziten Thematisierbarkeit von Professionalität für die Anleitung und Begleitung von Professionalisierungsprozessen? 513
9.2.2 Wie wirken sich professionelle Selbstverständnisse auf die Berufspraxis aus und inwiefern kann ein Bewusstsein für sie berufliche Weiterentwicklung ermöglichen? 516
9.2.3 Welche Bedeutung haben Kontrastfolien für professionelle Selbstverständnisse? 518
9.2.4 Wie kann eine Sensibilität für Thematisierungsregeln Lehrenden dabei helfen, die Motive ihrer Studierenden nachzuvollziehen? 520
9.2.5 Wie ‚stabil‘ sind professionelle Selbstverständnisse im Zeitverlauf? 521
9.2.6 Welche Themen sind mit Professionalität außerdem verknüpft und welche Implikationen für die weitere Ausgestaltung des eigenen beruflichen Werdegangs ergeben sich daraus? 525
10 Fazit 528
Literatur 530
| Erscheint lt. Verlag | 31.10.2024 |
|---|---|
| Zusatzinfo | XXIII, 526 S. 38 Abb. |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sozialwissenschaften ► Pädagogik ► Sozialpädagogik |
| Sozialwissenschaften ► Soziologie | |
| Schlagworte | Metaphernanalyse • Narrative Identität • Professionalisierung • Professionelles Selbstverständnis • Soziale Arbeit • Triangulation |
| ISBN-10 | 3-658-46458-5 / 3658464585 |
| ISBN-13 | 978-3-658-46458-5 / 9783658464585 |
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