Neue Wege für die Liebe: Wenn Mama und Papa streiten (eBook)
168 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-384-24507-6 (ISBN)
Bella Leisten ist systemische Therapeutin und arbeitet seit 2008 gemeinsam mit ihrem Mann Chrisch Leisten psychotherapeutisch mit Einzelpersonen und Paaren. In ihrer Buchreihe »Neue Wege für die Liebe« teilen sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen aus der vielfältigen Arbeit mit Liebespaaren.
Bella Leisten ist systemische Therapeutin und arbeitet seit 2008 gemeinsam mit ihrem Mann Chrisch Leisten psychotherapeutisch mit Einzelpersonen und Paaren. In ihrer Buchreihe »Neue Wege für die Liebe« teilen sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen aus der vielfältigen Arbeit mit Liebespaaren.Chrisch Leisten ist systemischer Therapeut und arbeitet seit 2008 gemeinsam mit seiner Frau Bella Leisten psychotherapeutisch mit Einzelpersonen und Paaren. In ihrer Buchreihe »Neue Wege für die Liebe« teilen sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen aus der vielfältigen Arbeit mit Liebespaaren.
Dunkle Wolken am Beziehungshimmel
Johanna seufzt und öffnet die Waschmaschine. Sie greift mit einer Hand in die Kleidung und flucht. Die Wäsche ist noch nass, schon wieder nicht richtig geschleudert, also noch einmal. Ärgerlich schmeißt sie die Tür zu, wählt das Schleuderprogramm und dreht sich um. Sie stemmt die Hände in die Hüften und lauscht.
Es ist verdächtig still im Haus, keine Kinder zu hören. Alarmiert steigt sie die Kellertreppe hinauf und sieht sich in der Küche um. Weder Anika noch Tom sind zu sehen, obwohl sie die beiden nur eben kurz in der Küche mit dem Abendbrot allein gelassen hat.
Anstatt die Kinder zu suchen, setzt sie sich an den Tisch. Erschöpft lässt sie die Schultern fallen und ihre Augen füllen sich mit Tränen. Nach einigen Minuten sind Geräusche an der Haustür zu hören, Mark kommt nach Hause, wie immer viel zu spät.
»Hallo, ich bin wieder da, wo seid ihr?!«
Stille. Johanna bleibt sitzen und starrt auf den Küchentisch, kein Impuls irgendetwas zu tun. Nach einigen Augenblicken kommt Mark in die Küche. Er sieht sich um, beißt sich auf die Unterlippe und begrüßt Johanna.
»Hey Schatz, ich bin wieder da … Wo sind die Kinder?« Johanna blickt auf und sieht ihm ausdruckslos in die Augen.
»Keine Ahnung ...«
»Wie? Keine Ahnung … Ich meine …«
»Ich war kurz Wäsche machen, komme zurück, Kinder nicht mehr am Tisch. Geh du sie doch suchen …«
Mark zieht die Augenbrauen hoch und atmet laut durch die Nase ein. Er dreht sich um und murmelt: »Wie immer tolle Begrüßung. Dann gehe ich mal.«
Über ihnen ist ein dumpfes Geräusch zu hören, dann ein weinendes Kind. Mark bleibt kurz stehen, dreht sich um und sieht Johanna vorwurfsvoll an. Sie steht auf und geht an ihm vorbei, als wäre er nicht da. Eilig nimmt sie die Treppe nach oben und geht direkt in Anikas Zimmer.
Auf dem Bett liegen die beiden Teller vom Abendbrot, das Essen komplett auf dem Bettlaken verteilt. Tom sitzt auf dem Boden, hält sich den Fuß und weint. Anika steht am Rand des Bettes, bereit zum Sprung, lachend. Johanna schüttelt den Kopf.
»Komm bitte da runter, Anika und hilf mir mit deinem Bruder.«
Anika streckt die Arme empor, lacht und ruft: »Mama, fang mich!«
Johanna geht zu Tom und setzt sich zu ihm
»Hey, was ist denn los?« Tom sieht sie an und beruhigt sich ein wenig.
»Mama, ich bin vom Bett gesprungen und umgeknickt. Jetzt tut mein Fuß ganz doll weh. Hier …« Tom fasst sich mit beiden Händen an das Fußgelenk.
»Ja, das tut bestimmt sehr weh. Was meinst du, sollen wir da ein wenig Eis drauf machen? Das hilft bestimmt.«
Mark erscheint im Türrahmen.
»Meine Güte, wie sieht es denn hier aus? Was ist passiert?«
Anika dreht sich um, läuft auf die andere Seite des Bettes und springt in Richtung Mark.
»Papa, fang mich!« Dieser macht einen Schritt auf Anika zu, geht in die Hocke und fängt sie auf.
»Na, meine Kleine, da bist du ja.« Mark richtet sich auf und mit einem kleinen Ruck nimmt er Anika auf den Unterarm und schaukelt sie ein wenig. Er sieht das Essen auf dem Bett, nimmt den Kopf ein wenig zurück und sieht Anika an.
»Warst du das?« Anika schüttelt den Kopf und zeigt auf Tom.
Mark seufzt. Mittlerweile hat Johanna Tom auf dem Arm, der immer noch ein wenig weint und sich dabei die Augen reibt. Als sie an Mark vorbeigeht, fängt dieser an zu sprechen.
»So, junger Mann, wie oft habe ich dir schon gesagt …«
Weiter kommt er nicht, denn Johanna ist einfach weiter gegangen, ohne stehen zu bleiben, geschweige denn zuzuhören. Mark bekommt rote Wangen und möchte hinterhergehen, aber Anika versucht auf seinem Arm auf- und abzuspringen. »Lass uns spielen, Papa, bitte …«
Mark lässt sie vorsichtig von seinem Arm und sieht sich im Zimmer um. Anika nimmt seine Hand und zieht ihn zielsicher in Richtung des Regals mit den Spielsachen.
Gute zehn Minuten später kommen Johanna und Tom zurück. Dieser geht direkt zu seiner Schwester, setzt sich zu ihr und beginnt mitzuspielen. Johanna atmet scharf ein und sieht Mark mit großen Augen an.
»Ist nicht dein Ernst, oder? Du machst hier einen auf Spiele-Papa? Hast du mal auf die Uhr geschaut? Oder auf das Bett? Denkst du, dass sich das von allein sauber macht? Oder dass die Kinder sich allein bettfertig machen?« Sie schüttelt und senkt ihren Kopf gleichzeitig.
»Keine Ahnung, was du von mir willst. Ich bin vor zehn Minuten nach Hause gekommen. Darf ich nicht kurz mit den Kindern spielen? Ich habe euch den ganzen Tag nicht gesehen, da …«
»Genau, Mark. Du warst den ganzen Tag nicht da und …« Anika ruft dazwischen: »Mama, Papa, nicht streiten!«
Johanna dreht sich um und geht nach unten in die Küche. Sie schnappt sich ein extra großes Weinglas aus einem der Küchenschränke und füllt dieses mit Weißwein. Sie holt sich eine Tüte Chips, setzt sich an den Küchentisch und fängt an zu trinken und zu knabbern. Ohne es zu merken, starrt sie irgendwann auf den Ring an ihrem Finger und beginnt diesen leicht hin und her zu drehen.
Sie schmunzelt und ist für einen kurzen Moment innerlich wieder barfuß, Hand in Hand mit Mark an dem Strand, an dem sie sich kennengelernt haben. Dann werden ihre Lippen zu zwei Schlitzen und Verbitterung macht sich in ihrem Gesicht breit. Von oben ruft Mark.
»Schatz, könntest du bitte …« Johanna steht auf und gibt der Küchentür mit dem Fuß einen Schubs, die einigermaßen laut zu fällt. Zurück am Tisch setzt sie sich und nimmt einen großen Schluck Wein. Das tut gut!
Nach einiger Zeit erscheint Mark in der Küche. Er sieht das Weinglas und macht ein verächtliches Geräusch.
»War ja klar. Kaum bin ich zu Hause, machst du direkt eine Flasche auf. Ist das alles hier so schlimm, dass es nur noch betrunken geht?« Johanna richtet sich auf und kneift ein wenig die Augen zusammen.
»Genau Mark. Wie wäre es denn, wenn es genauso ist, hm? Wenn ich das alles nur noch ertrage, wenn ich mich abends betrinke? Du hast recht, genauso ist es. Aber du hast natürlich nichts damit zu tun. Der feine Herr kommt wie immer zu spät nach Hause, nur um zu fragen«, Marks Ton nachahmend »wie es denn hier aussieht?«
Mark steht regungslos da mit offenem Mund.
»Hier hängt alles an mir und du machst einen auf Feierabend-Spiele-Papa. Hast du das Bett schon gemacht oder die Kinder bettfertig? Oder bist du hier, um mich zu bitten, dass ich das mache? Komm schon, trau dich!«
»Keine Ahnung Johanna, ich erkenne dich nicht wieder. Du bist nur noch am Meckern und abends am Trinken. Egal, was ich mache oder sage, immer gibt es etwas auszusetzen. Es ist nie genug. Ich bin anscheinend der einzige Grund, warum du nicht glücklich bist. Das nervt mich alles nur noch. Die letzten drei Tage habe ich mir wirklich Mühe gegeben, früher nach Hause zu kommen. Hast du nicht mal mitbekommen, war wie immer viel zu spät.«
»Ja, du bist ein echter Held, Mark. Eine Stunde früher nach Hause kommen, bedeutet, dass du dann nur neun Stunden nicht hier bist. Wow, Heldentat, das macht alles gleich viel leichter, wenn Super-Papa nicht zehn, sondern nur neun Stunden weg ist, Applaus!«
Die Kinder beginnen durch das obere Stockwerk zu toben. Johanna steht spontan auf, aber Mark streckt eine Hand aus, um sie zu stoppen.
»Dann geht«, betont »Super-Papa mal nachsehen.« Er verlässt die Küche.
Johanna muss fast lachen, aber sie entscheidet sich, wütend zu bleiben. Einen Moment steht sie da und überlegt. Sie greift zu ihrem Smartphone und ruft ihre Schwester an, die am Ende der Straße wohnt.
»Hey, Kathie.«
»Hey, Schwesterherz. Wieder mal dicke Luft? Willst du vorbeikommen?«
»Ja wäre das ok? Ich muss gerade echt mal raus hier, sonst passiert noch etwas.«
»Na klar, komm rum. Wir sitzen hier gemütlich bei einer Flasche Wein.«
Johanna schlüpft in ihre Schuhe, wirft sich eine Jacke über und schnappt sich ihre Schlüssel. Auf dem Weg nach draußen ruft sie nach oben: »Ich bin bei Kathie, wartet nicht auf mich.«
Ohne eine Antwort abzuwarten, verlässt sie das Haus. Vor der Tür hält sie einen Moment inne. Es ist dunkel und frisch. Ein leichter Wind bringt ein wenig Kühle auf ihre Wangen. Die Straßenlaternen flackern, es ist angenehm still. Johanna zieht ihre Jacke zu und steckt die Hände in die Taschen.
›Das tut gut.‹ Sie atmet tief durch und macht sich auf den Weg.
Willkommen im Leben von Johanna und Mark
Ganz schön dicke Luft, was?
Vielleicht erkennst du dich wieder und solidarisierst dich mit Johanna. Dir kommen ihre Gefühle, sich allein gelassen zu fühlen, bekannt vor. Oder du siehst dich in Mark, der sich nur noch angemeckert fühlt und denkt, dass es nie reicht, egal was er tut.
Dass wir in Beziehungen streiten, ist normal. Wenn Streits häufiger und auch heftiger werden, gerät unsere Liebe in Gefahr, wir sind unglücklich, hilflos und eventuell steht eine Trennung im Raum.
Wir sind Bella und Chrisch, Paartherapeuten und wir möchten dich mitnehmen auf Johannas und Marks Reise und dir erzählen, wie sie es schaffen, ihre Beziehung wieder harmonisch und liebevoll zu gestalten.
Wir nehmen dich dabei mit in ihren Alltag, zu ihren Paartherapiesitzungen, du bekommst Einblicke in unsere Reflexionsprozesse und Infos und Übungen, wie auch du an deiner Beziehung arbeiten kannst, wenn sie in Schieflage geraten ist.
Bei den Interviews wirst du der Neugier begegnen und nicht einer fiktiven Person. Das ist vielleicht etwas befremdlich zu Beginn, aber gerade die Neugier ist etwas sehr Wichtiges in unserer Arbeit. Sie sorgt...
| Erscheint lt. Verlag | 31.5.2024 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Neue Wege für die Liebe |
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Gesundheit / Leben / Psychologie ► Partnerschaft / Sexualität |
| Sozialwissenschaften ► Soziologie | |
| Technik | |
| Schlagworte | Beziehung mit Kindern • Eheberatung • glückliche beziehung • Konflikte • Krisenhelfer • Paartherapie • Ratgeber • Streit • streit in der beziehung |
| ISBN-10 | 3-384-24507-5 / 3384245075 |
| ISBN-13 | 978-3-384-24507-6 / 9783384245076 |
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