Fremde neue Welt (eBook)
254 Seiten
Verbum Medien (Verlag)
978-3-98665-078-0 (ISBN)
Carl Trueman ist Professor für Biblische und Religiöse Studien am Grove City College (USA). Er ist freier Redakteur bei First Things, ein geschätzter Kirchenhistoriker und arbeitet als Wissenschaftler am Ethics and Public Policy Center. Trueman hat zahlreiche Bücher verfasst oder herausgegeben.
Carl Trueman ist Professor für Biblische und Religiöse Studien am Grove City College (USA). Er ist freier Redakteur bei First Things, ein geschätzter Kirchenhistoriker und arbeitet als Wissenschaftler am Ethics and Public Policy Center. Trueman hat zahlreiche Bücher verfasst oder herausgegeben.
1 Willkommen in der fremden neuen Welt
2 Romantische Wurzeln
3 Entfesselter Prometheus
4 Psychologie sexualisieren, Sex politisieren
5 Der Aufstand der Massen
6 Formbare Menschen, flüssige Welt
7 Die sexuelle Revolution der LGBTQ+-Bewegung
8 Leben, Freiheit und das Streben nach Glück
9 Fremde in einer fremden neuen Welt
VORWORT VON RYAN T. ANDERSON
Ende 2020, als die Welt wegen Corona im Lockdown war, veröffentlichte Carl Trueman eines der wichtigsten Bücher der letzten Jahrzehnte. In Der Siegeszug des modernen Selbst knüpft er an Einsichten zeitgenössischer Denker wie Charles Taylor, Philip Rieff und Alasdair MacIntyre an. Er zeigt, dass moderne Denker und Künstler wie Jean-Jacques Rousseau, Friedrich Nietzsche, Karl Marx, Charles Darwin, Percy Bysshe Shelley und William Blake eine Weltanschauung (in Taylors Worten: ein »soziales Vorstellungsschema«) zum Ausdruck brachten, die zur Grundlage für Argumente spätmoderner Theoretiker wie Sigmund Freud, Wilhelm Reich und Herbert Marcuse wurde, den Begründern der postmodernen sexuellen Revolution. Seine profunde Analyse über mehrere Jahrhunderte jüngster Geistesgeschichte macht deutlich, warum Menschen heute für Ideen empfänglich sind, die unsere Großeltern vor zwei Generationen noch rundweg abgelehnt hätten, ohne nach Argumenten oder Beweisen zu fragen.
Das Problem war nur, dass das Buch über fünfhundert Seiten dick ist. Außerdem haben die meisten Menschen von vielen der oben genannten Namen noch nie etwas gehört, geschweige denn sich näher mit ihnen beschäftigt. Der normale Leser hätte weder Zeit noch Lust, sich durch die vielen ausführlichen, differenzierten Besprechungen zu wühlen. Also schrieb ich Carl eine E-Mail, in der ich das Buch als unverzichtbare Lektüre für wissenschaftliche Experten pries, die sich damit auseinandersetzen, wie es dazu gekommen ist und was wir tun müssen, um zur Vernunft zurückzukehren. Aber ich schlug ihm auch vor, eine kürzere, verständlichere Version der grundlegenden Argumente für Nicht-Fachleute zu schreiben. Sie würden von der grundlegenden Darstellung der Entwicklung profitieren, um besser zu verstehen, an welchem Punkt in der Geschichte sie sich befinden. So könnten sie ihre Arbeit in der Gemeinde, in Kultur, Politik, Wirtschaft und – am allerwichtigsten – in Pädagogik und Erziehung der nächsten Generation entsprechend ausrichten. Dieses Buch hat Carl nun vorgelegt und es brilliert auf jeder Seite. In Ihren Händen halten Sie den Leitfaden, den jeder Amerikaner und jeder Mensch im westlichen Kulturkreis lesen muss, dem eine solide Anthropologie und eine gesunde Kultur am Herzen liegen.
Auf die Gefahr hin, Trueman zu sehr zu vereinfachen, würde ich den großen Bogen seiner Arbeit so zusammenfassen: Wie wurde die »Person« zum »Selbst« oder »Ich«? Wie wurde das Selbst oder Ich sexualisiert? Und wie wurde Sex politisiert? Natürlich kannten die Autoren der Psalmen, der Paulusbriefe und der Bekenntnisse des Augustinus auch ein »Selbst« im Sinne eines Innenlebens. Aber in der biblischen Tradition stand die Wendung nach innen im Dienst der äußeren Hinwendung zu Gott. Das Selbst, das in der westlichen Zivilisation bis vor wenigen hundert Jahren kultiviert wurde, war das, was der Harvard-Politikwissenschaftler und Philosoph Michael Sandel als »gebundenes« Selbst bezeichnet hat. Es stand im Gegensatz zum »ungebundenen« Selbst der Moderne.4 Die Person war ein Geschöpf Gottes, das sich in seinem Streben nach ewigem Leben der Wahrheit und objektiven moralischen Normen anzupassen suchte. Der moderne Mensch ist hingegen darauf ausgerichtet, »sich selbst treu zu bleiben«. Anstatt Gedanken, Gefühle und Handlungen an die objektive Realität anzupassen, wird das Innenleben des Menschen selbst zur Quelle der Wahrheit. Der moderne Mensch findet sich in einer Kultur des »expressiven Individualismus« wieder – so wie Robert Bellah sie beschrieben hat. Jeder versucht, seinem individuellen Innenleben Ausdruck zu verleihen, anstatt sich als in Gemeinschaften eingebettet und an natürliche und übernatürliche Gesetze gebunden zu sehen.5 Authentizität im Hinblick auf innere Gefühle statt Ausrichtung an transzendenten Wahrheiten ist zur Norm geworden.
Dieses moderne Selbst ist also nicht den Theologen Rechenschaft schuldig, die predigen, wie man sich nach Gott richtet, sondern den Therapeuten, die raten, wie man sich selbst treu bleiben kann. Genau das hat Philip Rieff als »Triumph des Therapeutischen« bezeichnet.6 Und es ist dieses therapeutische Selbst, das dann sexualisiert wird. Während für den größten Teil der Menschheitsgeschichte unsere sexuelle Verkörperung (engl. embodiment) eine eher uninteressante, schlicht gegebene Tatsache war, die es uns ermöglichte, uns in der Ehe zu vereinen und eine Familie zu gründen, rät die moderne therapeutische Ausrichtung, inneren sexuellen Sehnsüchten nachzugehen. Was früher einfach selbstverständlich war: dass ein Junge zu einem Mann heranwachsen sollte, um zu heiraten und die Verantwortung eines Vaters zu übernehmen, erfordert heute die Suche nach einer inneren Wahrheit über »Geschlechtsidentität« und »sexuelle Orientierung«, die auf Gefühlen und Willen beruht und nicht auf Natur und Vernunft. In der Geschichte wurde die eigene »Geschlechtsidentität« durch das körperliche Geschlecht bestimmt, ebenso wie die »sexuelle Orientierung«: Die »Identität« eines Mannes war männlich und er war von Natur und Vernunft aus »orientiert«, sich mit einer Frau zu verbinden, egal wohin seine (gefallenen) Begehrlichkeiten ihn treiben mochten.
Aber wenn unsere Sexualität unsere tiefste und wichtigste innere Wahrheit ist und es in der Politik um die Förderung dieser Wahrheit geht, dann musste Sex irgendwann politisch werden. Früher kultivierten die Kulturen die Tugenden, die für Familie und Religion förderlich waren, doch nun wurde die Rechtsprechung eingesetzt, um diese Institutionen zurückzudrängen, da sie der sexuellen »Authentizität« im Wege standen. Die Politik suchte indessen eine Welt zu schaffen, in der es sicher – und frei von Kritik – war, den eigenen sexuellen Wünschen zu folgen. Daher ging es bei dem Vorstoß, die Ehe gesetzlich neu zu fassen, nie wirklich um Besuchsrechte in Krankenhäusern und gemeinsame Steuererklärungen, sondern darum, Druck auf die Kirchen auszuüben, damit sie ihre Morallehren überarbeiten. Und es ging darum, Bäckereien zu zwingen, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu unterstützen. Die Bestätigung des sexualisierten Selbst ist der Schlüssel zu unserer neuen Politik – und zu unserer neuen Sprache. Was früher »geschlechtsangleichende Operation« oder »Geschlechtsumwandlung« hieß, wird heute »geschlechtsbestätigend« genannt. Und der amerikanische Staat wird Sie bestrafen, wenn Sie sich dagegen stellen.
Damit soll nicht behauptet werden, dass das Denken allein unsere gegenwärtige kulturelle Situation erklärt. Gäbe es nicht die plastische Chirurgie, um genitalähnliche Gebilde zu schaffen, und synthetisches Testosteron und Östrogen, um Körper zu »maskulinisieren« oder zu »feminisieren«, käme kaum jemand ernsthaft auf die Idee, dass das Geschlecht »neu zugewiesen« werden könnte – da es ja nie »zugewiesen« war. Wie wir verschiedene technologische Errungenschaften einsetzen und generell über Technik denken, wird zutiefst von Ideen beeinflusst; entweder bewusst (unter Intellektuellen), oder indirekt über das soziale Vorstellungsschema. Die Vorstellung, dass der Wille die Natur (Schöpfung) beherrschen sollte, ist nur unter bestimmten Umständen überhaupt plausibel.
Eine wirksame Antwort sollte also diese seit langem bestehenden Bedingungen sowohl intellektuell als auch kulturell in Frage stellen. Trueman ruft die Kirche dazu auf, mutig eine solide Lehre zu predigen, bewusst und in Abgrenzung zur herrschenden Kultur sich nach biblischen und liturgischen Maßstäben auszurichten, ein alternatives soziales Vorstellungsschema zu leben und zu fördern und die sexuelle Revolution sowohl von oben als auch von unten herauszufordern. Von »oben«, indem wir die verschiedenen fehlgeleiteten Voraussetzungen aufdecken, die die sexuelle Revolution erst plausibel machen. Von »unten«, indem wir die Wahrheit über den Menschen und seinen Leib aufzeigen, sodass die Spannung zwischen Glaube und Vernunft, Wissenschaft und Offenbarung gelöst wird. Vor allem aber ruft Trueman die Kirche auf, nicht nur Zeugnis von der Wahrheit abzulegen, sondern auch ein Ort der Zugehörigkeit für die Gestrandeten zu sein, Gemeinschaften zu bauen und in der Gesellschaft zu leben. Vor allem Familien müssen sich überlegen, was dies für die Erziehung ihrer Kinder bedeutet: Einfach nur jeden Sonntag in die Kirche zu gehen, wird nicht mehr ausreichen (falls es das je hat). Es wird sich als wesentlich erweisen, gemeinsam so zu leben, dass etwas von den letzten Realitäten sichtbar wird.
2018 habe ich ein Buch veröffentlicht mit dem Titel When Harry Became Sally: Responding to the Transgender Moment (dt. etwa: Als aus Harry Sally wurde – auf den Transgender-Moment reagieren). Der Titel sollte zwei Dinge andeuten: Dass die Transgender-Ideologie nicht die Wahrheit über den Menschen ist, sondern das Ergebnis verschiedener kultureller Kräfte, die diesen geschichtlichen »Moment« hervorbringen, und dass die Populärkultur innerhalb einer Generation von der Frage, ob ein Mann und eine Frau einfach Freunde sein können (wie im Film »Harry und Sally«), dazu übergegangen ist, es zum Bürgerrecht zu erklären, dass ein Mann eine Frau werden darf. In Fremde neue Welt deckt Trueman die tiefliegenden gesellschaftlichen und intellektuellen Kräfte auf, die erklären, warum sein Großvater eine solche Forderung ohne zu zögern abgelehnt hätte, während Präsident Biden erklärt: »Die Gleichstellung von Transgender ist die Bürgerrechtsfrage unserer Zeit.«7
Ich bewundere Carls allgemeinverständliche Artikel und akademische...
| Erscheint lt. Verlag | 1.1.2024 |
|---|---|
| Verlagsort | Bad Oeynhausen |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sozialwissenschaften ► Soziologie |
| Schlagworte | Bibel • buch bestellen • Carl Trueman • Christen • Der Siegeszug des modernen Selbst • Evangelium • Expressiver Individualismus • Fremde neue Welt • Friedrich Nietzsche • Gott ehren • Gottes Wahrheit • Herbert Marcuse • Historiker • Identität • Karl Marx • Kirche dienen • Kultur • kulturelles Umfeld • Kulturkritik • Medien • revolutionäre Denker • Romantik • Sexualität • Sexuelle Revolution • Sigmund Freud • Verbum Medien • Wilhelm Reich |
| ISBN-10 | 3-98665-078-4 / 3986650784 |
| ISBN-13 | 978-3-98665-078-0 / 9783986650780 |
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