Planet der Angst (eBook)
188 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-8948-7 (ISBN)
Emil Horowitz ist Schriftsteller und Journalist. Seit über 10 Jahren ist er außerdem als Ghostwriter für Belletristik und Fachliteratur tätig. Mit seinen Romanen liefert Emil Horowitz brisante und politisch oft inkorrekte Diskussionsbeiträge zu gesellschaftlichen und intellektuellen Aspekten aus dem Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Darüber hinaus veröffentlicht Emil Horowitz Fachbücher zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen.
Emil Horowitz ist Schriftsteller und Journalist. Seit über 10 Jahren ist er außerdem als Ghostwriter für Belletristik und Fachliteratur tätig. Mit seinen Romanen liefert Emil Horowitz brisante und politisch oft inkorrekte Diskussionsbeiträge zu gesellschaftlichen und intellektuellen Aspekten aus dem Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Darüber hinaus veröffentlicht Emil Horowitz Fachbücher zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen.
Angstmacher und Angstopfer
Aus der Sicht antidemokratischer Kräfte lässt sich die Bevölkerung eines Landes in zwei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe erzeugt ein Klima der Angst zur Erlangung ihrer strategischen Ziele. Die zweite Gruppe wirft sich, vor Angst schlotternd, in die Arme der vermeintlichen Beschützer und folgt ihr auf jedem Weg, wohin dieser auch führt.
Rechtspopulisten nutzten dieses Rezept von Anfang an, ob in der Manifestation des Nationalsozialismus der Jahre 1933 bis 1945, oder im Gewand der Neuen Rechten unserer Tage. Das Projekt Macht durch Angst, das in der Originalfassung auf tausend Jahre angelegt war, dann allerdings nach zwölf Jahren scheiterte, wurde nicht zu den Akten gelegt. In abgewandelter Form läuft es seit Ende des Zweiten Weltkriegs unvermindert weiter, bis in die heutige Zeit.
Wer sich der Illusion hingibt, der Nationalsozialismus sei im Jahr 1945 untergegangen, unterliegt einer weit verbreiteten Selbsttäuschung. Das Gegenteil ist der Fall. Der Nationalsozialismus hat nicht nur überlebt. In zahlreichen daraus hervorgegangenen Abarten, Modifikationen und Inkarnationen erfreut er sich bester Gesundheit.
Die Legende vom Untergang des Nationalsozialismus wurde von einem Vorgang befeuert, der nach Kriegsende von den alliierten Siegermächten im Rahmen des Potsdamer Abkommens auf den Weg gebracht wurde: die Entnazifizierung.
Das offizielle Ziel war es, das öffentliche Leben in Deutschland von den Einflüssen der Nazi-Diktatur zu reinigen, um einen unbelasteten Neuanfang zu ermöglichen. Die Idee war hervorragend. Die Wirklichkeit allerdings sah ganz anders aus.
Deutsche Raketenpioniere unter der Führung des genialen Ingenieurs Wernher von Braun entwickelten die erste funktionsfähige Flüssigkeitsrakete der Welt, woraus später die Angriffs- und Vergeltungswaffe V2 hervorging. Die Tatsache, dass Wernher von Braun 1937 aus eigenem Antrieb die Aufnahme in die NSDAP beantragte, ebenso wie der Umstand, dass er 1940 Mitglied der Waffen-SS wurde und dort bis zum SS-Sturmbandführer aufstieg, hinderte Amerika nicht daran, ihn für das eigene Raketenprogramm zu rekrutieren. Wernher von Braun wurde zu einer Ikone der amerikanischen Raumfahrt. Und von der nationalsozialistischen Vergangenheit war nicht mehr die Rede.
Wernher von Braun war nur einer von vielen Nazi-Wissenschaftlern, die in Amerika mit offenen Armen willkommen geheißen wurden. Noch zu Kriegszeiten brachte Amerika das Projekt Operation Overcast auf den Weg, das die gezielte Suche nach deutschen Wissenschaftlern im Dritten Reich zum Gegenstand hatte.
Doch wir müssen gar nicht so weit entfernte Beispiele betrachten. Die Entnazifizierung in Deutschland nach Ende des Dritten Reichs hatte sich hohe Ziele gesetzt. Es sollten alle Bereiche der deutschen Gesellschaft berührt werden: Politik, Kultur, Presse, Jurisdiktion und Ökonomie.
Mit einem detaillierter Fragebogen sollten alle Deutschen erfasst werden. Die abschließende Beurteilung sollten unbelastete deutsche Schwurgerichte vornehmen. Für die Aburteilung der Hauptschuldigen setzten die Alliierten ihre eigenen Militärgerichte ein. Dieser historische Vorgang ging als Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse in die Geschichte ein. So weit, so gut.
Schon kurz nach Kriegsende zeigten sich erste Aufweichungseffekte der rigorosen Entnazifizierungspolitik. Der Grund ist in der weltpolitischen Lage zu suchen. Am Horizont schob sich mit aller Macht der aufkommende Ost-West-Konflikt ins Blickfeld.
Die Westmächte sahen sich genötigt, ein Bollwerk gegen den aufkommenden Kommunismus aufzurichten, und das vor allem im geteilten Deutschland. Das erforderte einen immensen Aufwand an personellen und materiellen Mitteln in der Verwaltung – Ressourcen, die vielfach durch den hohen Verwaltungsaufwand bei der Entnazifizierung gebunden waren.
Viele sahen keinen anderen Weg, als auch Vorbelastete (bei der Entnazifizierung nicht entlastete Personen) wieder in der Verwaltung einzusetzen, um der gewaltigen Aufgabe der Kommunismusabwehr gerecht zu werden. Mit einem Mal erschien der Kommunismus die größere Gefahr darzustellen. Das Wiederaufleben des Nationalsozialismus wurde in die Liste der hinnehmbaren Risiken eingeordnet.
Die Aufweichungseffekte bei der Entnazifizierung gingen in den frühen 1950er-Jahren in einen Prozess über, der von seinen Befürwortern als Integrationspolitik bezeichnet wurde. Die meisten Deutschen lehnten es explizit ab, sich weiterhin mit der Aufarbeitung ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit zu befassen. Das war die Geburtsstunde der bis heute andauernden Schlussstrichdebatte.
Ein Hauptgrund dafür, dass viele Altnazis ihre Biographie ohne merklichen Karrierebruch im jungen, demokratischen Deutschland fortsetzen und auf diesem Weg am Aufbau eines neuen rechten Netzwerks mitarbeiten konnten, ist im 131er-Gesetz zu suchen.
Das 1951 von allen Bundestagsparteien gemeinsam verabschiedete Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der unter Art. 131 des Grundgesetzes fallenden Personen führte letztendlich dazu, dass alle früheren Beamten des Dritten Reichs sofort wieder in ihr Beamtenverhältnis zurückkehren konnten, wenn sie nicht als Hauptschuldige oder Belastete eingestuft waren.
Doch auch für die Haupttäter des Dritten Reichs gab es Platz in der jungen, deutschen Demokratie. Vielfach gefördert durch massive Fürsprache von Eliten aus dem bürgerlichen, kirchlichen, wirtschaftlichen, militärischen und sozialdemokratischen Lager kamen viele der inhaftierten und als hauptschuldig und belastet eingestuften Kriegs- und NS-Verbrecher vorzeitig frei.
Auf diese Weise wurden in den 1950er Jahren Parteimitglieder und Funktionäre bis hinauf in die mittlere Ebene der NSDAP wieder in die deutsche Gesellschaft eingegliedert, oft auch in hohe politische Positionen. Die direkte Folge dieses Prozesses ist das aktuell existierende Netzwerk der Neuen Rechten, das Ergebnis von knapp 80 Jahren rechtsnationaler Aufbauarbeit. Die Angstmacher sind wieder da.
Auf den folgenden Seiten folgt eine kleine Auswahl von Personen, die trotz ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit leitende und strategisch bedeutsame Positionen im jungen Nachkriegsdeutschland einnahmen. Sie waren die erste Generation der Neuen Rechten, wie wir sie heute erleben.
Theodor Oberländer, ehemals Referent des Oberkommandos der Wehrmacht, Leiter der Organisation Bund deutscher Osten, Abwehrspezialist unter Admiral Wilhelm Canaris. Ab 1953 Bundesvertriebenenminister im Kabinett Adenauer.
Hans Globke, ehemals Verwaltungsjurist im NS-Reichsinnenministerium, Verfassern eines bekannten Kommentars zu den Nürnberger Rassegesetzen. Später unter Konrad Adenauer Chef des Bundeskanzleramts.
Ernst Achenbach, NSDAP-Mitgliedschaft 1937–1945, beteiligt an Judendeportationen aus Frankreich ins KZ Auschwitz. Später Bundestagsabgeordneter (1957–1976), Mitglied des Europarats (1964–1977).
Herrmann Ahrens, NSDAP-Mitgliedschaft 1931-1945, Kreisleiter Goslar-Land, tätig als Gauredner, SA-Sturmbandführer. Später Bundestagsabgeordneter (1965-1969), Bundesvorsitzender GDP (ab 1962).
Hans-Adolf Asbach, NSDAP-Mitgliedschaft 1933-1945, Einrichtung eines Arbeitslagers für Arbeitsscheue (1941), Aussiedlung von 2.200 polnischen Juden (1941), Veranlassung der Erschießung von 600 Juden in Bereschany (1941). Später Minister für Soziales, Arbeit und Flüchtlingsfragen, stellvertretender Ministerpräsident in Schleswig-Holstein.
Fritz Baier, NSDAP-Mitgliedschaft ab 1941, Mitglied der Luftwaffe in Norwegen und Finnland (1942-15). Später Bundestagsabgeordneter (1956-1977).
Werner von Bargen, NSDAP-Mitgliedschaft 1933-1945, beteiligt an Deportationen von 10.000 Juden aus Belgien. Später Ministerialdirigent im Auswärtigen Amt (1958), Botschafter im Irak (1960-1963), ausgezeichnet mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland.
Paul Binder, NSDAP-Mitgliedschaft ab 1940, Leiter Zentralstelle für Arisierung jüdischen Vermögens, Vermittlung jüdischer Betriebe an interessierte Aufkäufer, auch SS-eigene Betriebe, Tätigkeit für Rüstungsbetriebe aus dem Umfeld Hermann Görings und des Reichsluftfahrtministeriums. Später Landtagsabgeordneter Baden-Württemberg (1953-1960).
Anneliese Bläsing, NSDAP-Mitgliedschaft 1941-1945. Später Gründungsmitglied der NPD, Landtagsabgeordnete Hessen (1966-1970).
Walter Bockenkamp, NSDAP-Mitgliedschaft 1930-1945, Mitglied der SS, Politischer Leiter in der NSDAP, Mitwirkung am Aufbau der Wehrmacht. Später Landtagsabgeordneter Niedersachsen (1959-1967), Mitglied des Rundfunkrats für den NDR (1955-1960).
Ewald Bucher, NSDAP-Mitgliedschaft bis 1945, Mitglied des nationalsozialistischen Schülerbundes (1931-1933), Goldenes Abzeichen der Hitler-Jugend. Später Bundesjustizminister (1962-1965), Bundesminister für Wohnungswesen und Städtebau (1965-1966).
Karl von Buchka, NSDAP-Mitgliedschaft 1933-1945, Obertruppführer SA-Standarte 44. Später Bundestagsabgeordneter (1953-1958).
Wilhelm Conrad, NSDAP-Mitgliedschaft 1937-1945, Mitgliedschaft SA. Später Landtagsabgeordneter Hessen (1958-1970).
Hermann Conring, NSDAP-Mitgliedschaft 1937-1945, Mitglied im Reichsbund der Deutschen Beamten, Mitglied NS-Rechtswahrerbund, Mitglied Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, ab 1939 Oberkriegsverwaltungsrat in Polen und Belgien. Später Bundestagsabgeordneter (1953-1969).
Rolf Dahlgrün,...
| Erscheint lt. Verlag | 21.1.2023 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung |
| Schlagworte | Demokratie • Rechtspopulismus |
| ISBN-10 | 3-7549-8948-0 / 3754989480 |
| ISBN-13 | 978-3-7549-8948-7 / 9783754989487 |
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