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Ich war PFLEGER (eBook)

Rückblick auf ein Leben in der Altenpflege

(Autor)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
439 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-72713-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Ich war PFLEGER -  Lolo Tatay
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(CHF 19,50)
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Es geht um einen Rückblick auf viele Erlebnisse, Ereignisse - schöne und ebenso furchtbare, grausame Momente - während meiner Tätigkeit in der Altenpflege. Ich halte noch einmal Rückschau auf eine lange Zeit voller Mühen, aber auch lustiger Augenblicke. Wie könnte eine würdevolle Pflege bei all den beschränkten Mitteln, die dafür zur Verfügung stehen, in Zukunft gestaltet werden?

Nach mehr als vier Jahrzehnten Schwerarbeit in der Altenpflege hält Lolo Tatay Rückschau auf seine berufliche Vergangenheit, erzählt Anekdoten, Erlebnisse, Erfahrungen, Unglaubliches, Niederträchtiges und vieles mehr aus seinem Pflegerleben. Er schildert anschaulich seinen Werdegang von seinen Anfängen als Vorpraktikant bis hin zum Erreichen des Renteneintrittsalters. Der Autor erklärt seine Beweggründe, warum er entgegen früherer Vorsätze, sich nicht mehr dem gnadenlosen Verriss auszusetzen, doch ein Buch über die Altenpflege geschrieben hat. Neben Ideen und Wünschen bietet er auch einige Lösungen an, wie die Altenpflege der Zukunft für alle fair und menschenwürdig gestaltet werden könnte.

Nach mehr als vier Jahrzehnten Schwerarbeit in der Altenpflege hält Lolo Tatay Rückschau auf seine berufliche Vergangenheit, erzählt Anekdoten, Erlebnisse, Erfahrungen, Unglaubliches, Niederträchtiges und vieles mehr aus seinem Pflegerleben. Er schildert anschaulich seinen Werdegang von seinen Anfängen als Vorpraktikant bis hin zum Erreichen des Renteneintrittsalters. Der Autor erklärt seine Beweggründe, warum er entgegen früherer Vorsätze, sich nicht mehr dem gnadenlosen Verriss auszusetzen, doch ein Buch über die Altenpflege geschrieben hat. Neben Ideen und Wünschen bietet er auch einige Lösungen an, wie die Altenpflege der Zukunft für alle fair und menschenwürdig gestaltet werden könnte.

Allgemeines

Das folgende Gedicht schrieb eine alte Frau, die seit langem in einem Pflegeheim in Schottland lebte und von der man meinte, sie sei desorientiert:

WAS SEHT IHR SCHWESTERN?

Denkt Ihr, wenn Ihr mich anschaut?

Eine mürrische, alte Frau,

nicht besonders schnell,

verunsichert in ihren Gewohnheiten,

mit abwesendem Blick,

die ständig beim Essen kleckert, die nicht antwortet,

wenn Ihr sie anmeckert,

weil sie wieder nicht pünktlich fertig wird.

Die nicht so aussieht,

als würde sie merken, was Ihr macht

und ständig den Stock fallen lässt

und nicht sieht, wo sie geht

die willenlos alles mit sich machen lässt:

füttern, waschen und alles, was dazugehört.

Denkt Ihr denn so von mir, Schwestern,

wenn Ihr mich seht, sagt?

Öffnet die Augen, Schwestern,

schaut mich genauer an!

Ich soll Euch erzählen, wer ich bin,

die hier so stillsitzt,

die macht, was Ihr möchtet

und isst und trinkt, wann es Euch passt?

Ich bin ein zehnjähriges Kind

mit einem Vater und einer Mutter,

die mich lieben

und meine Schwester und meinen Bruder.

Ein sechszehnjähriges Mädchen,

schlank und hübsch, die davon träumt,

bald einem Mann zu begegnen.

Eine Braut, fast zwanzig,

mein Herz schlägt heftig beim Gedanken

an die Versprechungen,

die ich gegeben und gehalten habe.

Mit fünfundzwanzig noch

Habe ich eigene Kleine,

die mich zuhause brauchen.

Eine Frau mit dreißig,

meine Kinder wachsen schnell

und helfen einander.

Mit vierzig.

Sie sind alle erwachsen und ziehen aus.

Mein Mann ist noch da

und die Freude ist nicht zu Ende.

Mit fünfzig kommen die Enkel,

und sie erfüllen unsere Tage.

Wieder haben wir Kinder –

mein Geliebter und ich.

Dunkle Tage kommen über mich,

mein Mann ist tot.

Ich gehe in eine Zukunft voller

Einsamkeit und Not.

Die Meinen haben mit sich selbst zu tun,

aber die Erinnerung von Jahren

und die Liebe bleiben mein.

Die Natur ist grausam,

wenn man alt und krumm ist

und man wirkt etwas verrückt.

Nun bin ich eine alte Frau,

die ihre Kräfte dahinsiechen sieht

und der Charme verschwindet.

Aber in diesem alten Körper

wohnt immer noch ein junges Mädchen.

Ab und zu wird mein mitgenommenes Herz erfüllt.

Ich erinnere mich an meine Freuden.

Ich erinnere mich an meine Schmerzen

und ich liebe und lebe mein Leben noch einmal,

das allzu schnell an mir vorbeigeflogen ist

und akzeptiere kühle Fakten,

dass nichts bestehen kann.

Wenn Ihr Eure Augen

AUFMACHT SCHWESTERN,

so seht Ihr nicht nur eine mürrische, alte Frau.

Kommt näher, seht

MICH

*

Lassen Sie mich einige allgemeine Gedanken anstellen!

Dr. Francis Biley prägte folgende Thesen:

• Pflege ist nicht, was Pflegende tun.

• Pflege ist auch nicht, was Pflegende denken, dass sie es tun.

• Pflege ist das, was geschieht, während Pflegende etwas tun, was sie Pflege nennen.

Also – wie jetzt? Es wird doch immer gepredigt, Pflege müsse messbar und für alle nachvollziehbar sein?

Zumindest heißt es immer wieder so von solchen Menschen, die meinen, sie könnten durch fortlaufende Standardisierung aller „Tätigkeiten am pflegebedürftigen Menschen“ eine Art Objektivität erzielen. Das mag rein theoretisch funktionieren, doch wie sieht es in der Praxis umgesetzt in Wahrheit aus?

Wie erkennen wir was in welchen Situationen?

Gibt es Objektivität? Ja, eindeutig! Oder auch nicht?

Was sind objektive Daten von Menschen?

• Größe

• Gewicht

• Blutdruck

• Stuhlgangfrequenz etc.

Ähnlich verhält es sich doch auch mit den Begriffen Wahrheit und Wirklichkeit.

Was ist Wahrheit? Gibt es die eine einzige Wirklichkeit?

Wenn ja – wer bestimmt, was wahr und was unwahr ist?

Wer sagt, was real ist und was nicht?

Ist Wahrheit eindeutig feststellbar, für alle gültig?

Ich sage Nein und gleichzeitig Ja!

Beweisbarkeit ist nicht alles, was die Wahrheit ausmacht! Jeder Mensch trägt seine eigene, für ihn gültige Wahrheit in sich. Und doch – warum unterscheiden sich „Wahrheiten“ auf so vielfältige Weise?

Begriffe sind wie Scheuklappen. Wenn wir nur nach den Daten und Ereignissen suchen, werden wir auch nur Daten und Ereignisse bekommen.

Ein Beispiel:

Sie stehen an einem Straßenrand. Da sich ein Auto nähert, bleiben Sie am Randstein stehen und warten.

Ihnen gegenüber – auf der anderen Straßenseite – wartet ebenfalls eine Person wegen des vorbeifahrenden Fahrzeugs.

Sie beobachten nun, wie der Wagen von rechts kommend nach links an Ihnen vorbeifährt.

Was sieht Ihr Gegenüber auf der anderen Straßenseite?

Was wird er sagen, wenn er gefragt wird, woher und in welche Richtung das Auto gefahren ist?

Von seiner Warte aus fuhr der Wagen wohl von links nach rechts – oder?

„Von links nach rechts“, wird er – seiner Wahrheit gemäß – antworten.

Wahrheitsgemäß – obwohl er genau das Gegenteil von Ihrer Beobachtung behauptet.

Beide sagen Sie die Wahrheit, nämlich die Wahrheit, die sie als wahr für sich selbst erkannt haben.

Der Blickwinkel ist hierbei ausschlaggebend.

Noch ein Beispiel:

Aus einem Kalenderblatt:

Zwei Männer sitzen im Gasthaus.

Einer von ihnen ist blind.

„Willst du ein Glas Milch?“ fragt der Sehende.

„Beschreib´ mir doch einmal Milch!“ bittet der Blinde.

„Milch – das ist eine weiße Flüssigkeit.“

„Schön – was ist weiß?“

„Nun – weiß ist zum Beispiel ein Schwan.“

„Aha – was ist ein Schwan?“

„Ein Schwan? Das ist ein Vogel mit einem langen, krummen Hals.“

„Gut – aber was ist krumm?“

„Ich werde meinen Arm biegen und du wirst ihn abtasten. Dann wirst du wissen, was krumm heißt.“

Der Blinde tastet sorgfältig den aufwärts gebogenen Arm des anderen ab und seufzt verklärt:

„So, endlich weiß ich, wie Milch ist.“

Die vorangegangene Geschichte zeigt deutlich, wie wenig Informationen für sich allein genommen nützen. Man muss sie auch richtig aufnehmen, verarbeiten und in nützliches Verhalten umsetzen können!

Ein anderes Beispiel, wäre das des halb vollen oder halb leeren Glases. Beides bestimmt ein und denselben Zustand, eigentlich eine Wahrheit!

Besonders problematisch schätze ich es ein, wenn Statistiken eine Wahrheit verdeutlichen sollen! Es gibt den bösen Spruch: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!

Da ist etwas dran.

Es ist von elementarer Wichtigkeit, Statistiken richtig lesen und bewerten zu können. Denken Sie einmal über folgendes Beispiel nach:

Statistisch gesehen entfallen auf einen Millionär und einen Bettler je eine halbe Million!

Nur – wer hat mehr davon?

Ebenso sehe ich es mit der Wahrheit um die Situation in der Altenpflege.

Es gibt so viele Möglichkeiten, so viele Richtungen, aus denen man betrachten kann, dass es nicht zu verwundern braucht, wenn einerseits Skandalberichte und andrerseits Lobeshymnen gleichzeitig nebeneinander bestehen können.

Im Austausch mit Kollegen tauchten immer wieder folgende Gedanken auf:

Wie fühlt sich jemand, wenn er...

Erscheint lt. Verlag 1.12.2022
Sprache deutsch
Themenwelt Sozialwissenschaften Pädagogik Sozialpädagogik
Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
Schlagworte Altenpflege • Antwort • Arbeit • damals • Freude • Gedanken • Geld • gute Beispiele • Mensch • Menschen • Nacht • Pflegebeziehungen positiv • Pflege-Charta • Recht • Rückblick • Wahrheit • Warum ein Buch über die Pflege • Wissen
ISBN-10 3-347-72713-4 / 3347727134
ISBN-13 978-3-347-72713-7 / 9783347727137
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