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Wie perfekt muss der Mensch sein?

Behinderung, molekulare Medizin, Ethik

Annette Leonhardt (Herausgeber)

Buch | Softcover
214 Seiten
2004 | 1., Aufl.
Ernst Reinhardt Verlag
978-3-497-01658-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Wie perfekt muss der Mensch sein? -
CHF 34,85 inkl. MwSt
Der Einsatz modernster Methoden in der Biomedizin eröffnet dem Menschen scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten. Der Glaube an die Machbarkeit oder -- je nachdem -- Vermeidbarkeit ist ungebrochen. Der Erwartungsdruck in Richtung "Perfektionierung" des Menschen wird größer. Droht damit nicht der Abweichende, der Andere eklatant oder subtil stigmatisiert zu werden? Im Buch werden Aspekte von Ethik, molekularer Medizin und Behinderung von hochkarätigen Fachleuten diskutiert, die zum Teil Mitglieder des Nationalen Ethikrates sind. Neben Vertretern der Sonderpädagogik, Molekularbiologie und Medizin äußern sich Wissenschaftler der Moraltheologie, Rechtswissenschaft, Soziologie, Philosophie, Bioinformatik, Gesundheitsökonomie und Philologie.
Mit Beiträgen von Wolfgang van den Daele, Wolfgang Frühwald, Elke Holinski-Feder, Hans-Georg Koch, Anton Leist, Peter Oberender, Jens Georg Reich, Wolfgang Schäuble, Horst Dieter Schlosser, Eberhard Schockenhoff, Otto Speck
Die Herausgeberin
Prof. Dr. Annette Leonhardt, Professorin für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Der Einsatz modernster Methoden in der Biomedizin eröffnet dem Menschen scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten. Der Glaube an die Machbarkeit oder -- je nachdem -- Vermeidbarkeit ist ungebrochen. Der Erwartungsdruck in Richtung "Perfektionierung" des Menschen wird größer. Droht damit nicht der Abweichende, der Andere eklatant oder subtil stigmatisiert zu werden? Im Buch werden Aspekte von Ethik, molekularer Medizin und Behinderung von hochkarätigen Fachleuten diskutiert. Neben Vertretern der Sonderpädagogik, Molekularbiologie und Medizin äußern sich Wissenschaftler der Moraltheologie, Rechtswissenschaft, Soziologie, Philosophie, Bioinformatik, Gesundheitsökonomie und Philologie. Eberhard Schockenhoff, Jens Georg Reich und Wolfgang van den Daele sind Mitglieder des Nationalen Ethikrates. -------------------------------------------------------------------------------- Inhalt Wolfgang Frühwald: Therapie oder Menschenzüchtung? Zur Veränderung des Menschenbildes unter dem Einfluß der Biotechnologie. Elke Holinski-Feder: Molekulargenetische Diagnostik in der Anwendung -- Nutzen, Grenzen und Schaden. Otto Speck: Das Projekt der gentechnischen Optimierung menschlichen Lebens aus heilpädagogisch-ethischer Sicht. Peter Oberender: Genetische Tests aus gesundheitsökonomischer Sicht. Anton Leist: Zeugungsversuche - Der Konflikt zwischen pränataler Diagnostik und Autonomie. Hans-Georg Koch: Moderne Medizin zwischen Prävention von Behinderung und Selektion Behinderter - Ein Beitrag aus rechtlicher Sicht. Eberhard Schockenhoff: Wie perfekt muss der Mensch sein? Chancen und Risiken der genetischen Medizin aus ethischer Sicht. Jens Georg Reich: Die Fortschritte der Genmedizin aus dem Blickpunkt der Behinderten. Horst Dieter Schlosser: Ethik ist eine Frage der Sprache - Sprachkritische Anmerkungen zur so genannten Biomedizin. Wolfgang van den Daele: Die Praxis vorgeburtlicher Selektion und die Anerkennung der Rechte von Menschen mit Behinderungen. Wolfgang Schäuble: Grenzen der Machbarkeit.

Die Herausgeberin Prof. Dr. Annette Leonhardt ist Inhaberin des Lehrstuhls für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München

1;Inhalt;6
2;Vorwort;8
3;Therapie oder Menschenzüchtung?;10
3.1;Die Entdeckung der Ursprünge;10
3.2;Stammzellenforschung;12
3.3;Verbrauchende Embryonen-Forschung und ethische Risiken;14
3.4;Menschenzüchtung;18
4;Molekulargenetische Diagnostik in der Anwendung;24
4.1;Genetische Information;25
4.2;Vom Gen zum Protein;26
4.3;Humangenetische Diagnostik;26
4.4;Zytogenetische Diagnostik;26
4.5;Molekulargenetische Diagnostik;27
4.6;Humangenetische Beratung;29
5;Das Projekt der gentechnischen Optimierung menschlichen Lebens aus heilpädagogisch-ethischer Sicht;32
5.1;Heilpädagogik und Genetik;32
5.2;Geschichtliche Entwicklung der ethischen Position der Heilpädagogik;33
5.3;Die gegenwärtige Diskussionslage;34
5.4;Aktuelle biotechnologische Herausforderungen;34
5.5;Gesamtbewertung der biotechnologischen Entwicklung aus heilpädagogisch-ethischer Sicht;44
5.6;Erhöhte pädagogische Risiken im Einzelnen;51
5.7;Schlussgedanke: Was sollen wir tun?;56
6;Genetische Tests aus gesundheitsökonomischer Sicht;60
6.1;Problemstellung;60
6.2;Der Beitrag der Ökonomik;61
6.3;Das Problemfeld;64
6.4;Wissenschaftsmärkte;66
6.5;Informationsmarkt;67
6.6;Genetische Informationen als Input für nachgelagerte Märkte;71
6.7;Schlussfolgerungen;78
7;Zeugungsversuche;82
7.1;Pränatale Diagnostik und die Grenzen autonomer Entscheidungen;82
7.2;Der Streit um den Behinderungsbegriff;85
7.3;Der Würdeeinwand;89
7.4;Der Kultureneinwand;90
7.5;Die Gefahr der Gesundheits-Eugenik;95
8;Moderne Medizin zwischen Prävention von Behinderung und Selektion Behinderter;100
8.1;Die embryopathische Indikation zum Schwangerschaftsabbruch;101
8.2; Neugeboreneneuthanasie ;104
8.3;Pränatale Diagnostik;107
8.4;Diagnostische Maßnahmen im Rahmen medizinisch unterstützter;108
8.5;Fortpflanzung;108
8.6;Einige Bemerkungen zur Kind als Schaden -Rechtsprechung;113
8.7;Genetische Untersuchungen an Geborenen;115
8.8;Keimbahntherapie/Klonen;121
8.9;Resümee: Die Medizin zwischen Prävention und Selektion;123
9;Wie perfekt muss der Mensch sein?;132
9.1;Die ethische Problematik der Pränataldiagnostik (PND);135
9.2;Die ethische Problematik der Präimplantationsdiagnostik (PID);140
9.3;Die Utopie einer leidfreien Welt;149
10;Die Fortschritte der Genmedizin aus dem Blickpunkt der Behinderten;152
10.1;Welche Zukunft hält die Gendiagnostik für uns bereit?;152
10.2;Was bedeutet Gendiagnostik?;152
10.3;Gendiagnostik ohne Therapie ein Übergangszustand?;153
10.4;Die Rolle der Gene bei den nicht erblichen Krankheiten;155
10.5;Die Rolle der Gene beim Altern;155
10.6;Was bedeutet dies für die Behinderten?;156
11;Ethik ist eine Frage der Sprache;160
11.1;Ein Modellfall terminologischer Umwertung:;162
11.2;die Transplantationsmedizin;162
11.3;Die Anmaßung der Begriffe Biomedizin und Lebenswissenschaften ;165
11.4;Die Umdeutung des Wortes Wunschkind ;167
11.5;Die Drei-Klassen-Ordnung überzähliger/überflüssiger Embryonen ;168
11.6;Die Mär vom kleinen Zellhaufen ;170
11.7;Der verbale Taschenspielertrick vom therapeutischen Klonen ;172
11.8;Die Verführung zur Selektion ;174
12;Die Praxis vorgeburtlicher Selektion und die Anerkennung der Rechte von Menschen mit Behinderungen;178
12.1;Der Schatten der Selektion;178
12.2;Die Praxis der vorgeburtlichen Selektion;179
12.3;Bedeutet die vorgeburtliche Selektion eine Herabsetzung von;185
12.4;Menschen mit Behinderung?;185
12.5;Führt vorgeburtliche Selektion zu steigender gesellschaftlicher;189
12.6;Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen?;189
12.7;Schlussbemerkung;195
13;Grenzen der Machbarkeit;202
14;Autorenverzeichnis;210
15;Sachregister;213

ELKE HOLINSKI-FEDER
Molekulargenetische Diagnostik in der Anwendung (S. 23-24)
Nutzen, Grenzen und Schaden
Die Analyse von Vererbungsmustern menschlicher Erkrankungen ist von jeher ein zentrales Anliegen der Humangenetik. Das Wissen, dass uns durch die schnelle Entwicklung auf diesem Gebiet erwächst, berührt mehr und mehr alle unsere Lebensbereiche und verändert unser Verständnis von Krankheit und Gesundheit. Molekulargenetische Analysen eröffnen ungeahnte Anwendungsmöglichkeiten und wecken hochgesteckte Erwartungen.
Einige wesentliche Meilensteine in der Entwicklung der Genetik waren um die Jahrhundertwende, die Feststellung von Garrot (1909), dass eine Störung im Stoffwechsel von Tyrosin und Phenylalanin, die zu einer Arthritis führt, auf eine rezessive Mutation zurückzuführen ist. Bis in die 50er Jahre lebte die Genetik im Wesentlichen von phänomenologischen Beschreibungen. Dann erst gelang es Crick,Watson und Wilkins, im Jahr 1953 die Doppelhelixstruktur der DNA aufzuklären. Es erfolgte die Entschlüsselung des genetischen Codes durch Nirenberg, Matthaei, Khorana, Holley und Ochoa. Ihnen gelang es aufzuklären, in welcher Weise Information für die Synthese von Proteinen in der DNAStruktur verschlüsselt ist. Einem breiten Anwendergebiet in der DNA-Analytik wurde dieses Wissen durch die Entwicklung der Sequenzanalyse durch Sanger, Gilbert und Maxam in den 70er und 80er Jahren zugängig gemacht. 1990 wurde schließlich das international koordinierte Human Genom Projekt (HUGO) gestartet. Mit den an dieses Projekt assoziierten Forschungsvorhaben sollte der Aufbau und die Funktion der gesamten menschlichen Erbsubstanz entschlüsselt werden. Dazu gehörte die vollständige Sequenzierung der rund 3,2 Mrd. Basenpaare des menschlichen Genoms, die Identifizierung der 30.000 bis 40.000 Gene und die Analyse ihrer Funktion in der Zelle.Diese Kenntnisse sollten und sollen dazu beitragen, die molekularen Grundlagen genetisch bedingter Erkrankungen aufzuklären, Zielmoleküle für neue Medikamente zu finden und die Diagnose, Prävention und Therapie zu verbessern.
An der Entstehung der meisten Krankheiten sind genetische Faktoren in irgendeiner Weise beteiligt. DNA-Mutationen können veränderte oder fehlende Proteine zufolge haben und damit eine Störung der Zellfunktion bewirken. Am 1. Dezember 1998 wurde im umfangreichsten Katalog erblicher Erkrankungen von Victor Mc Kusick mit dem Titel "Mendelsche Erkrankung des Menschen", die zehntausendste Eintragung vorgenommen. Für über 1.000 Erkrankungen sind die Gene charakterisiert und die entsprechenden Genmutationen analysiert worden, diese Erkrankungen sind somit einer molekulargenetischen Diagnostik zugänglich.
Genetische Information
Die genetische Information aller Organismen ist als Text gespeichert. Dieser Text kommt mit nur vier Buchstaben aus, die in ihrer linearen Abfolge das Molekül Desoxyribonukleinsäure (DNA) ergeben. Innerhalb einer Zelle liegen die Nukleinsäuren als doppelsträngige Helix vor, wobei zwei komplementäre Einzelstränge zu einer Spirale verwunden sind. Das menschliche Genom besteht aus ca. rund 3 Mrd. Nukleotidpaaren, die auf 22 Chromosomenpaare und die Geschlechtschromosomen X und Y verteilt sind. In den Körperzellen liegt die genetische Information (abgesehen von den Geschlechtschromosomen X und Y) jeweils doppelt vor,wobei je ein vollständiger Chromosomensatz vom Vater und einer von der Mutter stammt. Die Nukleinsäuren gewährleisten die Konstanz der genetischen Information. Der Weitergabe der genetischen Information bei der Zellteilung geht eine Verdopplung voraus. Dazu ist ein Kopiervorgang nötig, der in

Sprache deutsch
Maße 150 x 230 mm
Gewicht 360 g
Einbandart kartoniert
Themenwelt Sozialwissenschaften Pädagogik Sonder-, Heil- und Förderpädagogik
Schlagworte Behinderte • Behinderung • Bioethik • Biomedizin • Ethik • Gentechnologie • Medizinische Ethik • Molekularmedizin • Recht • Sonderpädagogik
ISBN-10 3-497-01658-6 / 3497016586
ISBN-13 978-3-497-01658-7 / 9783497016587
Zustand Neuware
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