Ich bin Hanna (eBook)
256 Seiten
Riva Verlag
978-3-7453-1682-7 (ISBN)
Hanna Secret ist eine Pornodarstellerin aus Hamburg. Vor ihrer Karriere im Pornogeschäft machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester und Intensivmedizinischen Pflegekraft. Sie übte ihren Beruf anschließend unter anderem in einer psychiatrischen Anstalt aus. Seit 2016 ist Hanna hauptberuflich als Webcam-Girl und Pornodarstellerin tätig und vermarktet sich und ihre selbst gedrehten Pornos im Internet. Nicola Fischer ist Journalistin und TV-Produzentin. Sie arbeitet unter anderem für ProSieben, sat.1, NDR, ZDF und den Axel Springer Verlag. Am liebsten produziert sie investigative Berichte. Schwerpunkte ihres Schaffens bilden Themen aus den Bereichen Gesellschaftspolitik und Boulevard. Die gebürtige Hamburgerin ist verheiratet und lebt mit ihrem Ehemann in Schleswig-Holstein.
Hanna Secret ist eine Pornodarstellerin aus Hamburg. Vor ihrer Karriere im Pornogeschäft machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester und Intensivmedizinischen Pflegekraft. Sie übte ihren Beruf anschließend unter anderem in einer psychiatrischen Anstalt aus. Seit 2016 ist Hanna hauptberuflich als Webcam-Girl und Pornodarstellerin tätig und vermarktet sich und ihre selbst gedrehten Pornos im Internet. Nicola Fischer ist Journalistin und TV-Produzentin. Sie arbeitet unter anderem für ProSieben, sat.1, NDR, ZDF und den Axel Springer Verlag. Am liebsten produziert sie investigative Berichte. Schwerpunkte ihres Schaffens bilden Themen aus den Bereichen Gesellschaftspolitik und Boulevard. Die gebürtige Hamburgerin ist verheiratet und lebt mit ihrem Ehemann in Schleswig-Holstein.
Hot or not!
MORGENS KRANKENSCHWESTER, ABENDS PORNOSTAR
»Sternchen, du machst mich so heiß.«
Das Sternchen, damit war ich gemeint, das war Jens’ Spitzname für mich. Jens wollte immer viel reden, sich dabei befriedigen, reden und sich dann wieder befriedigen. Das konnte stundenlang so gehen. Ich saß ihm gegenüber und trug dabei ein einfaches Top und ein Höschen. Meine Auswahl an Unterwäsche war damals noch nicht so üppig, aber den Männern schienen auch einfache Slips und BH-Sets von New Yorker zu gefallen. Mehr hatte ich nämlich nicht zu bieten.
Irgendwie war ich auch so ganz anders als all die anderen Frauen auf dem Cam-Portal. Viele wirkten auf mich so wie Frauen aus der großen, weiten Welt. Ich kam mir so unendlich klein und unscheinbar neben all den schillernden Amateur-Pornostars vor. Egal, auf welches Profil ich sah, guckten mich Silikon-Brüste, gemachte Lippen, getunte Augenbrauen und ultralange Wimpern an.
Ich war nicht so. Mein Tattoo war für mich schon etwas Besonderes. Es schien mir so, als sei ich das Mädchen von nebenan – unschuldig. Aber genau das kam an: wenn so ein Mädchen von nebenan so verdorben war. Vielleicht taufte mich Jens auch deswegen sein »Sternchen«. Jens war ein User der ersten Stunde und wieder extrem anhänglich. Eigentlich war er das immer, aber gerade dann, wenn ich Frühschicht hatte, war es besonders zehrend – die langen Cam-Sessions, die kein Ende finden wollten. Ich musste ihn regelrecht abwimmeln, weil ich schon gern drei Stunden Schlaf hatte, bevor ich auf Station sein musste.
Ich arbeitete im Krankenhaus in der angegliederten Kinder- und Jugendpsychiatrie. Seit einem Jahr war ich dort und hatte mit meinen knapp 19 Jahren ein wenig Berufserfahrung hinter mir. Das Gebäude erinnerte in seiner Aufteilung an eine alte Schule. Lange Flure mit Linoleumböden. Glastüren, die wahlweise aus Sicherheitsglas waren. Am Eingang gab es eine Klingel und eine Kamera. Nicht jeder Patient kam hier ganz freiwillig hin. Einige Teenager oder fast Heranwachsende wurden auch von der Polizei gebracht und waren dann sogenannte Zwangseinweisungen. Es gab Fälle, da konnte alles passieren. Und das war für uns als Pflegepersonal auch gefährlich. Schläge, Tritte, Kratzer und Bisse, damit musste ich in gewissen Situationen rechnen. Oben auf der Station, auf der ich arbeitete, war in Zimmer 1 ein Fixierbett. Ein Bett mit Gurten, mit denen man Menschen für einen kurzen Zeitraum unter Kontrolle bringt. Bei besonders aggressiven Patienten, Verwirrten, aber auch bei Mädchen, die nicht mehr essen wollten. Da war es Vorgabe, dass immer ein solches Fixierbett bereitsteht. So eine Fixierung ist aber immer einer richterlichen und ärztlichen Anordnung unterlegen. Wir pflegten und kümmerten uns um die Personen, von denen man oft in der Zeitung oder in den Nachrichten liest. »Geistig Verwirrte, Person mit suizidalen Gedanken oder nicht zurechnungsfähig«.
Ich war mittendrin in dieser so anderen Welt. Jeder junge Mensch, der hierherkam, dem ging es psychisch wirklich schlecht. Wir waren für viele ein Anker, der im echten Leben zu fehlen schien. Ein bisschen so wie in meinem damals geheimen Nebenjob und in meinem heutigen Business. Ich habe das geführt, was man Doppelleben nennt: morgens Krankenschwester und abends Pornostar. Der Haken, den ein Doppelleben so mit sich bringt: Keiner weiß davon. Deswegen hatte ich ständig Schiss, jemand könnte dahinterkommen. Kollegen, Ärzte und Ärztinnen oder die Väter der Teenager, die bei uns regelmäßig ein und aus gingen. Ich dachte damals auch, dass es etwas Schlimmes ist, was ich da tue. Und dass ich meinen Job verlieren würde, wenn die Klinikleitung dahinterkäme.
Meine damalige Stationsleitung hieß Gisela. Sie war um die 50 Jahre alt und vom Stil so rockermäßig, hatte schwarze kurze Haare und immer ganz lässig eine Sonnenbrille im Haar. Sie traute mir viel zu und ich wollte sie nicht enttäuschen. Aber umso mehr Zeit ich mit ihr verbrachte, merkte ich, dass sie reichlich privaten Kummer hatte. Was mich zu der Erkenntnis brachte, mich einfach ganz normal zu benehmen. So würde sicherlich keiner etwas merken. Niemals hätte ich gedacht, dass ich eines Tages von meinem heimlichen Nebenjob leben kann. Ich dachte: Vielleicht verdiene ich mir etwas dazu, führe ein unbeschwerteres Leben oder kaufe vielleicht mal ein besseres Auto.
Viel Schlaf bekam ich in der Anfangszeit meines Doppellebens nicht. Es waren noch gut zwei Stunden, bis der Wecker klingelte, und Jens würde mich auch auf Station weiterhin mit Direktnachrichten über das Portal antickern. Der Vorteil war, dass ich an jeder Nachricht, die er schrieb, knapp einen Euro verdiente. Die anderen 1,20 Euro gingen an das Portal, auf dem ich angemeldet war. Der Nachteil an den Textergüssen von Jens: Es fiel mir immer schwerer, diese zwei beruflichen Welten zu trennen. Es war inzwischen vier Uhr am Morgen, Jens redete viel über seine Arbeit bei einem Flugzeughersteller, über seine Frau und über alles, was ihn so beschäftigte. Dabei masturbierte er. Manchmal switchte er zwischen Erzählungen und seiner hemmungslosen Geilheit. Er sagte, er sei verliebt in mich und nicht mehr in seine Frau. Jens müsste in den Vierzigern gewesen sein, ein bisschen zu dick, ein bisschen zu schmalzig lagen die Haare und ein bisschen zu ungesund wirkte der Gesamteindruck. Aber er strahlte wie ein verliebter Teenager über beide Ohren, wenn er mich auf dem Bildschirm sah. Nach ungefähr einer Stunde wimmerte er in sein Head-Set-Mikrofon: »Sternchen, zeigst du mir dein Löchlein?« Daran musste ich mich schnell gewöhnen, denn der Großteil der Männer redete von Löchern, wenn sie das weibliche Geschlechtsorgan und den Anus meinten. Eigentlich ist das nicht mein Style, denn ich hatte immer verniedlichende Kosenamen für meine Pussy. Aber der Großteil der Männer steht eben auf die derbe Ausdrucksweise. Pussy hörte oder las ich beispielsweise kaum bis gar nicht.
Irgendwann hat Jens’ Frau Wind von seinen Cam-Sessions mit mir bekommen und ihn vor die Wahl gestellt. Die Cam oder ich! Da er sich so leicht nicht entscheiden konnte, lebte er zunächst in einem Schwebezustand. Bei dem er für sich die perfekte Lösung parat hatte. Er durfte zu Hause nicht mehr mit mir camen, weshalb er sich so ein Modem besorgt hatte, das er vom Auto aus benutzte. Und so saßen wir also da: er in seinem Firmenwagen auf dem stoffbezogenen Beifahrersitz, seine Hand immer wieder an seinem Schwanz, und ich bei mir in meiner Wohnung in der schleswig-holsteinischen Provinz auf die tickende Uhr schielend.
Für mich war das neu, dass sich so viele Männer an mir erregten und nur darauf warteten, dass ich endlich online ging. Ich lernte mit jeder Session dazu. Lernte, wie ich die Männer heißmachen konnte. Und jeder Einzelne hatte da ganz besondere Vorstellungen. Für die einen war es, dass ich meine Brüste knetete und meine Brustwarzen steif werden ließ, bei dem anderen war es der kurze Rock ohne Slip darunter. Es dauerte nicht lange, dann hatte ich bei fast jedem die Vorlieben parat. Damit das perfekt saß und sich wirklich auch jeder Mann individuell und wichtig fühlte, habe ich mir zu allen Usern Notizen gemacht.
In den Cam-Sessions konnte ich darauf immer zurückgreifen, ohne das mein Gegenüber das merkte. Ich notierte mir, was die Männer arbeiteten, was sie gerade für Sorgen hatten und natürlich worauf sie standen. Alle Informationen waren gleichermaßen wichtig: was sie bewegte, was sie erregte. Das ist ja genau das, was vielen Männern im Alltag fehlt. Eine aufmerksame Partnerin. Meine Notizenliste von Jens wurde derweil immer länger, und das war gut so. Denn ich hatte schon zu Beginn das Gefühl, dass das mit ihm entarten könnte. Dass ich für ihn vielleicht zu einer Art Suchtfaktor werden würde. Ich verabschiedete mich im Morgengrauen von Jens, weil ich jetzt wirklich zum Frühdienst musste. Wie er mit dem wenigen Schlaf durch den Tag kam, das kann man nur erahnen.
Würde man mein damaliges Leben aufzeichnen, würde ein Geodreieck genügen. Denn irgendwie bewegte ich mich ausschließlich in einem Dreieck. Zu Hause, Krankenhaus, Sport – und wieder von vorn. Zu Hause schlief und arbeitete ich vor der Cam, im Fitnessstudio trainierte ich an mindestens fünf Tagen in der Woche. Damit ich genau den Körper habe, mit dem ich noch mehr Männer in meinen Bann ziehen konnte. Ich war ein schlanker Typ und es war mir auch sehr wichtig, schlank zu sein. Da achtete ich extrem drauf, ich brauchte diese Kontrolle über mich. Weil vieles in meinem bisherigen jungen Leben außer Kontrolle geraten war. Manchmal schien es mir so, als würde ein rasender Zug voller Unheil an mir vorbeirauschen.
Reisende kann man nicht aufhalten und kranke Menschen nicht immer heilen. Der Vater, der unsere kleine Familie verließ, unsere Mutter, die alleinerziehend für uns fünf Kinder schuftete und von denen eines starb – mein Bruder. Ich glaube, es gibt für eine Mutter nichts Schlimmeres, als wenn das eigene Kind vor einem geht. Das alles war der absolute Kontrollverlust für eine Heranwachsende wie mich. Ich...
| Erscheint lt. Verlag | 17.4.2022 |
|---|---|
| Co-Autor | Nicola Fischer |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| Sachbuch/Ratgeber ► Geschichte / Politik ► Politik / Gesellschaft | |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Schlagworte | Amateuroporno • Erotik • influencer buch • influencerin • Porno • Pornodarstellerin • Pornografie • Pornostar • Sexualität • Verführung • Webcamgirl |
| ISBN-10 | 3-7453-1682-7 / 3745316827 |
| ISBN-13 | 978-3-7453-1682-7 / 9783745316827 |
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