Mich gibt es nur mit Mable (eBook)
256 Seiten
mvg Verlag
978-3-96121-724-3 (ISBN)
Simone Isenberg ist Hundeexpertin mit Leidenschaft. Seit 1998 ist sie als Trainerin aktiv, viele Jahre davon in enger Kooperation mit Martin Rütter. Mittlerweile leitet sie in Ostwestfalen ihre eigene Hundeschule, wo sie ihre langjährige Trainer-Erfahrung mit ihren Schülern und Kunden teilt. Immer an ihrer Seite: Golden Retriever Dame und Vorzeige-Mitarbeiterin Mable.
Simone Isenberg ist Hundeexpertin mit Leidenschaft. Seit 1998 ist sie als Trainerin aktiv, viele Jahre davon in enger Kooperation mit Martin Rütter. Mittlerweile leitet sie in Ostwestfalen ihre eigene Hundeschule, wo sie ihre langjährige Trainer-Erfahrung mit ihren Schülern und Kunden teilt. Immer an ihrer Seite: Golden Retriever Dame und Vorzeige-Mitarbeiterin Mable.
Vorwort von Martin Rütter
Jeder von uns sollte das Gefühl kennen, eine Begegnung mit einem Menschen gehabt zu haben, der einen besonders beeindruckt, emotional bewegt und fasziniert hat. Hatten Sie eine solche Begegnung? Ja? Ich gratuliere, halten Sie diese Gefühle, diese prägende Gedanken an diesen Menschen fest und machen Sie sich immer wieder klar, wie groß das Privileg ist, einem solchen Menschen begegnet zu sein.
Ich selber hatte das große Glück mehrere Begegnungen dieser Art gehabt haben zu dürfen. Ich habe einige Menschen getroffen, die für mich persönlich echte Gamechanger waren.
Einer dieser Menschen wird Ihnen in diesem Buch begegnen. Sie werden nicht einfach nur die spannende, hochemotionale Geschichte der Autorin lesen, Sie werden sie fühlen und eine sehr persönliche und echte Begegnung erleben. Haben Sie keine Angst davor. Lassen Sie sich nicht abschrecken vor einer vermeidlich schweren Lebensgeschichte. Haben Sie Mut.
Um einem Menschen zu begegnen, der einen wirklich packt und einen selber weiterbringt, dazu gehört auch eine kleine Portion eigener Mut.
Ich wünsche Ihnen beim Lesen eine spannende, intensive Zeit mit sich selbst und mit Simone.
Viel Spaß dabei.
Martin Rütter
Wie Hunde heilen
Ich bin Simone, 52 Jahre alt, Borderlinerin. Ich war essgestört, gefühlsgestört, autoaggressiv und depressiv. Borderlinerin bin ich noch immer, Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung, die man nicht wirklich loswird, aber mittlerweile führe ich ein normales Leben, zumindest ist es das für mich. Die Krankheit hat mich nicht mehr im Griff, und das habe ich im Wesentlichen meiner Golden-Retriever-Dame Mable zu verdanken. Es mag sich komisch anhören, aber Mable hat mich geheilt. Natürlich hat sie das nicht bewusst getan. Sie ist mehr ein Gefühlskatalysator und bringt mich dazu, mich selbst zu reflektieren, mich selbst besser zu erkennen. Darin ist sie eine Meisterin. Hunde können für uns Menschen diese Fähigkeit haben, wenn wir uns mit ganzem Herzen auf sie einlassen. Wenn wir es zulassen, dass sie uns nahekommen. Das merke ich tagtäglich bei der Arbeit in meiner Hundeschule.
Es gab außer Mable noch einen besonders wichtigen Hund in meinem Leben. Er war es, der diesen Prozess angestoßen hat. Und zwar in einem Moment, in dem ich ganz unten war.
In dem es scheinbar nicht mehr weiterging. Das war der Moment, in dem meine Hunde-Heilung begann.
An diesen Tag im Winter 1998 erinnere ich mich noch sehr genau: Draußen war es usselig und kalt, ich saß in unserer warmen Wohnung in einem der schönsten Vororte von Köln. Die Wohnung war toll: gemütlich, kreativ, schick. Und neben mir lag unser frisch eingezogener Welpe Candy. Ich war dreißig Jahre alt und hätte der glücklichste Mensch der Welt sein müssen. Ich hatte einen liebevollen Mann, einen erfüllenden Job und nun endlich, endlich auch den lang ersehnten Hund.
Aber ich war nicht glücklich, und daran konnte auch Candy nichts ändern, obwohl ich mir das so gewünscht hatte. Und an diesem Tag war ich erst recht nicht glücklich, sondern verzweifelt. Nein, nicht bloß verzweifelt, sondern mit den Nerven am Ende. Candy war nämlich noch nicht stubenrein, obwohl sie das laut Hundebuch schon nach wenigen Tagen hätte sein müssen. Dort stand, man müsse einfach nur immer nach dem Fressen und Schlafen mit dem Hund rausgehen. Aber das funktionierte bei Candy einfach nicht. Außerdem kam sie nicht zuverlässig zu mir, wenn ich sie rief, und an der Leine zog sie dahin, wo sie hinwollte. Ich saß an diesem Nachmittag wie ein Häufchen Elend auf dem Teppich und heulte Rotz und Wasser.
Kurz zuvor war ich mit Candy draußen gewesen. Ich hatte mich auf einen schönen Spaziergang gefreut. Stattdessen war sie mir ausgebüxt und schnurstracks zu einer fremden Familie hingelaufen, die mit ihren kleinen Kindern unterwegs war. Candy sprang an ihnen hoch und jagte den Kindern eine Heidenangst ein. Wie peinlich! Die Familie schimpfte, meine Entschuldigung konnte sie nicht milder stimmen. Ich sah also einfach zu, dass ich Land gewann, und lief meiner kleinen Fellnase hinterher, um sie wieder einzufangen.
Ich hatte mich in dieser Situation total machtlos gefühlt, und dieses Gefühl brachte mich nun, da ich wieder zu Hause war, an den Rand der Verzweiflung. Immer wieder ging ich das Ereignis in Gedanken durch. Ich bemühte mich so sehr, mit Candy alles richtig zu machen. Ich übte wie verrückt und tat alles, was mein Hundetrainer Martin mir sagte. Trotzdem klappte es nicht so, wie ich es mir wünschte. Für mich war das eine Katastrophe. Ich war fix und fertig.
Für Borderliner ist es typisch, von Situationen komplett aus der Bahn geworfen zu werden, die andere Menschen vielleicht als »ärgerlich« oder »unangenehm« bezeichnen, dann aber auch schnell wieder vergessen würden. Schon seit ich denken kann, hauten mich kleinste Situationen um: Jemand war schlecht gelaunt und frustriert – und ich hatte das Gefühl, an allem schuld zu sein. Ein Mensch war traurig oder einsam – sofort war ich es auch und litt mit. Ich bekam eine Auseinandersetzung mit, die mit mir gar nichts zu tun hatte – ich war felsenfest davon überzeugt, dass hier jemand ungerecht behandelt wurde, und konnte mich auf nichts anderes mehr konzentrieren. Ein ungeduldiges Wort an mich, der Hauch einer Kritik – ich war am Boden zerstört und zerstörte mich anschließend selbst. Ich sah einen überfahrenen Igel – und er ging mir den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf, meine Stimmung war im Keller.
So war es auch nun wieder. Ich hatte keine Grenzen nach außen, keinen Schutz. Jegliche negative Energie ging mir durch und durch, fraß sich in meine Seele und tat unendlich weh. So weh, dass ich mir Rasierklingen holen und meine Haut zerschneiden musste. Ich hatte nie gelernt, mit überwältigenden Gefühlen umzugehen. Meine Emotionen machten mir wahnsinnige Angst, denn es waren so viele. Sie waren so intensiv. Manchmal zu extrem. Ich konnte sie nicht aushalten und brauchte deswegen eine Möglichkeit, diesen irrsinnigen Druck abzulassen.
Schon als kleines Kind hatte ich entdeckt: Wenn ich mir selbst wehtue, geht es mir besser. Als Jugendliche perfektionierte ich meine Autoaggression dann sozusagen, ich wurde über die Zeit Profi im Benutzen von allen möglichen Schneidewerkzeugen an meiner Haut. Nun, mit Anfang dreißig, spulte ich das volle Programm ab: meine Arme, meine Beine, meine Füße, mein Bauch – sie alle wurden malträtiert. Und so verrückt es für manche Menschen klingen mag: Ich tat das nicht gegen mich, sondern für mich. Denn hätte ich DAS nicht tun können, wäre ich geplatzt.
Zudem war ich in dieser Lebensphase essgestört. Ich hatte Angst vor Essen: Es machte dick, es könnte ungesund sein – und so gut ich mich mit Schneidewerkzeugen auskannte, so wenig wusste ich darüber, wie viel Essen für mich richtig oder falsch ist. Ich hatte kein natürliches Sättigungsgefühl. Schon als Kind beobachtete ich beispielsweise beim Abendbrot, was »man« so isst. Also: Zwei Scheiben Brot am Abend schienen »normal« zu sein. Na, dann machte ich das auch mal. Satt war ich danach nicht. Es hatte sich in mir einfach nichts verändert.
Und als ob das alles nicht schon genug gewesen wäre, war ich in dieser ersten Zeit mit Candy auch noch depressiv. Die Depressionen waren das Schlimmste von allem. Ich fühlte mich wie tot, obwohl ich noch lebte. Ganz egal, ob positive oder negative Gefühle, ich konnte sie nicht spüren, es gelang mir einfach nicht, sie zu greifen.
Obwohl ich mit Dietmar zu jener Zeit einen unglaublich lieben Mann an meiner Seite hatte, machten mich die Depression und die Borderline-Krankheit einsam. Einsamkeit ist ein Gefühl, das mich immer begleitete, auch wenn ich unter Menschen war.
Ich war noch jung und hatte schon so viel durchgemacht, dass es für mehrere Leben gereicht hätte. Einer der wenigen Lichtblicke in meinem Leben war mein Welpe Candy. Ich hatte mich so gefreut, dass dieser Wunsch Wirklichkeit geworden war, und nun diese Katastrophe. Überhaupt nichts haute hin. Dabei hatte ich so große Hoffnung in Candy gesetzt, ich hatte gedacht, mit dem Einzug eines Welpen würde es mir besser gehen. Ich dachte, nun könnte ich endlich leben, frei sein. Frei von meinen Ängsten, frei von diesen rabenschwarzen Gedanken, die mich täglich quälten. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich nach all der Zeit fröhlich und unbeschwert sein könnte, denn – so malte ich es mir aus – jetzt würde ich eine echte, wichtige Aufgabe haben und mein Leben einen echten Sinn. Aber stattdessen kam alles ganz anders. Alles brach auf einmal hervor, als hätte ich meine Symptome schmählich vernachlässigt und nun würden sie alle gleichzeitig meine Aufmerksamkeit fordern.
Als ich Candy bekommen hatte, war ich gleich Feuer und Flamme gewesen und so sehr in sie verliebt! Sie war zuckersüß, kess, fröhlich – einfach nur wunderbar. Und alles, was ich konnte, war, mich über mich selbst zu ärgern, weil ich in meinen Augen mal wieder nichts hinkriegte. Meine Gedanken kreisten in diesem Moment, als ich neben ihr auf dem Teppich saß, nur noch darum, wie schlecht ich doch war. Der Haushalt lag brach, überall waren Dinge verstreut, und in der Küche herrschte komplettes Chaos. Ich war einfach ein Nichtsnutz. Dass Dietmar mich überhaupt geheiratet hatte, grenzte an ein Wunder. Ich hasste mich für all meine Schwächen, für meine Unfähigkeit, und ich schämte mich fürchterlich für mich selbst. Ich war verzweifelt, ich weinte, ich schluchzte, ich wusste nicht weiter. Und so stand ich auf und holte wieder einmal meine Rasierklingen hervor. Ließ das Blut fließen, damit ich endlich etwas entspannen konnte.
Als ich so dasaß, während Candy friedlich vor sich hinschlummerte, gab...
| Erscheint lt. Verlag | 10.10.2021 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Schlagworte | Autobiografie • Borderline • Gesundheit • Heilung • Hunde • Löschen • Mental Health • Psychische Störung • Tiergeschichten • Wahre GEschichte |
| ISBN-10 | 3-96121-724-6 / 3961217246 |
| ISBN-13 | 978-3-96121-724-3 / 9783961217243 |
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