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Robert Habeck (eBook)

Eine politische Biografie

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021
Heyne Verlag
978-3-641-26684-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Robert Habeck - Susanne Gaschke
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Robert Habeck ist ein außergewöhnlicher Politiker. Erst hatte er Erfolg als Schriftsteller, dann machte er eine Blitzkarriere bei den Grünen. Viele Menschen finden bei ihm, was sie sonst in der Politik vermissen: Echtheit, Ehrlichkeit, Spontaneität.

Seit Robert Habeck und Annalena Baerbock ihre Partei führen, sind die Grünen im Dauerhoch, doch bei der ersten Kanzlerkandidatur der Grünen musste Habeck zurückstecken. Obwohl er lange Zeit als Favorit galt, steht nun Annalena Baerbock an der Spitze - eine persönliche Niederlage und doch eine Entscheidung, die er mitträgt. Auch darin zeigt sich der andere Politiker, der seiner Mitkandidatin ohne offenen Machtkampf den Vortritt lässt.

Für diese Biografie hat die Welt-Journalistin Susanne Gaschke mit Weggefährten, Freunden und politischen Gegnern gesprochen: Was macht Robert Habeck aus? Wie wurde er zu dem Politiker, der er heute ist? Was sehen die Menschen in ihm? Wo sind seine Grenzen? Und wohin kann sein Weg ihn noch führen?

Susanne Gaschke, geboren 1967, hat nach dem Studium und einem Volontariat bei den 'Kieler Nachrichten' 15 Jahre lang im Politikressort der 'Zeit' gearbeitet, wo sie über gesellschaftspolitische Themen schrieb. Im November 2012 wurde sie zur Kieler Oberbürgermeisterin gewählt. Im Oktober 2013 trat sie zurück. Heute lebt sie in Berlin und arbeitet als Journalistin für 'Die Welt'.

Vorwort

Robert Habeck und ich sind nicht weit entfernt voneinander aufgewachsen, er auf dem Ost-, ich auf dem Westufer der Kieler Förde. Habecks Eltern betrieben die Rathaus-Apotheke in der kleinen und wohlhabenden Vorortgemeinde Heikendorf, meine Eltern waren Lehrer an zwei Kieler Gymnasien. Ich machte 1986 an der Kieler Gelehrtenschule das Abitur, der drei Jahre jüngere Habeck legte es 1989 an der Heinrich-Heine-Schule ab. Mit 16 Jahren wurde Habeck Schülersprecher – ich erst mit 18 Jahren. Er spielte Hauptrollen in den Inszenierungen der Theater-AG. Ich spielte Nebenrollen in den Produktionen meiner Schule. 1987 trat ich, kurz nach meinem Abitur, in Kiel in die Sozialdemokratische Partei ein. 2002 wurde Robert Habeck im Alter von 32 Jahren Mitglied der Grünen in Schleswig-Flensburg. Er ist verheiratet und hat vier Söhne. Ich bin verheiratet und habe eine Tochter. Wir haben beide über ein literaturwissenschaftliches Thema promoviert. Habeck arbeitete zehn Jahre lang als Schriftsteller und Übersetzer, ich arbeitete 15 Jahre lang als politische Journalistin für die ZEIT in Hamburg. Habeck legte nach seinem späten Eintritt innerhalb der grünen Partei eine beeindruckende Karriere hin: 2004 wurde er Landesvorsitzender, 2009 Oppositionsführer im Kieler Landtag, 2012 Umwelt- und Landwirtschaftsminister im Kabinett Torsten Albig (SPD). Im selben Jahr wurde ich zur Kieler Oberbürgermeisterin gewählt – als direkte Nachfolgerin des neuen Ministerpräsidenten. Ein knappes Jahr lang begegnete ich Habeck in seiner Funktion als Minister und stellvertretender Ministerpräsident auch bei offiziellen Terminen in Kiel. Doch während mein politisches Projekt schon 2013 relativ abrupt und unschön endete, startete Habeck erst richtig durch. Zwar unterlag er noch ganz knapp, als die Grünen 2017 neue Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl aufstellten – das wurden Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt –, aber 2018 übernahmen er und die Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock dann die Führung ihrer Partei. Seither war Robert Habeck schon mehrfach der zweitbeliebteste oder sogar der beliebteste Politiker Deutschlands, noch vor der lange unverwüstlichen Kanzlerin Angela Merkel. Die Grünen erzielten 2019 in einzelnen Umfragen Ergebnisse von bis zu 27 Prozent und lagen damit sogar zeitweise vor der Union (25 Prozent). Teile der Öffentlichkeit und Teile der Medien hielten es plötzlich für möglich, dass Robert Habeck der erste grüne Bundeskanzler werden könnte. Baerbock spielte damals eher eine Nebenrolle. Im Frühjahr 2020, unter dem Eindruck der Coronakrise, schwächte sich der Höhenflug der Grünen ein wenig ab: Die Partei, die im Bund keine exekutive Rolle auszufüllen hatte, tat sich schwer damit, im Ausnahmezustand den richtigen Ton zu treffen. Das galt auch für Robert Habeck. Und damit begannen die Gewichte sich zugunsten von Annalena Baerbock zu verschieben. Da zudem die Sozialdemokraten mit dem 62-jährigen Olaf Scholz zur Bundestagswahl antraten und die CDU/CSU sich, nach einem unschönen Machtkampf, gegen den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und für den 60-jährigen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten und CDU-Vorsitzenden Armin Laschet als Kanzlerkandidaten entschied, entstand zumindest medial ein gewisser Druck auf die Grünen, gleichsam für alle anderen Parteien das Feld der Spitzenkandidaten zu quotieren.

Seit dem 19. April 2021 wissen wir nun: Nicht Habeck, sondern Annalena Baerbock führt die Grünen als erste Kanzlerkandidatin der Partei in den Wahlkampf. Habeck und Baerbock, so will es die sorgfältig gepflegte grüne Legende, haben diese Entscheidung gemeinsam getroffen. Aber Robert Habeck wartete kaum zwei Stunden, bis er der ZEIT in einem Interview anvertraute, Baerbocks Nominierung sei für ihn »bittersüß« – schließlich sei er 2018 als Vorsitzender nach Berlin gegangen, um seine Partei überhaupt erst in die Lage zu versetzen, den Kampf um die Kanzlerschaft zu führen. Nichts habe er mehr gewollt, als dieser Republik als Kanzler zu dienen, sagte Habeck. Insofern sei der Tag der Entscheidung der schmerzhafteste seiner politischen Laufbahn gewesen.

Ich, als Autorin, die ein Buch über Robert Habeck schrieb, war natürlich ebenfalls enttäuscht und verblüfft. Enttäuscht, erstens und ganz banal, weil ein Buch über den ersten grünen Kanzlerkandidaten vermutlich mehr Menschen interessiert hätte als eines über den Mann, der eben dies nicht geworden ist. Enttäuscht, zweitens, weil ich mich mit Robert Habeck ja überhaupt nur beschäftigt habe, da ich der Überzeugung war, dass er tatsächlich das Zeug zu einem ganz neuen Politikstil gehabt hätte. Im Gegensatz zum Schriftsteller Habeck mit Lebens-, Berufs- und Regierungserfahrung bleibt Baerbock für mich ein recht konventionelles Parteigewächs, die die Stationen Studium, Abgeordnetenmitarbeit, Landesvorsitz, Bundestagsmandat, Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur ebenso brav absolviert hat wie ihre politischen Mitbewerber. Bei ihren akademischen Meriten hat sie zudem ein wenig hochgestapelt, denn weder ihr politikwissenschaftliches Studium in Deutschland noch ihre Promotion hat sie abgeschlossen.

Verblüfft hat mich, dass Robert Habeck, der sich von Jugend an extrem gut gegen Konkurrenten durchsetzen konnte, ausgerechnet an Annalena Baerbock gescheitert ist. Nicht unwahrscheinlich, dass er sie schlicht unterschätzt hat. Ich bin mir unsicher, ob nicht Habeck am Ende seiner Partei das bessere Ergebnis gebracht haben würde. Die Verliebtheit der Medien, die im Frühjahr 2021 eindeutig von ihm auf sie übergegangen ist, ist ein flüchtiger Zustand.

Meinungsumfragen, die die Grünen 2021 wieder stabil auf Platz eins vor der implodierenden Nach-Merkel-Union sahen, schienen zunächst die Entscheidung für Baerbock zu rechtfertigen. In Talkshows und Interviews überschlugen sich Journalistinnen vor Begeisterung.

Und doch habe ich – vor dem schrecklichen Coronajahr, in dem ja auch Baerbock nicht öffentlich auftreten konnte – wieder und wieder erlebt, wie Robert Habeck Säle voller Menschen begeisterte, die nicht der politisch-medialen Klasse, nicht der Berliner Blase angehörten. Im Spiegel war einmal zu lesen, Baerbocks Reden seien Rockkonzerte – ich kann mich allerdings an keine einzige Rede erinnern, die ich so empfunden hätte. Ihr auffälligstes rhetorisches Mittel ist, dass sie zu rufen beginnt, wenn sie Emphase signalisieren will. Darin ähnelt sie ein wenig der früheren SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles.

Habecks Reden sind, vielleicht schon wegen der Länge seiner Sätze, auch nicht unbedingt Rockkonzerte, sondern eher Singer/Songwriter-Auftritte – aber er hat Groupies und Fans wie ein Rockstar. Oder hatte sie, als er noch von Veranstaltung zu Veranstaltung und von Lesung zu Lesung fuhr. Da wirkte er authentisch und ganz bei sich – und löste beim Publikum Begeisterung aus, eben weil er anders sprach, als man es von der politischen Bühne gewohnt ist. Habeck profilierte sich durchaus auch auf Kosten des allgemeinen Politikbetriebs und der Grünen insbesondere – keine ganz ungefährliche Methode.

Ich möchte in diesem Buch versuchen, die Frage zu beantworten, ob Habeck sich durch seine Selbstdarstellung als »Anti-Politiker« bei Politkollegen und Journalisten ein Stück weit selbst sabotiert hat. Während sein normales Publikum sich zugleich gerade in den letzten Monaten vor der Kandidaten-Entscheidung gefragt haben könnte, ob er nicht doch langsam selbst zum Establishment-Politiker werde. Jedenfalls klang seine staatstragende, kanzlerinnentreue Rhetorik in der Coronakrise nicht mehr nach dem unangepassten, freiheitsliebenden Robert Habeck, der in so vielen Leuten die Hoffnung nach einer anderen Politik wecken konnte – eine Hoffnung, die heute überall in Deutschland mit Händen zu greifen ist und die meist in der Frage mündet, was um Himmels willen man denn nur wählen solle. Bis zum Coronajahr hätte jedenfalls ich geantwortet: Robert Habeck geht.

Natürlich interessieren mich unsere biografischen Ähnlichkeiten; ich wollte, ehrlich gesagt, auch wissen, warum er in der politischen Sphäre so erfolgreich war und ich eher nicht.

Eine politische Ausnahmeerscheinung ist er auf jeden Fall. Sein Markenzeichen ist seit seiner Schulzeit die Begabung, zwischen scheinbar unvereinbaren Interessen zu vermitteln. Er ist ein Künstler und Verteidiger des Kompromisses. Habeck ist außerdem ein Politiker mit Sexappeal, auf den gerade Männer, die sich ihrer eigenen Attraktivität bewusst sind, manchmal eigenartig empfindlich reagieren. Er selbst hat öffentlich darüber geklagt, dass er in der Konkurrenz mit Baerbock über Äußerlichkeiten beschrieben worden sei und nicht über seine Leistungsbilanz und Erfahrung. Bei Frauen, sagte Habeck der ZEIT, würde man in einem solchen Fall von »sexistischen Zuschreibungen« sprechen.

Zu Habecks Charme gehören die unpräzise Formulierung und die jederzeitige Bereitschaft, Fehler einzugestehen – wer tut das schon in der Politik? Gleichzeitig sind zu viele Fehler und Ungenauigkeiten in politischen Aussagen natürlich auch ein Problem. Wie viel Substanz hat Robert Habeck? Ist er bloß ein liebenswerter Blender oder hätte er die Kraft und die Disziplin gehabt, um unser Land als Kanzler zu führen?

Von keinem anderen deutschen Politiker gibt es so viele Selbstzeugnisse in Sachbuch- und Romanform wie von ihm. Wäre er der grüne Kandidat geworden, hätten Journalisten wie Öffentlichkeit...

Erscheint lt. Verlag 16.8.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
Schlagworte Annalena Baerbock • Biografie • Biographien • Bundesvorsitzender • Die Grünen • eBooks • Kanzlerkandidat • Politiker • Politikerporträt • Schleswig-Holstein • Schriftsteller
ISBN-10 3-641-26684-X / 364126684X
ISBN-13 978-3-641-26684-4 / 9783641266844
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