Bloggen gegen Rassismus (eBook)
204 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-14338-8 (ISBN)
Said Rezek ist Politikwissenschaftler, Blogger und Journalist. Er schreibt für den NDR, das MiGAZIN, die taz und andere Medien. Außerdem bietet er bundesweit Blogger:innen-Workshops mit den Themenschwerpunkten Hate Speech, Rassismus, Medienkompetenz und Demokratieförderung an. Said Rezek lehrt in Schulen, Wohlfahrtsverbänden, kommunalen Integrationszentren und an Hochschulen. Viele Teilnehmer:innen seiner Workshops engagieren sich erfolgreich gegen Rassismus und für mehr Vielfalt in sozialen Netzwerken.
Said Rezek ist Politikwissenschaftler, Blogger und Journalist. Er schreibt für den NDR, das MiGAZIN, die taz und andere Medien. Außerdem bietet er bundesweit Blogger:innen-Workshops mit den Themenschwerpunkten Hate Speech, Rassismus, Medienkompetenz und Demokratieförderung an. Said Rezek lehrt in Schulen, Wohlfahrtsverbänden, kommunalen Integrationszentren und an Hochschulen. Viele Teilnehmer:innen seiner Workshops engagieren sich erfolgreich gegen Rassismus und für mehr Vielfalt in sozialen Netzwerken.
2. Kapitel
Digitale Zivilcourage gegen Rassismus
In der analogen Welt erwarten die meisten zu Recht Zivilcourage, wenn jemand in aller Öffentlichkeit beleidigt oder bedroht wird. Diesen Maßstab sollten wir als Gesellschaft auch in der digitalen Welt an den Tag legen, da beide Sphären real sind und sich Hate Speech sowohl digital als auch analog negativ auf die Betroffenen auswirken kann, wie wir im ersten Kapitel gesehen haben.
Vor allem rassistische Aussagen von Politiker: innen oder Personen des öffentlichen Lebens sollten nicht unwidersprochen bleiben, weil sie häufig viele Menschen erreichen. Die AfD bietet leider ziemlich viele Anlässe, die Gegenrede notwendig machen, wenn sie Hass und Hetze verbreitet. Als Blogger: in kannst du eigene Beiträge schreiben, die sich online und offline gegen die AfD richten und sich für Vielfalt stark machen. Dabei musst du dich jedoch auf Kritik bis hin zu üblen Beleidigungen von Hater: innen einstellen. Im fünften Kapitel gehe ich darauf ein, wie du damit umgehen kannst.
Wenn Blogger: innen die bewussten Tabubrüche der rechtsradikalen AfD öffentlich kritisieren, heißt es häufig, sie würden ihr dadurch noch mehr Aufmerksamkeit schenken. Das ist zwar richtig, aber ist Schweigen wirklich die bessere Alternative? Im Falle der AfD lautet die Antwort definitiv nein, weil die rechtsradikale Partei längst eine gesamtgesellschaftliche Relevanz erreicht hat. AfD-Politiker: innen sind im Deutschen Bundestag und in allen Landtagen vertreten (Stand: Oktober 2020). Die AfD erreicht insofern längst nicht mehr nur ihre eigenen Anhänger: innen, sondern mit ihren Botschaften breite Bevölkerungsgruppen.
Die Kritik verschafft ihr zwar noch mehr Präsenz, aber das Schweigen bestärkt die AfD und ihre Anhänger: innen. Sie könnten meinen, im Namen einer schweigenden Mehrheit zu sprechen, da sie die fehlende Reaktion als Zustimmung oder Gleichgültigkeit interpretieren. Dieser Eindruck könnte auch bei Anhänger: innen anderer Parteien entstehen. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich bei verbalen Grenzüberschreitungen öffentlich gegen die AfD und anderen Rassist: innen zu positionieren. Durch das Bloggen kannst du dich für eine vielfältige Gesellschaft einsetzen.
2.1 Wer oder was sind Blogger: innen und Blogs?
Blogger: innen sind Medienmacher: innen und nutzen elektronische Medien, um ihre Inhalte in regelmäßigen Abständen über das Internet zu veröffentlichen. Sie können im Rahmen der Meinungsfreiheit über alles und jede: n berichten, seien es politische, persönliche, philosophische oder andere Inhalte. Jede: r kann Texte, Bilder, Videos oder einen Mix aus allem teilen. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.
Durch das Bloggen erhalten Themen, die dir am Herzen liegen, mehr Aufmerksamkeit, indem deine Stimme im Idealfall von vielen User: innen gehört, gelesen und kommentiert wird. Genau darum geht es im Kern beim Bloggen: Inhalte veröffentlichen, Menschen erreichen, sich mit Leser: innen darüber austauschen und Debatten anstoßen. Als Journalist und Blogger zeige ich dir in diesem Buch, wie du vor allem starke Texte gegen Rassismus und für eine vielfältige Gesellschaft veröffentlichen kannst.
Das Wort Blog steht übrigens für die Kurzform von Weblog. Weblog wiederum ist eine Wortkreuzung aus den englischen Begriffen web (Netz, Internet) und log (Logbuch). Ein Logbuch ist laut dem Duden ein »Tagebuch auf Seeschiffen, in das alle für die Seefahrt wichtigen Beobachtungen eingetragen werden«.79 Ein Blog sollte jedoch nicht mit einem privaten Tagebuch verwechselt werden, obwohl es da gewisse Gemeinsamkeiten gibt. In den meisten Fällen sind Blogs und Tagebücher untrennbar mit einer Person verbunden, und in beiden werden häufig persönliche Informationen preisgegeben. Der entscheidende Unterschied ist wiederum, dass Tagebücher in der Regel nur von den Verfasser: innen gelesen werden, während Blogger: innen mit ihren Beiträgen meistens so viele Menschen wie möglich erreichen möchten und häufig eine spezielle Zielgruppe im Blick haben.
Im Internet existieren diverse Anbieter für Blogs, wie zum Beispielblogger.com, wordpress.com oder tumblr.com. In der Vergangenheit handelte es sich bei Blogs vor allem um solche Plattformen bzw. Websites. Mittlerweile sind jedoch soziale Netzwerke immer stärker im Trend und erfüllen gleichzeitig die Funktion eines Blogs. Schließlich geht es wie erwähnt darum, Gedanken zu veröffentlichen, diese einem Publikum zu präsentieren und sich darüber auszutauschen.
2.2 Posten ist ein Privileg
Jede: r kann über soziale Netzwerke Inhalte in Echtzeit veröffentlichen und damit potenziell ein weltweites Publikum erreichen. Auch du! Ein Social-Media-Account und eine Internetverbindung sind alles, was du dazu brauchst. Das klingt heutzutage so selbstverständlich, aber vor einigen Jahren war das noch ganz anders.
Wer vor dem Internetzeitalter etwas publizieren wollte und in keiner Redaktion arbeitete, hatte so gut wie keine Chance, sich öffentlich Gehör zu verschaffen. Das Höchste der Gefühle war eine Rede auf einer Demonstration. Das soll Versammlungen nicht geringschätzen, denn schließlich sind sie Ausdruck unserer freiheitlichen Demokratie. In den meisten Fällen erfuhren jedoch nur wenige Menschen davon, es sei denn, es handelte sich um große Demonstrationen oder gar internationale Bewegungen.
Um breite Teile der Bevölkerung zu erreichen, führte im analogen Zeitalter deshalb kein Weg an der Berichterstattung etablierter Medien vorbei. Die Entscheidung darüber, ob ein klassisches Medium einen Protest aufgriff, lag und liegt immer noch in den Händen von Redakteur: innen. Wer einen Artikel in einer Zeitung kommentieren wollte, musste einen Leserbrief schreiben. Ob dieser letztendlich abgedruckt wurde, entschieden wiederum Redakteur: innen. Heutzutage kann jede: r zu jeder Zeit an jedem Ort im Online-Kommentarbereich vieler etablierter Medien direkt die eigene Meinung äußern. Du kannst sogar noch einen Schritt weitergehen: Als Blogger: in kannst du eigene Beiträge schreiben, die sich online und offline positiv auf unser friedliches und demokratisches Zusammenleben auswirken.
2.3 Empathie als Mittel gegen Hetze
Stell dir vor, ein Neujahrsbaby kommt in Wien zur Welt und das Krankenhaus veröffentlicht, wie jedes Jahr, ein Foto der glücklichen Familie. Das ruft im Netz normalerweise positive Emotionen und Glückwünsche hervor, aber nicht an Neujahr 2018. Innerhalb weniger Stunden posteten Hunderte User: innen hasserfüllte Kommentare auf Facebook, die sich gegen das Neugeborene und die Eltern richteten. Der Grund: Die Eltern des Wiener Neujahrsbabys 2018 sind Muslime, wie es auf dem Foto am Kopftuch der Mutter zu erkennen war.80
Abb. 4: Hasskommentare gegen das Wiener Neujahrsbaby 2018 und seine Eltern.
Diese Hasskommentare sind so menschenverachtend, dass ich sie sehr ungerne zeige. Allerdings veranschaulichen sie die Hetze im Netz auf eine unmissverständliche Weise. Einige dieser Kommentare sind von den Sicherheitsbehörden in Österreich strafrechtlich verfolgt worden. So ist eine 48-jährige Frau im September 2018 wegen Verhetzung zu einer teilbedingten Haftstrafe von neun Monaten verurteilt worden – drei davon musste sie im Gefängnis verbringen.81 Eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten erhielt ein 65-jähriger Mann, ebenfalls wegen Verhetzung.82 Der analoge Tatbestand im deutschen Strafgesetzbuch lautet Volksverhetzung.
Solche Verurteilungen sind wichtig, denn dadurch wird deutlich, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist. Mindestens genauso wichtig ist es, dass es Menschen in sozialen Netzwerken gibt, die sich dem Hass entgegenstellen. Und genau dies ist im Falle des Wiener Neujahrsbabys 2018 geschehen: Als Reaktion auf die Hetze organisierte Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas in Wien, auf Facebook eine öffentliche Solidaritätsaktion für die Familie.
Abb. 5: Aufruf zur öffentlichen Facebook-Solidaritätsaktion für das Wiener Neujahrsbaby 2018 und seine Eltern. (Auf Wunsch der Familie habe ich die Personen unkenntlich gemacht. Bei der Erstveröffentlichung des Facebook-Posts von Klaus Schwertner war die Familie noch damit einverstanden, das Bild unverpixelt zu zeigen.)
Auf diesen empathischen Facebook-Post reagierten über 37.000 User: innen, die meisten mit einem Herz-Emoji. Wie man zudem auf der Abbildung erkennen kann, wurde der Beitrag mehr als 16.000 Mal geteilt. So viele Shares erhält teilweise nicht einmal der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auf seine Posts. Außerdem ist die Solidaritätsaktion mehr als 32.000 Mal kommentiert worden. Die User: innen antworteten überwiegend auf eine liebevolle Weise:
Birgit Steiner* : »Herzlich willkommen, kleine Asel! Jedes Baby ist Zukunft und Hoffnung – und dadurch ein Geschenk an uns alle.«
Friedrich Schlegel: »Willkommen im neuen Leben. Nutze es, um die Welt ein klein wenig besser zu...
| Erscheint lt. Verlag | 2.11.2020 |
|---|---|
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Schulbuch / Wörterbuch ► Lexikon / Chroniken |
| Sozialwissenschaften ► Pädagogik | |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Technik | |
| Schlagworte | AfD • Bloggen • Empowerment • Hasskommentare • Hate speech • Medien • Rassismus • Social Media • Soziale Netzwerke |
| ISBN-10 | 3-347-14338-8 / 3347143388 |
| ISBN-13 | 978-3-347-14338-8 / 9783347143388 |
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