Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Echter Wohlstand (eBook)

Warum sich die Investition in inneren Reichtum lohnt - Ein Plädoyer für neue Werte

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021
Kailash (Verlag)
978-3-641-27248-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Echter Wohlstand - Vivian Dittmar
Systemvoraussetzungen
12,99 inkl. MwSt
(CHF 12,65)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Was im Leben wirklich wichtig ist
In unserer Gesellschaft definieren wir Wohlstand fast ausschließlich materiell. Doch Konsum aktiviert zwar unser Belohnungssystem, aber wirklich reich macht er uns nicht - echter Wohlstand muss sich auf vielen Ebenen entfalten.
Vivian Dittmar skizziert die Grundpfeiler eines Lebens, das in einer völlig neuen Weise reich ist: reich an Zeit, erfüllenden Beziehungen, Kreativität, Verbundenheit mit den Mysterien des Lebens und der unbändigen Schönheit der Natur. Sie zeigt, dass ein gutes Leben nicht im Widerspruch zu einem notwendigen ökosozialen Wandel der Gesellschaft steht, sondern im Gegenteil dadurch erst ermöglicht wird.
Ein Weckruf für eine echte Wohlstandsgesellschaft und für das, was wirklich wichtig ist.

Vivian Dittmar ist anerkannte Expertin zum Thema emotionale Intelligenz, Autorin und Gründerin der Be the Change-Stiftung für kulturellen Wandel. Durch ihre Bücher, Vorträge, Seminare und Onlineangebote engagiert sie sich seit zwei Jahrzehnten für eine holistische Entwicklung von Mensch, Gesellschaft, Wirtschaft und Bewusstsein. Zu ihren Bucherfolgen zählen u. a. 'Das innere Navi', 'Gefühle & Emotionen - eine Gebrauchsanweisung' und, zuletzt bei Kailash erschienen, 'Echter Wohlstand'.
Sie ist Mutter von zwei Söhnen und lebt mit ihrer Familie in der Chiemsee-Region.

www.viviandittmar.net

1
Unsichtbare Armut


Der enorme Erfolg unseres industriellen und kapitalistischen Systems, materiellen Reichtum zu schöpfen, lässt uns leicht seine Folgen übersehen. Wir haben so viele Dinge, Angebote, Möglichkeiten, Annehmlichkeiten wie keine Generation vor uns. Der Preis, den wir und andere für diesen materiellen Wohlstand zahlen, ist schwer greifbar. In jüngster Zeit wird viel unternommen, um auf die ökologischen Folgen aufmerksam zu machen: das Massensterben von Tieren und Pflanzen, die Entgleisung des Erdklimasystems, die weltweite Zerstörung von Ökosystemen. Und schon seit Jahrzehnten werden die sozialen Folgen angeprangert. Hungernde Kinder in Afrika und Asien werden wirkungsvoll in Szene gesetzt, um Spenden zu sammeln. Immer wieder wird auf die menschenverachtenden Bedingungen hingewiesen, unter denen Arbeitenden in den Fabriken dieser Welt schuften, um unsere Billigprodukte herzustellen. Und das sind natürlich nur zwei Beispiele von vielen.

Jede dieser Kampagnen scheint mit einem anklagenden Finger auf uns zu zeigen und zu sagen: »Schau, wie gut es dir geht, während andere leiden!« Aber stimmt das? Geht es uns wirklich so gut? Meine Wahrnehmung ist, dass es uns ganz und gar nicht gut geht. Und zwar nicht nur, weil andere leiden, sondern auch, weil wir selbst leiden. Wir sind eingesperrt in einen goldenen Käfig und finden den Schlüssel nicht mehr. Wir ersticken an Dingen und haben keinen Raum mehr, um zu atmen. Wir sind angewiesen auf einen nie abreißenden Strom an Konsum und Unterhaltung, um den inneren Mangel im Schach zu halten.

Wahrscheinlich findest du jetzt, dass ich übertreibe. Oder vielleicht sogar, dass ich Hirngespinste habe. Wo soll denn all dieses große Unglück sein? Womöglich bin ich einfach selbst ein unglücklicher Mensch, der seinen Mangel auf alle anderen projiziert. Zumindest was den letzten Punkt angeht, kann ich dir versichern, dass das nicht zutrifft. Was die ersten Punkte betrifft, möchte ich dir näher erklären, wie ich zu meiner Einschätzung komme: Es sind zum einen die Gesichter. Wenn ich an das Bali meiner Kindheit zurückdenke, dann sind es vor allem die Gesichter, an die ich mich erinnere. Vor meinem inneren Auge sehe ich Menschen, die von innen zu leuchten scheinen.

Ich hatte das, ehrlich gesagt, fast vergessen. Doch dann bekam ich Post. Es geschah vor gar nicht langer Zeit, als ich mit der Be the Change Stiftung das Projekt »Bäume für den Wandel« ins Leben rief. Mit diesem Projekt lade ich Menschen ein, einen Teil ihres Geldes regelmäßig einzusetzen, um Bäume zu pflanzen. Von unserem Pflanzpartner Eden Projects bekam ich Fotos zur Verfügung gestellt. Sie zeigen Menschen, die in den ärmsten Regionen der Welt Bäume pflanzen. Es handelt sich um die Ärmsten der Armen, die durch das Projekt sinnvolle Arbeitsplätze zu fairen Bedingungen bekommen. Als ich in ihre Gesichter blickte, kamen mir die Tränen. Ja, ich sah Menschen, die fast nichts haben. Doch vor allem sah ich genau jenes Leuchten, das ich fast vergessen hatte. Nicht in jedem Gesicht, nein, aber in einigen.

Vielleicht hast du ein solches Leuchten auch schon mal gesehen, obwohl es bei uns kaum zu finden ist. Als mein Mann, der Südtiroler ist, die Bilder sah, sagte er spontan: »Ich kenne solche Gesichter. Ich kenne sie von Bergbauern, die bei uns noch ganz einfach irgendwo hoch oben leben.« Das meine ich mit: Wenn ich mich heute in unserer Gesellschaft umsehe, dann sehe ich keine Menschen, denen es »so gut geht«. Ich sehe und spüre Menschen, die arm sind, ohne es zu wissen, und denen den ganzen Tag erzählt wird, dieses oder jenes Produkt könnte ihre Not lindern.

Okay, vielleicht ist das mit den leuchtenden Augen etwas dünn als Erklärung dafür, warum ich unsere Gesellschaft als arm empfinde. Auf jeden Fall ist es hochgradig subjektiv. Ich werde daher im Folgenden noch auf andere, wissenschaftlich belegte Merkmale unserer Armut eingehen.

Wer ist hier eigentlich arm?


Wenn wir an Armut denken, dann denken wir an Slums, an Hungerbäuche, an zerfetzte Kleidung. Wir denken an Sweat-Shops und Kinderarbeit, weit weg. Vielleicht denken wir auch an Obdachlose, die nach Ladenschluss auf den Stufen unserer Konsumtempel ihr bescheidenes Schlafzimmer herrichten. Oder an soziale Brennpunkte, wo es so gut wie niemand aufs Gymnasium schafft. Es sind Bilder einer sichtbaren Armut.

Manchmal versuchen wir, Armut in Zahlen zu greifen, etwa indem wir sagen, in manchen Ländern würden die Menschen von weniger als einem Euro pro Tag leben. So arm sind sie! Oft wird dann angeführt, dass ein Euro in Nigeria oder in Indien ja eine ganz andere Kaufkraft hat als bei uns. Leider stimmt das nur bedingt, wenn man die zugrunde liegenden Rechnungen genauer unter die Lupe nimmt. Doch dazu kommen wir noch. Unabhängig davon blendet die Behauptung, Menschen würden von einem Euro am Tag leben, etwas Grundlegendes aus: Viele Bedürfnisse, die bei uns durch Konsum und Geld abgedeckt werden, sind in weniger privilegierten Ländern Teil einer Tausch- oder Schenkökonomie. Das bedeutet, dass für sie kein Geld fließt. Etwa: Kinderbetreuung, Alten- und Krankenpflege, Unterhaltung, Bildung, Freizeitaktivitäten, kulturelle Veranstaltungen, spirituelle und psychologische Begleitung, Reparaturen, Geburtshilfe oder Sterbebegleitung. Auch viele materielle Bedürfnisse werden auf diesem Wege abgedeckt: Die Fortbewegung, der Verleih von Geräten, der Bau von Häusern, der Anbau von Nahrungsmitteln, das Hüten und Schlachten von Tieren, die Altersvorsorge und viele andere Formen von Versicherung. All diese Wirtschaftsleistungen kommen in dem einen Euro am Tag nicht vor, da sie erbracht werden, ohne dass dafür Geld bezahlt wird.

Das bedeutet, dass die Information, wie wenig oder wie viel Geld jemand pro Tag zur Verfügung hat, kaum etwas darüber aussagt, wie gut er versorgt ist. Ein Mensch kann mit weniger als einem Euro pro Tag in einer traditionell bäuerlichen Dorfstruktur oder einer indigenen Stammesstruktur ein Leben führen, in dem weitaus mehr Bedürfnisse abgedeckt sind als bei einem gut situierten Stadtmenschen. Und genauso kann ein Mensch mit nur einem Euro am Tag in einem Slum täglich um sein Überleben kämpfen.

Aber gilt das Gleiche auch für uns in den reichen Industrienationen? Sagt, wie viel Geld wir pro Tag oder pro Monat zur Verfügung haben, auch bei uns nichts darüber aus, wie gut wir versorgt sind? Zu einem gewissen Grade ja. Auch bei uns gibt es Menschen, die von sehr wenig Geld leben und auf anderem Wege gut versorgt sind. Ein extremes Beispiel ist mein lieber Freund Raphael Fellmer, der fünf Jahre im Geldstreik lebte und dem es dabei ausgezeichnet ging. Seine Gabe, tragfähige Beziehungen aufzubauen, seine Talente der Welt zu schenken und Geschenke von anderen anzunehmen, machten ihn zu einem reichen Mann, der auch für seine Umgebung eine Bereicherung war.2 Und es gibt Menschen, die sehr viel Geld haben und trotzdem in großer Armut leben. Robert West, Chefredakteur des Wissenschaftsjournals Addiction und Professor für Gesundheitspsychologie in London, erzählt beispielsweise von seinem Bruder, dieser sei als CEO einer Bank »höllisch unglücklich« gewesen: »Auch noch so viele Ferraris und Häuser in Miami halfen nichts … Er betrachtete auch die Menschen, mit denen er arbeitete, als unglücklich, denn egal wie viel Reichtum sie hatten, es war nicht genug.«3

Diese beiden Männer sind natürlich zwei Extreme. Der eine hat gar kein Geld und ist innerlich reich, wodurch es ihm gelingt, auch seine materiellen Bedürfnisse abzudecken. Der andere hat weit mehr Geld, als er bräuchte, um seine materiellen Bedürfnisse zu stillen, und ist offenbar innerlich arm, was ihn sehr unglücklich macht. Ich habe diese beiden Pole hier angeführt, um aufzuzeigen, dass es neben der sichtbaren materiellen Arm-Reich-Skala eine zweite gibt, die offenbar sehr wenig mit finanziellen Mitteln zu tun hat.

Beide Männer haben übrigens ihren Lebensstil inzwischen geändert. Mein Freund Raphael Fellmer beendete seinen Geldstreik, um seiner Mission, der Reduzierung von Lebensmittelverschwendung, noch effektiver nachgehen zu können. Er gründete Sirplus, ein Sozialunternehmen, das Lebensmittel im großen Stil rettet. Ist er nun weniger glücklich, weil er mehr Geld hat? Natürlich nicht. Der Banker hingegen verließ die Welt des großen Geldes und ist laut seinem Bruder seitdem viel glücklicher.

Symptome unserer Armut


Doch was ist diese zweite Armut, von der ich hier spreche? Wie macht sie sich bemerkbar? Eines ist klar: Sie zeigt sich nicht in zerfetzten Kleidern oder schäbigen Behausungen. Doch sie hinterlässt andere Spuren, sie hat eindeutige Symptome, die in unseren reichen Gesellschaften weit verbreitet sind. Das erste Symptom habe ich bereits erwähnt: Es ist jener verhärmte Blick der Menschen, der von einer chronischen Unzufriedenheit zeugt, die uns schon normal erscheint.

Ein zweites Symptom ist unser Verhältnis zur Zeit. Das zeigt sich in ständiger Hetze, dem Empfinden, nie Zeit zu haben. Oder in ihrem Gegenstück, der Notwendigkeit, sich die kostbare Zeit mit irgendetwas zu »vertreiben«. Wir befinden uns, so scheint es, in einem fortwährenden Kampf mit der Zeit, die ja nichts anderes als Leben ist. Unablässig versuchen wir, sie auszudehnen oder ihr Verstreichen voranzutreiben. Wirklich mit der Zeit im Einklang scheinen wir hingegen selten zu sein.

Symptome unserer Armut

  1. chronische Unzufriedenheit
  2. Hetze & Stress /...

Erscheint lt. Verlag 22.3.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Geschichte / Politik Politik / Gesellschaft
Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
Schlagworte Bewusstsein • eBooks • Fülle • Gesellschaftlicher Wandel • Gut leben in schwieriger Zeit • innerer Reichtum • Konsum • Kreativität • Maja Göpel • materieller Wohlstand • Motivation • Ökologie • Positives Denken • Selbstversorger • Selbstversorgung • Selbstwert • Verbundenheit
ISBN-10 3-641-27248-3 / 3641272483
ISBN-13 978-3-641-27248-7 / 9783641272487
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Mit Beiträgen von Christian Baron, Dietmar Dath, Aladin El-Mafaalani, …

von Wolfgang M. Schmitt; Ann-Kristin Tlusty

eBook Download (2024)
Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
CHF 16,60
Die großen Fragen ethisch entscheiden

von Alena Buyx

eBook Download (2025)
Fischer E-Books (Verlag)
CHF 19,50
Die neue Verletzlichkeit als Herausforderung der Freiheit

von Frauke Rostalski

eBook Download (2024)
C.H.Beck (Verlag)
CHF 11,70