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Was ist dir widerfahren, Isaak?

Eine Spurensuche
Buch | Softcover
190 Seiten
2020 | 1., Aufl.
Manuela Kinzel Verlag
978-3-95544-145-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Was ist dir widerfahren, Isaak? - Sybille Eberhardt
CHF 23,10 inkl. MwSt
Ein ungewöhnlicher Grabstein auf dem Göppinger Friedhof veranlasst die Autorin, in ihrer jüngsten Untersuchung nach Spuren des zu früh verstorbenen jüdischen Jungen Isaak aus Wilna zu suchen. Sein Schatten geistert durch die Geschichte des Wilnaer Ghettos. Er heftet sich an die Fersen eines Verwandten und zahlreicher Leidensgenossen in verschiedenen KL im Ölschiefergebiet Estlands, im Lager Stutthof und einem der „Wüste“-Lager im deutschen Südwesten in Dautmergen. Schließlich auf einen Todesmarsch getrieben, wird er bald nach der Befreiung doch noch vom Tod in einem DP-Lager in Heidenheim ereilt, ohne seine tragische Geschichte selbst erzählen zu können.

Sybille Eberhardt, 1945 in Geislingen/St. geboren, beschäftigte sich bereits während ihrer Berufstätigkeit als Reallehrerin für Deutsch, Geschichte und Musik nebenbei mit lokalgeschichtlichen Themen. Ihre Untersuchungen flossen in mehrere Beiträge ein, die vom Göppinger Geschichts- und Altertumsverein publiziert wurden. Nach ihrer Pensionierung verlagerte sich ihr Forschungsschwerpunkt auf die deutsch-polnischen Beziehungen, der seinen Niederschlag in der ebenfalls im Kinzel-Verlag erschienenen Studie „Der Mordfall Koszuszek“ und einem dokumentarischen Theaterstück „Der Pole muss weg“ fand. Für ihre Arbeit über die polnisch-jüdischen Zwangsarbeiterinnen bei der WMF Geislingen, erschienen unter dem Titel „Als das ‚Boot' zur Galeere wurde…“, wurde sie 2019 mit einem 2. Preis des Landes Baden-Württemberg für Heimatforschung ausgezeichnet.

Vorwort Der auf der Titelseite abgebildete Grabstein auf der Göppinger israelitischen Friedhofsabteilung war die Motivation für und der Ausgangspunkt einer schwierigen Recherche, die das Schicksal eines Jugendlichen erhellen sollte, der, belastet mit traumatischen Erfahrungen von Gewalt, Ausbeutung und Unterdrückung, fern der Heimat starb. Schwierig gestaltete sich die Recherche insofern, als der junge Mann keine Selbstzeugnisse, etwa ein Tagebuch, Briefe o. ä., ja nicht einmal eine Unterschrift hinterlassen hat; niemand, weder Freunde noch Verwandte, schriftlich oder mündlich überlieferte Äußerungen über ihn machte und die aufgefundenen bürokratischen Spuren außerordentlich dürftig sind. Wir wissen also nicht, was die Hauptfigur, der junge Isaak Komras, dachte, welche Vorbilder er hatte, welche Wünsche für seine Zukunft, welche Fähigkeiten, welche Empfindungen und wie er seine Zeitgenossen sah. Sein unmittelbarer familiärer Hintergrund und die gesellschaftliche Stellung der Familie in Wilna sind unbekannt. Etwas mehr Informationen sind über Isaaks mutmaßlichen Cousin erhalten, der durch sein Universitätsstudium und die Einheirat in eine Rechtsanwaltsfamilie viele Bekannte aus dem Kreis der Intellektuellen hatte, wie sich in der Vielzahl namentlich von ihm benannten Opfer der Ärzteschaft und der Rechtsanwälte ablesen lässt. Trotz der dünnen Aktenlage habe ich mich entschieden, keinen Roman zu schreiben. Erinnert werden sollte nicht an eine Kunstfigur, sondern an einen realen Menschen und die vielen Ausgelöschten. Der Schmerz über die unwiederbringlichen Verluste soll erhalten bleiben und nicht als fiktiv abgemildert werden können. Da ich nicht näher zu Isaaks Persönlichkeit, die zudem kaum Zeit hatte sich zu entwickeln, vordringen konnte, blieb nur der Umweg über Seiteneinstiege, die seine Umwelt, Zeitzeugen, Mithäftlinge, Historiker, ermöglichten. Auch bei diesem Ansatz können wir nur einen bescheidenen Ausschnitt dessen, was er gesehen und erlebt hat, erahnen. Aber sollten wir nicht wenigstens versuchen, seinen Schatten vor dem Hintergrund der Ereignisgeschichte zu sehen? Ich möchte es versuchen. Der historische Hintergrund der meisten Stationen, die der stumme Zeuge Isaak in seinem kurzen Leben durchlief, sind von der historischen Forschung gut erschlossen. Die heutige Hauptstadt Litauens, Vilnius, hatte in ihrer über 1000jährigen Geschichte verschiedene Namen, die in ihrer sprachlichen Färbung nicht nur zeigten, wer in der Stadt gelebt, sie geprägt, sondern auch wer sich ihrer bemächtigt und sie beherrscht hat: Die Polen nannten sie Wilno, die Juden Vilne, die Russen Vilnjus, die Weißrussen Vilnja, die Deutschen Wilna. Auf Isaaks Grabstein steht Wilna. Daher übernehme ich diese Bezeichnung für seine Heimat. Die Darstellung der Geschichte Wilnas, durch die Isaak wie ein scheuer Schatten huschte und die sich für ihn überwiegend im Ghetto abspielte, folgt im Wesentlichen der Darstellung von Arads „Ghetto in Flames“. Einbezogen werden zusätzliche Zeitzeugen verschiedener Altersgruppen und seiner ethnischen bzw. religiösen Zugehörigkeit. Mangels Kenntnissen der familiären Präferenzen des Komras-Clans musste die Ghettogeschichte ziemlich umfangreich dargestellt werden und war eine Beschränkung auf familienrelevante Schwerpunkte nicht möglich. Der zweite Teil meiner Arbeit, der sich auf die Ausbeutung in estnischen Lagern bezieht, wertet insbesondere Zeitzeugenberichte aus. Die damals im Deutschen Reich gelegenen Lager Stutthof sowie die Wüste-Lager im Südwesten, die den dritten Teil bestimmen, sind wiederum durch die Arbeiten der dortigen Gedenkstätten und Archivare gut erforscht und stellten mir ihr Material zur Verfügung. Dasselbe gilt für Isaaks letzte Station, das DP-Lager Heidenheim, das Alfred Hoffmann dokumentierte. Mein Dank gilt allen, die mich bei dieser Arbeit durch Ratschläge, Informationen, Quellenmaterial, Grafiken, Bilder u.a. unterstützt haben. Dies sind Dr. Drywa vom Archiv Stutthof, Dr. Zekorn vom Archiv des Zollernalbkreises sowie Dr. Weber, Brigitta Marquart-Schad von der Gedenkstätte Eckerwald, Volker Mall von der Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen, der Heidenheimer Historiker Alfred Hoffmann, Marjolaine de La Chapelle, Gertrud Graf und Eugen Michelberger, Heinz Fieß, Volker Hirschfeld und Irmgard Neugart sowie die Mitarbeiter weiterer in- und ausländischen Archive. Ein besonderer Dank gebührt der Stadt Göppingen, insbesondere Herrn OB Till und Herrn Kulturamtsleiter Hosch, für die freundliche und großzügige Unterstützung meiner Arbeit. Meiner Verlegerin Manuela Kinzel danke ich, dass sie das Erscheinen des Buches zum 75. Todestag Isaaks durch ihren Einsatz ermöglichte. Schließlich danke ich von Herzen meinem Mann OTTO EBERHARDT, ohne dessen Hilfe diese Arbeit nicht zustande gekommen wäre. Ich danke ihm für seine wertvollen Kommentare zu meinen Entwürfen, für die Unterstützung bei der Internet-Recherche und bei der Übersetzung englischer Quellen sowie für die Übernahme der Korrespondenz und der übrigen Schreibarbeiten. Hinweisen möchte ich noch darauf, dass die Schreibweise der Originale im Wesentlichen beibehalten wurde. Eckige Klammern enthalten Ergänzungen der Autorin. Im Oktober 2020 Sybille Eberhardt

Erscheinungsdatum
Zusatzinfo s/w Fotos
Verlagsort Göppingen
Sprache deutsch
Maße 148 x 210 mm
Gewicht 295 g
Themenwelt Geschichte Allgemeine Geschichte 1918 bis 1945
Sozialwissenschaften Soziologie
Schlagworte 2. Weltkrieg • Estland • Juden • Judenverfolgung • Jüdische Geschichte • Vilnius • Wilna • Zwangsarbeit
ISBN-10 3-95544-145-8 / 3955441458
ISBN-13 978-3-95544-145-6 / 9783955441456
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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