Kommunikation für die digitale Ära (eBook)
224 Seiten
REDLINE Verlag
978-3-96267-219-5 (ISBN)
Der Kommunikationswissenschaftler und Wirtschaftspsychologe Sebastian Pflügler ist seit mehr als neun Jahren als Berater, Coach und Speaker für New Work Soft Skills tätig. Er begründete das innovative und praxiserprobte Kommunikationskonzept New Era Communication, für das er unter anderem einen Lehrauftrag an der LMU München besitzt. Sebastian Pflügler ist davon überzeugt: »Das Passwort zum Erfolg im Leben heißt Kommunikation.«
Der Kommunikationswissenschaftler und Wirtschaftspsychologe Sebastian Pflügler ist seit mehr als neun Jahren als Berater, Coach und Speaker für New Work Soft Skills tätig. Er begründete das innovative und praxiserprobte Kommunikationskonzept New Era Communication, für das er unter anderem einen Lehrauftrag an der LMU München besitzt. Sebastian Pflügler ist davon überzeugt: »Das Passwort zum Erfolg im Leben heißt Kommunikation.«
II.
MITEINANDER REDEN UND LEBEN IM DIGITALEN ZEITALTER – WAS BLEIBT GLEICH?
Die gute Nachricht ist: Wir haben es in der Hand. Wir können entscheiden, wie, wo und wann wir neue Technologien nutzen wollen. Wir können einen gesellschaftlichen Diskurs darüber führen, wie digitale Kommunikation bereichernd gestaltet werden kann und wo es Sinn macht, die menschliche Kommunikation und das menschliche Miteinander zu ersetzen und wo wir weiterhin ein menschliches Gegenüber bevorzugen. Technik ist nicht deterministisch. Der oft zu hörende Spruch »Alles was automatisiert werden kann, wird automatisiert werden« stimmt nicht. Wir als Gesellschaft und jeder Einzelne bestimmen, was automatisiert und digitalisiert wird, nämlich dort, wo wir es als sinnvoll und menschenwürdig erachten. Die Maxime muss lauten: Technologie soll das zwischenmenschliche Miteinander bereichern, nicht ersetzen. Sie soll uns Zeit geben, für die wirklich bereichernden, tiefgründigen, aber auch komplexen und schwierigen Gespräche, die eben nur von Mensch zu Mensch gut geführt werden. Soll KI unsere Restaurantbuchungen durch einen Anruf übernehmen? Gerne. Wollen wir durch Social Media mit entfernten Verwandten verbunden sein? Klar. Überall dort, wo Technologie ein Miteinander ermöglicht oder lästige Kommunikation abnimmt, wird und soll sie einen Mehrwert schaffen. Aber überall dort, wo sie eine echte Verbindung zum anderen Menschen erschwert, müssen wir uns fragen, wie wir die digitale Kommunikation verbessern können oder ob der Face-to-Face-Kanal besser wäre. Welche Gespräche sind für diesen analogen Kanal geeignet? Die wichtigen, schwierigen und heiklen Gespräche. Kommunikation ist heute schnelllebiger, komplexer und konflikt- sowie problembeladener als früher. Doch Kommunikationsprobleme sind von Menschen geschaffen und können auch nur von Menschen gelöst werden. Wir müssen uns in dieser Zeit, in der Spannungen größer als jemals zuvor sind, wieder trauen, die schwierigen Gespräche von Angesicht zu Angesicht zu führen oder anfangen, diese besser digital zu bewältigen. Wir dürfen uns nicht hinter der Technologie verstecken oder sie als Ausrede für missglückte Dialoge nutzen. Wir müssen sie entweder kommunikativ sinnvoll nutzen oder uns aus der technologischen Deckung begeben und wieder mehr analog von Angesicht zu Angesicht kommunizieren.
DAS WESEN VON (DIGITALER) KOMMUNIKATION BLEIBT GLEICH
Um die Dinge zum Guten zu wenden, müssen wir uns zunächst vor Augen führen, was gleich geblieben ist und worauf wir aufbauen können. Auch in einer durch und durch digitalisierten Welt bleibt das Wesen von Kommunikation gleich. Was meine ich damit? Die Art und Weise, wie Kommunikation funktioniert und was sie ausmacht, bleibt bestehen, egal wie viel Technik wir zur Kommunikation auch nutzen. Paul Watzlawick, einer der bedeutendsten Kommunikationswissenschaftler, stellte fünf Axiome, also allgemeingültige Grundsätze auf, die das Wesen von Kommunikation beschreiben.76 In Anlehnung an ihn möchte ich die Grundsätze beleuchten und auch durch eigene erweitern, die in Zeiten der Digitalisierung enorme Relevanz besitzen.
»Man kann nicht nicht kommunizieren.«77 Sicher kennen Sie diese Aussage, die das erste Axiom Watzlawicks darstellt. Egal, ob Sie etwas sagen oder nicht, Sie sprechen immer. Wenn Sie in einem Meeting sitzen, nichts beitragen und währenddessen Ihre Mails bearbeiten, dann sendet auch das eine Botschaft an den Meetingleiter und die Teilnehmer. Sie kommunizieren. Gleiches gilt natürlich für digitale Medien. Wenn Sie eine E-Mail oder WhatsApp-Nachricht bekommen und nicht antworten, wenn Sie einen Facetime-Anruf nicht annehmen oder wenn Sie Teil eines sozialen Netzwerks sind, aber weder ein Foto von Ihnen auf dem Profil erscheint noch jemals ein Post erstellt wurde, dann sendet auch das eine Botschaft. Dieses Axiom ist in Zeiten der Digitalisierung sogar noch auf die Spitze getrieben. Denn auch wenn Sie sich bewusst der Kommunikation entziehen, also beispielsweise überhaupt kein Instagram-Profil anlegen, kommunizieren Sie auch hier eine Haltung, oder es entsteht ein Eindruck beim Gegenüber. Ich weiß noch, wie ungläubig mich manche Menschen angesehen haben, als ich mal eine Weile kein WhatsApp mehr genutzt habe. Man kann eben nicht nicht kommunizieren, vor allem nicht in einer digitalen Welt.
»Die Nachricht entsteht im Kopf Ihres Zuhörers und nur dort.« Sie können nie sicher wissen, wie Ihre Nachricht angekommen ist, außer Sie fragen nach. Denn was wir senden, ist nie das, was den Empfänger erreicht. Der Empfänger unserer Nachricht interpretiert das Gesagte oder Geschriebene immer vor seinem eigenen Erfahrungshintergrund. Wer mit vielen Emoticons schreibt und in Ihrer WhatsApp-Nachricht keine findet, kann die Nachricht als unhöflich empfinden oder vermuten, dass Sie sauer sind, auch wenn der Inhalt das gar nicht hergibt. Wer klare Ansagen durch seine Erziehung nicht gewohnt ist, für den kann Klarheit scharf und bissig wirken. Wer hingegen klare Ansagen bevorzugt, der kann sehr achtsam ausgedrückte Worte als »Wischiwaschi« interpretieren. Es gibt kein empfängerloses Verstehen. Das ist gerade in Zeiten der Digitalisierung, wo Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen über Distanzen mediengestützt miteinander kommunizieren, erinnerungswürdig. Je weniger doppeldeutig Sie sich ausdrücken und je mehr Sie den Kontext des Empfängers mitdenken, desto eher gleicht Ihre Aussage dem Kopfkino Ihres Gegenübers.
»Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt.«78 Ein weiteres Axiom von Watzlawick, das banal klingt, aber in der digitalen Welt häufig vergessen wird. Grundsätzlich bedeutet das erstmal, dass es eine reine Informationsübertragung bei Kommunikation nicht gibt. Emotion, und wenn sie auch nur im Kopf des Gesprächspartners entsteht, schwingt immer mit. Stellen Sie sich vor, Sie sind gerade dabei in den Feierabend zu starten. Sie laufen am Büro Ihres Chefs vorbei, der zu Ihnen sagt: »Sie machen heute früh Feierabend.« Je nachdem, wie Ihre Beziehungsebene derzeit gestaltet ist, hören Sie hier etwas anderes. Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Chef gerne hätte, dass Sie mehr arbeiten, dann hören Sie hier eher eine Kritik heraus. Wenn Sie allerdings vor ein paar Tagen ein Gespräch hatten, dass Ihr Chef sich wünscht, dass Sie im Sinne Ihrer Work-Life-Balance manchmal früher das Büro verlassen sollten, dann werden Sie das als willkommene und positive Würdigung empfinden. Zudem schlägt die Beziehungs- immer die Inhaltsebene. Im obigen Beispiel bestimmt die Beziehungsebene, wie Sie das Gesagte interpretieren. Es kann aber auch beeinflussen, was auf der Inhaltsebene überhaupt gesagt wird. Findet Ihr Kollege im Meeting ständig Argumente gegen Ihre Ideen, dann findet auf der Inhaltsebene lediglich ein Austausch von Argumenten statt. Auf der Beziehungsebene führt aber vielleicht Neid oder die Angst, dass Sie die Beförderung bekommen und nicht er, dazu, dass die Kommunikation überhaupt so abläuft, wie sie abläuft. Wieso ist das nun im digitalen Zeitalter relevant? Weil wir bei digitalen Medien den Beziehungsaspekt häufig vergessen. Vor allem, je schnelllebiger das Medium ist. Wenn ich in Unternehmen gerufen werde, um die Kommunikationssituation zu analysieren und ich mir nach Absprache die Kommunikation bei Messengerdiensten wie Slack ansehe, dann zeigt sich hier ganz deutlich, dass digitale Kommunikation vermehrt als Austausch von Informationen und nicht von Beziehungen verstanden wird. Virtuelle Medien versachlichen häufig den Dialog. »Das Design des Webshops neu programmieren, das können wir so nicht an den Kunden geben«, »Wir gehen am Freitag zum Italiener zum Teamessen, ich entscheide das jetzt«, »Mag jemand am Freitag mit zum Bowlen?« »Ich nicht.« sind klare Informationen, können aber auf der Beziehungsebene andere Reaktionen auslösen als gewollt. Die Beziehungsebene braucht Zeit. Nehmen Sie sich also auch in derart schnelllebigen Kommunikationsmedien die Zeit, ausgeprägt und beziehungsorientiert zu kommunizieren. Oder seien Sie zumindest darauf gefasst, dass Turbulenzen auf der Beziehungsebene entstehen können.
»Die Wahrscheinlichkeit von Missverständnissen ist umso höher, je weiter die Gesprächspartner voneinander entfernt sind.« Wenn Ihnen jemand aus zwei Metern Entfernung etwas zuruft, dann werden Sie das ziemlich genau verstehen. Wenn er 200 Meter von Ihnen entfernt ist, dann wird das schon schwieriger beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit von Missverständnissen ist erhöht. Was für uns hier einleuchtend ist, scheinen wir bei der digitalen Kommunikation zu vergessen. Dabei entsteht durch digitale Kommunikation immer Distanz. Wenn Sie jemandem eine E-Mail schicken, dann ist das distanzierter als eine Sprachnachricht, die wiederum distanzierter ist als ein persönliches Treffen. Ich nenne das die digitale Unschärferelation: Je mehr Distanz zwischen zwei Gesprächspartnern herrscht, desto höher ist das Potenzial von Missverständnissen beziehungsweise dass die Botschaft unscharf verstanden wird. Wollen Sie dieses Potenzial reduzieren, stehen Ihnen zwei Wege zur Verfügung. Entweder können Sie die Distanz zum Gegenüber reduzieren, indem Sie zu einem näheren Medium wechseln, das mehr Wirkfaktoren der Sprache wie Stimme oder Körpersprache abbildet, oder im besten Fall das direkte Gespräch suchen. Oder Sie müssen das inhaltliche Potenzial von Missverständnissen reduzieren, indem Sie sagen, was Sie nicht sagen wollen. Nehmen wir an, Sie führen eine Fernbeziehung. Sie schreiben mit Ihrem Liebsten oder Ihrer Liebsten per WhatsApp, und irgendwann erhalten Sie die Nachricht: »Wollte dich schon lange fragen, magst du zu mir nach Hamburg ziehen?« Davon mal abgesehen, dass Sie solche...
| Erscheint lt. Verlag | 12.7.2020 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Geschichte / Politik ► Politik / Gesellschaft |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Schlagworte | Bestseller • bestseller books • Bestseller bücher • Buch • buch bestseller • Buch Buch • Corona • corona vierus • Coronavirus • corona wirus • das geheimnis gutes Kommunikation • die macht der rhetorik • Digitale Kommunikation • Digitalisierung • Digitalisierung 4.0 • Digitalisierung Arbeitswelt • Digitalisierung der Arbeitswelt • digitalisierung strategie • Digitalisierung Unternehmen • digital kommunizieren • effektive Gesprächsführung • effizent kommunizieren • Epidemie • Erfolg • Erfolg haben • erfolg ist kein glück • erfolg reich • Erfolgreich kommunizieren • Erfolgreich wünschen • Gespräch • Gespräche führen • gespräch führen • Gesprächsführung • Gesprächsstoff • globale Kommunikation • gute Kommunikation • Homeoffice • Industrie 4.0 • Internet • internet browser • Internet der Dinge • Internet Security • internet unterwegs • Kommunikation • Kommunikation für eine neue Ära • Kommunikation lernen • Kommunikationskonzept • Kommunikationsplan • Kommunikationstraining • kommunikation strategie • kommunikation technik • Kommunikation verbessern • Leistung • Leistung steigern • Medien • Medienkompetenz • Meistekurs rhetorik • Miteinander reden • münchner verlagsgruppe • Neuerscheinung • neuerscheinung buch • neuerscheinung buch 2020 • Neuerscheinungen • New Era Communication • new work • Pandemie • Pfluegler • Pfluegler Sebastian • Projektmanagement • Reden • Redensarten • redline • redline verlag • Rhetorik • rhetorik buch • rhetorik lernen • rhetorik training • Sachbuch • Schwierige Gespräche führen • sebastian Pflügler • souverän kommunizierne • Sprechen • Sprechen lernen • Unternehmen • unternehmen online • Unternehmensführung • unternehmen strategie • unternehmen werden • Virus • virus corona • virus entferner • virus programm • virus schutz • virus schutz maske • wie wir heute miteinander reden • Zukunftskompetenzen |
| ISBN-10 | 3-96267-219-2 / 3962672192 |
| ISBN-13 | 978-3-96267-219-5 / 9783962672195 |
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