Freimaurer in Deutschland zwischen den Weltkriegen (eBook)
272 Seiten
FinanzBuch Verlag
978-3-96092-670-2 (ISBN)
Werner H. Heussinger hat als Mitgründer und Vorstand einer börsennotierten Unternehmensgruppe, als Bestsellerautor und Lehrbeauftragter die Finanzmärkte aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet. Er war einer der führenden Zertifikate-Experten Deutschlands, hat Wachstumsfirmen beim Going Public / IPO begleitet, internationale Investmentbanken beraten und einen heute global tätigen Index-Provider aus der Taufe gehoben. Werner H. Heussinger gründete seine eigene Finanzmedien- und Investment-Boutique, führte fünf Jahre später das Unternehmen an die Börse und veräußerte die Mehrheit seiner Anteile an die Axel Springer AG. Seit 2007 ist er Mitglied des Fachbeirats am isf Institute for Strategic Finance der FOM - Hochschule für Oekonomie und Management. Werner H. Heussinger ist Freimaurer seit 1997 und in zahlreichen philanthropischen Einrichtungen aktiv. So ist er stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Hilfe zur Selbsthilfe Suchtkranker und Suchtgefährdeter und Vorstand der Heidelberger Gespräche Gesellschaft (www.heidelberger-gespraeche.org). Heike Görner ist aktive Freimaurerin in einer Schweizer Freimaurerloge, Mitglied des Vorstandes der Heidelberger Gespräche Gesellschaft e. V. und im Beirat einer gemeinnützigen Stiftung tätig. Als Lehrerin hat sie am Aufbau und in der Schulleitung von Privatschulen mit alternativen pädagogischen Konzepten gestaltend mitgewirkt. Ralph-Dieter Wilk ist geschäftsführender Vorstand einer Stiftung. Er gestaltete und arbeitete maßgeblich am Aufbau zweier deutschlandweit tätiger Suchthilfe-Institutionen mit. Am Grundgesetztag 1986 verlieh ihm der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker für sein Engagement persönlich das Bundesverdienstkreuz am Bande. Er ist Freimaurer seit 1985 und in leitender Funktion einer deutschen Großloge aktiv.. Hans-Peter Quandt hat über Jahrzehnte mit erheblichem Engagement und in leitender Funktion Projekte der Altenhilfe und Behindertenbetreuung gefördert und initiiert. Er war Archivar einer Großloge und Vorsitzender Meister einer Freimaurerloge. Darüber hinaus engagierte er sich in einem Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege und war als Bezirksverordneter in Berlin sozialpolitisch aktiv.
Werner H. Heussinger hat als Mitgründer und Vorstand einer börsennotierten Unternehmensgruppe, als Bestsellerautor und Lehrbeauftragter die Finanzmärkte aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet. Er war einer der führenden Zertifikate-Experten Deutschlands, hat Wachstumsfirmen beim Going Public / IPO begleitet, internationale Investmentbanken beraten und einen heute global tätigen Index-Provider aus der Taufe gehoben. Werner H. Heussinger gründete seine eigene Finanzmedien- und Investment-Boutique, führte fünf Jahre später das Unternehmen an die Börse und veräußerte die Mehrheit seiner Anteile an die Axel Springer AG. Seit 2007 ist er Mitglied des Fachbeirats am isf Institute for Strategic Finance der FOM – Hochschule für Oekonomie und Management. Werner H. Heussinger ist Freimaurer seit 1997 und in zahlreichen philanthropischen Einrichtungen aktiv. So ist er stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Hilfe zur Selbsthilfe Suchtkranker und Suchtgefährdeter und Vorstand der Heidelberger Gespräche Gesellschaft (www.heidelberger-gespraeche.org). Heike Görner ist aktive Freimaurerin in einer Schweizer Freimaurerloge, Mitglied des Vorstandes der Heidelberger Gespräche Gesellschaft e. V. und im Beirat einer gemeinnützigen Stiftung tätig. Als Lehrerin hat sie am Aufbau und in der Schulleitung von Privatschulen mit alternativen pädagogischen Konzepten gestaltend mitgewirkt. Ralph-Dieter Wilk ist geschäftsführender Vorstand einer Stiftung. Er gestaltete und arbeitete maßgeblich am Aufbau zweier deutschlandweit tätiger Suchthilfe-Institutionen mit. Am Grundgesetztag 1986 verlieh ihm der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker für sein Engagement persönlich das Bundesverdienstkreuz am Bande. Er ist Freimaurer seit 1985 und in leitender Funktion einer deutschen Großloge aktiv.. Hans-Peter Quandt hat über Jahrzehnte mit erheblichem Engagement und in leitender Funktion Projekte der Altenhilfe und Behindertenbetreuung gefördert und initiiert. Er war Archivar einer Großloge und Vorsitzender Meister einer Freimaurerloge. Darüber hinaus engagierte er sich in einem Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege und war als Bezirksverordneter in Berlin sozialpolitisch aktiv.
II.
MUTIGE UND FREIE DENKER: STRESEMANN, SCHACHT UND MÜFFELMANN
4. Gustav Stresemann: Staatsmann, Friedensstifter, Friedensnobelpreisträger
»Schon lange war es mein Wunsch, in eine engere Beziehung zu einem Kreis gleichgesinnter Menschen zu gelangen, die unserer an Materialismus, Hast und Unruhe sich zermürbenden Zeit sich das Reich allgemeinen Menschentums, innerer Besinnlichkeit und Geistigkeit zu erhalten suchen. Im deutschen Freimaurertum hoffe ich eine solche Gemeinschaft zu finden.«
Gustav Stresemann (1878–1929)
Architekt des Friedens
»Der göttliche Baumeister der Erde hat die Menschheit nicht geschaffen als ein gleichförmiges Ganzes,«1 so hatte es Stresemann vor der internationalen Gemeinschaft erklärt. Der Baumeister der ganzen Welt ist ein für Freimaurer immer wiederkehrender Begriff. Das Zitat gibt einen tiefen Einblick in die Denkweise Stresemanns: frei, gleichberechtigt, humanistisch und liberal. Für seine Leistungen zur Befriedung Europas, insbesondere mit dem Schluss-Vertrag von Locarno 1925, hat er den Friedensnobelpreis erhalten.
Die schweizerische Kleinstadt im Tessin, malerisch am Lago Maggiore gelegen, sollte Weltgeschichte schreiben. Mit einigen Cafés, Restaurants und Hotels musste es in Locarno im Oktober jenes Jahres vor Politikern geradezu gewimmelt haben. Die Sitzungsräume des alten Gerichtsgebäudes waren klein und ließen die Menschen so eng zusammenrücken, dass man kaum ungestört etwas zu Papier bringen konnte. Die wichtigsten Außenminister Europas waren zusammengekommen, mit ihren Mitarbeitern, Beratern und Vertrauten. Und mit Sicherheit erfreuten sich nicht wenige am mediterranen Flair der kleinen Stadt mitten in den Alpen. Wie alle untergebracht werden konnten, erscheint uns 100 Jahre später als fantastische Meisterleistung. Allein mit Social-Media-Experten, Pressesprechern und Sicherheitspersonal wären heutzutage keine Zimmer im Ort mehr frei, noch bevor die eigentliche Delegation angereist wäre. Es waren andere Zeiten, aber sie waren genauso angespannt wie die Räumlichkeiten in Locarno beengt. Vom Gelingen der Konferenz hing vieles ab, vor allem für das krisengeschüttelte Deutschland. Die Ergebnisse von Locarno waren ein Meilenstein: Mit dem Beitritt Deutschlands zum Völkerbund, der Anerkennung der deutschen Grenzen im Westen und dem Versprechen, die Grenzfragen im Osten auf dem Schiedsweg zu klären, wurde der ganze Kontinent nach dem Ersten Weltkrieg stabilisiert. Nicht unberechtigt war damals die Hoffnung auf dauerhaften Frieden und das Versprechen von Freiheit und Wohlstand für alle Nationen. Man glaubte, in Europa könne es niemals wieder Krieg geben.
Der Garant des Erfolges bei den Verträgen von Locarno ist auch auf das gute Verhältnis Stresemanns zu dem französischen Außenminister Aristide Briand zurückzuführen – sie hatten sich als Freimaurerbrüder erkannt und schätzen gelernt und wurden enge Freunde. Briand, der elektrisierende Lebemann und Pazifist; Stresemann, der Aufsteiger und Krisenmanager. Der Geist ihres Denkens hat den Schrecken des Zweiten Weltkriegs überdauert und wurde das Fundament der europäischen Vision.
Bis heute gilt Stresemann als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Er sah sich als Patriot und war gleichzeitig um den Ausgleich zwischen den Völkern bemüht. Sein viel zu früher Tod beendete ein beachtenswertes und turbulentes Leben, so beachtenswert wie die Zeit, in der er gelebt hatte.
Was wäre aus Deutschland geworden, wäre Stresemann nicht 1929 mit 51 Jahren gestorben? Anthony Eden, der sich als britischer Außenminister gegen die Appeasement-Politik gegenüber Hitler ausgesprochen hatte, bezeichnete den Tod Stresemanns als den Beginn des Niedergangs Europas.2
Vom Bierbrauen und liberalen Denken
Stresemann hatte zeitlebens Ruhm und Anerkennung erlangt, jedoch auch Ablehnung, Diffamierung und sogar Hass. Seine Leistungen um den Frieden in Europa hatten ihm gemeinsam mit Aristide Briand den Friedensnobelpreis eingebracht.
Der Weg dorthin war für ihn jedoch kein leichter gewesen. Entgegen der oftmals romantisierten Darstellung war er nicht etwa in gutbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen – seine Familie musste in seiner Kindheit und Jugend an allem knapsen. Sein Elternhaus im Berliner Südosten gibt es heute nicht mehr – an dieser Stelle findet man heute stattdessen einen der bekanntesten Nachtklubs Berlins. Eingeengt zwischen höheren Häusern beherbergte im Jahr 1878 die fünf-Zimmer-Wohnung die zeitweise zehnköpfige Familie der Stresemanns. Die Familie besaß zwar mehrere Mietshäuser, kam aber nicht so recht auf einen grünen Zweig – und sollte später Mühe haben, genug zu essen auf den Tisch zu bekommen.3
Gustav Stresemanns Vater, Ernst, war Kneipier und Bierbrauer und versorgte die Berliner Eckkneipen mit dem Treibstoff, der die aufsteigende Industriemetropole nach Dienstschluss am Laufen hielt. Einfach war das Leben nicht, es war die untere Mittelschicht, die in dem Viertel ihr zu Hause hatte. Der Vater war kein entschiedener Monarchist wie später sein Sohn Gustav, sondern ein liberaler Anhänger der Revolution von 1848, der sich mit den Entwicklungen der späteren Jahre nicht hatte anfreunden können. Die arbeitsame Familie war dennoch weitestgehend unpolitisch und kümmerte sich – wie die meisten Kaufleute und Handwerker – um das Geschäft.4 Der frühe Tod vierer seiner Geschwister und der darauffolgende Tod seiner Mutter lasteten schwer auf Gustav. Später musste er auch im Studium seinem Vater helfen; zeitweilig stand es schlecht darum, wie die Familie finanziell überleben sollte. Ein Jugend- und Familienleben, so sagte er selbst später, habe er nicht gekannt.
Berlin hatte von der Reichsgründung profitiert, wie man es sich heutzutage nicht mehr vorstellen kann. Aus einer ehemaligen Garnisonsstadt mit knapp 80 000 Einwohnern wurde binnen weniger Jahrzehnte eine Millionenmetropole. Den Aufschwung mussten die Menschen mit dem Preis beengter Verhältnisse, Armut, Kriminalität und elender Lebensverhältnisse bezahlen.
Trotz der schwierigen Verhältnisse leistete es sich sein Vater, Gustav auf ein Realgymnasium zu schicken, das nicht humanistisch, sondern mit Naturwissenschaften und Mathematik auf das Leben nach der Schule vorbereiten sollte. Sein Vater wünschte sich für seinen Sohn eine Ingenieurslaufbahn, während Gustav sich vor allem für Friedrich den Großen und Napoleon begeistern konnte sowie für die Romantik und die schöne Literatur.5 Das Verhältnis zu seinem Vater war nie besonders herzlich, auch wenn Ernst Stresemann insgeheim recht stolz auf seinen begabten und belesenen Sohn gewesen sein mochte. Gustav versorgte sich selbst mit dem, was die Schule ihm an Literatur nicht bot, und während andere Kinder wohl eher draußen die Straßen unsicher machten, widmete sich der junge Gustav dem Lesen in Zurückgezogenheit; statt mit Jungenstreichen beschäftigte er sich vor allem mit Gesellschaftsfragen, der Politik und seiner eigenen, humanistisch geprägten Sicht auf die Religion.6
Sein Studium begann Stresemann 1897 an der noch jungen Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin in Geschichte und deutscher Literatur. Die reaktionären Bewegungen und völkisch-nationalistischen Tendenzen im universitären Umfeld stießen ihn ab. Als ehrgeiziger Student wollte er einer Studentenverbindung beitreten, entschied sich aber für die Reformburschenschaft »Neo-Germania«, die liberales und tolerantes Verhalten wieder in das burschenschaftliche Geschehen einfließen lassen wollte, Mitglieder ungeachtet Religion und Herkunft aufnahm und keine Partien mit dem Degen ausfocht. Als Redakteur der »Allgemeinen Deutschen Universitäts-Zeitung« machte Stresemann kein Hehl aus seiner liberalen Gesinnung und Ablehnung gegenüber den radikalen nationalistischen Tendenzen der Burschenschaften – und distanzierte sich schriftlich ganz klar von den rechten Bewegungen in Berlin und in dem universitären Umfeld.7
Es zeigte sich, dass der liberale Ansatz schon sehr früh tief in Stresemann veranlagt war – nicht zuletzt durch seinen Vater. Als burschenschaftlicher Sprecher der »Neo-Germania« konnte Stresemann mit der allgegenwärtigen Bismarckverehrung im wilhelminischen Zeitalter recht wenig anfangen. Der kollektive Nationalismus erreichte den Freidenker und Verfechter der konstitutionellen Monarchie Stresemann nicht. Später, als Außenminister, formulierte er sein Verständnis gegenüber der Freimaurerei so, dass das Individuum als Teil der Gesellschaft zu handeln habe und in seinem Denken und Handeln der Mission der Vollendung des Menschheitsbaus verpflichtet sei. Sein Sohn Wolfgang bewertete später genau diese Ansicht als Fundament dessen, was der Beitritt Deutschlands zum Völkerbund für Stresemann ausmachte: nicht der Nationalismus und das deutsche Einzelgängertum, sondern die Nation als Teil der Gesamtheit der Nationen – mitsamt ihrer Privilegien, Verantwortung und Verpflichtung gegenüber der Welt. Das war auch der Grundgedanke, den Stresemann später auf seiner Reise nach Locarno mitgenommen hatte, um Deutschland seinen Platz im Völkerbund und den Frieden in Europa zu sichern.8
Als Student jedoch hatte Stresemann noch mit viel profaneren Dingen zu kämpfen. In der Enge des nationalistischen universitären Umfelds in Berlin sah er keine Zukunft. Der Entschluss, ein neues...
| Erscheint lt. Verlag | 6.12.2020 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Geschichte / Politik ► Politik / Gesellschaft |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Schlagworte | Biografie • Buch • FBV • Freiheit • Freimaurer • Freimaurerloge • Freimaurerorden • Geheimbund • geheime Rituale • Glaube • Gustav Stresemann • Hjalmar Schacht • Humanismus • Kaiserreich • Leo Müffelmann • Loge • Mut • Netzwerk • Orden • Persönlichkeit • Religion • Rituale • Schicksal • Sekte • Weimarer Republik • Weltkrieg • Zeitgeschichte |
| ISBN-10 | 3-96092-670-7 / 3960926707 |
| ISBN-13 | 978-3-96092-670-2 / 9783960926702 |
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