Die Bitch Bibel (eBook)
208 Seiten
Riva Verlag
978-3-7453-1127-3 (ISBN)
Katja Krasavice, eigentlich Katrin Vogelová, schaffte mit heißen YouTube-Clips den Durchbruch. Mittlerweile versorgt die blonde Schönheit ihre millionenstarke Fangemeinde auch mit sexy Hits: Ihr Debütalbum schoss direkt auf Platz 1 der Charts und die Tour war binnen weniger Tage ausverkauft - damit gehört Katja zu den erfolgreichsten Künstlerinnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Katja Krasavice, eigentlich Katrin Vogelová, schaffte mit heißen YouTube-Clips den Durchbruch. Mittlerweile versorgt die blonde Schönheit ihre millionenstarke Fangemeinde auch mit sexy Hits: Ihr Debütalbum schoss direkt auf Platz 1 der Charts und die Tour war binnen weniger Tage ausverkauft – damit gehört Katja zu den erfolgreichsten Künstlerinnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
2. Gebot
Niemand stirbt keusch, das Leben fickt uns alle!
Wie mich der Tod meiner Brüder lehrte, dem Schicksal den Mittelfinger zu zeigen
Das Schicksal entscheidet, wer in dein Leben tritt, doch nur DU entscheidest, wer bleibt!« Ich hasse diese Redensart. Bullshit ist das! Denn das Schicksal entscheidet sehr wohl, wer wieder geht. Zumindest im Falle meines Halbbruders Max. Zack, ehe ich michs versah, war er da, der Tod ohne Not. Grundlos schlug er zu und in unserer Familie war plötzlich nichts mehr, wie es gewesen war. Das besagte Schicksal schenkte mir exakt fünf gemeinsame Jahre mit Max. Kein Jahr weniger, keins mehr. Ich erinnere mich, dass meine Bindung zu ihm nicht so eng war wie zu meinen anderen Brüdern, aber wir mochten uns sehr. Max besuchte uns mehrmals im Monat und obwohl ich damals noch so klein war, spielte er immer mit mir, was für einen Teenager ja nicht selbstverständlich ist. Meine Mutter erzählte mir später, dass Max irgendwann begann, über Schmerzen im Bein zu klagen. Erst hin und wieder, dann immer häufiger. Als die Beschwerden unerträglich wurden, ließ er sich mehrmals untersuchen. Der Dorfarzt aber glaubte ihm kein Wort. »Hör zu, Freundchen, wenn du keinen Bock auf Schule hast, dann sag das, aber mach hier nicht auf krank!«, warf er ihn raus, nachdem Max ihn wohl wiederholt mit seiner angeblichen Qual zu nerven schien. Doch die Schmerzen hörten nicht auf. Max’ Mutter checkte irgendwann, dass er nicht simulierte, und suchte daraufhin nach anderen Ärzten. Einer von ihnen diagnostizierte dann den beschissenen Krebs. Ein Knochentumor hatte sich im Oberschenkel von Max ausgebreitet, so massiv, dass man nicht einmal mehr versuchen konnte, ihn mit einer Chemotherapie zu retten. Zu spät, nichts hätte geholfen. Auch wenn ich erst fünf Jahre alt war, werde ich diese schemenhaften Bilder nicht vergessen, wie Max auf Morphium zu Hause in einem Spezialbett an einem Tropf hing und auf den Tod wartete. Nicht nur er, sondern auch die Situation war so unfassbar krank. Die Vorstellung, dass er auf den Tod wartete wie wir gesunden Menschen auf eine Pizzalieferung, fickt mich bis heute. Meine Mama erzählte mir später, dass wir ihn in der Zeit ganz häufig besuchten. An manchen Tagen ging es ihm wohl besser, andere wiederum waren für ihn kaum zu ertragen. Er siechte dahin und niemand konnte etwas daran ändern.
Eines Tages im Herbst 2001 hockte ich im Wohnzimmer vor der Glotze und schaute irgendwelche Zeichentrickfilme. Ich habe früher immer mit einer Decke auf dem Boden gesessen, weil ich das irgendwie gemütlicher fand. Ich bemerkte, wie mein Vater nach Hause kam, die Tür ins Schloss fiel und er ohne Worte in unsere Wohnküche lief. Ich konnte ihn nicht sehen, aber hören, als er vor meiner Mutter stand. Ich vernahm schweres Atmen, dann ein zerbrechliches Schluchzen, gefolgt von einem unendlich schlimmen Weinkrampf. Gänsehaut kroch mir über den Rücken, wie erstarrt blieb ich sitzen, klammerte mich an meine Kuscheldecke und lauschte. »Max ist tot! Tot, verstehst du, tot!!!«, hörte ich ein dumpfes Wimmern. Vermutlich hing mein Vater in Jarkas Armen mit dem Kopf an ihrer Schulter. Ich weiß noch, wie meine Mutter danach zu mir ins Wohnzimmer kam, mich umarmte und eine halbe Stunde nicht mehr losließ. »Max ist gestorben, aber alles wird gut, versprochen!«, flüsterte sie immer wieder und versuchte damit verzweifelt, die ersten Risse in meiner Kinderseele zu kleben.
Ich war noch viel zu klein, um das Ausmaß zu realisieren. Ich fühlte mich zwar leer, aber konnte die Sache nicht greifen. Erst viel später, als ich verstand, was eigentlich passiert war, schwor ich mir, nicht an Schicksalsschlägen zu zerbrechen. Ich wollte stark sein, zäh genug, jedem noch so beschissenen Einschlag den Mittelfinger zu zeigen. Keine Trauer sollte je meine Lebensfreude brechen, und so schob ich alles beiseite. Ich verdrängte und bemerkte sehr lange nicht, dass das nicht das richtige Rezept war.
Oh, Otto! Wieso?
Mein ältester Bruder war ein wenig charmanter Macho und Weiberheld. Er war groß und gut aussehend, aber im Charakter komplett unbelehrbar. Die wenigen Chancen, die er auf ein legales Leben hatte, trat er mit Füßen und dennoch liebte ich ihn über alles. Bro ist Bro und wie sollte man auch die 20 Jahre tschechisches Getto aus ihm herausbekommen? Otto war cool, tough und in seinen schlimmen Zeiten oft auch ein cholerisches Arschloch. Kein Schulabschluss, keine Ausbildung, dafür Straße und Abhängen. Er blieb im Milieumodus, während seine Seele langsam ging. Sie stumpfte ab. Sie verkümmerte. Er nahm sich einfach keine Zeit, sie zu pflegen.
Ich erinnere mich, wie er immer protzte: »Kači, ich bin bekannt auf der Straße!«
»Aber wenn du berühmt wärst, dann würden dir die Leute ja hinterherlaufen und nach Fotos fragen«, ließ ich ihn daraufhin verdutzt wissen. Genervt schüttelte er dann immer mit dem Kopf. Heute weiß ich natürlich, was er mir damit sagen wollte. Er war ein Gangster, vor dem man auf der Straße Respekt hatte. Niemand im Umkreis von 200 Kilometern wollte mit Otto Beef. Aber damals als Kind habe ich die Lage einfach nicht gecheckt. Otto war so oft im Knast, dass ich es gar nicht mehr zählen kann, und trotzdem zog der Motherfucker danach jedes Mal lässig seine illegale Scheiße weiter durch. Ganz vorneweg: Autos aufbrechen, ausräumen oder gleich ganz klauen. Das gab viel Geld. Also viel für jemanden, der keine Kohle hat. Die geklauten Radios und Navis stapelte er in unserer Lagerhalle, um sie dann zu verticken. Otto war so stolz auf sein handwerkliches Geschick, dass er sogar mir damals beibrachte, wie man eine Karre knackt, um das Radio auszubauen. Ich muss zugeben: Bei alten Autos kann ich das bis heute blind. Zum Glück könnte ich mir mit meinem heutigen Cash ein ganzes Stadion voller Radios auf ganz legalem Wege kaufen.
Meine Mutter schaute diesbezüglich weg. Sie wusste ja, wie ihr Sohn so war. Wir sind einfach Menschen, die immer irgendwie an Geld kommen, egal auf welche Art und Weise. Natürlich fand sie Ottos illegale Geschäfte nicht geil, aber sie akzeptierte sie, weil sie als junge Frau nicht anders gewesen war. Gewiss gab es auch Phasen, in denen sie vor Kummer kein Auge zumachte. Die ständige Angst, Otto könnte bei Bandenfights etwas passieren, ließ bei ihr auch nach Jahren nicht nach. Doch was sollte sie tun? Verbote hätten ihn vermutlich nur dazu ermutigt, es erst recht zu tun. Er wollte sich nicht ändern, trotz einer großen Chance, die ihm das Leben mit Mitte 20 gab. Als ich vier Jahre alt war, verliebte sich Otto in eine tschechische Frau, heiratete sie und bekam eine Tochter namens Dana. OMG! Dieses Mädchen ist so dermaßen schön, dass ich sie später sogar in meine Videos mit reingenommen habe. Was soll ich sagen, bei ihr hat die Optiklotterie einfach einen geilen Sechser ausgespuckt. Mein Bruder liebte zwar seine Frau, aber die Straße ließ ihn nicht los, und so entschied er, nicht bei der Familie zu wohnen, sondern die beiden nur hin und wieder zu besuchen. Tschüss, normales Leben! Und das, bevor es überhaupt wirklich gestartet war.
Am Anfang war unsere Beziehung deswegen auch nicht sonderlich gut. Ihm war so vieles egal und er sah mich als kleine nervige, verwöhnte Schwester – die ich ja auch war. Ich bekam alles und wollte immer entscheiden, was im Fernsehen geguckt oder am Abend gegessen wird, wenn er mal wieder eine Zeit lang bei uns wohnte. Ihn nervte das massiv, und so hatten wir häufig Geschwister-Beef, bei dem er dann immer extrem aggressiv war. Auch meinem Dad gegenüber war er oft so, er hasste ihn und akzeptierte ihn als Stiefvater in keiner Weise.
Erst als ich elf war, begann unser Verhältnis sich deutlich zu verbessern. Mein Hirn schien sich vom zickigen »Kleinkind« in Richtung cooles Mädchen zu entwickeln, und das gefiel ihm. Wir mochten uns und er begann, gerne Zeit mit mir zu verbringen. Ich weiß noch, wie wir einmal gemeinsam mit dem Fahrrad stundenlang durchs Dorf fuhren und uns über irgendwelche Sachen totlachten. Am Ende dieser Tour nahm er mich in den Arm und küsste meine Stirn. Großer Bruder, kleine Schwester eben. Es ist für mich die schönste gemeinsame Erinnerung. Ein Augenblick, der sich glücklicherweise für immer in mein Gedächtnis brannte. Doch die Zeit mit ihm sollte einige Monate später ein jähes Ende finden, und das, obwohl das Schicksal in dieser Sache gar nichts entschied. Am Ende entschied nur er selbst.
Der Tag, an dem ich Otto zum letzten Mal sah, war der Tag, an dem er mal wieder für irgendeine irrelevante Scheiße verhaftet wurde. Er hatte uns gegen Mittag besucht, wir saßen mit Radek und meiner Mutter zusammen am Tisch und vertilgten eine riesige Portion ihrer selbst gemachten böhmischen Knödel. Scheibchen für Scheibchen ließen wir uns die Dinger auf der Zunge zergehen. »Chutný! Chutný!«, murmelte Otto, was so viel heißt wie »Schmeckt fett geil!« – um uns im Anschluss wissen zu lassen, dass er jetzt leider sofort losmüsse nach Tschechien. Geschäfte und so. Niemand von uns fragte in solchen Situationen nach Details. Ich stand im Vorraum, in dem sich unsere Garderobe und die Schuhschränke befanden, als sich Otto die Sneakers anzog, mir fünf gab und das Haus verließ. Alles, was ich dann noch hörte, war das Aufheulen des Motors jener Karre, die ihm zum Verhängnis wurde. Denn genau wegen dieses Wagens wurde er an der Grenze rausgefischt und zu drei Wochen sofortigem Knast verdonnert. Vermutlich hatte er das Auto geklaut und die Papiere gefälscht, aber genau weiß ich das nicht. Trotzdem war das nur irgendeine irrelevante Scheiße, mehr nicht, weswegen er ja auch nur ein paar kurze Wochen Knast aufgebrummt bekam. Als...
| Erscheint lt. Verlag | 5.6.2020 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Schlagworte | 10 Gebote • Alles bounct • Arschloch • Ausgangsbeschränkung • Ausgangssperre • Autobiografie • beleidigen • Beleidigung • Berühmt • Bestseller • Big Brother • Biografie • Bisexualität • Bisexuell • Bitch • Bitch Buch • Bitch sein • Boss Bitch • Boss Bitch Buch • Boss Buch • Brüste • Casino • Corona • Coronavirus • Dicke Lippen • Die Zehn Gebote • Doggy • Ein ander Mal • Emanzipation • Empfehlung • Erotik • Fame • Feminismus • Feministinnen • Fleckchen • Frau • Frau sein • Freizügig • Freunde • Freundschaft • Frühstück ans Bett • Gucci Girl • Heterosexualität • Heterosexuell • Homosexualität • Homosexuell • Ikone • influencer • influencerin • Isolation • Jugend • Jungfrau • jungfräulich • Jungfräulichkeit • Katja Album • Katja Box • Katja Buch • Katja Instagram • Katja Krasavice Album • Katja Krasavice Box • Katja Krasavice Buch • Katja Krasavice Instagram • Katja Krasavice Music • Katja Krasavice Musik • Katja Krasavice nackt • Katja Krasavice Tour • Katja Music • Katja Musik • Katja nackt • Katja Tour • Kein Problem • Kindheit • Krasavice Album • Krasavice Box • Krasavice Buch • Krasavice Instagram • Krasavice Music • Krasavice Musik • Krasavice nackt • Krasavice Tour • Leipzig • Lesbisch • Liebeskummer • Liebeslieder • lifestyle • Lolli • Make-up • media • Mobbing • Mobbingopfer • Mobbing Opfer • Monogamie • Neuerscheinung • Neuerscheinungen • Nudes • persöhnlichkeiten außergewöhnlich • Persönlichkeit • Pop • Promi Big Brother • Prominent • Prominente • Prominenter • Quarantäne • Rapperin • reich und berühmt • Rodeo • Sängerin • Schicksal • Schlampe • schwere Kindheit • Schwul • selbstbewusst • Selbstbewusstsein • Sex • Sex Tape • Sextipps • Sexualität • Social • social media star • Starke Frau • Starke Frauen • sugar daddy • Tschechien • Uhuh • Wer bist du • Wurzeln • youtube • Youtuberin • Zehn Gebote |
| ISBN-10 | 3-7453-1127-2 / 3745311272 |
| ISBN-13 | 978-3-7453-1127-3 / 9783745311273 |
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