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Revolution in München

Alltag und Erinnerung
Buch | Softcover
134 Seiten
2019
Schiermeier, Franz (Verlag)
978-3-943866-77-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Revolution in München - Sebastian Werder, Michael Wittmann, Bernward Anton, Martin Rühlemann, Felix Bellaire, Günther Gerstenberg, Wolfgang Kucera
CHF 25,20 inkl. MwSt
100 Jahre RevolutionDie Revolution feierte 2018 ihren 100. Geburtstag. Und die Geburtstagsfeier war groß. Es gab viele Veranstaltungen, Projekte, Aktionen und Ausstellungen von ganz unterschiedlichen Akteuren. Als Archiv der Münchner Arbeiterbewegung haben wir uns darüber sehr gefreut. Denn dies war nicht immer so. Die Revolution wurde in der Geschichtsschreibung lange Zeit stiefmütterlich behandelt oder diskreditiert und verfemt.Und politisch genutzt: So propagierten die demokratiefeindlichen Kräfte ab den 1920er Jahren die "Dolchstoßlegende". Deutschland hätte den Ersten Weltkrieg demnach nicht militärisch verloren, sondern nur die Aufstände und die Revolution in der Heimat hätten zur Niederlage geführt. Obwohl diese Theorie komplett allen Fakten widersprach, wurde sie gegen Ende der Weimarer Republik von breiten Teilen des Bürgertums geglaubt und getragen. Insbesondere die Nationalsozialisten nutzten die "Dolchstoßlegende" für ihren Aufstieg.Nach 1945 dauerten die großen Vorbehalte gegenüber der Revolutionszeit an. 1969 gab es einen handfesten Konflikt im Münchner Stadtrat, als eine Straße nach Kurt Eisner benannt werden sollte. Während heute Kurt Eisner mehrheitlich positiv gesehen wird, fehlt eine gesellschaftspolitische Einschätzung, welche Folgen die Revolution für Bayern hatte und welche die Handlungen der konterrevolutionären Kräfte.Dies war für uns als Archiv die Motivation, eine Ausstellung zu unterstützen, die sich mit der Erinnerung an die Revolution auseinandersetzt.Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich dem bisher komplett unterbeleuchteten Aspekt der Lebensumstände der "einfachen" Menschen zu dieser Zeit. In diesem Buch erfahren sie mehr über ihren Alltag; es erzählt über die Lebensmittelrationierungen, die Wohnungssituation, die "Spanische Grippe", den Humor und die Lust, zu Feiern. Aber auch über die politischen Veränderungen in ihrem Alltag: Über die Bierhallen, die Demonstrationen, welche Rolle Frauen in der Revolution spielten, wie sich die Gewerkschaften entwickelt haben und über die zurückkehrenden Soldaten.Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei der Arbeitsgruppe bedanken, die diese Ausstellung konzipiert und erstellt hat, insbesondere bei Bernward Anton. Sie liefert einen wichtigen Beitrag zu unserer Forderung als Archiv, dass es eine grundsätzliche und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Revolution braucht, die auch die wirkmächtige Diskreditierung dekonstruiert. Diese Ausstellung liefert auch viele Ansatzpunkte für die weitere Diskussion. Lassen sie uns weiter machen und nicht erst 50 Jahre warten, bis zum nächsten Jubiläum.Simone BurgerRegionsgeschäftsführerin und Vorsitzende DGB Kreisverband München 1. Vorsitzende des Archivs der Münchner Arbeiterbewegung e. V.

Grußwort Hans-Georg Küppers
Revolution in München – Alltag und Erinnerung
Grußwort Simone Burger
100 Jahre Revolution in München
Sebastian Werder
Die Revolution 1918/19 in München
Sebastian Werder / Michael Wittmann
Chronik
Bernward Anton
Alltag während der Revolution
Martin Rühlemann
Unterhaltungskultur – Freizeit und Vergnügen 1918/19
Felix Bellaire
Zur Lebensmittelversorgung während der Revolution
Bernward Anton
Wohnungswesen und Wohnungspolitik
Günther Gerstenberg
Frauen in der Revolution
Bernward Anton
Die Heimkehr der Truppen nach München
Wolfgang Kucera
Die Gewerkschaftsbewegung in der Revolutionszeit
Felix Bellaire
Der Münchner Bierkeller als politischer Raum
Günther Gerstenberg
Humor
Günther Gerstenberg
Demonstrationen
Sebastian Werder
Die „Spanische Grippe“ – eine vergessene Katastrophe
Bernward Anton
Die Erinnerung an die Revolution
Günther Gerstenberg
Chronologie zum Gedenken an Kurt Eisner in München
Sebastian Werder
Einmarsch der Truppen der Reichsregierung
Bernward Anton
Antisemitismus
Bernward Anton
Erinnerungskultur I: Die 1920er und 1930er Jahre
Bernward Anton
Die Bayerische Landesgeschichtsschreibung und die Revolution von 1918/19
Bernward Anton
Erinnerungskultur II: Die Zeit seit 1945
Quellen 
Archive, Museen, Periodika, Internet
Literatur 
Impressum

Ohne die Einbeziehung von Alltagsgeschichte wirken historische Erzählungen oft abstrakt und fern der Lebensrealität. Dies gilt noch mehr, wenn sich ein Andenken so schwierig und sperrig gestaltet, wie das an die Revolution in Bayern vor hundert Jahren, mit der hierzulande die Demokratie begann. Der vom Archiv der Münchner Arbeiterbewegung herausgegebene Band „Revolution in München – Alltag und Erinnerung“ ist aus einer gleichnamigen Ausstellung in München hervorgegangen. Er erzählt die Geschichte des -Umbruches und seiner Rezeption lebendig, konkret und jenseits von unnötiger Abstraktion. Rezipiert wird etwa die Bedeutung damals neuer Medien wie Film oder Fotografie: Während Münchens schon zu Kriegszeiten florierende Kinokultur von den revolutionären Ereignissen eher unberührt blieb, entwickelte sich die Fotografie recht schnell zu einem Medium gegenrevolutionärer Propaganda, dem im Kampf um die Deutung der bayerischen Revolution jahrzehntelang große Bedeutung zukam. Ein Band, der sich der Alltagsgeschichte widmet, kommt auch an der tragenden Rolle der Münchner Bierkeller als politischer Bühne von Revolution und Gegenrevolution nicht herum. Und selbstverständlich nicht um den in München damals wie heute so wichtigen volkstümlichen Humor. Dabei beschränkt sich dieser gesamtgesellschaftlich ausgerichtete Zugang nicht auf die Zeit der Revolution, sondern ordnet Phänomene in einen oft übergreifenden historischen Kontext ein und trägt damit wesentlich zum Verständnis der geschilderten Ereignisse bei. So wird der in der Revolutionszeit auftauchende virulente Antisemitismus auf die Konzepte moderner Rassenideologie zurückgeführt, nicht ohne einen Blick auf seinen besonderen Nährboden in Münchens esoterisch geprägter Kunst- und Intellektuellenszene zu werfen. Die Lebensmittelversorgung der Stadt in Krieg und Revolutionszeit wird in ihren Wirkungen ebenso unter die Lupe genommen wie Folgen der spanischen Grippe. Besonders beleuchtet wird die Gesellschafts- und Sozialpolitik: In ihr offenbaren sich die riesigen Probleme einer Nachkriegsstadtgesellschaft und die gegensätzlichen ideologischen Vorstellungen der damaligen Akteure. Auf diesem Gebiet zeigen sich bis heute Errungenschaften der Revolution wie die Einführung des Frauenwahlrechtes, des Achtstundentags oder die Mitbestimmung durch Betriebsräte. Die Erinnerung an die bayerische Revolution schwankte lange Zeit zwischen Verdrängung, Verleugnung oder Verklärung. Deren Entwicklung in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft wird in der Publikation nachgezeichnet, nicht ohne eine Tendenz zum Wandel in den letzten Jahren festzuhalten. Ich freue mich sehr, dass auch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München dazu beitragen konnte: So erinnern 170 Partnerinnen und Partner aus Münchens Stadtgesellschaft mit über 300 Beiträgen in einem vom Kulturreferat koordinierten Programm unter dem Titel „1918 | 2018. Was ist Demokratie?“ an Revolution und Rätezeit vor hundert Jahren. Durch ihren Ansatz zur Erforschung der in Geschichtserzählungen oft vernachlässigten Lebenswelt ist „Revolution in München – Alltag und Erinnerung“ selbst ein wichtiger Beitrag zu einer -Erinnerung, die der bayerischen Revolution angemessen ist. Dr. Hans-Georg Küppers Kulturreferent der Landeshauptstadt München

Ohne die Einbeziehung von Alltagsgeschichte wirken historische Erzählungen oft abstrakt und fern der Lebensrealität. Dies gilt noch mehr, wenn sich ein Andenken so schwierig und sperrig gestaltet, wie das an die Revolution in Bayern vor hundert Jahren, mit der hierzulande die Demokratie begann. Der vom Archiv der Münchner Arbeiterbewegung herausgegebene Band "Revolution in München - Alltag und Erinnerung" ist aus einer gleichnamigen Ausstellung in München hervorgegangen. Er erzählt die Geschichte des -Umbruches und seiner Rezeption lebendig, konkret und jenseits von unnötiger Abstraktion. Rezipiert wird etwa die Bedeutung damals neuer Medien wie Film oder Fotografie: Während Münchens schon zu Kriegszeiten florierende Kinokultur von den revolutionären Ereignissen eher unberührt blieb, entwickelte sich die Fotografie recht schnell zu einem Medium gegenrevolutionärer Propaganda, dem im Kampf um die Deutung der bayerischen Revolution jahrzehntelang große Bedeutung zukam. Ein Band, der sich der Alltagsgeschichte widmet, kommt auch an der tragenden Rolle der Münchner Bierkeller als politischer Bühne von Revolution und Gegenrevolution nicht herum. Und selbstverständlich nicht um den in München damals wie heute so wichtigen volkstümlichen Humor. Dabei beschränkt sich dieser gesamtgesellschaftlich ausgerichtete Zugang nicht auf die Zeit der Revolution, sondern ordnet Phänomene in einen oft übergreifenden historischen Kontext ein und trägt damit wesentlich zum Verständnis der geschilderten Ereignisse bei. So wird der in der Revolutionszeit auftauchende virulente Antisemitismus auf die Konzepte moderner Rassenideologie zurückgeführt, nicht ohne einen Blick auf seinen besonderen Nährboden in Münchens esoterisch geprägter Kunst- und Intellektuellenszene zu werfen. Die Lebensmittelversorgung der Stadt in Krieg und Revolutionszeit wird in ihren Wirkungen ebenso unter die Lupe genommen wie Folgen der spanischen Grippe. Besonders beleuchtet wird die Gesellschafts- und Sozialpolitik: In ihr offenbaren sich die riesigen Probleme einer Nachkriegsstadtgesellschaft und die gegensätzlichen ideologischen Vorstellungen der damaligen Akteure. Auf diesem Gebiet zeigen sich bis heute Errungenschaften der Revolution wie die Einführung des Frauenwahlrechtes, des Achtstundentags oder die Mitbestimmung durch Betriebsräte.Die Erinnerung an die bayerische Revolution schwankte lange Zeit zwischen Verdrängung, Verleugnung oder Verklärung. Deren Entwicklung in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft wird in der Publikation nachgezeichnet, nicht ohne eine Tendenz zum Wandel in den letzten Jahren festzuhalten. Ich freue mich sehr, dass auch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München dazu beitragen konnte: So erinnern 170 Partnerinnen und Partner aus Münchens Stadtgesellschaft mit über 300 Beiträgen in einem vom Kulturreferat koordinierten Programm unter dem Titel "1918 | 2018. Was ist Demokratie?" an Revolution und Rätezeit vor hundert Jahren. Durch ihren Ansatz zur Erforschung der in Geschichtserzählungen oft vernachlässigten Lebenswelt ist "Revolution in München - Alltag und Erinnerung" selbst ein wichtiger Beitrag zu einer -Erinnerung, die der bayerischen Revolution angemessen ist.Dr. Hans-Georg KüppersKulturreferent der Landeshauptstadt München

Erscheinungsdatum
Mitarbeit Mitglied der Redaktion: Ludwig Eiber
Zusatzinfo Zahlreiche, großformatige Abbildungen
Verlagsort München
Sprache deutsch
Maße 210 x 297 mm
Gewicht 600 g
Themenwelt Geschichte Allgemeine Geschichte Neuzeit (bis 1918)
Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
Schlagworte Antisemitismus • Gewerkschaften • Kurt Eisner • Lebensmittelversorgung • München • Räterepublik • Revolution • Spanische Grippe • Unterhaltungskultur
ISBN-10 3-943866-77-7 / 3943866777
ISBN-13 978-3-943866-77-3 / 9783943866773
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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