Pornografie und psychosexuelle Entwicklung im gesellschaftlichen Kontext
Psychosozial-Verlag
978-3-8379-2817-4 (ISBN)
Alexander Korte hinterfragt kritisch den negativen Einfluss pornografischer Angebote auf minderjährige KonsumentInnen und unterscheidet dabei zwischen Kindern und Jugendlichen und den verschiedenen Inhalten von Online-Pornografie. So regt er dazu an, die Verwahrlosungs- und Viktimisierungsdebatte über (Online-)Pornografie kritisch zu reflektieren und die augenfällige »moralische Panik« auf unbewusste Motive zu untersuchen, ohne jedoch die möglichen, aus entwicklungspsychologischer Sicht keineswegs zu unterschätzenden Risiken zu übersehen.Korte untersucht das alltagskulturelle Phänomen der Pornografie sowohl aus psychoanalytisch-kulturwissenschaftlicher Perspektive als auch aus Sicht der empirischen Sexualwissenschaft und der Entwicklungspsychologie. Er beschreibt die unterschiedlichen psychischen Integrationsaufgaben von Jungen und Mädchen im Zuge der pubertätsbedingten körperlichen und psychosexuellen Reifung, die für das Verständnis des ausgeprägten Gendereffekts bei der Nutzung von pornografischen Angeboten wichtig sind.
Alexander Korte ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie mit Zusatzbezeichnung Sexualmedizin und hat einen Master im Fach Psychoanalytische Kulturwissenschaften. Seit 2010 arbeitet er als Leitender Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zudem ist er im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft (DGSMTW e.V.) und Mitherausgeber der Fachzeitschrift Sexuologie. Stand: Februar 2018
Sophinette Becker beschäftigte sich als Sexualwissenschaftlerin und psychoanalytische Psychotherapeutin schwerpunktmäßig mit Geschlechtsidentitäten, Perversionen bei Männern und Frauen sowie dem kulturellen Wandel der Sexualität. Bis zu deren Abwicklung 2011 leitete sie die Sexualmedizinische Ambulanz der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Frankfurt am Main. Dann arbeitete sie in freier Praxis. Stand: November 2019
Martin Dannecker war bis 2005 als Professor für Sexualwissenschaft und stellvertretender Direktor am Institut für Sexualwissenschaft des Klinikums der J.W. Goethe-Universität in Frankfurt am Main tätig. Er arbeitet in Berlin als Dozent und Lehrtherapeut der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS), deren langjähriger Vorsitzender und Vorstandsmitglied er auch war. Als Pionier der Schwulenbewegung hat er einen enormen Beitrag zur Emanzipation und Entstigmatisierung schwuler und queerer Menschen geleistet. Er ist Mitherausgeber der Buchreihe »Beiträge zur Sexualforschung«. Stand: November 2023
Andreas Hill ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Forensischer Psychiater und Sexualwissenschaftler. Von 2000 bis 2008 war er Oberarzt am Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Seit 2009 arbeitet er in eigener Praxis in Hamburg, zudem seit 2017 in Teilzeit als leitender Arzt an der Klinik für Forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Stand: März 2019
Hertha Richter-Appelt ist Psychologische Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin (DPV). Sie hat ein Studium der Psychologie und Statistik sowie ein Studium des Konzertfaches Violoncello an der Musikhochschule Wien absolviert. Es folgten eine Weiterbildung in Verhaltenstherapie am Middlessex Hospital London sowie die Arbeit als Postdoc-Stipendiatin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Universitäten Bern und Konstanz. Seit 1979 ist sie tätig am Institut für Sexualforschung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Zuletzt bis zur Pensionierung 2014 war sie stellvertretende Direktorin des Instituts für Sexualforschung. Sie war beteiligt an drittmittelgeförderten Forschungsprojekten und hat umfangreichen Publikationen zu den Themen Psychoendokrinologie der weiblichen Sexualität, sexuelle Traumatisierungen, Geschlechtsdysphorie (Trans- und Intersexualität) aufzuweisen. Von 1998 bis 2014 war sie zunächst stellvertretende und dann Frauen- bzw. Gleichstellungsbeauftragte der medizinischen Fakultät der Universität Hamburg. Zuletzt verfasste sie Programmtexte für die Konzerte des Internationalen Mendelssohn-Festivals für Kammermusik in Hamburg. Stand: März 2019
Vorwort1. Einleitung und Überblick1.1 Nackte Tatsachen: Sex im Digitalformat und 'Porno(graf)isierung' des Alltags1.2 Web 2.0: Sexualbezogene Internetnutzung - Mehr als nur Porno!1.3 Aktualität und alltagspraktische Relevanz des Pornodiskurses1.4 Pornografie interdisziplinär betrachtet: Ein Mehr-Ebenen-Ansatz2. Pornografie im WandelKulturhistorische und medientheoretische Aspekte2.1 Was ist Pornografie?2.2 Ein Blick zurück: Antikes Pornokabinett und die Erfindung der Zensur2.3 »Der Sex - Grund für alles«: Der Funktionswandel von Pornografie2.4 Die Bedeutung von Pornografie im Dienste der 'Durchsetzungssemantik'2.5 »The media is the message«: Pornografie, Film und 'Sexuelle Revolution'Exkurs: Die Bedeutung der 'Sexuellen Revolution' und deren Folgen für die Pornobranche3. Pornografie und JugendsexualitätWirkannahmen, Mythen und Tatsachen3.1 Moratorium Pubertät: Konsolidierung der Struktur des sexuellen Begehrens3.2 (Medien-)Psychologische Aspekte der Pornografienutzung im Jugendalter3.3 Datenlage zur Verbreitung, zum Alter bei Erstkontakt und zur Nutzungshäufigkeit3.4 Der Genderaspekt: Differente Nutzungsmotive von Jungen und MädchenExkurs: Erklärungsversuch für den starken Gendereffekt beim Pornokonsum3.5 Angenommene Negativ-Wirkungen von Pornografie - Faktencheck, Teil 14. Das moderne Pornokabinett'Sexual fiction' im World Wide Porno Web4.1 Technische Aspekte und ökonomische Bedeutung von Internetpornografie4.2 'Sex von der Stange' oder Pornofantasie nach individuellem Zuschnitt?4.3 Diversifizierung: Ausweitung des Spektrums internet-pornografischer Angebote4.4 'Porno-Posting', 'Sexting', 'Erotic Posing' und Amateurpornografie im Web 2.04.5 Gefahrenpotenzial von Gewalt- und Devianz-Pornografie - Faktencheck, Teil 2Exkurs: 'Kinderpornografie' - Filmische Dokumentation sexuellen Missbrauchs5. Porno, Sexualität, GesellschaftAnalytische und filmtheoretische Positionen5.1 Zum Verhältnis von Pornografie und Sexualität: Unterschiedliche Perspektiven5.2 Als das Wünschen noch geholfen hat, war 'Pornotopia' noch nicht entdeckt!5.3 Macht der Bilder: Realitätseindruck und emotive Wirkkraft des Mediums Film5.4 Porno und 'Urfantasie': Die Ungeheuerlichkeit, anderen beim Sex zuzusehenExkurs: (Wann) Ist die Nutzung von pornografischen Medieninhalten 'pervers'?5.5 Psychoanalytische Verständnisweisen: Das Unbewusste im Pornoskript6. Pornografie revisitedZusammenführung der Diskurse und partielle Neubewertung6.1 Streitsache Pornografie: Ein Gegenstand, unterschiedliche Diskursebenen6.2 Der 'Machtdiskurs': Pornografie im Fokus kulturwissenschaftlicher Forschung6.3 'Moralische Panik': Die Unverhältnismäßigkeit medialer Problemdiskurse6.4 Zur aktuellen Pornodebatte: Plädoyer für eine differenziertere Risikobewertung6.5 Von der Schau- zur Zeigelust: Ein erneuter Funktionswandel der Pornografie?7. Fazit und AusblickKontextualisierung, offene Fragen, sexualpädagogische Empfehlungen7.1 Internetpornografie und 'Net-Sex': Spiegel der 'Neosexuellen Revolution'?7.2 No limits: Was Internetpornografie und Finanzmarkt-Deregulierung verbindet7.3 Aufgaben und Herausforderungen zukünftiger Forschung zur Wirkung von Pornografie7.4 Empfehlungen für eine zeitgemäße Medien- und SexualpädagogikLiteraturDanksagung
»Alexander Korte hat sich der gesellschaftlichen Relevanz der Pornografie und der Auswirkung auf die psychosexuelle Entwicklung (insbesondere) von Kindern und Jugendlichen mit einem umfassenden und durchaus weitsichtigen Blick genähert. Eine Gefahr sieht Korte in der Pornografie per se nicht, sondern in den 'sexualmoralischen Kontroversen über richtige und falsche Sexualitat' (S. 209). Des Weiteren plädiert Korte für die Notwendigkeit einer Etablierung von Medien- und Kommunikationskompetenz von Kindern und Jugendlichen in pädagogischen Bereichen.« Maximilian Romer, Freie Assoziation 1/2019 »Soweit ich es überblicke, ist Kortes Buch die umfangreichste und gründlichste Analyse zum leidigen Thema Pornografie und deren Auswirkungen auf die junge Generation.« Kurt Starke, Sexuologie 1+2 2019 »Das Buch eignet sich für alle, die klinisch-therapeutisch mit Jugendlichen arbeiten und die Überlegungen angestellt haben, inwiefern der Konsum von Pornografie Einfluss nimmt auf die psychosexuelle Entwicklung von Minderjährigen.« Verena Lepschi & Sandra Dehning, Deutsches Ärzteblatt PP, Februar 2019 »Insgesamt ist Alexander Kortes Buch trotz überaus anspruchsvollen und damit auch teilweise gewöhnungsbeduürftigen Stils ein sehr aktuelles und gleichzeitig kultur- und medienhistorisch ungemein lehrreiches Werk, das dem Leser auch durch zahlreiche Verweise auf weiterführende Literatur einen hervorragenden Einblick in den Facettenreichtum und die Komplexität der Fragestellung bietet, ohne zu skandalisieren oder zu bagatellisieren.« Cora Neuhaus, pädiatrische praxis 2018 Band 91/1 »Das, was Alexander Korte im Titel des Bandes ankündigt - die Darstellung und Reflexion von 'Pornografie und psychosexuelle Entwicklung im gesellschaftlichen Kontext' -, liefert er mit Bravour und somit eine aktuelle Zusammenschau des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes zu(r) Pornografie(nutzung).« Heinz-Jürgen Voß, Socialnet.de am 27. 12. 2018
| Erscheinungsdatum | 12.06.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Beiträge zur Sexualforschung |
| Mitarbeit |
Herausgeber (Serie): Sophinette Becker, Martin Dannecker, Andreas Hill, Hertha Richter-Appelt |
| Vorwort | Klaus M. Beier |
| Verlagsort | Gießen |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 148 x 210 mm |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften ► Psychologie ► Psychoanalyse / Tiefenpsychologie |
| Sozialwissenschaften ► Soziologie | |
| Schlagworte | Entwicklung • Erregung • Kulturwissenschaft • Pornografie • Postmoderne • Psychoanalyse • Psychosexualität • Sexualwissenschaft |
| ISBN-10 | 3-8379-2817-9 / 3837928179 |
| ISBN-13 | 978-3-8379-2817-4 / 9783837928174 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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