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Verschwiegene Wahrheiten (eBook)

Was die Medien uns vorenthalten haben - Ausgabe 2018
eBook Download: EPUB
2017 | 1. Auflage
192 Seiten
Riva Verlag
978-3-95971-795-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Verschwiegene Wahrheiten -  Conrad Lerchenfeldt
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Pressefreiheit wird in Deutschland großgeschrieben und wer täglich Nachrichten liest oder schaut, ist bestens informiert - so die allgemeine Annahme. Doch können wir tatsächlich alles glauben, was uns Zeitungen und Nachrichtensender tagtäglich vorsetzen? Sind wir damit ausreichend informiert und können wir auf die Entscheidungen der Presse, was Relevanz und Aktualität der Themen betrifft, vertrauen? Anscheinend nicht! Denn dieses Buch vereint wissenswerte und brisante Ereignisse aus dem laufenden und dem vergangenen Jahr, über die unsere Medien nur unzureichend oder gar nicht berichtet haben. Betrifft die Abgaslüge wirklich nur den Volkswagen-Konzern? Haben Sie etwas vom Skandal um vereitertes Hühnerfleisch mitbekommen? Waren die Ereignisse anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg tatsächlich so dramatisch oder hat sich die Berichterstattung verselbstständigt, weil ein Nachrichtensender den anderen übertreffen wollte? Bisher unbekannte Hintergrundinformationen beleuchten diese und viele andere ausführlich recherchierte Themen von Grund auf und ermöglichen so eine wahrheitsgemäße und unabhängige Betrachtung des aktuellen Weltgeschehens. Verschwiegene Wahrheiten ist ein Enthüllungsbuch für alle, die wirklich informiert sein wollen.

Conrad Lerchenfeldt ist freier Journalist in Berlin und schreibt seit Jahren für die unabhängigen Medien. Dank seines großen Netzwerks an Kontakten und der langjährigen Erfahrung recherchiert er erstaunliche Tatsachen und bringt in seinen Artikeln vertuschte Fakten ans Licht.

Conrad Lerchenfeldt ist freier Journalist in Berlin und schreibt seit Jahren für die unabhängigen Medien. Dank seines großen Netzwerks an Kontakten und der langjährigen Erfahrung recherchiert er erstaunliche Tatsachen und bringt in seinen Artikeln vertuschte Fakten ans Licht.

10. August 2017

Kim Wall –
mehr als einfach nur ein Opfer


Bekannt wurde Kim Wall erst, als sie bereits nicht mehr lebte. Seitdem ist sie für die Medien diese bildhübsche schwedische Journalistin, die an Bord des Eigenbau-U-Bootes eines dänischen Tüftlers umkam und deren Körper zerstückelt wurde. Ein rätselhafter Todesfall und eine Geschichte, die im Grunde alles hat, was die Medien sich wünschen, um möglichst viele Schlagzeilen formulieren zu können. Dabei handelten sie leider wieder so, wie sie es in unschöner Regelmäßigkeit tun: Sie verschweigen möglichst viele Hintergründe. Zum Beispiel den, wer diese Kim Wall wirklich war und warum sich eine Reporterin vollkommen allein mit einem Mann an Bord eines solchen U-Bootes begeben hat.

Aber beginnen wir mit der Chronologie des Falls, so wie die Medien die Ereignisse schilderten: Demnach stach am 10. August das U-Boot »UC3 Nautilus« in See. Es handelte sich um das größte privat gebaute und genutzte U-Boot der Welt. Gebaut und gefahren wurde es von dem dänischen Tüftler Peter Madsen. Einen Tag später machte dann die Meldung die Runde, das Boot sei vor der Küste unweit der dänischen Hauptstadt gesunken. Besitzer und Erfinder Madsen habe noch rechtzeitig von dem sinkenden Schiff gerettet werden können, berichtete die Nachrichtenagentur Ritzau an jenem Freitag unter Berufung auf die Marine. Jedoch werde noch eine schwedische Journalistin gesucht, die mit an Bord gewesen sein soll – die 30-jährige Kim Wall. Von der fehlte vorerst jede Spur, die gebürtige Schwedin galt als vermisst. Die Polizei vermutete sehr schnell ein Verbrechen. Madsen jedoch sagte aus, sie auf einer kleinen Insel im Kopenhagener Hafengebiet abgesetzt zu haben.12 Schon am folgenden Sonnabend aber verurteilt ein Gericht Peter Madsen zu 24 Tagen Untersuchungshaft. Der wird nun nämlich der fahrlässigen Tötung verdächtigt, und er legt keinen Einspruch gegen die Untersuchungshaft ein – obwohl er weiterhin alle Vorwürfe bestreitet. Das gesunkene U-Boot wird derweil aus sieben Metern Tiefe geborgen. Daraufhin begeben sich Kriminaltechniker an Bord, sie finden im Rumpf der »UC3 Nautilus« allerdings keine Leiche. Auch eine Woche nach dem ursprünglichen Ereigniss fehlt immer noch jede Spur von Kim Wall, auch ihre Leiche wurde nicht gefunden. Die Polizei ging jedoch weiter davon aus, nicht nach einer lebenden Frau, sondern nach einer Leiche suchen zu müssen. Zudem wurde vermutet, dass der U-Boot-Bastler sein Gefährt absichtlich zum Untergehen gebracht hatte.

Am 21. August dann eine erste Wende: Die Polizei teilte mit, Madsen habe erklärt, die schwedische Journalistin sei durch ein Unglück an Bord ums Leben gekommen. Er habe sie an einem nicht genau beschriebenen Ort in der Køge-Bucht bestattet. Die dänischen und schwedischen Seefahrtsbehörden versuchten daraufhin, die Route des U-Boots möglichst exakt nachzuverfolgen. Dänische Taucher suchten im südlichen Öresund und besagter Køge-Bucht nach dem Körper der Frau. Am Abend dieses Augusttages teilte die Polizei mit, man habe eine Frauenleiche gefunden, Taucher würden die Überreste bergen. Der Körper wurde südwestlich der Insel Amager gefunden. Es handelte sich um einen Torso, Kopf, Beine und Arme fehlen. Am 24. August schließlich erklärte die Polizei, DNA-Abgleiche hätten ergeben, dass es sich um den Körper von Kim Wall handelte. Zudem hätten Kriminaltechniker Spuren des Blutes der Journalistin an Bord des U-Boots sichergestellt. Zur Todesursache wollte man noch keine Angaben machen. Rechtsmediziner hätten bei ihren Untersuchungen jedoch festgestellt, dass ursprünglich etwas Metallisches am Körper von Kim Wall befestigt gewesen war, was ihn vermutlich durch das zusätzliche Gewicht am Meeresboden hätte halten sollen. Peter Madsen aber blieb vorerst weiter bei seiner Aussage, Wall sei bei einem Unglück an Bord umgekommen. Es sollten rund zwei Wochen vergehen, bis Madsen seine Aussagen dazu erstmals präzisierte. Am 5. September erklärte er vor Gericht, Wall wäre verunglückt, als ihr die 70 Kilogramm schwere Luke des U-Boots auf den Kopf fiel. Er selbst habe versucht, diese Luke aufzuhalten, dann jedoch sei es zu dem Unfall gekommen. Von den Untersuchungsbehörden wurde Madsen neben Mord auch Leichenschändung vorgeworfen. Am 3. Oktober dann folgte die Nachricht, man habe am Torso der Toten mindestens 15 Messerstiche festgestellt, zudem seien auf Madsens Computer Hinrichtungsvideos gefunden worden.13

So weit also der Fall, wie er in den Medien bis Oktober behandelt wurde. Selbstverständlich wurden im Rahmen der Berichterstattung auch die Beteiligten beschrieben. Peter Madsen galt als ein etwas seltsamer Eigenbrötler, der neben der »UC3 Nautilus« und anderen U-Booten auch an der Entwicklung eigener Raketen arbeitete.

Über Kim Isabel Fredrika Wall war zu erfahren, dass sie am 23. März 1987 im schwedischen Trelleborg zur Welt kam, dort auch aufwuchs und später in New York lebte. Sie habe an der Columbia University Graduate School of Journalism und der London School of Economics and Political Science studiert. Sie arbeitete als Journalistin in Hongkong, China, Indien, Australien, Sri Lanka und den USA. Wall schrieb für zahlreiche internationale Medien, unter anderem für The Guardian, Foreign Policy, The Atlantic, Al Jazeera, Slate, ChinaFile, VICE, South China Morning Post, The Diplomat, The Independant, die New York Times und auch für die Süddeutsche Zeitung.14

Das ist natürlich eine lange und eindrucksvolle Liste. Und sie zeichnet das Bild einer äußerst talentierten und erfolgreichen jungen Journalistin. Was diese Liste aber nicht erzählt und was auch in den Medien mit keinem Wort erwähnt wurde, das sind all die Tatsachen, die sich hinter einer solchen Liste verbergen. Natürlich wurde berichtet, Kim Wall habe eben auch über Madsen und sein U-Boot eine Reportage schreiben wollen. Nur hat sich niemand die Mühe gemacht nachzufragen, warum die Reporterin wirklich allein mit dem Bootsbauer in See gestochen war. Denn auch wer selbst nichts mit Journalismus am Hut hat, wird schnell zu der Einsicht kommen, eine solche Reportage über ein selbst gebautes U-Boot und dessen Erfinder wäre erst mit Foto- oder Filmmaterial wirklich vollständig. Und normalerweise ist es in solchen Fällen auch so, dass derartige Reportagen von einem Team gemacht werden: Texter oder Texterin plus Fotograf oder Kamerafrau. Jedenfalls wenn im Auftrag eines zahlungskräftigen Medienhauses gearbeitet wird. Nur wurden in diesen Häusern in den vergangenen Jahren massenweise Stellen abgebaut. Stattdessen baut man auf freie Mitarbeiter – wie die freie Journalistin Kim Wall. Solche Mitarbeiter aber können nicht einfach sagen, sie arbeiteten gerade an dieser oder jener Reportage, der Verlag solle ihnen doch jemanden für Foto oder Film zur Seite stellen. Vielmehr ist es die Regel, dass solche Mitarbeiter erst einmal die komplette Reportage inklusive Bildmaterial fertigstellen müssen, bevor sie ihre Arbeit überhaupt einem Kunden anbieten können. Im Falle von Kim Wall etwa hatte sich bislang niemand gemeldet, in dessen Auftrag die Journalistin an dieser Geschichte arbeiten durfte. Sie musste also auf eigene Faust und damit auch auf eigene Kosten handeln. Sie musste reisen, sie musste unterkommen und sie musste natürlich auch etwas essen. Vermutlich hätte sie für das ungewöhnliche Thema am Ende auch einen Abnehmer gefunden. Aber dieser imaginäre Abnehmer kann sich nun entspannt zurücklehnen und sich von jeder Mitschuld am Tod einer allein arbeitenden Journalistin befreien.

Doch selbst wenn es nicht zum Tod von Kim Wall gekommen wäre, ist ihre Arbeit auch ein Beispiel dafür, unter welchen Umständen freie Journalisten heute arbeiten – und wie sehr diese Umstände von ihren Kunden, den Medien, verschwiegen werden.

Am 26. August wurde auf dem Web-Portal von Public Radio International (PRI) ein Artikel veröffentlicht, der sich mit der Person Kim Wall und ihrer Arbeit beschäftigte.15 Public Radio International ist ein in den USA beheimatetes Non-Profit-Netzwerk von weltweiten öffentlich-rechtlichen Stationen. PRI will Informationen, Hintergründe und Kulturerfahrungen aus einer globalisierten Welt vermitteln, bedient mehr als 900 Radiostationen in den USA sowie eine eigene Website. Genau dort erschien also der Artikel des Autors David Wertime unter der Überschrift »Journalists like Kim Wall deserve more support«. Wertime schrieb sehr einfühlsam über Kim Walls Liebe zu ihrer Arbeit. Und er berichtete auch darüber, wie sie an einer Reportage über den »Women’s March on Washington« arbeitete – einem Protestmarsch für Frauen- und Menschenrechte in Washington am 21. Januar 2017, dem ersten Tag nach der Amtseinführung von Donald Trump. Kim Wall habe dabei unermüdlich Beteiligte interviewt, sie habe im Anschluss vier weitere Tage damit verbracht, ihre Reportage den Wünschen der Auftraggeber entsprechend zu bearbeiten und zu verfeinern. Die Journalistin habe insgesamt sehr viel Zeit aufgebracht, um Beziehungen zu ihren Gesprächspartnern aufzubauen, sie ist nach Washington und wieder zurück gereist, hat einen ganzen Tag vor Ort und danach eben noch vier volle Tage an dem Thema gearbeitet. Ihr Lohn dafür, so der Autor, habe wahrscheinlich nicht mehr als 350 Dollar betragen – also umgerechnet nicht einmal 300 Euro.

Doch Kim Wall hat sich trotz solcher bescheidenen...

Erscheint lt. Verlag 13.11.2017
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Sozialwissenschaften Kommunikation / Medien Journalistik
Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
Schlagworte aufgedeckt • conspiracy • Enthüllungen • Enthüllungsjournalismus • Geheimnisse • Halbwahrheiten • Investigativer Journalismus • Lücken in der Berichterstattung • Medien • Mediengeheimnisse • Medienlandschaft • Nachrichten • Neuerscheinung • Neuerscheinungen • nicht berichtet • Presse • ungeklärte Fakten • ungeklärte Fragen • unveröffentlicht • vergessene Nachrichten • Verschwörung • vertuschte Wahrheiten • Vertuschungen • von den Medien ignoriert • von der Presse ignoriert
ISBN-10 3-95971-795-4 / 3959717954
ISBN-13 978-3-95971-795-3 / 9783959717953
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