Neue Musik als Thema in der Schule
Diplomica Verlag
978-3-95934-589-7 (ISBN)
In diesem Sinne ist "Ars nova" als musikwissenschaftlicher Fachbegriff auch 1904 von Johannes Wolf geprägt worden. Er fasst ihn genauso wie seine Hauptquelle, einen Phillippe de Vitry zugeschrieben Text, als Bezeichnung für die neue Notationspraxis im 14. Jahrhundert auf. Erst später entwickelt sich der Begriff unter dem Einfluss Hugo Riemanns zu einem Epochenbegriff, der die Musik des 14. Jahrhunderts benennt. An dieser Begriffgeschichte ist zu sehen, wie sich aus der Beschreibung eines musiktheoretischen Sachverhalts durch Musikschriften späterer Zeit ein Epochen und Stile benennender Begriff entwickeln kann.
Textprobe:
Kapitel 3, Bedingungen und Voraussetzungen:
Die Bedingungen und Voraussetzungen sind bei jeglichem Unterrichtsthema enorm vielfältig. Für die schulische Vermittlung Neuer Musik gehören natürlich auch die in den beiden vorangegangenen Kapiteln erörterten Punkte dazu. Aber für die Vermittlung Neuer Musik ist ein besonderer Aspekt zu beachten, der bei einer Darstellung der Klassik oder des Hip-Hop nicht in gleichem Maße eine Rolle spielt: "Die soziale Isolation beschreibt einen Zustand innerhalb der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts, der zu einem wesentlichen Merkmale der neuen Musik wurde" . Michael Custodis sagt damit, dass Neue Musik bis auf geringe Ausnahmen keinen wesentlichen Teil im Musikleben der Gesellschaft einnimmt. Durch die mediale Verbreitung gilt dies beispielsweise nicht für Hip-Hop-Musik und auch nicht für die durch das Konzertwesen und künstlerische Ausbildung im Hochschulbereich in der Gesellschaft verankerte Musik der Klassik und Romantik.
Zunächst scheint der Dissonanzreichtum Neuer Musik der Grund für ihre gesellschaftliche Randposition zu sein. Dahlhaus weist jedoch darauf hin, dass es nicht um die Quantität des Dissonanzgrades geht, sondern um den Zusammenhang, in dem die Dissonanz steht: "Emanzipierte Dissonanzen [...] stehen für sich: Die Fortsetzung ist restlos offen" . Die Schwierigkeiten, die Hörer mit Neuer Musik haben können, liegen also im Grunde an einem fehlenden Bezugssystem, in das die gehörte Neue Musik eingepasst werden kann.
Beim Hörer ist durch die in seinem Leben gemachten Hörerfahrungen ein Musikbild und ein entsprechendes Bezugssystem geprägt worden, das ihn unbewusst veranlasst, davon auszugehen, dass sich jede Musik in grundlegenden Parametern nicht von der bisher erfahrenen unterscheidet. Dieses durch Erfahrungen zustande gekommene Bild des Phänomens Musik (das sich natürlich fortwährend ändert) wird von Klaus-Ernst Behne als musikalisches Konzept bezeichnet. Je nachdem, inwieweit ein Musikstück dem musikalischen Konzept entspricht bzw. welchen Stellenwert es darin einnimmt, kann durch dieses Stück Unverständnis, Neugier, aber auch Abneigung beim Hörer entstehen.
Nun folgen die Musik des allgemeinen Konzertwesens und die medial stark verbreitete Popularmusik im Großteil der tonalen Harmonik, die damit ein wesentlicher Bestandteil des in der Gesellschaft üblichen musikalischen Konzepts ist. Dass Neue Musik nicht Teil des musikalischen Konzepts des Hörers ist, liegt daran, dass dort für Neue Musik kein ähnlich starkes Bezugssystems wie das der Tonalität vorhanden ist. Die Vielfalt an Kompositionsweisen innerhalb der Neuen Musik hat verhindert, dass sich ein grundlegendes Prinzip für ein solches Bezugssystem hat etabliert können. Die enorme Vielzahl von Erklärungen und Analysen, die zum Verständnis der Neuen Musik verfasst worden sind, sollen eben dazu verhelfen, Neue Musik ohne ein vorhandenes Bezugssystem in das musikalische Konzept des Hörers einzugliedern. Inwieweit dies pädagogisch sinnvoll ist, wird weiter unten noch näher betrachtet.
Da beim Unterrichtsthema Neue Musik im Regelfall nur Musiklehrer und Schüler beteiligt sind, muss nun näher untersucht werden, welche speziellen Voraussetzungen bei Lehrern und Schülern für die Vermittlung Neuer Musik zu beachten sind.
3.2, Schülerperspektive:
Im Gegensatz zum Verhältnis der Musiklehrer zur Neuen Musik hat sich die Musikpädagogik und -psychologie zwischen 1970 und 1980 ausführlich mit dem Verhältnis zwischen Schüler und Neuer Musik beschäftigt. Die Begründung dafür ist zum einen die damals aufkommende größere Bedeutung Neuer Musik für den Musikunterricht; zum anderen sollte im Zuge der Bildungsreform der Unterrichtsinhalt am Schüler orientiert werden. Die Untersuchungen sind hauptsächlich empirisch durchgeführt worden, um die wissenschaftliche Belegkraft zu stützen.
3.2.1, Neue Musik im Urteil der Schüler:
Die frühesten Ergebnisse zur Stellung der N
| Erscheint lt. Verlag | 12.5.2015 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Maße | 155 x 220 mm |
| Gewicht | 162 g |
| Themenwelt | Sozialwissenschaften ► Pädagogik ► Schulpädagogik / Grundschule |
| Schlagworte | Musikdidaktik • Musikerziehung • Musikpädagogik • Musikunterricht • Schulunterricht |
| ISBN-10 | 3-95934-589-5 / 3959345895 |
| ISBN-13 | 978-3-95934-589-7 / 9783959345897 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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