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Systemisch orientierte Erziehungsberatung bei Asperger-Autismus: Mehr als nur eine Alternative? - Tobias Düsterdick

Systemisch orientierte Erziehungsberatung bei Asperger-Autismus: Mehr als nur eine Alternative?

Buch | Softcover
140 Seiten
2014
Diplomica Verlag
978-3-8428-8076-4 (ISBN)
CHF 55,95 inkl. MwSt
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Möglichkeiten und Grenzen des systemischen Ansatzes der Familienberatung in Bezug auf die Entwicklung eines Kindes mit AS und seiner Familien zu eruieren und zu diskutieren. Um das auf einer fundierten Grundlage zu tun, ist es notwendig, den Einfluss von AS auf das System Familie zu beleuchten sowie moderierende Schutz- und Risikofaktoren ausfindig zu machen.
Das soll mit Hilfe selbstständiger Forschung herausgefunden werden. Dafür wurden Experteninterviews mit Mitarbeitern der drei Autismusambulanzen Sachsens durchgeführt. Dies erklärt eine Einschränkung, die im Titel vorgenommen worden ist. In den genannten Einrichtungen wird Erziehungsberatung lediglich randständig betrieben, weswegen institutionalisierte Erziehungsberatung in den nun folgenden Betrachtungen weitestgehend außen vor bleiben muss. Auch bleiben zahlreiche Ansätze der Familienberatung, wie die kognitive Verhaltenstherapie, unerwähnt, auch wenn diese für die Intervention bei AS nicht wegzudenken ist.

Textprobe:
Kapitel 4, Der systemische Ansatz der Beratung:
4.1, Der Konstrukivismus:
Die Systemtheorie ist ohne die Ideen des Konstruktivismus nicht denkbar. Es handelt sich hierbei um einen Überbegriff für verschiedene Strömungen der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Zu den bekanntesten gehört der Radikale, Erlanger sowie der Interaktionistische Konstruktivismus.
Trotz ihrer Unterschiede, z.B. im Bereich ihrer Aussagen und Entstehungen, sind elementare Gemeinsamkeiten erkennbar. Im Zentrum des Konstruktivismus steht die Frage nach der Entstehung menschlicher Erkenntnis. Folglich wird nicht ontologisch nach dem Was gefragt, sondern vielmehr epistemologisch nach dem Wie. Dabei findet stets eine Orientierung am Beobachter statt. Außerdem rücken alle Strömungen des Konstruktivismus von der Vorstellung einer objektiv erfassbaren absoluten Wahrheit ab. Dem liegt u.a. der Leitsatz: Ich denke, also bin ich von René Descartes zu Grunde. Deswegen wird die Realität in Abhängigkeit zum Beobachtenden gesehen. Es erfolgt somit eine Prämissensetzung seiner Autonomie aufgrund seiner angenommenen Fähigkeit zur Selbststeuerung und -organisation. Grundlage sind dabei stets persönliche Erfahrungen, Normen und Werte. Das impliziert, dass jeder Mensch seine Umwelt etc. interindividuell wahrnimmt und darauf aufbauend seine Handlungsintentionen entwickelt. Damit verbunden gibt es kein richtig oder falsch mehr, sondern lediglich intersubjektive Wahrheiten, auf deren Grundlage gehandelt wird. Damit fällt das Interesse auf die Differenz und Pluralität von möglichen Wirklichkeitsauffassungen und ihren Folgen.
Der Radikale Konstruktivismus wurde durch seine Hauptvertreter Ernst von Glasersfeld, Humberto Maturana, Heinz von Foerster sowie Paul Watzlawick entscheidend geprägt. Als Ausgangspunkt dieser Strömung kann die Tagung Konstruktion von Wirklichkeiten in San Francisco 1978 angesehen werden. Der Radikale Konstruktivismus beruht auf der genetischen Erkenntnistheorie von Jean Piaget. Gemäß dieser beiden Theorien ist die Wissensaufnahme durch die Sinnesorgane und Kommunikation nicht als passiver Prozess zu verstehen. Vielmehr wird das Wissen auf Grundlage eigener Erfahrungen und subjektiven Sinneswahrnehmungen gebildet. Es handelt sich somit um einen aktiven Prozess, in dessen Konsequenz neu erworbenes Wissen an bereits bestehende Wissensbestände und Erfahrungen angepasst wird. Das ist auch unter dem Terminus Schloss-Schlüssel-Prinzip bekannt. Auf dieser Grundlage wird abgeleitet, dass kein Mensch in der Lage sei, die Grenzen seiner eigenen Erfahrungen zu überwinden. Die Konsequenz hieraus ist, dass selbst wissenschaftlich gewonnenes Wissen nicht objektiv sein kann. Das widerspricht dem absolutem Wahrheitsanspruch der Wissenschaft. In der Gesamtheit wird eine ausschließlich subjektivistisch Sichtweise dieser Theorie deutlich. Diese fand in der Systemtheorie, insbes. jener von Niklas Luhmann, große Beachtung und hat diese entscheidend geprägt.
Der Erlanger bzw. Methodische Konstruktivismus kann als ein methodenkritischer Ansatz in der Wissenschaftstheorie verstanden werden. Begründet wurde dieser durch Wilhelm Kamlah und Paul Lorenzen in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Inspiriert wurde er von der Philosophie von Hugo Dinglers. Seine Grundlage ist die Methode der Zahlen, von welcher eine Vielzahl von mathematischen Konstruktionen hergeleitet werden können. Daraus erwuchs die Idee, dass die Erzeugung von Wissen mit gleichen Methodenstandards zwar immer noch zur Beschreibung von Konstruktionen führe, diese aber ähnlich bzw. vergleichbar seien. Das ist ein deutlicher Widerspruch zum Radikalen Konstruktivismus. Daraus wurde die logische Propädeutik abgeleitet. Deren zentraler Leitsatz heißt: Die Verständigung zwischen den Gesprächspartnern soll nicht dadurch beeinträchtigt werden, dass der Redende den Prädikator anders verwendet als der Hörende [...]. Um dieses Ziel zu erreichen, werden die Gesprächspartner

Erscheint lt. Verlag 7.8.2014
Sprache deutsch
Maße 155 x 220 mm
Gewicht 235 g
Themenwelt Sozialwissenschaften Pädagogik Sonder-, Heil- und Förderpädagogik
Schlagworte Asperger-Syndrom • Autismus • Familienberatung
ISBN-10 3-8428-8076-6 / 3842880766
ISBN-13 978-3-8428-8076-4 / 9783842880764
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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