Mythos Snuff und Entmystifizierung
Bachelor + Master Publishing (Verlag)
978-3-95684-135-4 (ISBN)
Das vorliegende Buch bietet den Ansatz einer medienkulturellen und medienpsychologischen Metaanalyse des Mythos Snuff von seiner Entstehung bis heute. Der Snuff-Mythos wirft die Frage über den Nutzen der Entstehung und Diffusion von Mythen auf. Zugleich stellt sich die Frage, warum der gewaltsame Tod in medialen Unterhaltungs- und Informationsangeboten so gut funktioniert und welche Rollen Realismus und Authentizität spielen. Zuletzt ist die Entwicklung von Snuff unbedingt auch im Kontext der Massenmedien und Medientechnik zu analysieren.
Textprobe:
Kapitel 3, Echtheit als Spektakel und das Verlangen danach:
Hollywood-Spezialeffekte bieten ihren Rezipienten spektakuläre Bilder und Simulationen, welche die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf Grund der unglaublich aussehenden Realität auf sich ziehen. Sie können sowohl unglaublich als auch real sein, während ihre Beliebtheit in dem Maße davon abhängt, in dem sie es schaffen, ihr Publikum zu überzeugen. An einem anderen Ende des Spektrums audio-visueller Medien bietet sogenanntes Reality-TV die vermeintlich echte Realität als Spektakel an. Geoff King erwähnt in der Einleitung zum Buch The Spectacle of the Real von 2005 exemplarisch sowohl die Banalität täglicher, durchaus heftiger, interpersonaler Beziehungen (zum Beispiel Big Brother), als auch das seiner Meinung nach ultimative spectacle of the real , nämlich die Zerstörung des World Trade Centers in New York und die dazugehörige Live-Berichterstattung, welche beim Publikum eine ständige Assoziation mit fiktiven Kinobildern bewirkten.
Eindrücke des Echten, des Authentischen oder des scheinbar Authentischen sind als grundlegendes Konzept neben den bereits genannten in einer Reihe audiovisueller Medienangebote zu finden. Natürlich gibt es die Idee der Tötung zu Unterhaltungszwecken nicht erst seit der Erfindung der bewegten Bilder. Gewaltdarstellungen in Medien datieren bis circa 2000 vor Christus zurück48 und Snuff (1976) ist auch nicht der erste Film, der den (vermeintlich) echten Tod vor der Kamera zu Entertainmentzwecken instrumentalisiert. Es steht außer Frage, dass es einen enormen Bedarf an Echtheit bezüglich drastischer Darstellungen in medialen Angeboten gibt. Gründe dafür können je nach Rezipient ein Informationsbedürfnis, ein Unterhaltungsbedürfnis, soziale Vergleichssituationen oder auch reine Sensationslust sein.
3.1, Real(istisch)er Horror:
Zweifelsohne ist der Death Film eine der extremsten Formen des Untergrundkinos. Bis ins 21. Jahrhundert übte nonfiktionales Bildmaterial von Hinrichtungen, Attentaten und rituellen Opferungen, wie sie in Mondo Cane49 oder später auch in Faces of Death (1978) gezeigt werden, eine Faszination auf eine kleine Fangemeinde aus. In Spielfilmlänge präsentieren diese Titel ihrem Publikum eine Melange exotischer Schauplätze und erstaunlicher Geschehnisse. Der größte Vorwurf an das Mondo-Genre dabei besteht darin, dass die Filmemacher die Ereignisse oftmals nicht dokumentieren, sondern sie manipulieren oder sie erst für die Kamera geschehen lassen. Unter dem Deckmantel eines Informationsauftrags wird vorsätzlich fehlinformiert, wobei die eigentliche Intention eines Films, der Grund, warum er existiert und auch der Grund, warum viele der gezeigten Dinge überhaupt geschehen, die ist, sein Publikum zu schockieren.
Ohne Zweifel hat diese Art der medialen Präsentation und Pseudodokumentation mit der Zeit auch im Fernsehen Erfolg und ist dort nicht mehr wegzudenken. Der Hauptgrund, warum real life death films traditionell ein Untergrund-Subgenre darstellen, ist das inoffizielle Verbot, das gesellschaftliche Tabu visueller Aufnahmen des echten Todes und im Besonderen des gewaltsamen echten Todes. Daraus resultierend empfand die Filmindustrie es nicht nur als notwendig, sondern auch als gewinnbringend, eine Reihe von Konventionen zur Darstellung des Verlusts von Leben zu entwickeln. Dies ist ursprünglich nicht immer der Fall gewesen. In den Anfangstagen des Kinos sind echte Todesszenen in Filmen ebenso wahrscheinlich wie deren Simulation. Als Beispiel dient der Film der Exekution des Anarchisten und Präsidentenattentäters Leon Czolgosz 1901. Diese Befriedigung einer Schaulust findet zu einer Zeit statt, in der das Kino noch als ein neues Medium des Schocks, der Spannung und der Stimulation bekannt ist. Als die sogenannten spectacle films sich nach und nach vom dokumentarischen Produktionsansatz echter Ereignisse in eine Form fiktionaler Unterhaltung entwickeln, wird auch die Simulation von
| Reihe/Serie | Bachelorarbeit |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Maße | 155 x 220 mm |
| Gewicht | 100 g |
| Einbandart | Paperback |
| Themenwelt | Sozialwissenschaften ► Kommunikation / Medien ► Journalistik |
| Schlagworte | Echtheit • Realer Horror • Reality-TV • Rezeption • Tod • Unterhaltungsprinzip |
| ISBN-10 | 3-95684-135-2 / 3956841352 |
| ISBN-13 | 978-3-95684-135-4 / 9783956841354 |
| Zustand | Neuware |
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