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Angehörige von Menschen im Wachkoma im pädagogischen Blickfeld

Angehörige von Menschen im Wachkoma im pädagogischen Blickfeld (eBook)

eBook Download: PDF | EPUB
2011 | 1. Auflage
148 Seiten
Diplomica Verlag GmbH
978-3-8428-1676-3 (ISBN)
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"Wachkoma - eine Diagnose, die viele Fragen offen lässt. Wie soll das Leben nun weitergehen? Wie wird es mir gehen und wer wird mir helfen? Solche Gedanken drängen sich in den Alltag der Angehörigen, welche hinter dem betroffenen Menschen im Wachkoma stehen und bedeutend weniger Beachtung des Umfeldes erfahren als die wachkomatöse Person selbst. Allerdings sind sie diejenigen, die die Situation adäquat zu bewältigen haben - in jeder Hinsicht. Der Schwerpunkt des Buches liegt in der Frage, wie Angehörige von Menschen im Wachkoma ihr Umfeld nach dem schicksalhaften Ereignis erleben und welche Hilfe und Unterstützung ihnen zur Verfügung steht. Die Autorin, welche selbst jahrelang in der Pflege tätig war, hat versucht, umfassend die Gefühle und Gedanken der Angehörigen in dieser Situation zu beschreiben. In der qualitativen Studie hat eine angehörige Person erzählt: ""Bei der Betreuung für die Angehörigen muss sich unbedingt was ändern. (...) Niemand ist sich bewusst was das für Auswirkungen mit sich bringen kann. Man hätte Lust die Brücke hinunter zu hüpfen. (...) Ärzte und Pflegepersonal müssen sich schon bewusst sein, dass da Menschen in Extremsituationen sind."" "

Birgit Bertolini wurde 1980 in Südtirol geboren. Nach ihrer Ausbildung als Sozialbetreuerin hat die Autorin den Grundstein ihrer sozialen Laufbahn gelegt. Danach führte sie ihr Weg nach Österreich wo sie ihre fachlichen Kompetenzen durch ein Studium erweitern konnte. Das Diplomstudium der Erziehungswissenschaften an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck mit Schwerpunkt Beratung und Psychotherapie schloss sie im Jahre 2010 mit Auszeichnung ab. Bereits nach der Ausbildung als Sozialbetreuerin hat die Autorin einige Zeit im Bereich der Behinderten- und Altenpflege gearbeitet. Erfahrungen konnte sie in einem Pflegeheim für Menschen im Wachkoma sammeln. Dieser Kontakt motivierte sie, sich der Thematik des vorliegenden Buches zu widmen.

Inhaltsverzeichnis 5
TEIL 1: Theoretische Grundlagen 9
1 Einleitung 9
1.1 Einführung in das Thema 9
1.2 Ziele und zentrale Fragen 10
1.3 Vorgangsweise 11
2 Wachkoma 13
2.1 Historischer Rückblick 14
2.2 Anatomie und Physiologie 15
2.2.1 Großhirn 16
2.2.2 Zwischenhirn 17
2.2.3 Hirnstamm (Mittelhirn, Brücke und verlängertes Mark) 18
2.2.4 Kleinhirn 19
2.2.5 Rückenmark 20
2.3 Diagnose und Definition 21
2.4 Überblick der Remissionsphasen nach F. Gerstenbrand 24
2.5 Symptome 26
2.6 Ätiologie 27
3 Ethische Grundaspekte 29
3.1 Menschenbild (Anthropologie) 30
3.1.1 Eine allgemeine Überlegung 30
3.1.2 Holistisches Menschenbild – ein pädagogischer Abriss 31
3.2 Welchen Sinn hat das Leben des Menschen im Wachkoma? 33
3.3 Bedeutung der Situation 34
3.4 Menschenwürde 35
3.4.1 Lebensrecht für Menschen im Wachkoma 37
3.4.2 Freie Entscheidung für ein selbstbestimmtes Leben bzw. Sterben 39
3.5 Utilitarismus 42
3.6 Deontologie 44
4 Angehörige 46
4.1 Familie 46
4.2 Was denken Angehörige? 48
4.3 Belastung 50
4.3.1 Emotionale Belastung der Familienmitglieder 50
4.3.2 Was wird als große Belastung empfunden? 51
4.3.3 Grenzen 53
4.4 Soziale Veränderung 54
4.4.1 Veränderung der Beziehung zum Angehörigen imWachkoma 55
4.4.2 Das Gefühl „alleine - sein“ 56
4.5 Trauer der Angehörigen 58
4.5.1 Was bedeutet Trauer? 59
4.5.2 Wie äußert sich die Trauer von Angehörigen? 59
4.6 Schuldgefühle 61
4.7 Verzweiflung und Angst 62
4.8 Welche Hilfe brauchen Angehörige? 64
4.9 Bewältigung und Hoffnung 67
5 Pädagogisch – anthropologische Aspekte 70
5.1 Anthropologie als Wissenschaft 70
5.1.1 Grundfragen einer Pädagogischen Anthropologie 71
5.1.2 Die pädagogische Wirklichkeit 72
5.1.3 Wirklichkeit bei Menschen mit schwerer Beeinträchtigung 73
5.2 Der Mensch – mit Behinderung 75
5.3 Bedeutung der Beziehung und Kommunikation 77
6 Bisheriger Forschungsstand 81
TEIL 2: Empirische Untersuchung 83
7 Methodik 83
7.1 Methodologischer Ansatz 84
7.2 Problem- und Fragestellung 86
7.3 Zielsetzung der vorliegenden Studie 87
7.4 Ethische Überlegungen 88
8 Die Interviewstudie 92
8.1 Das qualitative Interview 92
8.2 Das Erhebungsverfahren 94
8.3 Auswertung der Daten 95
8.4 Die Durchführung der Interviews 96
8.5 Ziel und Inhalt des Interviews 98
8.6 Vorgangsweise der Interviews 98
8.7 Die befragten Angehörigen 100
8.8 Interpretation der Interviews 101
8.8.1 Das schicksalhafte Ereignis 101
8.8.2 Diagnose Wachkoma 102
8.8.3 Lebenssinn 106
8.8.4 Veränderung der Beziehung zum wachkomatösenAngehörigen 107
8.8.5 Angehörige 107
8.8.6 Soziale Unterstützung 109
8.8.7 Veränderung des Umfeldes des Angehörigen 113
8.8.8 Gefühle 113
8.8.9 Die größten Probleme und Belastungen insgesamt 115
9 Zusammenfassung 118
10 Fazit 125
11 Empfehlungen 128
12 Nachwort 129
Abkürzungsverzeichnis 131
Literaturverzeichnis 132
Glossar 146

Textprobe: Kapitel 2.1, Historischer Rückblick : Bereits in der Antike wurde vom Koma gesprochen, was soviel wie 'tiefer Schlaf' bedeutet. Im Mittelalter wurde Koma als Symptom unterschiedlicher Krankheiten und Lebensereignisse verstanden wie Trunksucht, verdorbene Körpersäfte, fieberhafte Zustände, unterschiedlichste Gewalteinwirkungen durch kriegerische Handlungen, Raubüberfälle, Schläge auf den Kopf und vieles mehr. Erst Ende des vorigen Jahrhunderts wurde ein Mensch mit diesem Syndrom als etwas Eigenes erkannt und in einer wissenschaftlichen Arbeit als solches Krankheitsbild beschrieben. Der erste Fall eines traumatischen apallischen Syndroms wurde nachweislich 1899 von Rosenblath erwähnt, auch wenn dies noch nicht als abgrenzbares Syndrom, sondern vielmehr als ein bemerkenswerter Fall von Hirnerschütterung erkannt wurde. Die Bezeichnung 'apallisch' wurde erst 1940 von Kretschmer in den deutschen Sprachraum eingeführt. Das apallische Syndrom oder Wachkoma entsteht dann, wenn durch akutere Krankheitsherde die entsprechenden Rindenfelder gleichzeitig außer Funktion gesetzt werden. Kretschmer spricht von einer Blockierung der Großhirnleistung. Vom Koma unterscheidet es sich durch das Fehlen der Bewusstseinstrübung (Wach- Schlafsteuerung). Der Begriff 'apallisch' bedeutet im engeren Sinne einen kompletten Ausfall der Hirnrinde, was bei weitem nicht in allen Fällen zutrifft. Deswegen ist der Begriff nicht sehr genau und somit wird er in der aktuellen Literatur nicht mehr angewandt. Gerstenbrand führte den Begriff 'apallisches Syndrom' nach Kretschmer weiter. Er hat versucht den Rückbildungsverlauf des Wachkomas in Phasen anhand eines Schemas darzustellen. Die Phasen wurden beschrieben (s. Kapitel 2.4) und in drei Bereiche Affektivität, Bewusstsein und Motorik getrennt eingeteilt. Gerstenbrand hat herausgefunden, dass sogar bei schwersten Fällen des apallischen Syndroms eine Rückbildungsmöglichkeit besteht, auch wenn es lange und mit viel Mühe und Mut verbunden ist. Im angloamerikanischen Raum wurde die Definition 'Persistent Vegetative State', kurz 'PVS' von den Neurologen Jennett und Plum 1972 eingeführt. Diese Bezeichnung sollte angewandt werden, wenn der Zustand länger als einen Monat anhält. Giacino und Zasler beschrieben 1995 das Wachkoma als 'minimally conscious state'. Diese Bezeichnung wird 2003 durch die Definition der Brain Injury Association of America international übernommen.

Erscheint lt. Verlag 1.6.2011
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften
Sozialwissenschaften Pädagogik Allgemeines / Lexika
Sozialwissenschaften Pädagogik Bildungstheorie
Sozialwissenschaften Pädagogik Sozialpädagogik
Schlagworte Angehörigenarbeit • Apallisches Syndrom • Koma • Pädagogische Anthropologie • Trauer • Wachkoma
ISBN-10 3-8428-1676-6 / 3842816766
ISBN-13 978-3-8428-1676-3 / 9783842816763
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