Alltagskultur: sakral – profan. Ausgewählte Aufsätze (eBook)
292 Seiten
Waxmann Verlag GmbH
978-3-8309-7425-3 (ISBN)
Dieser Satz fokussiert nicht nur das umfangreiche und breite Œuvre von Christel Köhle-Hezinger, sondern könnte auch als Motto über ihrer wissenschaftlichen Vita stehen.
Der 65. Geburtstag von Christel Köhle-Hezinger gibt Anlass, Leistung und Werk der Jubilarin mit dem vorliegenden Buch zu würdigen und zu ehren. Die Publikation enthält ausgewählte Schriften, die zum Teil an entlegenen Orten erschienen und daher nur schwer greifbar oder vergriffen sind. Es soll ein Einblick in die Vielgestaltigkeit der Forschungen von Christel Köhle-Hezinger gegeben werden, deren virtuose Ansätze und Ideen aktuell und erfrischend im Fach und universitären Alltag sind.
Inhalt 6
Vorwort 8
Willkommen und Abschied. Zur Kultur der Übergänge in der Gegenwart 12
I. Abschiedswelten 12
II. Willkommen und Abschied, dialektisch verbunden 13
III. Stand und Geschlecht 14
IV. Well-come and well-go 15
V. Trennung und Übergang 16
VI. Stufen, Schwellen, Rituale 18
VII. Zum Beispiel Lichtmeß 20
VIII. Übergänge in die Moderne 21
IX. Revisionen 23
X. Übergänge als Dauer 24
Literatur 26
Abendmahl als Gesetz. Beiträge aus der Volkskunde 30
THESE 1: Abendmahl ist – ab origine – Gesetz, Zwang. 33
THESE 2: Abendmahl bedeutet nicht Ersatz (für die Messe), sondern ein Weniger an religiöser Norm. 34
THESE 3: Abendmahl ist dem „gemeinen Volk“ unverständlich, ist Tabuzone. 35
THESE 4: Abendmahl ist kein „Fest“ fürs Volk, allenfalls Feier, religiöses Ritual. 37
Pfarrvolk und Pfarrersleut 42
I. Von den „Verflechtungen in den Alltag“ (M. Weber) 42
II. „Der große, ehrwürdige Teil des Publikums, der Volk heißt“ Der Pfarrer als Volks- und Landeskundler 56
Literatur 66
Gemischtkonfessionelle Dörfer in Württemberg 68
Nähe und Ferne 69
Dörfliche Parität: Die Zeit bis 1848 71
Konfessionelle Zuspitzung 75
Treuezeichen. Zur kulturellen Kodierung industrieller Identifikation und Gratifikation 80
Quellen 93
Literatur 93
Das Dino-Abenteuer. Anmerkungen zu Archaik und Aktualität eines Phänomens der Gegenwartskultur 96
Vorbemerkung 96
I. Prolog: Zum Thema 96
II. „Zugänge: Dino-Futter“ 101
III. Merkmale 106
Insel statt Höhle? Nachgedanken 112
Dank 112
Fromme Frauen, fromme Bilder 114
Sind ‚fromm‘ und ‚heilig‘ gleichzusetzen? 116
„lustus: gerecht, frum“ 116
Geistliche Hausmagd als „Mahnbild“ 118
Fromme Anwartschaften: evangelisch – fromm 120
Frömmigkeit ins Gesicht geschrieben: pietistisch – fromm 124
Mystikerinnen, Heilige, Nonnen: katholisch – fromm 125
Schwester Maria Benedikta Ströle ( Gertrud Ströle, geboren 1918) 128
Literatur 141
Wie kam das Grün ins Haus? Anmerkungen zum Verhältnis Mensch – Haus – Pflanze 142
I. 142
II. 145
III. 146
IV. 149
V. 151
VI. 152
VII. 154
Literatur 158
Der Weihnachtsbär. Verbärung der Weihnacht – Verbärung der Welt? 162
1. Vorbemerkung: Forschungsneugier 162
2. Der Mensch und sein Tier 163
3. Wilder Bär, Teddy und Bärle 165
4. Bären im Advent 167
5. Verbärung der Weihnacht: Bärenweihnacht? 168
6. Bärenfeldforschung 170
7. Nachgedanken: Schleckbär und Maibär 172
Fortschreiten – fortgehen – fortlaufen. Fortschritt als kulturelles Handeln 174
Fort und daheim 174
Fortgehen oder Daheimbleiben 174
Fortschritt in den Köpfen 176
„Fort von Hunger und Not“ 178
Fort in ausländische Fabriken 179
Heraus aus dem Haus, weiblich 181
Das Harmonium oder: Frommes Schwellen, sanfte Bewegung 184
1. Kinderstunden 184
2. Mutterstunden 186
3. Salonstunden 187
4. Musikstunden 189
5. Stubenstunden 190
6. Geschwisterstunden 193
7. Englische Stunden 194
8. Wegstunden 197
Literatur zum Thema 198
Heimatinszenierungen. Beobachtungen zur ländlichen Geschichtskultur in der Gegenwart 204
I. Das Exempel 204
II. Der Spielplan 205
III. Das Repertoire 206
IV. Die Requisite 207
V. Volksszenen 208
VI. „Volkstheater“? 209
Literatur zum Thema 210
Protestantische Volkskultur 212
1. Begriff und Sache 212
2. Suchen, Lesen, Schreiben: Das Bild des erweckten Handwerkers 213
3. Beobachten, Malen, Dichten: Die Welt des barocken Pfarrers 215
4. Hören, Lesen, Zweifeln: Ein Pietist als Erfinder 216
Literatur 220
Ritual – Brauch – Tradition: volkskundlich- kulturwissenschaftliche Blicke auf den Gottesdienst 222
Zu Wort und Bedeutung 223
1. Bild: Gottesdienst-Räume, oder: Orte und ihre Zu-Ordnungen als Bräuche und Gebräuche 224
2. Bild: Gottesdienst und Sonntag, oder: Die Zeit 225
3. Bild: Das andere Ritual, oder: Alterität erleben, lernen, reden 226
4. Bild: Gottesdienst, traditional, oder: die Einheit von Ort, Zeit, Handlung 227
Literatur 233
Die Welt der frommen Dinge. Wege des popularen Pietismus ins 20. Jahrhundert 236
„Guter Tod und schöne Leich“ Sterben, Tod und Bestattung in Traditionen und Ritualen 246
1. Sterben, ländlich-katholisch-traditional im 19. Jahrhundert 249
2. Sterben, katholisch-ländlich, Anfang des 20. Jahrhunderts 252
3. Sterben, evangelisch-städtisch, Ende des 19. Jahrhunderts 253
4. Sterben, ländlich-katholisch im 20. Jahrhundert 254
Fazit I: Alles ist Regel und Ordnung 255
Fazit II: Alles ist Tradition oder: Die Kultur des Ansehens 256
Fazit III: Tod als Teil des Lebens oder: „mediae in vitae? ...“ 257
Fazit IV: Statt „guter Tod“ und „schöner Leich“ der „glückliche Tod“? 258
Literatur 260
„Zu Späth?“ Von Landsmannschaften, Seilschaften und Netzwerken 262
1. Military look oder Ethno look? 263
2. In der Fremde sein – Wanderer und Ausländer 265
3. Raumorientierung und Raumerfahrung 269
4. Netz und Seil, Band und Geflecht 271
5. Männerbünde adieu? 273
Literatur 274
Schriftenverzeichnis Christel Köhle-Hezinger 276
I. Selbständig erschienene und herausgegebene Veröffentlichungen und Aufsätze 276
II. Publikationen als Herausgeberin 291
Drucknachweise 292
Protestantische Volkskultur (S. 211-212)
1. Begriff und Sache
„Von der protestantischen Volkskultur“, so Richard Weiss in seiner „Volkskunde der Schweiz“ von 1946, „sieht und greift man objektiv wenig. Im Gegensatz dazu ist die katholische Volksreligiosität reich an Schaubarem und Zeigbarem, an sinnennahen Gegenständen, welche man als Äußerung volkskundlicher Sinnenfreude, zugleich aber auch als Zeichen und Gradmesser volkstümlicher Frömmigkeit aufzufassen gewohnt ist.“
Dieser Satz war der Volkskunde Konsens, Credo und Dogma. Und auch, so meine Eingangsthese, Schutzschild und Alibi, sieht man von Karl Sigismund-Kramers umfassenden und grundlegenden Arbeiten zur Volkskultur seit den 1950er Jahren ab. Weiss’ Satz bündelte das frühe volkskundliche ‚Faszinosum Konfession‘ – von Wilhelm Heinrich Riehls Augsburger „Paritätskuriosa“ der Trachten, Kopfbedeckungen und Kaffeehäuser bis hin zu den evangelischen und katholischen Schweineställen, die für Riehl eine nicht zu erschöpfende Fundgrube der Komik darstellten.
„Katholische Überlebsel beim evangelischen Volk“ – dieser Titel von Richard Andree (1911 in der Zeitschrift für Volkskunde publiziert) trug ins 20. Jahrhundert den Glauben vom katholischen Relikt, von Reliquie, Derivat und Surrogat: vom Festhalten und der „zähen Ausdauer, die altkatholische Bräuche und Anschauungen im evangelischen Volke besitzen“. Die Volkskultur, so die Botschaft von Andree, überdauere eine „kaum 400 Jahre alte“ neue Kirche. Die Gewichtungen, genauer die gleichgewichtige Betrachtung von protestantischer und katholischer Volkskultur bereitet bis heute – nicht nur in meinem Fach – Probleme.
Im monumentalen Band „Volksfrömmigkeit in der Schweiz“, erschienen im Jahre 1999, kommt dem explizit Protestantischen bei einem Gesamtumfang von 548 Seiten kaum zehn Seiten zu: Thomas Hengartner setzt in seinem schmalen Beitrag der katholischen Volkskultur als ein gleichsam sonderkulturelles Fallbeispiel das protestantische Emmental entgegen. Angesichts der „Visibilität“ der katholischen Volksfrömmigkeit falle es „schwer, Elemente einer eigenständigen protestantischen Volkskultur zu erkennen; es seien – nach Weiss – negative Traditionen“: ein Weniger, ein Weglassen, „Verneinung und Leugnung“.
„Das konfessionelle Zeitalter war zu Ende gegangen“5: Sätze wie dieser von Christof Dipper, in solchen und ähnlichen Formulierungen die Konfessionsforschungen der Frühneuzeit durchziehend, wollen zäsieren und phrasieren. Der volkskundliche Blick sucht nach Anderem. Er sieht – um mit Victor Turner zu sprechen – das Flüssige eher als das Feste; die Unterströmung, die bleibt – bei und trotz allem Wandel. So ist „das Dorf als Verteidigungsgemeinschaft“, auch und gerade in Konfessionsdingen, weder neu noch “das Ende des konfessionellen Zeitalters“6. Es geht vielmehr um das andere Zeitmaß, um den eigenen Sinn – etwa im Kampf gegen die „tanz- und feiersüchtigen Landleute“, die Zahl der Festtage im Jahreslauf und im Zyklus des menschlichen Lebens oder um das „Hochzeitsschenken“. Es geht um andere Blicke und Grenzen, weniger um andere Quellen, Ansichten, Fragen.
| Erscheint lt. Verlag | 1.1.2011 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften ► Religion / Theologie ► Christentum |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| ISBN-10 | 3-8309-7425-6 / 3830974256 |
| ISBN-13 | 978-3-8309-7425-3 / 9783830974253 |
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