Dasein für Andere - Dasein als Andere in Europa (eBook)
409 Seiten
VS Verlag für Sozialwissenschaften
978-3-531-92167-9 (ISBN)
Dr. Heike Wagner studierte in Tübingen, Quito, Wien und Madrid Ethnologie bzw. Kultur- und Sozialanthropologie, Quichua, Philosophie sowie Theologie. Sie arbeitet als Lehrbeauftragte am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie sowie im Masterstudium 'Gender Studies' der Universität Wien
Dr. Heike Wagner studierte in Tübingen, Quito, Wien und Madrid Ethnologie bzw. Kultur- und Sozialanthropologie, Quichua, Philosophie sowie Theologie. Sie arbeitet als Lehrbeauftragte am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie sowie im Masterstudium „Gender Studies“ der Universität Wien
Dank 7
Inhalt 8
Hinweise zur Übersetzung der Zitate 12
Abkürzungsverzeichnis 13
1 Einführung 14
1.1 Zum Aufbau der Ethnographie 19
2 Kontextualisierungen 23
2.1 Migration als soziale Konstruktion 23
2.1.1 Die soziale Konstruktion von „Migranten“ und „Migrantinnen“ in Spanien – historische Zugänge 24
2.1.2 Migrantinnen – als Frauen mehrfach diskriminiert 26
2.1.3 Konstruktionsprinzipien und Differenzmarker 26
2.1.4 Migrationsforschung und die soziale Konstruktion von Migration 28
2.1.5 Migration – eine begriffliche Annäherung 29
2.2 Migration als soziale Praxis 32
2.2.1 Überlegungen zu einem praxeologischen Ansatz 33
2.2.2 Kontexte, Brüche und Erweiterungen 35
2.2.3 Die Bedeutung der globalen Ökonomie als strukturale Macht 39
2.2.4 Das soziale Geschlecht als transversale Strukturierungskraft 40
2.3 Sozialtheoretische Kontextualisierung der Arbeit 41
3 Der Migrationsprozess ecuadorianischer Hausarbeiterinnen als Forschungsprozess 43
3.1 Die Methodologie 43
3.1.1 Methodenvielfalt 44
3.1.1.1 Teilnehmende Beobachtung 44
3.1.1.2 Interviews 45
3.1.2 Raum – Multi-sited Ethnography 46
3.1.3 Zeit – 14 Monate Feldforschung 46
3.1.4 Grounding – das Verweben von Datensammlung und Datenanalyse 47
3.1.5 Nähe und Distanz, subjektive Verortungen 50
3.2 Der Forschungsprozess 52
3.2.1 Bestimmung und Konstruktion des Feldes 52
3.2.2 Explorative Forschungsphase in Spanien 55
3.2.3 Problemorientierte Forschung in Ecuador 59
3.2.4 Vertiefung und Beendigung der Forschung in Madrid 60
4 Die ecuadorianische Auswanderung nach Spanien 61
4.1 Die „neue Emigration“ und die ecuadorianische Krise 65
4.2 Neue Krise, alte Krisen und andere Migrationsgründe – über die Plurikausalität von Migrationsentscheidungen 74
4.2.1 Genderexklusion und Gendergewalt in Ecuador: stille Migrationsgründe 76
4.2.1.1 Genderexklusion und Gendergewalt in Ecuador 76
4.2.1.2 Genderexklusion und Gendergewalt als Migrationsursache 96
4.2.1.3 „Versteckte” Migrationsgründe: Warum tauchen diese Daten so selten auf? 99
4.2.2 Die Bedeutung von Vorstellungen, Hoffnungen und Träumen 101
4.2.3 Die Rolle sozialer Netzwerke 111
4.2.4 Die Migrationsindustrie: Migration als großartiges Geschäft 121
4.2.4.1 Migrationsindustrie, die von reisenden MigrantInnen lebt 122
4.2.4.2 Migrationsindustrie, die von (schon bestehenden) Migrationen lebt 128
4.2.5 Warum Spanien? Das neue Einwanderungsland 129
4.3 Ecuadorianische Migration nach Spanien: plurikausal und vielschichtig 136
5 Angekommen: EcuadorianerInnen in Madrid 141
5.1 Neubeginn im fremden Kontext 141
5.1.1 Wohnen – „el piso compartido“: MigrantInnen-WGs 143
5.1.2 Die Bedeutung von Ressourcen: Netzwerke, der Zugang zu Informationen und Hilfsleistungen 153
5.2 Zu MigrantInnen in Spanien werden 155
5.2.1 Ohne regulären Aufenthaltstitel: „Hier gibt es keine Freiheit“ 156
5.2.2 Illegalisierung, Diskriminierung und Ethnisierung: Als Andere gleich gemacht 158
5.2.3 Initiation zur Migrantin 163
6 Arbeit als Hausarbeiterinnen 166
6.1 Haushaltsarbeit, Reproduktionsarbeit, Hausarbeit – begriffliche und erste inhaltliche Klärung 167
6.2 Eine neue, alte Beschäftigung für Migrantinnen – Hausarbeit im Kontext der Globalisierung 170
6.2.1 Die neue Nachfrage nach bezahlter Hausarbeit 173
6.2.2 Die Ethnisierung von Hausarbeit 178
6.3 Die gesetzliche Regelung von Hausarbeit in Spanien 182
6.4 Hausarbeit als hoch-personalisierte Arbeit in der Privatsphäre (der Anderen) 189
6.4.1 Arbeitsplatz Privatsphäre: Unsicherheiten und Grenzüberschreitungen 190
6.4.2 „Zur Familie gehörig“: Die Ambivalenz von Nähe und Distanz im hierarchischen Kontext 193
6.4.2.1 Als Interna Medium eines flexiblen, bequemen (Familien-)Lebens der Anderen: die Verdichtung der Problematiken 198
6.4.3 „Zur Familie passend“: Die Bedeutung von Persönlichkeit und Haltung 202
6.5 Wie finde ich Arbeit? – Die Suche nach und Rekrutierung von Hausarbeit 205
6.5.1 Aushänge, Netzwerke und andere Formen der Arbeitssuche 205
6.5.2 „Arbeitssuche kostet Geld“: Notwendige Ressourcen 210
6.5.3 Haarefärben und andere Strategien der Arbeitssuche 214
6.6 Ein Hausarbeitskurs für Migrantinnen in einer katholischen Gemeinde in Madrid – Sozialarbeit als Migrationsinstitution 218
6.6.1 Kochen, Nähen, Tischdecken: Der Ablauf und Inhalt des Kurses 221
6.6.2 Der Hausarbeitskurs als Teil der katholischen Kirche 224
6.6.3 Differenzfaktoren und Signifikationsgeber des Kurses 227
6.6.3.1 Hausarbeit als „natürliche Arbeit der Frau“: Arbeitsverständnis und Frauenbild 229
6.6.3.2 (Potentielle) Mütter und Flexibilitätsprobleme 234
6.6.3.3 Die ungebildeten, unzivilisierten Fremden 237
6.6.3.4 Außerhalb des Rechts 247
6.6.3.5 Arbeit, nichts als Arbeit – Platzzuweisung und Integrationshilfe 253
6.6.4 Unterschiedliche Positionen, Zielsetzungen und Strategien der verschiedenen AkteurInnen 257
6.6.4.1 Hilfe und Selbsthilfe – Die Rolle der Voluntarias 257
6.6.4.2 Halbmächtige und andere Mächte – die Ordensschwester und die Priester 262
6.6.4.3 Die Rolle der Gemeinde innerhalb des Viertels und als Teil derGesellschaft 263
6.6.4.4 Strategien und Ziele der Migrantinnen: „Man muss sie zu nehmen wissen“ 266
6.6.5 Integration und Erziehung zur nachgefragten, untergeordneten und entpersonalisierten Hausarbeiterin 274
7 Strategien, Handlungsspielräume und Möglichkeiten 276
7.1 Strategien bei der Haushaltsarbeit 277
7.1.1 „Bitte nicht stören, ich bin am Kochen” und andere Strategien bei der Arbeit 277
7.1.2 Das selbstgewählte Ende des Arbeitsverhältnisses 285
7.1.3 Affirmierend, manipulierend, aushandelnd – Strategien bei der Arbeit 292
7.2 Strategien außerhalb der Arbeit 295
7.2.1 Mittel gegen Stress und Erschöpfung 295
7.2.1.1 Umstrittene Erholung und Freizeitaktivitäten bei ecuadorianischen Treffpunkten – das Beispiel von Lago 301
7.2.2 „Cadenas de dinero“ – Netzwerkstrategien 308
7.2.3 „Baños dulces“ und andere Veränderungsrituale 312
7.2.4 „Baile de solteros“ – Ressource Frausein 316
7.2.5 Handlungsspielräume, Grenz(überschreitung)en, Strategien 325
7.3 Freude und Leid 330
7.3.1 Die Selbstbewertung der Migration als Hausarbeiterin 331
7.3.1.1 Der ungleiche „Gewinn für alle“ 340
7.3.1.2 Auswirkungen auf die Geschlechterverhältnisse 345
7.3.1.3 Die Neudefinition der Geschlechterverhältnisse im Migrationsprozess 358
7.3.2 Haushaltsarbeit – Ermöglichung und Verhinderung zugleich 360
8 Schlussfolgerungen 363
8.1 Die Migration ecuadorianischer Frauen nach Madrid 363
8.2 Migrantische Haushaltsarbeit im Kontext der Globalisierung – Asymmetrien, Kurse und Diskurse 365
8.3 Handlungsfelder und Strategien 372
8.4 Dasein für Andere – Dasein als Andere in Europa 376
8.5 Hinweise für weitere Forschungen 378
Bibliographie 381
Monographien, Zeitschriften- und Sammelbandbeiträge 381
Internetquellen 404
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 406
Abbildungsverzeichnis 406
Tabellenverzeichnis 406
5 Angekommen: EcuadorianerInnen in Madrid (S. 140-141)
„Für mich war es sehr hart, hierher zu kommen. Es war sehr hart angesichts dessen, wie man arbeitet und (...) wie man behandelt wird.” (Erika) Die Entscheidung zur Migration wird in Ecuador auf dem Hintergrund von Erzähltem, Imaginiertem und Erhofftem unter Beteiligung verschiedener anderer AkteurInnen wie Familie, Migrationsindustrie, FreundInnen oder Verwandten im Kontext der Nachfrage in und dem Bezug zu Spanien getroffen. Angekommen in Madrid stellt sich jedoch Vieles anders dar als vermutet: unbekannte Sinneseindrücke und andere körperliche Erfahrungen, die Trennung von geliebten Personen, unter Umständen von den Kindern, die Dominanz der Arbeit im Alltag, die Unsicherheit als Illegalisierte, der Statusverlust, die Festschreibung auf bestimmte, zugeschriebene Tätigkeiten, Diskriminierung und Ethnisierung sowie die schwierigen Wohnsituationen und Vieles mehr stellen neue, oft unerwartete Anforderungen an die MigrantInnen.
5.1 Neubeginn im fremden Kontext
Mit der Migration erfolgt eine Veränderung der sozialen Felder und Positionen sowie der Sinnhaftigkeit der eigenen Handlungspraxis samt Orientierungsmuster, was auch Auswirkungen auf die Verhaltenssicherheit hat (vgl. Lentz 1988, 165). Was in Ecuador noch als logisch und sinnvoll erschien, ist es nicht zwangsläufig in Spanien. Viele Vorstellungen über das Leben als MigrantInnen in Spanien wie zum Beispiel Erwartungen über schnell erspartes Geld und eine baldige Rückkehr oder die Hoffnung auf Gleichheit und sozialen Aufstieg erweisen sich meist als falsch. Die Schulden, welche oft sehr hoch sind, können nicht wie erhofft zurückbezahlt werden, was nicht nur radikales Sparen und Arbeiten notwendig macht, sondern auch eine starke Belastung darstellt. Ebenso werden durch die Migration Klassenunterschiede unter den EcuadorianerInnen gesellschaftlich nivelliert sowie mitgebrachte Fähigkeiten und Wissen entwertet (vgl. Mahler 1995, 58).
Außerdem sind den Migrierten praktisch alles neu und fremd: das Essen, die Verhaltensweisen, die Art zu sprechen sowie der Lebens- und Arbeitsrhythmus. All dies birgt hohe physische wie psychische Belastungen in sich. Die Veränderungen und die Notwendigkeiten, sich neu orientieren zu müssen, beginnen spätestens mit dem Einsteigen in das bzw. mit dem Aussteigen aus dem Flugzeug.
Für Personen, welche nicht von AgentInnen der Migrationsindustrie, Verwandten oder Bekannten vorbereitet und auch nicht vom Flughafen abgeholt wurden, stellte die Ankunft am Flughafen das erste große Hindernis im Migrationsprozess dar. Dazu gehörte zunächst, die Passkontrolle zu durchschreiten und als TouristIn ins Land gelassen zu werden, wie dies zur Zeit meiner Forschung gerade nicht mehr möglich war, jedoch alle hier vorgestellten EcuadorianerInnen betrifft, da diese (teils gerade) noch vor der Einführung des TouristInnenvisums im August 2003 nach Spanien eingereist waren.
Oben wurde bereits auf die Passkontrolle am Flughafen hingewiesen und die damit verbundene „TouristInnenprüfung“, welche teils willkürlich war, teils aber auch aufgrund von Nervosität und mangelnder Vorbereitung nicht bestanden wurde. Die Passkontrolle war daher gefürchtet und mit großen nervlichen Anspannungen verbunden. Iván Matute beschreibt in seiner autobiographischen Erzählung, wie nach der Ankunft in Madrid eine Frau aus seinem Flug auf ihn zukam.
| Erscheint lt. Verlag | 15.9.2010 |
|---|---|
| Zusatzinfo | 409 S. 1 Abb. |
| Verlagsort | Wiesbaden |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung |
| Sozialwissenschaften ► Soziologie | |
| Schlagworte | Arbeit • Auswanderung • Equador • Gender • Hausarbeit • Katholische Kirche • Migration • Spanien |
| ISBN-10 | 3-531-92167-3 / 3531921673 |
| ISBN-13 | 978-3-531-92167-9 / 9783531921679 |
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