Gesellschafts-Transformation im 21. Jahrhundert (eBook)
211 Seiten
VS Verlag für Sozialwissenschaften
978-3-531-91859-4 (ISBN)
Professor Dr. Rolf Reißig ist Sozial- und Politikwissenschaftler und arbeitet am Brandenburg-Berliner Institut für Sozialwissenschaftliche Studien (BISS e.V.), Berlin.
Professor Dr. Rolf Reißig ist Sozial- und Politikwissenschaftler und arbeitet am Brandenburg-Berliner Institut für Sozialwissenschaftliche Studien (BISS e.V.), Berlin.
Inhalt 5
Vorwort 8
I Die neue Ära der Transformation und das klassische Konzept sozialen Wandels 13
1 Um- und Neuorientierung des Konzepts sozialen Wandels – Pro und Contra 13
2 Gesellschaft im Umbruch – das Erfordernis eines zeitgemäßen Konzepts sozialen Wandels 15
3 Das klassische Paradigma sozialen Wandels – Erklärungspotenziale und -grenzen 18
4 Ausdifferenzierungen und neue „Anschlussstücke“ 21
5 Resümee: Theoretische Fundamente – notwendige Um- und Neuorientierung 24
II „Gesellschafts-Transformation“ – Die Suche nach einem neuen Konzept sozialen Wandels 26
1 Anforderungen an ein zeitgemäßes Konzept 26
2 „Transformation“ als Leit- und Suchbegriff 27
3 „Transformation“ als Struktur- und Entwicklungsmodell 33
4 Gesellschafts-Transformation als theoretisches Erklärungskonzept 42
5 Gesellschafts-Transformation als neues Konzept: Umrisse, Vergleich, Resümee 57
III Der postsozialistische Fall einer Gesellschafts- Transformation – Herausforderung und Chance für ein zeitgemäßes Transformationsverständnis und - konzept 64
1 Die ältere Transformationsforschung 65
2 Die neue Herausforderung und die Forschung zur postsozialistischen Transformation – eine Bilanz 66
3 Gewinne und Defizite 77
4 Neue Einsichten und Erkenntnisse über Transformation – fehlender Paradigmenwechsel 82
IV Die „Große Transformation“ im 21. Jahrhundert – Erklärungs- und Deutungsmuster 89
1 Die erste „Große Transformation“ – Polanyis Analyse- und Deutungsmuster 89
2 Die „Große Transformation“ im 21. Jahrhundert 92
3 „Gesellschafts- und Entwicklungsmodelle“ als „Einheiten“ der neuen Transformation 98
4 Zukunftsfähige Entwicklungsmodelle – Unterschiedliche Ansätze und Konzepte 105
V Der Wandel von Gesellschafts- und Entwicklungsmodellen – Eine empirische und theoretische Transformationsperspektive 113
1 Transformation des Kapitalismus. Das Modell „Fordistische Teilhabegesellschaft“ 113
2 Markt-liberale Transformation. Das Modell „Markt- und Konkurrenzgesellschaft“ 120
3 Transformation als Paradigmenwechsel. Das Modell „Nachhaltige Solidargesellschaft“ 137
4 Globale Transformation. Das Modell „Nachhaltige und Solidarische Weltgesellschaft“ 176
VI Gesellschafts-Transformation im 21. Jahrhundert – Neuer Typ und neues Paradigma sozialen Wandels. Eine Zusammenfassung 191
Literaturverzeichnis 197
I Die neue Ära der Transformation und das klassische Konzept sozialen Wandels (S. 15)
Selten zuvor gab es so viel Wandel wie heute. Wandel – in seinen unterschiedlichen Formen – ist zum bestimmenden Merkmal unserer Zeit geworden. Doch wir scheinen unzureichend gerüstet, ihn zu begreifen, zu erklären und zu werten.
Man kann sich des Eindrucks kaum entziehen, dass gerade in den Sozialwissenschaften zur Erklärung auch der neuen Wandlungsverläufe und -prozesse im Übergang zum 21. Jahrhundert vorwiegend auf die klassischen Modelle und Theorien sozialen Wandels und die bekannten Analyse- und Deutungsmuster zurückgegriffen wird.
Vielleicht sind diese aber auch weiterhin völlig ausreichend zur Erklärung der heutigen sozialen Wandlungsverläufe und die Forderungen nach neuen Erklärungsansätzen, gar nach einem „Perspektivenwechsel“ nur eine optische Täuschung.
1 Um- und Neuorientierung des Konzepts sozialen Wandels – Pro und Contra
Die Frage, ob eine theoretische Um- und Neuorientierung des klassischen Modells sozialen Wandels erforderlich ist, wird in den Sozialwissenschaften sehr unterschiedlich beantwortet. Die Befürworter einer solchen Um- und Neuorientierung verweisen vor allem auf die historisch neuartige globale Umbruchsituation, die nun gerade auch die modernen westlichen Gesellschaften voll erfasst habe sowie darauf, dass diese historische Zäsur nicht mehr allein mit den bislang dominierenden theoretischen Modellen, Konzepten, Erklärungsansätzen beschrieben, erklärt und gedeutet werden könnte.
Bereits die post-sozialistische Transformation habe dies in Umrissen deutlich werden lassen. Ohne eine Um- und Neuorientierung des klassischen Konzepts, des Paradigmas sozialen Wandels bleiben auch aus meiner Sicht die Sozialwissenschaften hinter den neuen sozialen und wissenschaftstheoretischen Herausforderungen zurück.
Jene, die eine solche Um- und Neuorientierung eher verneinen, führen hauptsächlich zwei Argumente ins Feld: ein erstes geht davon aus, dass die modernen, westlichen Gesellschaften ein solches Ausmaß an Anpassungskapazität und Flexibilität entwickelt haben, dass sie alle auftretenden Konflikte, Spannungen, Blockaden letztlich durch „weiterführende Modernisierung“ und „Selbsttransformation“ innerhalb der gegebenen, bestimmenden gesellschaftlichen Strukturen, Mechanismen und Entwicklungsmodellen bearbeiten können und so immer wieder neue gesellschaftliche Entwicklungsperspektiven eröffnen.
Alle bisherigen Thesen von „fortschreitender Krise“, von „Selbstblockade“, gar vom „Zusammenbruch des kapitalistischen Systems“ seien so nicht eingetroffen und hätten ihre Befürworter nur immer weiter in die Defensive gedrängt. (Zapf 1996: 170, 172). Ein zweites – und speziell im wissenschaftlichen Diskurs angeführtes – Argument verweist darauf, dass mit der vorhandenen Theorie sozialen Wandels und der Vielzahl Theorien mittlerer Reichweite (insbesondere Institutionen- und Handlungstheorien) und nicht zuletzt durch deren Kombination der konflikthafte gesellschaftliche Wandel auch heute und in Zukunft sehr wohl und recht genau beschrieben, erklärt und gedeutet werden könne.
Und da Systemwechsel bzw. Systemtransformation letztlich immer Übergang zu und Vervollkommnung von marktwirtschaftlichen Demokratien bedeute (Bertelsmann Transformation- Index 2006), sei mit den darauf zugeschnittenen Theorien und systemtheoretischen sowie evolutionstheoretischen Konzepten ein hinreichendes Instrumentarium für die Analyse und Erklärung dieser Prozesse gegeben. (vgl. auch Merkel 1994: 303 ff.). Spezielle, darüber hinaus reichende neue theoretische Konzepte und Modelle sozialen Wandels bzw. einer Gesellschafts- Transformation seien deshalb nicht erforderlich, gleich recht nicht zum Verständnis der modernen westlichen Gesellschaften und ihrer Entwicklung.
Auf Versuche, neue Konzepte und Modelle sozialen Wandels bzw. eine neue Transformationstheorie zu entwickeln, sollte verzichtet werden, da sie das, was sie vorgeben, nicht zu halten vermögen. Denn die Frage, „in welcher Gesellschaft wir leben“ und „ob der Umbruch bevorsteht“, könne „die theoretische Soziologie nicht beantworten“ (Schmid/Weihreich 2001: 189). Letztlich gründet die unterschiedliche Positionierung zur Frage einer Um- und Neuorientierung des klassischen Konzepts sozialen Wandels in einem unterschiedlichen Verständnis von Gesellschaft, Stabilität, Entwicklung und Umbruch.
| Erscheint lt. Verlag | 13.10.2009 |
|---|---|
| Zusatzinfo | 211 S. |
| Verlagsort | Wiesbaden |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung |
| Sozialwissenschaften ► Soziologie | |
| Schlagworte | Gender • Gesellschaft • Moderne • Postsozialistisch • Sozialer Wandel • Teilhabegesellschaft • Transformation • Weltgesellschaft |
| ISBN-10 | 3-531-91859-1 / 3531918591 |
| ISBN-13 | 978-3-531-91859-4 / 9783531918594 |
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