Medien, Aneignung und Identität (eBook)
XII, 408 Seiten
VS Verlag für Sozialwissenschaften
978-3-531-90833-5 (ISBN)
Dr. habil. Claudia Wegener ist Professorin für Kinder- und Jugendkultur im Studiengang 'Medienwissenschaft: Analyse, Ästhetik, Publikum' an der Hochschule für Film und Fernsehen 'Konrad Wolf' Potsdam-Babelsberg.
Dr. habil. Claudia Wegener ist Professorin für Kinder- und Jugendkultur im Studiengang "Medienwissenschaft: Analyse, Ästhetik, Publikum" an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg.
Inhalt 5
Verzeichnis der Tabellen 10
Verzeichnis der Abbildungen 11
Vorwort 13
1. Einführung: Stars, Idole, Vorbilder, Helden – Zur Konnotation medialer Bezugspersonen 15
2. Identität und Medienaneignung 35
2.1 Jugend und Medien 35
2.2 Zur Konstruktion von Identität 40
2.3 Medienaneignung 50
2.4 Zusammenführung 70
3. Forschungsdesign und Erhebungsmethoden 77
3.1 Quantitative Datenanalyse 78
3.2 Inhaltsanalyse 80
3.3 Online-Befragung 84
3.4 Leitfadeninterviews 87
4. Mediale Bezugspersonen im Jugendalter 93
5. Zur Repräsentation medialer Bezugspersonen 117
5.1 »Brit ist jetzt lieber Hausfrau als Popstar« – Weiblichkeit als Bestätigung traditioneller Klischees 119
5.2 »Die große Liebe sucht Robbie noch« – Männlichkeit zwischen Machismo und Selbstzweifeln 125
5.3 »Bezaubernde Jeanie« – Identität zwischen Mädchen und Frau 131
5.4 »Der böse Rapper Eminem« – Leben zwischen Liebe und Hass 137
5.5 Zusammenfassung 143
6. Popkultur und ihre Fans – Medienbeziehungen im Vergleich 147
6.1 Struktur des Online-Samples 147
6.2 Fanstruktur im Vergleich 152
6.3 Aneignungsmodi 156
6.4 Subjektive Lesart 161
6.5 Selbstwahrnehmung und Identifikation 166
6.6 Zusammenfassung 174
7. Aneignung im Lebensalltag 183
7.1 Anna: »Jeanette ist mein Leben«. Die mediale Bezugsperson als große Liebe 184
7.2 Jan: »Meine Oma sogar, hört die auch«. Die mediale Bezugsperson als Bestätigung des Gegenwärtigen 206
7.3 Thomas: »Ja, ich würde von ihm schon Ratschläge annehmen«. Die mediale Bezugsperson als situative Entlastung 230
7.4 Meike: »Meine Eltern waren genauso, die haben sich auch hinterher getrennt « . Eminem als biografisches Gegenüber 258
7.5 Tina: »Ich muss sie ja gut finden und nicht meine Mutter«. Die mediale Bezugsperson als Vehikel zum Erwachsenwerden 280
7.6 Hannah: »Ich liebe Musik, also, ich lebe dafür«. Die mediale Bezugsperson als Karrieremuster 308
7.7 Max: »Ich bin jetzt nicht so einer derjenigen, die Robbie Williams kopieren wollen « . Die mediale Bezugsperson als spielerische Darstellung von Omnipotenz 331
7.8 Sophie: »Also, ich find’ ihn sexy«. Die mediale Bezugsperson als erotisches Gegenüber 348
7.9 Zusammenfassung und Vergleich 370
8. Mediale Bezugspersonen und Identitätskonstruktion – ein Resümee 379
8.1 Mediale Bezugspersonen in pluralen Lebenswelten 379
8.2 Mediale Bezugspersonen und Identitätsbildung 382
8.3 Konsequenzen für medienpädagogisches Handeln 386
8.4 Ausblick 391
9. Anhang 395
Anhang 1: Online-Fragebogen 395
Anhang 2: Interview-Leitfaden 400
Anhang 3: Star-Biografien 405
Literatur 411
1. Einführung: Stars, Idole, Vorbilder, Helden – Zur Konnotation medialer Bezugspersonen (S. 15)
Sofern es darum geht, das Verhältnis Jugendlicher zu medialen Bezugspersonen zu beschreiben, finden sich unterschiedliche Begriffe, mit denen entsprechende Personen belegt werden. Sie werden ebenso als Stars und Idole bezeichnet wie auch als Vorbilder. Die Bedeutung, die dem Objekt der jeweiligen Mediananeignung damit zugeschrieben wird, ergibt sich oftmals eher aus der Sicht des Betrachters als aus derjenigen des zu Beschreibenden.
Die von außen an das Phänomen ‚mediale Bezugspersonen’ herangetragenen Begriffe betonen mitunter unterschiedliche Perspektiven der Medienbeziehungen und fragen – wenn überhaupt – nur im Kontext der bereits vorgegebenen Begrifflichkeiten nach subjektiven Lesarten.
Zweifelsohne führen Fragen wie »Hast du einen Medienstar?« oder »Gibt es eine Person in den Medien, die du als dein Vorbild bezeichnen würdest?« die jugendlichen Befragten im Rahmen empirischer Erhebungen in eine bestimmte Richtung und legen Konnotationen nahe, die das Verhältnis zu Medienpersonen möglicherweise nur ausschnitthaft, unzureichend oder aus der Sicht jugendlicher Fans gar falsch interpretieren.
Darüber hinaus ist die unterschiedliche Verwendung entsprechender Begrifflichkeiten kontraproduktiv, wenn es darum geht, Forschungsergebnisse einzelner Jugendstudien miteinander zu vergleichen. Sofern in empirischen Studien überhaupt mediale Bezugspersonen thematisiert werden, wird nach Vorbildern, Idolen oder Stars gefragt.
Ob dies aus Unwissenheit heraus geschieht, aus einem vermeintlich sicheren Vorverständnis oder tatsächlich aus der Schwierigkeit, einen weitgehend neutralen Begriff zu finden, muss offen bleiben. Die Ausführungen anderer Autoren zeigen die bisweilen synonyme Verwendung der Begrifflichkeiten, wenn gar in einem einzigen Absatz von Idolen, Vorbildern und Helden die Rede ist: »Nicht einmal mehr die Angebote der professionellen Idolfabriken, allen voran Hollywood, sind verlässlich.
Zwar produzieren sie Vorbilder wie am Fließband, Heldinnen und Helden in allen Gewichtsklassen, längst auch digitale, doch ist deren Haltbarkeit im Allgemeinen sehr begrenzt, tauglich für die eine oder andere Saison, konsumierbar, austauschbar und, offensichtlicher denn je, unvollkommen und fehlerhaft« (Flessner 2001, S. 148).
Nicht nur, dass Vorbilder hier mit Heldinnen und Idolen gleichgesetzt werden – freilich ist dies möglich, ein differenzierterer Umgang mit den entsprechenden Begriffen würde aber deren unterschiedliche Facetten sichtbar machen und damit wohl auch den jeweiligen Rezipienten in ihren Ansprüchen und Bedürfnissen gerechter werden –, auch geht diese Diktion von einer »Machbarkeit« der jeweiligen Phänomene aus, die den Rezipienten als autonom handelnden und sich seiner Bedürfnisse durchaus bewussten Menschen außer Acht lässt.
Zweifelsohne lassen sich Unvollkommenheit und Fehlerhaftigkeit hier nur aus einer normativ besetzten An- spruchshaltung heraus konstatieren, welche die so häufig proklamierte Vorstellung vom richtigen Vorbild voraussetzt.
Mit welchen Bedeutungen die jeweiligen Begriffe nunmehr aber versehen werden und welche Lesarten mit ihnen verbunden sind, sollen die folgenden Ausführungen zeigen. Dabei soll auch ihre Ambivalenz herausgestellt werden, um die Unschärfe der jeweiligen Begriffe aufzuzeigen und deutlich zu machen, welche Bedeutungszuweisungen, Sinnkonstruktionen und Lesarten überhaupt in medialen Beziehungen angelegt sind.
Freilich geschieht dies in dem Bewusstsein, dass es sich bei der im Folgenden vorgenommen Differenzierung um ein theoretisches Konstrukt handelt, da die Unterscheidung zwischen Vorbildern, Idolen, Stars und Helden ein abstraktes Vorgehen ist und die Verwendung der Begriffe in der Regel auf subjektiven Interpretationen der jeweiligen Autoren basiert, nicht aber auf systematischen Ableitungen oder gar empirischen Erhebungen.
| Erscheint lt. Verlag | 8.5.2008 |
|---|---|
| Zusatzinfo | XII, 408 S. |
| Verlagsort | Wiesbaden |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sozialwissenschaften ► Kommunikation / Medien ► Kommunikationswissenschaft |
| Sozialwissenschaften ► Kommunikation / Medien ► Medienwissenschaft | |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Schlagworte | Bezugspersonen, mediale • Fernsehen • Identitätskonstruktion • Medienaneignung • Medienpädagogik • Selbstbildung |
| ISBN-10 | 3-531-90833-2 / 3531908332 |
| ISBN-13 | 978-3-531-90833-5 / 9783531908335 |
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