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Zur Geschichte der K-Gruppen

Marxisten Leninisten in der BRD der Siebziger Jahre

(Autor)

Buch
210 Seiten
2011
Zambon Verlag & Vertrieb
978-3-88975-177-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Zur Geschichte der K-Gruppen - Anton Stengl
CHF 13,95 inkl. MwSt
Marxisten-Leninisten in der BRD der Siebziger Jahre
Die „K-Gruppen“, das heißt die marxistisch-leninistischen Organisationen, die damals ja auch „Maoisten“ genannt wurden, stellten in den Siebziger Jahren eine wichtige Komponente der „linken“ Bewegung dar. Wenn von ihnen aber überhaupt die Rede ist, dann werden sie und ihre Politik rein anekdotisch dargestellt, ja sie werden sogar als „linke Spinner“ verunglimpft und lächerlich gemacht. Gegen die Unwissenschaftlichkeit in Bezug auf die neueste Zeitgeschichte und damit gegen die Ideologie eines primitiven Antikommunismus wendet sich dieses Buch und stellt die „K-Gruppen“ in ihrem geschichtlichen und internationalen Zusammenhang dar, von Willy Brandt zu Helmut Kohl, vom Unabhängigkeitskampf der letzten afrikanischen Kolonien zur chinesischen Kulturrevolution, von organisierter Gewerkschaftsopposition zur Ökologie. Es versucht die Ursachen für die Fehler in ihrer Politik und für ihr letztendliches Scheitern zu erkunden. Die Erfahrungen dieser Bewegung sind es durchaus wert, zur Kenntnis genommen und überdacht zu werden.

Geboren 1957 in Regensburg Studium der Philosophie an der Universität Neapel 1993 Abschluss: Philosophie und Politik bei Habermas 1998-2001 Lehrbeauftragter an der Universität Mersin (Türkei) Lehrer für Ethik

Inhaltsverzeichnis

Einleitung 7

Zur Entstehung 9

Die 50/60er Jahre 11

Die Entwicklung der Studentenbewegung 13

Die alte KPD 23

Die illegale KPD 27

Die Gründung der KPD/ML 32

Die Spaltungen der KPD/ML 50

Die anderen m-l-Organisationen 55
KPD/AO 55
KBW 67
KB 71
KABD-MLPD 76
AB 81

Analyse und Kritik: Theorie 84

Klassenanalyse? Gab es Veränderungen der Klassenstruktur? 87

Unterschiedliche Grundkonzepte 91

Gleichzeitig: der bewaffnete Kampf 102

Der Staat schlägt zu 111

Eine Abhängigkeit von China und Albanien? 117

Die Verwechslung der internationalen Bewegung mit der Situation im eigenen Land 124

Was in diesen Jahren in Deutschland geschah 150

Zur politischen Entwicklung in Deutschland 154

Die Arbeit der kommunistischen Organisationen 157

Die Bewegungen ziehen vorbei? 164

Undogmatische – Spontis – Autonome – Antifa 170

Zersplitterung, Auflösung, Abschwur 172

Resümee 176

Anhang 188

Literatur 204

Aus: literatur, Beilage der jW vom 15.06.2011Kleines Brevier des bundesdeutschen Maoismus: Anton Stengl legt eine Geschichte derK-Gruppen vorChristof MeuelerMehr Dampf im Arbeiterkampf! Das war nicht nur ein Werbespruch der Zeitung des verblichenenKommunistischen Bundes (KB). An dieser Parole arbeiteten sich in der Bundesrepublik der 1970er Jahre an die100000 Menschen ab. Sie wollten die Revolution befeuern und wurden Mitglied in den K-Gruppen, den seit 1968neu entstandenen kommunistischen Gruppen, die sich mit einem ausgeprägten Hang zur Theatralik meistens alsParteien begriffen.Gemäß dem Bonmot von Rudi Dutschke, daß am Realen Sozialismus alles real sei, außer dem Sozialismus,priesen sie die Volksrepublik China als das neue Vaterland der Werktätigen. Damit vollzogen sie das Schisma derkommunistischen Weltbewegung nach und zwar en miniature. Nach Stalins Tod 1953 hatte die KP China damitbegonnen, sich von der neuen sowjetischen Führung abzuwenden, die ihr vergleichsweise lasch, garverräterisch vorkam, weil sie von Stalins Methoden des Massenterrors nichts mehr wissen wollte. Mao Tse Tungversprach deutlich mehr Aufregung. Nach dem katastrophal mißlungenen 'Großen Sprung nach vorn' politischgeschwächt, trat er 1966 die 'Chinesische Kulturrevolution' los, die als große emanzipatorisch gemeinteJugendbewegung nicht nur Bürokratie und Schematismus bekämpfen sollte, sondern auch seineinnerparteilichen Gegner. Das brachte ganz China völlig durcheinander, was den vielen antiautoritärorientierten Kräften in der Revolte der Endsechziger Jahre extrem produktiv vorkam. Sie kämpften ja auchgegen ihre Eltern, Lehrer und Chefs.Dieser Move verlor sich rasant in den K-Gruppen, die sich als überbolschewisierte, autoritäre Kampfparteiengerierten, in denen nicht lang gefackelt werden sollte. Sie sahen sich allesamt als Nachfolger der KPD derWeimarer Republik, so als könnte die damals größte Kommunisische Partei der Welt außerhalb der Sowjetunionknapp 40 Jahre später magisch-spirituell wiedergeboren werden. Hierzu mußten als erstes Bärte und Haaregestutzt werden, damit man ungefähr so aussah, wie man sich das Proletariat vorstellte – in Arbeiterparteienfast ohne Arbeiter. Um die revolutionäre Klasse zu überzeugen, wurden viele Mitglieder mit Flugbättern vor dieBetriebstore und manche auch dahinter geschickt. Plötzlich war 'Revolution machen', wie man damals gernesagte, eine superernste Angelegenheit.Von daher ist es konsequent, wenn Anton Stengl in seinem Buch 'Zur Geschichte der K-Gruppen' Wert darauflegt, nicht anekdotisch werden zu wollen. Bei ihm gibt es keine Dönekens über die Dienstwagenflotte für dieFunktionäre des KBW, dessen Musterbauernhöfe und das angeblich geplante Tankstellennetz inNorddeutschland. Stengl echauffiert sich auch nicht über die teilweise finanzielle Auspressung und sektenhafteKommandierung der Mitgliedschaft oder über die gefälschten Nummernschilder und Tarnfirmen, um sich auf diebefürchtete Illegalisierung vorzubereiten. Derlei kann man ganz gut in 'Das rote Jahrzehnt' (2001), dem Buchdes früheren KBW-Funktionärs Gerd Koenen, nachlesen. Über die Psychopathologie des K-Gruppenlebens gebender Sammelband 'Wir warn die stärkste der Partein' (1977) und 'Stalins Enkel, Maos Söhne' (2005) von AndreasKühn Auskunft. Letzteres Buch wirkt allerdings wie von der Konrad-Adenauer Stiftung bestellt und nichtabgeholt.Stengl dagegen bemüht sich um Objektivität. Er hat ein kleines Brevier des bundesdeutschen Maoismusgeschaffen, das sich auch gut als Einführungstext in den organisationsgeschichtlichen Wirrwarr der K-Gruppeneignet. Beispielsweise bringt es die KPD/ML, die als erste dieser Organisationen 1968/69 gegründet wurde, imLaufe der Zeit auf sagenhafte 40 Abspaltungen. Warum eigentlich, ist selbst für Stengl nicht darstellbar.Allgemein gilt das Paradox, daß die K-Gruppen sich in ihrer Programmatik kaum unterschieden, sich aber überihr jeweiliges Programm in Abgrenzung zu den anderen definierten.Tageszeitung junge Welt http://www.jungewelt.de/beilage/art/2611?print=11

Erscheint lt. Verlag 16.3.2011
Sprache deutsch
Maße 140 x 210 mm
Gewicht 180 g
Einbandart Paperback
Themenwelt Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
Schlagworte 68er • APO • KB • kbw • kpd/ao • kpd/ml • Maoismus • Marxismus-Leninismus • MLPD
ISBN-10 3-88975-177-6 / 3889751776
ISBN-13 978-3-88975-177-5 / 9783889751775
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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