Neugier.de
stadt land fluss (Verlag)
978-3-9813868-0-6 (ISBN)
Neugier.de heißt eine neue Zeitung, hinter der kein großer Verlag steht, sondern ein Team von Autoren. „Wir haben diese Zeitung gegründet, weil uns die Gleichförmigkeit des Denkens in Deutschland auf die Nerven geht. Insbesondere die Vorstellung, dass die Zukunft besser sein könnte als die Gegenwart, kommt fast nicht mehr vor“ sagen die Autoren (darunter bekannte Namen wie Henryk Broder, Dirk Maxeiner und Vera Lengsfeld). Und dies sei der Grund, warum die Redaktion für die erste Ausgabe nach Indien gegangen sei. Die Redaktion stieg in einen Billigflieger, zog in eine Wohnung in der Stadt Pune und produzierte dort zusammen mit indischen Mitarbeitern die komplette erste Ausgabe. „Die Menschen dort werden von der Zuversicht angetrieben, ihr Leben zu verbessern. Sie sind optimistisch und dem Fortschritt zugewandt. Wir waren neugierig auf diese Weltsicht. Und wir haben den Perspektivwechsel für den Blick auf Deutschland genutzt.“ Das Ergebnis ist nicht nur unterhaltsam sondern auch spannend, weil mit so manchem deutsch-indischen Mythos aufgeräumt wird. Die nächste Ausgabe von Neugier.de wird in Reykjavik auf Island entstehen. www.neugier.de
Das größte Problem im Vorfeld der Entstehung von Neugier.de bestand darin, unseren Lebenspartnerinnen klarzumachen, dass vier Freunde einen Monat nach Indien in Klausur verschwinden. Die Unterstellungen reichten von Männerkränzchen bis Lustreise (Kamasutra!). Immerhin haben wir es auf einen Hochzeitsthron geschafft, auf den uns eine Heiratsgesellschaft zum Erinnerungsfoto bat. Von links nach rechts: Tim Maxeiner (24), Fotograf und Surfer, der vor allem ein Problem hatte: er ist viel zu groß für den Subkontinent; Dirk Maxeiner (57), Autor und Kolumnist für DIE WELT, der eine Woche brauchte, um seinen Laptop in das Tata-Netz einzuloggen; Henryk M. Broder (64), Spiegel-Autor und Enfant terrible der deutschen Medienlandschaft, bewies hellseherische Fähigkeiten beim Aufspüren guter Restaurants; Fabian Nicolay (43), Designer, wurde beim Verhandeln von Rikscha-Tarifen immer nach vorn geschickt und hat diese Zeitung zusammen mit Dirk Maxeiner konzipiert und gestaltet.
Kommentare: 4 / Broders Ausflüge: 6 / Karriere in Indien: 8 / Morgenthau 2.0: 9 / Grüne Gentechnik: 16 / Homestory Pune: 17 / Heilige Kühe: 25 / Sauvik Chakraverti_ Interview: 28 / Indien ist überall: 29 / Marko Martin_ Essay: 30 / Indische Götter: 32 / Vera Lengsfeld_ 2 Grad Celsius: 33 / Soziales Design: 41 / Zwei Jahrhundert-Leben: 44 / Oliver Hartwich_ No Future, nein Danke: 46 / Wolf Lotter_ Wer spart, verliert: 48 / Deutsch-indische Befindlichkeit: 49 / Bollywoods Kinderstube: 51 / Henryk M. Broder_ Jugendkultur in Indien: 52 / Lexikon: 54 / Menschen mit Neugierde: 57 / Autoren: 62 / Impressum: 63
Süddeutsche Zeitung / 20.10.2010Von Johannes BoieNeugier.deBroders Magazin: Alles anders, alles gleichHenryk M. Broders neue Zeitschrift präsentiert altbekannte Ansichten. Opulent ist die Optik - und der Preis. Man kennt sie alle als im Wortsinne Autoren, Journalisten, denen keine Wunde zu frisch ist, um den Finger reinzulegen; als Publizisten, die Öl ins Feuer gießen - und sich an den Flammen erfreuen. Rund um den Mittelpunkt der Gruppe, Henryk M. Broder, hat sich mit der Zeit ein Autorenkollektiv festgeschrieben. Die allermeisten schreiben regelmäßig auf der Webseite Die Achse des Guten, aber auch im Wirtschaftsmagazin Brand Eins (Wolf Lotter), in der Welt (Dirk Maxeiner und Michael Miersch), im Spiegel (Henryk Broder), im Novo Magazin. Und noch etwas haben sie gemeinsam. Seit Jahren sagen diese Querschreiber, dass sie es satthaben: Sie haben die Schnauze voll von dem, was sie als eine Art Ersatzreligion in Deutschland ausgemacht haben wollen, von der "Klimahysterie", vom "Bedenkenträgertum", "Gutmenschentum" und allzu viel Verständnis für allzu einfache Probleme.Sie alle sind Anhänger von Kapitalismus, von Atomkraft, von Gentechnik und vermutlich auch von Stuttgart 21. Weil das tatsächlich eine Minderheitenposition ist, fällt es der Gruppe leicht, sich irgendwie revolutionär zu geben. Man durfte also gespannt sein, was geschehen würde, wenn diese Journalisten sich für ein Magazinprojekt zusammentun und einmal nicht nur destruktiv, sondern konstruktiv wirken. Ihr Heft Neugier.de heißt nur wie eine Webseite, ist aber zunächst mal ein klassisches Printprodukt, das jetzt auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde. Es schreit den Leser gewissermaßen an: alles anders! Das Magazin ist auf besserem Zeitungspapier gedruckt und hat auch das Format einer Tageszeitung. Es wird aber nur ein, zwei Mal im Jahr im aufwendigen Pappschuber geliefert und präsentiert im Innenteil Bilder über gesamte Zeitungsseiten, was großzügig wirkt und außergewöhnlich ist.Indien, Großformat, 22 EuroDie Autoren sind nach Indien gefahren. So weit weg wie möglich von Claudia Roth, in eine vielfach beschleunigte Welt - irgendwo zwischen Kinderarbeit und Hightech. Die Begeisterung für den sich bahnbrechenden Kapitalismus steht in Neugier.de nicht nur zwischen den Zeilen. Tenor: In Indien gründen Jugendliche Internetfirmen, statt in der Jugendortsgruppe der Grünen über die Gender-Theorie zu debattieren. "Karriere aus dem Nichts", "Bildung statt Betroffenheit", "Wer spart, verliert" - die Überschriften sprechen für sich. Ein bisschen liest sich also Neugier.de wie Kindernachrichten, denn Armut und Gewalt kommen in dem Heft nur dann vor, wenn sie erfolgreich bekämpft werden. Wie zum Beispiel an einer Universität für Design, die ihre Studenten aufs Land schickt, um Design als "soziale Verantwortung" zu begreifen. Es sind Ansätze, die man von wirtschaftsliberalen bis wirtschaftslibertären Publizisten schon kennt, aber man liest und schaut dennoch ganz gerne rein: Weil die großformatigen Bilder sehr schön sind, die Texte mal nervend (Vera Lengsfeld über "die Dogmatiker der Klimareligion"), mal wunderbar geschrieben ("Broders Ausflüge"), aber auch anregend sind. Und weil der Preis von 22 Euro pro Ausgabe ein angenehmes und klares Statement ist in einer Welt, in der guter Journalismus immer schwieriger zu finanzieren ist und nichts kosten soll.
Deutschlands Zeitungs-Verlage sind tief verunsichert. Gebannt wie das Kaninchen vor der Schlange schauen sie auf das Internet und sinkende Auflagen. Ihre Antwort heißt aber nicht etwa Innovation, sondern Abwicklung. Redaktionen werden zusammengelegt und kaputtgespart. Als Grund für die Krise der gedruckten Medien werden die digitale Revolution und veränderte Lesegewohnheiten angeführt. Da ist sicherlich etwas dran. Und dennoch wollen wir fragen: Könnte es nicht auch an den Inhalten liegen? An der Gleichförmigkeit der Gedanken und der Präsentation? An einer inhaltlichen Inzucht, die vollkommen selbstreferenziell funktioniert? Die Herausgeber und viele Autoren von Neugier.de haben sich zuvor zu dem Internet-Blog „Die Achse des Guten“ zusammengefunden (www.achgut.com). Die Berliner Zeitung nennt die Achse des Guten „Deutschlands einflussreichsten Autorenblog“ und der Tagesspiegel beschreibt sie als „einen Zusammenschluss von Publizisten, die allesamt mit Verve den Mainstream herausfordern. Eine Vereinigung von Freunden des unkonventionellen Denkens.“ Wir glauben, dass auch bei Menschen, die ein gedrucktes Medium bevorzugen, eine große Sehnsucht nach einer erfrischenden Sicht auf unsere Welt besteht. Deshalb haben wir Neugier.de entwickelt. Von den Verlagen, die wir dafür gewinnen wollten, wurde unser Optimismus allerdings nicht geteilt. Deshalb haben wir beschlossen, die Verwirklichung ohne großen Bruder in die Hand zu nehmen. Die Redaktion stieg mit ihrem Konzept (und ohne Business-Plan) in einen Billigflieger nach Indien und machte sich in einer Miet-Wohnung in der Stadt Pune zwei Stunden entfernt von Mumbai an die Arbeit. Mit dem vorliegenden Blatt kamen wir zurück. Es enthält – ganz nach journalistischer Tradition – neue Geschichten, die wirklich vor Ort recherchiert und nicht vom Schreibtisch aus gegoogelt wurden. Und das für einen Betrag, der in einem Großverlag nicht einmal für den Dienstwagen des Chefs reicht. Das Prinzip, jede Neugier.de an einem anderen Ort der Welt zu produzieren, ist ein fester Bestandteil unserer Herangehensweise. Die nächste Ausgabe wird in Reykjavik auf Island entstehen.
Konjunkturprogramm.Zehntausend Sozialhilfe-Empfänger, die sich natürlich freiwillig gemeldet haben, weil sie der sozialen Kälte der Bundesrepublik entfliehen möchten, werden nach Indien geflogen und bekommen eine Hütte in einem der Slums in Pune, die nicht ganz so schlimm sind wie in Mumbai oder Kalkutta. Deutsche TV-Teams fliegen mit, um täglich über das Schicksal der neuen Slumbewohner zu berichten. Ich wette, dass innerhalb von höchstens zwei Wochen das Jammern und Klagen über die soziale Kälte in der Bundesrepublik verstummen würde und dass die Sozialhilfeempfänger anfangen würden, Dankesbriefe und Blumen an Angela Merkel zu schicken. Als flankierende Maßnahme dazu müsste man hundertausend indische Slumbewohner in die Bundesrepublik holen, jedem tausend Euro Startkapital geben und sie in unseren „sozialen Brennpunkten“ ansiedeln. Mit dieser Anschubfinanzierung von nur hundert Millionen Euro würde man es den Indern ermöglichen, kleine Geschäfte und Werkstätten aufzumachen und so eine Binnennachfrage schaffen, die die Wirtschaft nachhaltig ankurbeln würde. Dann würde es nicht lange dauern, bis alle alleinerziehenden Mütter der Bundesrepublik sich nichts sehnlicher als einen indischen Mann wünschen würden.
| Sprache | deutsch |
|---|---|
| Maße | 225 x 290 mm |
| Gewicht | 400 g |
| Einbandart | gebunden im Schuber |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Geschichte / Politik ► Politik / Gesellschaft |
| Sozialwissenschaften | |
| Schlagworte | Achse des Guten • Deutschland • Gesellschaft • Indien • Kultur • Wirtschaft • Zukunft |
| ISBN-10 | 3-9813868-0-9 / 3981386809 |
| ISBN-13 | 978-3-9813868-0-6 / 9783981386806 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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