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Die Überbevölkerung (eBook)

Reale Bedrohung oder unbegründete Panikmache?
eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
284 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-26699-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die Überbevölkerung -  Thomas Später
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Unser Planet ist überbevölkert. Oder wie war das? In Wahrheit ist die Sachlage um einiges komplexer als es den meisten von uns bewusst ist. Denn man versucht die Frage nach der möglichen Existenz einer Überbevölkerung schon lange nicht mehr nur mit 'ja' oder 'nein' zu beantworten. Vielmehr geht es darum herauszufinden, unter welchen Umständen und wo genau eine solche vorliegt und was man dagegen tun kann. Diese und weitere Punkte sollen im vorliegenden Buch unter Berücksichtigung entsprechend gekennzeichneter Fachliteratur betrachtet und analysiert werden. Hierbei handelt es sich um keine hoch akademische Ausarbeitung des Themas, sondern vielmehr um eine kurze und für Laien nachvollziehbare Zusammenfassung historischer Eckdaten und wichtiger themenbezogener Aspekte, an deren Ende der Hauptschwerpunkt auf einer ernüchternden Schlussfolgerung liegen wird: Ohne Regulierungen und Einschränkungen seitens unserer Regierung werden wir es nicht schaffen, die Erde, so wie wir sie kennen, zu retten!

Dr. Thomas Später ist promovierter Naturwissenschaftler und beschäftigt sich neben seinen Studien im Bereich der regenerativen Medizin mit aktuellen Umweltthemen und den wichtigsten damit in Verbindung stehenden und kontroversen Fragen. Dabei möchte er insbesondere eine Sensibilisierung der Wahrnehmung hinsichtlich alltäglicher Dinge erreichen, indem er den Einfluss kleiner und unscheinbar erscheinender Dinge auf einem globalen Niveau betrachtet und gleichzeitig die Ignoranz des Menschen als Ursache vieler immer schlimmer werdenden Problemen beschreibt.

Dr. Thomas Später ist promovierter Naturwissenschaftler und beschäftigt sich neben seinen Studien im Bereich der regenerativen Medizin mit aktuellen Umweltthemen und den wichtigsten damit in Verbindung stehenden und kontroversen Fragen. Dabei möchte er insbesondere eine Sensibilisierung der Wahrnehmung hinsichtlich alltäglicher Dinge erreichen, indem er den Einfluss kleiner und unscheinbar erscheinender Dinge auf einem globalen Niveau betrachtet und gleichzeitig die Ignoranz des Menschen als Ursache vieler immer schlimmer werdenden Problemen beschreibt.

Obwohl der deutsche Statistiker und Demograf Johann Peter Süßmilch (1707-1767) die Thematik des Bevölkerungszuwachses im Rahmen seines wissenschaftlichen Buches „Die göttliche Ordnung in den Veränderungen des menschlichen Geschlechts aus der Geburt, dem Tode und der Fortpflanzung desselben“ bereits 1741 aufgriff, war es der britische Nationalökonom und Sozialphilosoph Thomas Robert Malthus (1766-1834), der erst einige Jahre später (1798) eine bahnbrechende Arbeit hierzu veröffentlichte. In seinem Werk „An Essay on the Principles of Population” bezeichnet er die Überbevölkerung als Kernproblem einer sich weiterentwickelnden Gesellschaft.[1-3] Seine Abhandlung über ein unkontrolliertes Bevölkerungswachstum und den damit einhergehenden ökonomischen Folgen wird auch heute noch als literarisches Standardwerk angesehen und kann grob in die folgenden vier Hauptpunkte unterteilt werden:

 

1) Malthus beschreibt zuerst die Tatsache, dass ein unkontrolliertes Populationswachstum innerhalb eines Raumes oder eines Gebietes in geometrischer Progression, also exponentiell (2, 4, 8, 16, 32, 64, usw.), wachsen würde. Genauer gesagt in einer solchen Geschwindigkeit, dass sich die Anzahl der lebenden Menschen ca. alle 25 Jahre verdoppeln würde (Abbildung 2 A).[3-5]

2) Als nächstes erklärt Malthus, dass die Produktion und Bereitstellung von lebenswichtigen Gütern sich im gleichen beschriebenen Raum oder Gebiet nicht exponentiell, sondern nur in einer arithmetischen Progression, also linear (2, 4, 6, 8, 10, usw.), steigern lasse (Abbildung 2 B). [3-5]

3) Als Konsequenz dieser beiden beschriebenen Wachstumsraten geht Malthus nun davon aus, dass das exponentielle Wachstum der Menschheit dazu führen würde, dass die verfügbare Menge an nur linear steigenden Konsumgütern ab einem bestimmten Punkt den Bedarf der Menschen nicht mehr decken könne. Es sei also unvermeidlich, dass sich die Einwohner eines bestimmten Gebietes irgendwann nicht mehr aus ihrem eigenen Lebensraum ernähren könnten. Dieser Punkt wird in der Literatur als „Point of crisis“, „Malthusian trap“ oder „Malthusian catastrophe“ bezeichnet (Abbildung 2 C). [3-6]

4) Schlussendlich folgert Malthus, dass es im Falle einer solchen Überschreitung der Tragfähigkeit eines Gebietes verschiedene Korrektive (sogenannte „positive checks“) gäbe, die das verloren gegangene Gleichgewicht zwischen Populationsgröße und den verfügbaren Ressourcen wiederherstellen würden. Er prognostiziert, dass die Menschen 1) durch Hungersnot verelenden, 2) an Krankheiten sterben und 3) zwangsläufig in Kriege ziehen würden. Als Konsequenz dieser Korrektive würde sich die Bevölkerungszahl wieder verringern und die Populationsgröße an die verfügbaren Ressourcen wieder angepasst werden. [3,7]

Abbildung 2. Repräsentative Darstellung der malthusianischen Populationstheorie gemäß „An Essay on the Principles of Population“. A: Unkontrolliertes und exponentielles (schnelles) Wachstum einer Bevölkerung. B: Lineares (langsames) Wachstum und Bereitstellung von Nahrungsmitteln. C: Schematische Darstellung des kritischen Punktes, an dem der Bedarf aller Menschen eines Gebietes die dort verfügbare Menge an Nahrungsmitteln übersteigt („point of crisis“ / „Malthusian catastrophe“) und somit zur Einleitung sogenannter „positive checks“ (Korrektive) führt.

Bezugnehmend auf diese Vorhersagen appellierte Malthus folglich an den menschlichen Verstand und empfahl gänzlich, ein solches Szenario mit allen Mitteln vorbeugend zu vermeiden. Auf Grund seines christlichen Glaubens sprach er sich hierbei allerdings klar gegen das Prinzip einer Abtreibung aus und befürwortete hingegen sowohl eine spätere Heirat als auch das damit einhergehende und bewusste Vermeiden einer zu frühen Schwangerschaft.[3]

Die Kernaussage seiner Arbeit lautet also, dass sowohl vorbeugende Hemmnisse, wie das Auslassen von Geschlechtsverkehr und Schwangerschaft, als auch repressive Hemmnisse, wie Hunger, Seuchen und Krieg, eine ansonsten unausweichliche Überbevölkerung aufgrund von Nahrungsmittelunterversorgung verhindern würden. Hierbei hatte er allerdings einige wichtige Faktoren nicht berücksichtigt. Die Sinnhaftigkeit seiner Theorie ist unter anderem dadurch limitiert, dass er sich bei seinen Beobachtungen und Schlussfolgerungen fast ausschließlich auf die seiner Zeit lokal vorherrschenden Zustände in England bezog.[8,9] Mögliche Veränderungen, sowohl im eigenen Land als auch im Ausland, betrachtete er dabei nicht. Er ignorierte beispielsweise die Möglichkeit, dass der Zuwachs wissenschaftlicher Erkenntnisse oder neue landwirtschaftliche Erfindungen den lokalen Gewinn von Nahrungsmitteln über eine lineare Progression hinaus steigern könnten. Weiterhin übersah er in seinen recht statischen Betrachtungen, dass rasch voranschreitende Entwicklungen in Technik und Logistik des Welthandelsverkehres bald schon eine günstige Bereitstellung importierter Nahrungsmittel im Land ermöglichen würden.[9] Demnach wäre die Verfügbarkeit von Konsumgütern nicht mehr nur durch die lokale Produktion (laut Malthus linear und damit zu langsam) begrenzt, sondern hinge von einer Vielzahl nicht in Betracht gezogener Faktoren ab.

Malthus liefert also, zumindest nach Ansichten seiner Kritiker, eine Theorie, die hinsichtlich ihrer schwachen Korrelation zwischen Population und der Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln auf wackligen Beinen steht. Zudem positioniert sich Malthus neben seiner trotz allem nachvollziehbar wissenschaftlichen Feststellung auch moralisch zum Thema der Überbevölkerung. Eine umstrittene Position, die auch heute noch für viele Diskussionen sorgt.

Malthus ging davon aus, dass präventive Korrektive, wie das bewusste Auslassen einer Schwangerschaft, nur von reichen Menschen verstanden und umgesetzt werden könnte. Arme Menschen hingegen wären grundlegend nicht dazu in der Lage sich moralisch einzuschränken und somit der Grund allen Übels.[10] Solche Vorurteile und Diskriminierungen aufgrund der sozialen Herkunft sind hierbei allerdings kein Produkt vergangener Jahrhunderte, sondern haben sich auch in unserer heutigen Gesellschaft fest etabliert. Dieses als Klassismus beschriebene Phänomen wird von führenden Autoren dieser Thematik neben Rassismus sogar als die am weitesten verbreitete Diskriminierungsform unserer Gegenwart beschrieben. Malthus arbeitete diesbezüglich sogar an einer nationalen Reform zur Einschränkung jeglicher Hilfsmaßnahmen gegenüber der unteren Bevölkerungsschicht.[11,12] Um zu verdeutlichen wie polarisierend seine Einstellung hierzu tatsächlich war, möchte ich auf eine seiner vor allem aus heutiger Sicht sehr grenzwertigen Aussagen verweisen. Er schrieb beispielsweise, dass ein Mensch, der in eine Familie geboren wurde, welche ihn nicht mit Lebensunterhalt versorgen kann und dessen Arbeit die Gesellschaft nicht benötigt, keinen Anspruch auf die geringste Menge an Nahrung habe. Eine solche Person hätte kein Lebensrecht.[13]

Textpassagen wie diese wirken auf uns extrem, radikal oder abwegig, haben aber dennoch einen starken Bezug zu unserer heutigen Gesellschaft. Um sich dessen bewusst zu werden, müssen wir nichts weiter tun als im Alltag etwas aufmerksam zu sein. Ich bin mir sicher, dass viele von uns schon einmal Sätze wie gehört haben. Obwohl diese Formulierung im ersten Augenblick anders und weniger radikal klingt, so ist die Betrachtungsweise und das dahinter verborgene Gedankengut dem von Malthus sehr ähnlich. Malthus war voll und ganz davon überzeugt, dass die Hilfe und Unterstützung der Armen dazu führen würde, dass diese dazu ermutigt würden, sich immer weiter und über das Maß verfügbarer Ressourcen hinaus „wie Kaninchen“ zu vermehren. Seine extreme und fragwürdige Ansicht rechtfertigte er mit der Aussage, dass die Armut ein Erzeugnis der Natur sei und nicht durch menschliches Einschreiten verändert werden dürfe.

„ …und die Arbeitslosen sitzen faul zu Hause herum, kriegen Kinder und machen sich ein schönes Leben von unserem Steuergeld… “

Im Rahmen dieser moralischen Stellungnahme gab es einen weiteren wichtigen Aspekt, den Malthus nicht berücksichtigt hatte: Die Tatsache, dass sexuelles Verlangen nicht mit einem Kinderwunsch gleichzusetzen ist/war.[14] Genauer gesagt setze ein Kinderwunsch damals zwar Geschlechtsverkehr voraus, das Verlangen nach Geschlechtsverkehr bedeutete im Gegensatz dazu aber nicht automatisch einen Kinderwunsch zu haben. Und da konventionelle Verhütungsmittel, so wie wir sie heute kennen (Kondom, Antibabypille, etc.), noch nicht erfunden und kommerziell verfügbar waren, führte Geschlechtsverkehr in der Regel eben oft zu Schwangerschaft. Moralische Zurückhaltung alleine hätte also gar nicht dazu beitragen können, das Wachstum der Bevölkerung zu kontrollieren. Selbst wenn sich...

Erscheint lt. Verlag 28.6.2021
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Schulbuch / Wörterbuch Lexikon / Chroniken
Technik
Schlagworte Bevölkerungsproblematik • Demografischer Wandel • Globale Erwärmung • Klimakrise • Malthus • Natur • Populationstheorie • Überbevölkerung • Überpopulation • Umweltschutz • Umweltverschmutzung
ISBN-10 3-347-26699-4 / 3347266994
ISBN-13 978-3-347-26699-5 / 9783347266995
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