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Was weiß der Geier? (eBook)

Bedeutung und Herkunft von Redewendungen

(Autor)

eBook Download: EPUB
2016
122 Seiten
Bassermann (Verlag)
978-3-641-19370-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Was weiß der Geier? - Bernd Brucker
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Lassen Sie sich keine Bären aufbinden!

Die Bedeutung kennt man, aber die Herkunft vieler deutscher Redewendungen liegt meist im Dunkeln. Warum macht man BLAU, wenn man unentschuldigt im Büro fehlt? Und warum hat man nach der Party einen KATER?

Dieses Buch nimmt den Leser mit auf eine amüsante Reise durch die erstaunlichen Hintergründe unserer Sprache.

Bernd Brucker, Jahrgang 1969, arbeitete nach dem Studium der Germanistik und Anglistik in Augsburg und der Kunstgeschichte in Vancouver, Kanada in einer Werbeagentur im Allgäu. Seit 2002 lebt er als freier Autor und Texter in Augsburg.

Farbenspiele

Man kann einem Menschen nicht immer nur das Blaue vom Himmel herunter versprechen. Irgendwann muss man auch einmal Farbe bekennen, sonst wird es ihm irgendwann einmal zu bunt und er sieht möglicherweise rot, wenn nicht gar schwarz.

Farben haben nicht nur einen direkten Einfluss aufs Gemüt, sondern seit jeher auch eine starke Symbolkraft. So steht rot, die Farbe des Blutes, beispielsweise für das Leben, die Liebe, die Leidenschaft, für Aktivität, Aggressivität, Wildheit und noch vieles mehr. Grün dagegen ist die Farbe der Jugend, der Freude, der Hoffnung und der Harmonie. Blau symbolisiert Treue, Vertrauen, Wahrheit und Weisheit, aber auch den Liebeskummer, die Sehnsucht und die Melancholie. Mit den anderen Farben verhält es sich ähnlich. Auch sie haben verschiedene Bedeutungen, sowohl positive als auch negative.

Wenn man nun nach der Bedeutung und der Herkunft von Redewendungen forscht, die auf der Farbsymbolik begründet sind, hat man es nicht immer leicht, denn erstens muss man wissen, auf welche Bedeutung einer Farbe die entsprechende Wendung Bezug nimmt, und zweitens haben sich die Bedeutungen im Laufe der Zeit verschoben.

Manchmal ist es aber auch etwas einfacher, denn bei aller Vielfarbigkeit der sprachlichen Bilder haben nicht alle direkt etwas mit der Sprachmetaphorik zu tun.

Blauäugig

Als blauäugigen Menschen bezeichnet man jemanden, der naiv und unbedarft ist. „Jetzt sei nicht so blauäugig. Dieser Typ gibt sich als feiner Herr, und du fällst auch noch darauf rein.“

Tatsächlich hat der Begriff etwas mit der Augenfarbe zu tun. Während der Romantik galten blaue Augen und blonde Haare als idealtypische Merkmale des Helden. Später wurde dieses Hochstilisieren kritisch gesehen, der romantische Held wurde als ein zwar liebenswerter, aber auch geistloser Mensch betrachtet. Ähnliches könnte auch für „blond“ gelten, was heutzutage nicht nur eine Haarfarbe ist, sondern gleichzeitig eine Umschreibung für „nicht mit den größten geistigen Fähigkeiten ausgestattet“.

Blau machen

Abgeleitet ist das „blau machen“ – sich einen unberechtigten freien Tag nehmen – vom „blauen Montag“, der auf die Tradition zurückgeht, Handwerksgesellen am Montag freizugeben.

Blau war der Tag wohl deshalb, weil es die Kirchenfarbe des Montags war, der Tag, an dem man der Toten gedachte. Ein anderer Deutungsansatz verweist auf die Tradition der Färber, blaue Sachen am Sonntag zu färben. Da die gefärbten Stoffe aufgrund des verwendeten Färbemittels am Tag darauf an der Luft trocknen mussten, war der Montag der blaue Tag, an dem die Färber frei hatten. Das „blau machen“ ist eine Verkürzung aus „sich einen unberechtigten blauen Montag nehmen“.

Blau sein

Blau ist man in der Regel dann, wenn man zu viel Alkohol getrunken hat. Man fühlt sich schwindelig und ist geistig nicht mehr auf der Höhe.

Das „blau sein“ wird gelegentlich zurückgeführt auf das „blau machen“ beziehungsweise den „blauen Montag“, da sich die Handwerksgesellen an ihrem freien Tag sehr gern betrunken haben sollen. Diese Erklärung dürfte allerdings falsch sein.

Wahrscheinlich steht die alte Redewendung „mir ist blau vor Augen“ im Hintergrund, die das Schwindelgefühl und den Zustand nach übermäßigem Alkoholgenuss beschrieb. Heute wird einem allerdings nicht mehr „blau“, sondern sogar „schwarz vor den Augen.“

Sein blaues Wunder erleben

Das blaue Wunder steht sinnbildlich für eine unangenehme Überraschung: „Wenn er nach Hause kommt, wird er sein blaues Wunder erleben.“

Die Farbe blau war im früheren Sprachgebrauch die Farbe der Täuschung und der Lüge. Zumindest die Täuschung ist auch noch im blauen Wunder zu finden, beispielsweise im Satz: „Sie fühlen sich schon wie die sicheren Sieger, aber im heutigen Spiel werden sie ihr blaues Wunder erleben, da sie die Gegner unterschätzen.“

Gelegentlich wird das blaue Wunder auch analog zum „blau machen“ mit dem Färberhandwerk erklärt. Das Färbemittel waren nämlich zunächst gelblich. Erst durch die chemische Reaktion mit Sauerstoff stellte sich die blaue Farbe ein, wie von Geisterhand, ein Wunder also. Allerdings ist bei diesem Erklärungsansatz nicht zu erkennen, wie sich die Bedeutung bis hin zum heutigen Gebrauch im Sinne einer bösen Überraschung verschoben haben könnte.

Farbe bekennen

Wer Farbe bekennt, der sagt offen seine Meinung, ohne zu taktieren. „Du musst jetzt endlich mal Farbe bekennen und sagen, auf wessen Seite du stehst.“

Die Wendung ist abgeleitet aus dem Kartenspiel. Bei bestimmten Spielen muss man eine ausgespielte Farbe bedienen, sofern man eine Karte dieser Farbe in der Hand hält.

Gelb vor Neid

Gelb ist nicht nur die Farbe der Sonne und steht somit für Licht und Leben. In unserem Kulturkreis ist gelb darüber hinaus auch die Farbe von Neid, Geiz, Eifersucht, Verlogenheit und Egoismus.

Ob die Farbensymbolik allerdings etwas mit der Redewendung zu tun hat, ist nicht geklärt. Es könnte sich auch um eine Beschreibung von Körperreaktionen handeln. Dafür spricht zumindest, dass man nicht nur gelb vor Neid wird, sondern gelegentlich auch grün oder einfach blass. Die Blässe ließe sich mit einer Verengung der Blutgefäße erklären, die Farben gelb und grün mit einem Gallenstau. Ob Neid nun tatsächlich diese Reaktionen hervorruft ist aber ebenfalls fraglich.

Dasselbe in Grün

„Dasselbe in Grün“ bedeutet: Es macht (so gut wie) keinen Unterschied, es ist im Grunde genommen unbedeutend. „Ob wir heute in den Urlaub fahren oder erst morgen, das ist dasselbe in Grün.“

Der Spruch wird auch verwendet, wenn etwas immer wieder nach dem gleichen Muster abläuft. „Heute gab es Kartoffelbrei und morgen dasselbe in Grün.“

Der Ursprung der Wendung liegt möglicherweise in einer Anekdote des 18. Jahrhunderts. Sie erzählt von einem Dienstmädchen, das zu einem Kaufmann geht, um eine Haarschleife zu erwerben. Um genau zu zeigen, was sie möchte, nimmt sie als Muster eine rosa Haarschleife mit. Dementsprechend präzise kann sie dann ihren Wunsch vortragen: „Dieselbe Couleur, aber in Grün.“

Auf keinen grünen Zweig kommen

„Wenn Heidi in der Schule so weitermacht, kommt sie auf keinen grünen Zweig mehr.“ Soll heißen: Die Dinge werden sich nicht gut entwickeln.

Der grüne Zweig steht sinnbildlich für das Wachstum der Pflanzen im Frühjahr.

Sich grün und blau ärgern

Wenn man sich grün und blau ärgert, dann ärgert man sich nicht nur ein bisschen, sondern ganz gewaltig. Warum es ausgerechnet die Farben grün und blau sein müssen, und nicht etwa rot, weiß wohl niemand.

Bei der Redewendung handelt es sich jedenfalls um einen verkürzten Vergleich: Man ärgert sich so, dass man vor Ärger grün wird oder eben blau oder beides. Es liegt nahe, dass die Farben ziemlich willkürlich gewählt sind, zumindest beinahe, denn ebenfalls bekannt sind die Formen „schwarz ärgern“ oder „gelb und grün ärgern“. Eine Erklärung für die Redewendung bieten die unterschiedlichen Körperreaktionen, die durch verschiedene Gemütszustände hervorgerufen werden.

Wissenschaftlich gesehen kann sich die Körperfarbe durch Verengung oder Erweiterung der Blutgefäße oder durch verschiedene Krankheiten tatsächlich verändern. Allerdings ist der Ärger kaum die Ursache dafür. Die Erregung sorgt höchstens für einen roten Kopf.

Alles im grünen Bereich

Wenn alles im grünen Bereich ist, besteht kein Anlass zur Sorge, denn alles ist so, wie man es sich vorgestellt hat – wenn auch nur knapp. „Wie sieht es eigentlich in Englisch bei dir aus, Peter?“ „Alles im grünen Bereich! Die Vier ist mir schon sicher.“

Der grüne Bereich bezieht sich auf die grünen Kontrolllampen bei technischen Anlagen, die signalisieren, dass alles ordnungsgemäß funktioniert. Um vor Gefahren zu warnen, wird üblicherweise die Farbe rot verwendet. Scherzhaft – oder gelegentlich auch unabsichtlich – wird deshalb auch die Wendung „alles im roten Bereich“ verwendet.

Der rote Faden

Der rote Faden ist ein Grundgedanke, ein Leitfaden beziehungsweise ein Grundmotiv. „Die kleinen Affären und Skandale zogen sich wie ein roter Faden durch seine politische Karriere.“ Oder auch: „Das Motiv der existenziellen Langeweile zog sich wie ein roter Faden durch die Handlung des Romans.“

Den roten Faden haben wir höchstwahrscheinlich dem deutschen Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe zu verdanken. In seinen „Wahlverwandtschaften“ taucht er bei einer Beschreibung der Seile der englischen Flotte auf: „Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswirken kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, dass sie der Krone gehören.“

Rotes Tuch

Ist jemand sehr wütend, dann spricht er oft vom roten Tuch: „Schon allein der Name ist ein rotes Tuch für mich!“

Vom roten Tuch – sei es ein anderer Mensch, ein Ding, eine Gegebenheit oder ein Sachverhalt – fühlt man sich aufs Äußerste gereizt, so wie ein Stier im Stierkampf vom roten Tuch (spanisch „muleta“) des Toreros. Dass Stiere farbenblind sind, spielt dabei keine Rolle.

Schwarz auf weiß

Hat man etwas schwarz auf weiß, dann hat man es schriftlich. „Du bist und bleibst ein unverbesserlicher Besserwisser. Das...

Erscheint lt. Verlag 13.6.2016
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Schulbuch / Wörterbuch Lexikon / Chroniken
Technik
Schlagworte Aphorismus • eBooks • Kleine Geschenke • Ratgeber • Rätsel • rätselbuch erwachsene • Redensart • Redewendungen • Sprüche • Witze • Zitat
ISBN-10 3-641-19370-2 / 3641193702
ISBN-13 978-3-641-19370-6 / 9783641193706
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