Ökonomics
Goldmann Verlag
978-3-442-15508-8 (ISBN)
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Wirtschaftliche Zusammenhänge bleiben für die meisten ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei gibt es nichts, das zu durchschauen wichtiger wäre als die Wirtschaft, weil nichts unser tägliches Leben stärker durchdringt. Wie kommt der Preis für einen Cappuccino im Coffeeshop an der Ecke zustande? Was ist das Geheimnis unserer hohen Gesundheitskosten? Was würden uns unsere Supermärkte am liebsten verschweigen? Warum ist es unmöglich, irgendwo einen Gebrauchtwagen zu kaufen, ohne dabei übers Ohr gehauen zu werden? Warum sind arme Länder arm und reiche Länder reich? Was sind die Ursachen für den Wirtschaftsboom in China?
Tim Harford durchleuchtet diese und andere Fragestellungen undogmatisch. Ist er "rechts" oder "links"? Ist er für oder gegen das Denken in Kategorien von Effizienz und Wirtschaftlichkeit? Gerade seine Unparteilichkeit macht "Ökonomics" in unaufdringlicher Weise lehrreich und lässt dem Leser Raum für sein eigenes Urteil. Ironisch und unterhaltsam, mit einem bestechenden Erzähltalent, das selbst die trockene Ökonomie zum spannenden Erlebnis macht, deckt Harford die Gesetze des Marktes auf, die hinter alltäglichen Ereignissen lauern.
TIM HARFORD ist Autor der Kolumne "Dear Economist" im Financial Times Magazin, wo er Leseranfragen beantwortet. Für die Weltbank formuliert er die Konzepte des Chefökonomen. Zuvor schrieb er Editorials für die "Financial Times", war in einem großen Ölkonzern beschäftigt und arbeitete als Wirtschaftsdozent an der Universität von Oxford. Er lebt in Washington DC.
Zunächst einmal herzlichen Dank dafür, dass Sie dieses Buch gekauft haben. Allerdings ... wenn Sie nur ansatzweise so gestrickt sind wie ich, dann haben Sie es noch gar nicht gekauft. Sie sitzen vielmehr gerade bei Ihrem Buchhändler in der Leseecke, schlürfen gemütlich einen Cappuccino und fragen sich, ob dieses Buch Ihr Geld tatsächlich wert ist. Die folgenden Seiten handeln von Ökonomen und wie sie die Welt sehen. Vielleicht schaut Ihnen ja in diesem Moment gerade einer über die Schulter. Auf den ersten Blick wirken Wirtschaftswissenschaftler völlig unauffällig. Niemand würde vermuten, dass es sich bei diesem Zeitgenossen um einen Ökonomen handelt. Umgekehrt stellt für den Ökonomen der »Normalbürger« eine unglaublich spannende Gattung dar. Wie sieht der Ökonom die Welt? Was würde er Ihnen erzählen, wenn Sie sich die Mühe machen würden, ihn zu fragen? Und warum sollten Sie sich diese Mühe überhaupt erst machen? Sie glauben, dass Sie sich jetzt einfach nur am Milchschaum Ihres Cappuccinos gütlich tun. Der Ökonom aber erkennt Sie -und Ihren Cappuccino - als Protagonisten eines höchst komplexen Spiels, das von bestimmten Signalen und Absprachen, von Strategien und Wettbewerb geregelt wird. Eines Spieles, bei dem es Gewinner und Verlierer gibt: Ein paar der Spieler, die es möglich gemacht haben, dass dieser Cappuccino jetzt vor Ihnen steht, haben damit eine Menge Geld verdient, andere nur sehr wenig. Wieder andere sind in eben diesem Moment hinter dem Inhalt Ihres Geldbeutels her. Der Ökonom kann Ihnen vorhersagen, wer was bekommt beziehungsweise wie und warum er es bekommt. Dieses Wissen, das der Ökonom besitzt, möchte ich Ihnen mit diesem Buch näher bringen. Aber seien Sie doch bitte so nett und kaufen Sie es, bevor der freundliche Buchhändler Sie als Billigleser vor die Tür setzt. Der Ökonom interessiert sich für Ihren Kaffee im Übrigen aus ganz anderen Gründen als Sie. Er weiß nicht, wie man einen Cappuccino macht. Er weiß hingegen sehr gut, dass zum Cappuccinokochen ein Produktionsprozess gehört, den eine einzelne Person unmöglich alleine abwickeln kann. Wer kann sich schon brüsten, Kaffee pflanzen, pflücken, rösten und zu einer guten Mischung zusammenstellen zu können? Oder Milchkühe zu ziehen? Stahl herstellen und Plastikteile gießen zu können, die sich zu einer Espressomaschine zusammenbauen lassen? Dann fehlt natürlich noch die Tasse. Wir bräuchten also auch noch einen guten Töpfer. Ihr Cappuccino steht am Ende einer Produktionskette von enormer Komplexität. Kein Mensch auf Gottes Erden könnte alle Tätigkeiten, die nötig sind, um einen Cappuccino zu brühen, selbst ausführen. Der Ökonom weiß also, dass Ihr Cappuccino das Produkt eines »Teams« ist. Und dieses Team hat keinen Supervisor. Niemand ist letztlich der Boss. Der Wirtschaftswissenschaftler Paul Seabright beschreibt in einem seiner Bücher einen Sowjetoffizier, der versucht, das westliche System zu begreifen: »Sagen Sie mir doch ... wer ist für die Brotversorgung der Stadt London verantwortlich?« Auf uns mag diese Frage ein wenig komisch wirken, doch eigentlich ist es die Antwort, die uns erstaunen sollte. Lässt der Ökonom nämlich seinen forschenden Blick über das Innenleben Ihrer Buchhandlung schweifen, dann breitet sich vor seinem Auge ein organisatorischer Moloch aus. Das System, das dieses Buchangebot ermöglicht hat, ist letztlich so komplex, dass es sich gar nicht mehr beschreiben lässt: Jahrhunderte der Planung und Entwicklung stecken darin. Angefangen beim Papier, auf das die Bücher gedruckt sind, über die Lampen, die die Regale beleuchten, bis zur Software für die Lagerhaltung. Vom alltäglichen Organisationswunder, das vollbracht wird, um Bücher zu drucken, zu binden, zu lagern, auszuliefern, anzubieten und zu verkaufen, gar nicht zu sprechen. Dennoch funktioniert das System erstaunlich gut. Als Sie dieses Buch kauften - Sie haben es doch wohl mittlerweile gekauft? -, mussten Sie den Buchhändler vermutlich nicht erst bitten, es für Sie zu bestellen. Vielleicht wussten Sie heute Morgen noch gar nicht, dass Sie dieses Buch erwerben werden. Und doch sorgen wie von Zauberhand Tausende von Menschen dafür, dass Ihre nicht vorhersagbaren Wünsche erfüllt werden: ich, mein Verleger, der Vertrieb, der Korrektor, der Drucker, der Papierfabrikant, der Druckfarbenhersteller und viele, viele andere. Ein Ökonom kann Ihnen erklären, wie ein System von solcher Komplexität funktioniert, wie die Unternehmen versuchen, es zu ihren Gunsten zu beeinflussen, und was Sie als Konsument tun können, um sich dagegen zu wehren. Der Undercover-Ökonom, der Sie ja nun werden wollen, schaut aus dem Fenster und betrachtet den Stau auf der Straße. Für das Gros der Menschheit ist ein Stau nur ein alltägliches Ärgernis. Für den Ökonomen hingegen ist er ein lehrreiches Beispiel, das uns den Unterschied zwischen der gut funktionierenden Buchhandlung und dem Tohuwabohu auf unseren Straßen deutlich macht. Mit den Erkenntnissen, die wir in der Buchhandlung gewonnen haben, können wir künftig ein Verkehrschaos leichter vermeiden. Der Ökonom unterzieht zwar seine unmittelbare Lebenswelt einer genauen Analyse, doch endet sein Horizont keineswegs am Tellerrand. Sollten Sie mit ihm zwischen den Regalen ins Gespräch kommen, kann es sein, dass Sie beide am Ende über den Unterschied zwischen Buchhandlungen in Industrieländern und Leihbüchereien in Kamerun diskutieren, wo es zwar viele eifrige Leser, aber nicht genügend Bücher gibt. An diesem Punkt weisen Sie vermutlich darauf hin, dass die Unterschiede zwischen den reichen und den armen Ländern der Welt erschreckend, ja ein Skandal sind. Der Ökonom teilt vermutlich Ihre Empörung über die Ungerechtigkeit dieses Systems, doch er kann Ihnen auch sagen, wieso reiche Länder reich und arme Länder arm sind. Und was man dagegen unternehmen kann. Auf den ersten Blick mag der Undercover-Ökonom wie ein unerträglicher Besserwisser scheinen, doch sein Ziel ist es, mit Hilfe der Wirtschaftswissenschaften die Menschen und ihre jeweiligen Rollen zu verstehen: als Individuen, Partner, Wettbewerber und Teile des gewaltigen sozialen Organismus »Volkswirtschaft«. Wie breit seine Interessen dabei gestreut sein müssen, lässt sich an dem bunten Spektrum von Theorien und Konzepten ablesen, das in den letzten Jahren mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geehrt wurde. Seit 1990 wurde dieser Preis nur sehr selten für primär wirtschaftswissenschaftliche Forschungsarbeiten vergeben wie zum Beispiel Untersuchungen zur Theorie der Wechselkurse oder zu den Zyklen im Geschäftsleben. Sehr viel häufiger wurde der Preis Forschungsarbeiten mit »wirtschaftsfremder« Thematik zugesprochen: Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie, Geschichte, Wahlverhalten, Recht, ja sogar die etwas merkwürdige Frage, weshalb man nie einen guten Gebrauchtwagen findet, wurden für preiswürdig erachtet. Ich möchte Ihnen mit diesem Buch die ökonomische Sicht auf die Welt näher bringen. Ich werde Sie hier nicht mit Wechselkurstheorie oder Geschäftszyklen strapazieren, das Geheimnis des Gebrauchtwagenkaufs aber möchte ich für Sie lüften. Wir werden uns hier mit großen Themen beschäftigen, zum Beispiel mit dem Rätsel, wie China es schafft, jeden Monat eine Million Menschen über die Armutsschwelle zu hieven, aber auch mit Alltagsproblemen wie der Frage, wie man im Supermarkt nicht mehr Geld ausgibt als nötig. Das Ganze ist waschechte Detektivarbeit, ein Agentenjob, doch ich werde Ihnen zeigen, wie Sie mit dem Werkzeug des Ökonomen zum verdeckten Ermittler werden. Wenn Sie dieses Buch zu Ende gelesen haben, sollten Sie ein mündiger Verbraucher geworden sein und nicht nur das. Vielleicht wenden Sie ja Ihre Undercover-Fertigkeiten auch auf Politiker an und durchleuchten, was diese Ihnen zu verkaufen suchen. Das Leben ist voller interessanter Rätsel, die von den meisten Menschen gar nicht als solche erkannt werden.
| Erscheint lt. Verlag | 19.1.2009 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Goldmann Taschenbücher |
| Übersetzer | Elisabeth Liebl |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | The Undercover Economist |
| Maße | 125 x 183 mm |
| Gewicht | 325 g |
| Einbandart | Paperback |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Beruf / Finanzen / Recht / Wirtschaft ► Wirtschaft |
| Schlagworte | Volkswirtschaft • Wirtschaft • Wirtschaft / Ökonomie |
| ISBN-10 | 3-442-15508-8 / 3442155088 |
| ISBN-13 | 978-3-442-15508-8 / 9783442155088 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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