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Mystische, wilde, wunderschöne Western Isles -  Reinhard Wagner

Mystische, wilde, wunderschöne Western Isles (eBook)

Mit Fähren, auf vier Rädern und weiten Wegen zu Fuß über die Äußeren Hebriden
eBook Download: EPUB
2026 | 1. Auflage
158 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-4004-6 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
7,49 inkl. MwSt
(CHF 7,30)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
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Reinhard Wagner, inzwischen pensionierter Lehrer aus dem Rhein-Sieg-Kreis, erinnert sich an seine Wanderreise über die Äußeren Hebriden, auch "Western Isles" genannt, im äußersten Norden Schottlands. Nie schaffte er es, seine Tagebuchaufzeichnungen von dieser Tour im Jahr 2006 in ein Buch umzuwandeln. Erst jetzt nahm er sich die Zeit dafür und erlebte dabei die Stimmung dieser naturgewaltigen Inselgruppe mit ihrer Geschichte und ihren freundlichen Menschen ein weiteres Mal.

Reinhard Wagner, pensionierter Grundschullehrer aus dem östlichen Rhein-Sieg-Kreis, wollte schon immer andere an seinen Reisen und Wanderungen teilhaben lassen - mit von Hand geschriebenen Tagebüchern über Radtouren zur Jugendzeit bis hin zu verlegten Reiseberichten über Wanderungen im fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Mit den Jahren entdeckte er auch seine Freude am Schreiben von kleinen Kurzgeschichten, deren Inhalte zum Teil auch eigenen Reiseerlebnissen oder seinem beruflichen Alltag entspringen.

Schweißnass und durstig durchs Moor


(Mit dem Bus nach Tolsta / Wanderung Tolsta – Ness – 20 km)

Von einer kleinen, freundlichen Welt, Mooreinöden, Klippen und Sandstränden, einem Auto mit geladenen Heuballen, fehlgeschlagenen Zukunftsplänen von Lord Leverhulme, einem rachsüchtigen Mann, viel Lederfett und Imprägnier-Spray, einem zurückgekehrten Baptistenprediger und drei Generationen beim Torfstechen

Mrs. und Mr. Thompson sind gerade wieder mit ihrem Wagen zu ihrem B&B, meiner Unterkunft in Ness, zurückgekommen. Sie waren für zwei Stunden bei Freunden. „But feel comfortable!“ Und wie ich mich „comfortable“ fühle! Im frisch renovierten Dachgeschoss habe ich mein eigenes Reich. Ein schönes Doppelzimmer – Nein, ein „Twin-Room“, die Betten sind ja getrennt! – mit großzügigem „Nassbereich“, wo ich mich überall hervorragend ausbreiten kann, und nebenan ein netter „Living-Room“. In meinem Zimmer am Kleiderschrank hängt gewaschene Kleidung, und meine noch etwas feuchten Stiefel habe ich gerade nochmal schnell runtergebracht. Mr. Thomson wollte sie vorhin schon zum Trocknen in den „Boiler-Room“ stellen. Ach ja, und die Margarine und die Schachtel Philadelphia müssen auch noch in den Kühlschrank in der Küche.

Zehn Minuten vor Abfahrt des Busses nach Tolsta um 8.40 Uhr bin ich heute am frühen Morgen wieder an der Bus-Station am Hafen von Stornoway. Ich bin nicht überrascht, dass mich schon der erste, dem ich begegne, grüßt: „Beautiful day!“ Ja, es ist ein ausgesprochen schöner Tag! Blauer Himmel über Lewis und über Stornoway. Allzu häufig dürfte das nicht vorkommen. Es sind keine großen Eindrücke, die ich während meiner ersten Inselminuten sammle, aber sie zeigen mir deutlich, dass diese kleine Welt angenehm weit von der unseren entfernt ist – nicht geografisch, eher menschlich. Ein paar Meter weiter wieder ein Handzeichen: „Hallo!“ dieses Mal füge ich ein „Beautiful day!“ hinzu.

Nur ein junges Pärchen aus Deutschland steigt noch mit in den kleinen Bus ein. Sobald dieser Stornoway hinter sich lässt, bewege ich mich in einem Landstrich wie aus einer anderen Welt und schnell wird mir klar, warum Lewis, genau wie alle anderen Inseln der Western Isles, zu den gering bevölkerten Gebieten Europas gehören. Grünland wohin ich schaue, meist eingezäunt, die Schafe ziehen friedlich über ihre Weiden, ihre weißen Körper ein Kontrast zu dem dunklen Moor. Die von zahllosen Tümpeln, Sümpfen, Lochs und Flüsschen bewässerte Mooreinöde, ein Meer aus Braun und Grün, scheint endlos. In der Ferne hohe Klippen oder weite Sandstrände, und dahinter der Atlantik, meist wild und ungestüm. Nur sehr vereinzelt kleine Crofter-Streusiedlungen, die die Bezeichnung „Ortschaft“ mangels Ortskerns nicht verdienen. Um zu erfahren, dass die Wikinger einst hier das Sagen hatten, braucht man nicht in Geschichtsbüchern nachzuschauen. Die Straßenschilder zeigen es noch heute. Endsilben wie „sta“, oder „stadir“ stehen für das nordische Wort „Farm“; gerade fahre ich über eine „bru“ (Brücke) und überquere den „Laxdale“, den Lachsfluss im Tal. Man sieht auch, dass in dieser kleinen Siedlung nicht die gut betuchten Inselbewohner leben. Einige der Einfamilienhäuser sehen einfach, aber sauber, die meisten aber recht ärmlich aus. Ähnlich verhält es sich mit den diese Häuser umgebenden Grundstücksflächen. Die Bewohner leben hier in Harmonie mit der Natur, ihre Häuser scheinen Teil der Landschaft zu sein.

Der Busfahrer fährt recht schnittig, und jedes entgegenkommende Fahrzeug grüßt er entweder per Handzeichen oder mit der Hupe. Hier kennt man sich halt. Um 9.20 Uhr verabschiedet sich der Fahrer in Tolsta von dem Pärchen und mir, zeigt uns, wo es weitergeht und wünscht uns einen guten Weg.

Beim Fertigmachen zum Start, d.h. Rucksack aufschwingen und nochmal alles zurechtzurren, kommen die beiden jungen Leute und ich kurz ins Gespräch. Dabei stellt sich heraus, dass ihr Urlaub mit der Wanderung endet, mit der meine heute eigentlich erst beginnt. In den vergangenen zwei Wochen haben sie den West Highland-Way sowie Harris und Lewis erwandert, und befinden sich jetzt eben auf ihrer letzten Etappe. Wir verzichten darauf, gemeinsam loszuziehen, dafür müsste man sich schon etwas länger kennen, wenn überhaupt. Irgendwann sehe ich sie unterwegs nochmal kurz in einiger Entfernung wieder, dann verlieren wir uns ganz aus den Augen.

Freundlicher Busfahrer macht sich mit mir auf die Reise

Schafe auf der Überholspur Richtung Tolsta

Offiziell beginnt der markierte Weg zwei Kilometer außerhalb von Tolsta an einem Wanderparkplatz. Daher muss ich die ersten zwei Kilometer einer schmalen einspurigen Asphaltstraße folgen, die aber schon übersät ist mit den Hinterlassenschaften der links und rechts weidenden Schafe. Mit diesem Bild werde ich wohl die nächsten drei Wochen immer wieder zu tun haben. Auf der Straße kommt gerade das erste Auto. Der Fahrer hat Heuballen geladen – nicht nur im Kofferraum, dessen Deckel weit offensteht, sondern auch im Fond, ja selbst auf dem Beifahrersitz. Wenn das Auto nicht zur Statusfrage geworden ist, trägt es vieles: Heu, Stroh, Torf, Treibholz, junge Lämmer – oder die ganze Familie zum Kirchgang.

Bucht von Tolsta

Der Ausgangspunkt der Wanderung an dem besagten Parkplatz kann schöner nicht liegen. Nur wenige Meter sind es von dort über eine bunte Blumenwiese, eine der berühmten „Machairs“, bis zu einem weiten Sandstrand, eingefasst von schroffen, hohen Felsen. Und einsam ist er – eine Idylle. Die Stille ist fast greifbar, nur unterbrochen vom Blöken der Schafe und dem Rauschen des Windes. Die Zeit scheint stillzustehen.

Machair bis zum Horizont

Ich merke es, hier auf Lewis lebt man nach dem Rhythmus der Natur.

Von nun an hört der Asphalt auf und ein steiniger Weg schwingt sich im Bogen bergauf. Schon bald überquere ich die die schmale, aber tiefe Schlucht des Garry Rivers überspannende „Bridge to Nowhere“. Die eigentliche Straße, die über sie hinweg verlaufen sollte, wurde nie fertiggestellt und hat ihr beabsichtigtes Ziel, die Siedlung Ness, nie erreicht. Geplant war die Straße von Lord Leverhulme, der Lewis im Jahr 1918 kaufte und versuchte, die Wirtschaft der Insel durch Ansiedlung von Industrie anzukurbeln und damit die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Doch man dankte es ihm nicht. Ärger mit der bäuerlichen Bevölkerung kam auf, und zusammen mit den hohen Kosten führte dies dazu, dass Lord Leverhulme von seinen Zukunftsplänen absah. Das Resultat war allerdings, dass viele Insulaner ohne Arbeit blieben und nach Kanada auswanderten. Die Brücke blieb!

Bridge to Nowhere

Je höher ich komme, umso toller wird der Blick auf die breite Bucht mit ihrem Sandstrand und die ihn einrahmenden Felsen. Der höchste von ihnen trägt noch die Überreste von Mormaer‘s Castle. Es wurde nach der norwegischen Abtretung der Hebriden an Schottland 1266 dort errichtet, als Lewis Teil der Grafschaft Ross wurde.

Solange der Weg unmittelbar am Rand der Klippen entlang verläuft, sind die Ausblicke auf die manchmal fast 100 m steil bis senkrecht abfallenden Felsformationen einfach grandios. Besonders eindrucksvoll ist der Blick auf „Dun Othail“, einem nahezu einzelnstehenden Felsen, fast getrennt vom Festland durch eine tiefe Schlucht, bekannt als „Leune Mhic Neacail“, Macnicol’s Leap (Sprung). Ein rachsüchtiger Mann aus dem Clan der Macnicols, der von einem verfeindeten MacLeod’s Chief kastriert worden war, kidnappte den einzigen Sohn seines verhassten Peinigers und floh mit ihm nach „Dun Othail“, seiner Burg, dessen vereinzelte Überreste man immer noch auf dem Felsen erkennen kann. Er weigerte sich, das Kind zurückzubringen, bis der Vater nicht die gleiche Verstümmelung an sich selbst vornahm. Als er sicher sein konnte, dass dies passiert war, sprang er mit dem Kind auf dem Arm in die Kluft und schrie dabei: „Ich werde keine Erben haben – und du auch nicht!“ – Schaurig, schönes Schottland!

Felsformation Dun Othail

Schade, dass die breit scheinende Sonne am Himmel den über dem Meer liegenden Dunst nicht „schlucken“ kann. Doch es wird warm und immer wärmer, und wieder geht so gut wie kein Windhauch. Der Schweiß läuft in Strömen, und darüber freuen sich einige Killerinsekten, die mich von nun an mit Begeisterung als Blut-Tankstelle missbrauchen. Dies ist das eine Problem, das zweite lässt meine Schweißproduktion nicht unbedingt geringer werden. Obwohl die grünen Matten mit ihren zarten, weißen Wollblumen wunderschön aussehen, weiß ich bald, was sie zu bedeuten haben. Das sind sie wieder, die Moore! Ich fühle mich klein und unbedeutend in dieser Landschaft, ein Besucher in einer Welt, die seit Jahrhunderten besteht.

Markierung des Coastel Path...

Erscheint lt. Verlag 5.1.2026
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Sport
ISBN-10 3-6951-4004-6 / 3695140046
ISBN-13 978-3-6951-4004-6 / 9783695140046
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