Gipfel oder Schnappatmung (eBook)
196 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-2209-7 (ISBN)
Sven Kellerhoff, 1975 in Bad Ems geboren, lebt heute mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Grevenbroich bei Düsseldorf. Seit vielen Jahren bei einer Sparkasse tätig, veröffentlicht er neben seinem Beruf Regionalkrimis. Seine Alpenkrimis rund um das Allgäuer Kommissaren-Duo Anna Zähler und Leopold Geiger erfreuen sich großer Beliebtheit. Mit "Gipfel oder Schnappatmung" wagt der Autor einen Sprung von der Fiktion zur Realität und berichtet von einem wahrlich lesenswerten Abenteuer.
Die Vorbereitung
»Bis zum Wasserfall schaffen wir es doch auf jeden Fall, oder?«
Die frühzeitige Buchung brachte den nennenswerten Effekt mit sich, dass die Vorbereitungszeit entsprechend lang war und wir uns in aller Ruhe an unser Abenteuer herantasten konnten. Und damit meine ich nicht die Tatsache, dass es in den Bergen viele Höhenmeter zu bewältigen gilt, die uns als Flachlandtiroler und Genusswanderer ja nicht fremd waren, allerdings gemessen an unseren bisherigen Touren schon in die Kategorie ‚anspruchsvoll‘ fielen. In unserer WhatsApp-Gruppe hagelte es nur so von Tourenvorschlägen. Wir waren hoch motiviert, unsere Kondition auszubauen und so zu verbessern, dass wir die Strecken in den Alpen meistern konnten. Auf die schönsten Wege, die wir während der kommenden Monate laufen würden, nehme ich euch mit. Die erste Vorbereitungsreise startete im winterlichen Siebengebirge.
***
An diesem Wochenende hatten wir uns gleich zwei Ziele ausgesucht. Wir wollten den ziemlich bekannten Drachenfels bei Königswinter erklimmen, der in Sichtweite der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn direkt am Rhein emporsteigt und den höchsten Berg der Siebengebirgsregion, den 460 Meter hohen Ölberg. Insgesamt lagen an den beiden Tagen 700 Höhenmeter und einige Kilometer Strecke vor uns. Eine erste Nagelprobe, die dort in heimischem Revier auf uns wartete. Bei sonnigem Wetter fuhren wir bis an den Fuß des Drachenfels heran und stiefelten los. Doch der Schein trog an diesem Februar-Wochenende. Es war noch immer Winter und dieser hielt für uns kalte Temperaturen und einen frischen Ostwind bereit. Gut, dass ein Großteil des Aufstiegs windgeschützt durch den Wald verlief. Die Drachenfelsbahn kreuzte bald unseren Weg. Sie hielt an der Zwischenstation an der Drachenburg, die einige Meter unterhalb des Gipfels thronte. Die älteste Zahnradbahn Deutschlands, die ihre Fahrgäste von Königswinter bis hinauf auf das Drachenfelsplateau fuhr, spuckte einige Fahrgäste an der Haltestelle aus und setzte ihren Weg fort. Diese Bergfahrt fand selbstverständlich ohne uns statt. Wir liefen ein Stück parallel zur Trasse weiter bergan. Konditionsmäßig lief es bis hierher ganz gut. Bei der moderaten Geschwindigkeit konnten wie uns noch gut unterhalten. Die Steigungen hielten sich bis dahin in Grenzen. Die letzten Höhenmeter bis zum Gipfel ließen unsere Gespräche allerdings nach und nach verstummen. Ein Zustand, der uns auf der Alpenüberquerung auch des Öfteren begleiten würde. Ab der Drachenburg hielt der Weg einige steilere Passagen bereit, die uns durchaus forderten und sich das Aufstiegstempo merklich verlangsamte. Nach mehreren kurzen Verschnaufpausen erreichten wird das Plateau des Drachenfels. Es war erst später Vormittag. Der Hotspot in Königswinter war schon gut besucht. Wer nicht gerade in einer aussichtsreichen Gegend wohnte, konnte von dem Ausblick hier oben nur begeistert sein. Wir standen an einer Mauer und blickten eine steile Böschung hinab, die bis nach Königswinter hinab reichte. Tief unten glitzerte das Wasser des breiten Stroms in der Wintersonne. Die Sicht auf das Rheintal flussaufwärts war gewaltig. Es war sehr imposant, was die Natur so nah an den großen Metropolen Bonn und Köln zu bieten hatte. Das Gipfelplateau beherbergte eine Gastronomie mit einem großen Biergarten, der selbst bei diesen kalten Temperaturen gut besucht war. Aus allen Himmelsrichtungen fiel der Blick auf die stark verfallene Burgruine, die am höchsten Punkt des Drachenfels den Jahrhunderten trotzte. Wir wagten es, an einer windgeschützten Stelle des Biergartens an einem Tisch Platz zu nehmen. In dicke Jacken gehüllt saßen wir auf dünnen Sitzkissen und bestellten traditionelle Gipfelgetränke, eine Runde Aperol Spritz. Dieser zeigte auf ziemlich leerem Magen sofort seine Wirkung. Daher wurde direkt die nächste Bestellung aufgegeben und wenige Minuten später landeten zwei dampfende Flammkuchen auf unserem Tisch. Das hatten wir uns nach der anstrengenden Besteigung mehr als verdient. Je länger wir hier still am Tisch saßen, umso stärker kroch die Kälte von unten durch das Sitzkissen direkt bis zu unseren Sitzhöckern durch. Wir entschieden uns für einen Standortwechsel und flüchteten für einen Kaffee in das Restaurant, wo wir noch einen letzten Platz in einer Loungeecke ergatterten. Auch hier war der Blick hinunter in das sonnige Rheintal einfach gigantisch. Es fiel uns einigermaßen schwer, uns aus dem gemütlichen Leder zu drücken und unseren Weg fortzusetzen. Schließlich schulterten wir die Rucksäcke und machten uns auf den Weg zurück ins Tal. Beim Abstieg wählten wir nicht den direkten Weg, sondern liefen eine große Schleife, die uns am Milchhäuschen vorbeiführte, ein Wandellokal mitten im Wald, welches sich für eine Rast bei einem Spaziergang von Königswinter hierher anbot. Wir nutzten das Lokal allerdings nur für eine kurze Biopause und erreichten nach einiger Zeit unseren Wanderparkplatz. Da die Check-in-Zeit für unser Hotel in Linz am Rhein noch nicht erreicht war, entschieden wir uns für einen kurzen Abstecher und eine Einkehr in der Klosterruine Heisterbach. Nach kurzer Anfahrt schlenderten wir durch den alten Klostergarten, der in das letzte Licht des Tages getaucht war, bevor die Sonne schließlich ganz hinter den hohen Bäumen verschwunden war und den großen Klostergarten in ein mystisches Licht tauchte. Und es war nicht nur mystisch, es war auch bitterkalt. Vor dem Besuch der warmen Klosterstube wollten wir unbedingt noch die Pforte finden, eine Tür in den dicken Klostermauern, durch die ein Mönch der Legende nach hindurchgeschritten war und erst 300 Jahre später wieder aufgetauchte. Was für eine Geschichte. Wir folgten der Beschilderung und fanden die mysteriöse Pforte in einem abgelegenen Teil des Klostergartens. Wir waren bereit, den Selbstversuch zu starten und drückten die Eisenklinke der massiven Holztür nach unten. Doch leider wurde uns das Durchschreiten verwehrt. Die Türe war abgeschlossen.
Mit Glück ergatterten wir den letzten Tisch in der Klosterstube. Nach einem Bier und einer wärmenden Suppe verabschiedeten wir uns von dem durchaus magischen Ort und machten uns auf den Weg nach Linz. In dem Hotel direkt am Rhein war ein italienisches Restaurant untergebracht, wo wir den Tag mit dem Getränk beendeten, mit dem wir am Morgen gestartet waren: Aperol Spritz.
***
Nach einem stärkenden Frühstück und einer schnellen Weinprobe mit anschließendem Einkauf in einem Weingut zwei Orte weiter, fuhren wir zum Startpunkt unserer nächsten Tour. Den gestrigen Wandertag hatten wir vier gut weggesteckt. Keinerlei Blessuren, Muskelkater oder Blasen an den Füßen. Wir waren gut gestimmt, dass wir die heutigen knapp 400 Höhenmeter auch gut meistern würden. Der Plan war es, am späten Mittag in dem Gasthaus auf dem Ölberg eine kleine Jause einzunehmen und uns danach auf den Weg zurück nach Hause zu machen.
Uns erwartete erneut ein sonniger und windiger Tag. Nach einigen Kilometern Wanderstrecke durch das Siebengebirge mit viel auf und ab, erreichten wir den Parkplatz Margarethenhöhe. Wir stellten fest, dass wir an diesem Sonntag nicht die Einzigen waren, die zum Ölberg hinauf wollten. Der Parkplatz war überfüllt mit vielen SUVs, die fast ausnahmslos ein Kölner oder Bonner Kennzeichen trugen.
Hunde und Kinderwagen wurden aus dem Kofferraum geladen und die Städter steuerten im festlichen Sonntagsoutfit auf den Forstweg zu, der hinauf zum Gipfel führte. Wir liefen an einem Schild vorbei, mit einer Zeitangabe von 20 Minuten bis zum Ziel, eine Distanz, die mit Kind und Kegel durchaus zu bewältigen war. In mehreren Kehren schlängelte sich der Weg den Berg hinauf und es glich einer Völkerwanderung am Volkswandertag, den ich zuletzt in meiner Kindheit erlebt hatte. Je mehr Menschen uns entgegenkamen, umso mehr schwand bei uns die Hoffnung, dort oben noch einen Platz für einen Nachmittagsimbiss zu bekommen. Nach den letzten anstrengenden Höhenmetern unseres Wandertages kamen wir an der Rückseite des Gasthauses an. Und was fiel uns dort oben als Erstes ins Auge: Ein gelber Briefkasten der Deutschen Post, der sogar täglich geleert wurde. Hier auf dem höchsten Berg des Siebengebirges gab es tatsächlich die Möglichkeit, Briefe in die weite Welt zu entsenden. Über eine Außentreppe erreichten wir die Terrasse, die trotz des eisigen Windes hier oben sehr voll war. Der Ausblick war überwältigend. Er übertraf sogar die Optik auf dem Drachenfels. Von hier oben konnten wir tatsächlich unseren Heimatort sehen. Als Orientierungspunkte zeichneten sich die Rheinischen Braunkohlekraftwerke und die Abraumhalde die Vollrather Höhe mit ihren mächtigen Windrädern ab. Die schneidende Kälte zog uns zum Windfang des Restaurants. Der Blick durch die verglaste Scheibe ins Innere der Gaststube verhieß nichts Gutes. Der Rundgang durch die Räume, vorbei an den voll besetzten Tischen und der Schlange an der Getränkeausgabe beendete die Hoffnung, hier noch einen Platz zum Essen zu bekommen. Mit hungrigen Mägen und mittlerweile ganz schön müden Knochen machten wir uns an den Abstieg.
***
Am...
| Erscheint lt. Verlag | 5.11.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Sport |
| ISBN-10 | 3-6951-2209-9 / 3695122099 |
| ISBN-13 | 978-3-6951-2209-7 / 9783695122097 |
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