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Der Karakorum Highway und das Hunzatal, 1998 (eBook)

Geschichte, Kultur und Erlebnisse
eBook Download: EPUB
2025
244 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-8937-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Karakorum Highway und das Hunzatal, 1998 - Annette Bräker, Horst H. Geerken
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Annette Bräker und Horst H. Geerken nehmen uns mit auf eine über 3000 Kilo­meter lange Reise von Pakistan durch das Hunzatal nach Kashgar in Xinjiang und wieder zurück nach Pakistan. Das Buch behandelt die Geschichte, die Kultur und die Völker des Hunzatals und Xinjiangs. Neben historischen Fakten besticht das Buch durch amüsante Erlebnisse. Es ist eine vergnügliche und humorvolle, aber auch informative Lektüre.

Annette Bräker kam bereits in jungen Jahren mit Asien in Kontakt. Ihr Vater war Orientalist, der auf seinen Forschungsreisen meist von seiner Ehefrau begleitet wurde. Die Tochter Annette durfte bei vielen dieser Reisen dabei sein. So lernte sie schon früh Asien kennen und lieben. Folglich studierte sie Malaiologie, Vergleichende Religionswissenschaft und Orientalische Kunstgeschichte.

1. Vorwort


von Horst H. Geerken

Das Hunzatal und seine Nebentäler liegen in einem äußerst unzugänglichen Gebiet des Hindukusch in Pakistan. Es ist ein Hochtal in einer Höhe zwischen 2500 und 3500 Metern zwischen Karakorum- und Hindukusch-Gebirge, umgeben von Siebentausendern, von denen der Rakaposhi mit rund 7800 Metern der höchste ist.

Herodot (um 450 v.Chr.) war der erste Autor, der diese Region an der Grenze zu Kaschmir und nah an Afghanistan erwähnt hat.1 Dr. Gottlieb2 Wilhelm Leitner, 1840 in Ungarn3 geboren und 1899 in Bonn verstorben, war ein Orientalist und Linguist. Er bereiste – neben anderen Regionen im Hindukusch – in den 1860er und 1880er Jahren als erster Wissenschaftler das Hunzatal. Seine Bücher über die Geschichte, die Sprachen, die Religionen, die Sitten, Legenden und Lieder dieser Region sind bis heute interessante und wichtige Nachschlagewerke.

Die Pfade an den steilen Berghängen in dem unwegsamen Gelände entlang des Hunza-Flusses und die einfachen Hängebrücken waren so schmal, dass Waren auf dem größten Teil der Strecke nur von Lastenträgern transportiert werden konnten. Wie die Hunzukutz4 sagen, muss hier der Reiter sein Pferd tragen!

Im Hunzatal wird vorwiegend die isolierte Sprache Burushaski gesprochen. Der Einfluss Griechenlands ist aufgrund der Invasion durch Alexander den Großen um 325 v.Chr. bis heute noch an Skulpturen und genetischen (europäischen und arischen) Merkmalen der Hunzukutz deutlich zu erkennen. Die für Pakistan untypischen blonden Haare oder blauen Augen sieht man im Hunzatal oft. Die Bewohner des Hunzatals sehen sich als Nachkommen des Kriegsherren Alexander des Großen und seines Heeres. Viele von Alexanders Kämpfern wollten den beschwerlichen Rückweg in die Heimat nicht mehr antreten und vertauschten das Schwert mit dem Pflug. Der Kriegsherr gründete Dörfer und Städte im Indus- und Hunzatal und siedelte seine griechischen und mazedonischen Veteranen dort an. Er förderte die Hochzeit mit einheimischen Frauen. Sprache, Musik und Tänze ähneln noch heute denen von Albanien und Mazedonien. In dieser kaum zugänglichen Region Hunza konnten sich die genetischen und kulturellen Merkmale der Invasoren annähernd rein erhalten. Der König von Hunza soll der Legende nach ein direkter Nachfahre von Alexander dem Großen sein. Der Stammvater der Dynastie heißt König Alexander Iskandar Shah. Außerhalb des Hunzatals gründeten die Soldaten des Kriegsherrn ebenfalls Stadtstaaten, aber dort entstanden eher Mischkulturen.

Auf Grund der isolierten Lage des Hunzatals konnte das Hochtal leicht gegen Eindringlinge verteidigt werden, weshalb die Hunzukutz hier rund 1000 Jahre lang weitgehend unabhängig und frei von äußeren Einflüssen leben konnten. 1889 versuchte England, das Hunzatal zu erobern, was aber erst 1892 gelang. Der Mir5 Safdar Ali, der König der Hunzukutz, flüchtete kurz davor nach China. Wie Durand in seinem Buch6 schreibt, haben die Briten den Mir sehr schlecht behandelt. Sie nahmen ihm das Königreich ab, ohne dass er – trotz mehrerer Versuche – mit ihnen verhandeln konnte. Er starb 1930 verarmt im Exil in Xinjiang.7

Von 1892 bis 1947 war das Hunzatal als Teil Britisch-Indiens unter britischer Verwaltung. So wie nach dem Zweiten Weltkrieg Indien und Pakistan das britische Mandat ablösten, löste 1892 England das chinesische Mandat über Hunza ab.

Als sich die Briten 1947 – nach der Unabhängigkeit und der Teilung der Kolonie Britisch-Indien in ein hinduistisches Indien und ein islamisches Pakistan – aus dem Hunzatal zurückzogen, führte das auch zu Begehrlichkeiten von Seiten Indiens. Indien versuchte, die Kontrolle über Gilgit und Hunza zu erhalten, und begann einen bis heute unverzeihlichen Krieg. Die Bergvölker des Hunzatals schlugen die Aggressoren erfolgreich zurück und verhinderten eine Annexion. Im großen Park von Gilgit steht ein Monument, das ‚Minarett der Märtyrer‘, das an diesen Krieg, der im Westen vollkommen unbekannt blieb, erinnert.

1947 wurde das Königreich durch die Briten aufgelöst. Den Titel ‚Mir‘ darf der ehemalige Herrscher und seine Nachkommen als Symbol des Respekts weiterhin benutzen, ebenso die roten Autokennzeichen mit Goldaufschrift ‚Hunza 1‘ und ‚Hunza 2‘. In den nachfolgenden Jahren durften ausländische Besucher das Gebiet nicht betreten. Erst 1974 wurde das Hunzatal ein Teil der Region Gilgit-Baltistan unter der pakistanischen Zentralregierung, und durfte nun im unteren Teil des Tals von Ausländern besucht werden.

Bis zum Jahr 1950 hatten die Kinder der Hunzukutz noch kein Rad und kein Kraftfahrzeug gesehen. Alle Güter, wie Werkzeuge, Küchenutensilien, Öllampen, Spiegel und andere Glaswaren, Nägel und Baumaterial und alles, was man zum täglichen Bedarf benötigte, musste auf dem Rücken von Trägern ins Hunzatal geschleppt werden.

Das bergige Gelände kann nur an wenigen ebenen Stellen für den Anbau von Getreide, Aprikosen und Trauben landwirtschaftlich genutzt werden. Die Weidewirtschaft muss sich auf Ziegen und Geflügel – vorzugsweise Enten – beschränken. Das Naturvolk ernährt sich fast fleischlos. Auch Molkereiprodukte, wie Milch, Butter und Käse, werden nur selten verzehrt. Die legendäre Langlebigkeit und gute Gesundheit der Hunzukutz wird hauptsächlich dem mit Mineralien und Edelmetallen angereicherten milchig aussehenden Gletscherwasser und der vorwiegenden Ernährung mit Vollkornprodukten zugeschrieben. Weit über 100 Jahre alte Männer, die immer noch selbst ihre Felder bestellen oder Pferdepolo spielen, sind keine Seltenheit. Daher wird das Hunzatal, das oft für das verlorene Königreich Shangri La8 gehalten wird, auch als ‚Oase der ewigen Jugend‘, bezeichnet.

Die Frauen im Hunzatal, mit den kleinen bunten Käppchen unter einem weißen Schleier, sind selbstbewusst und total frei. Ihre Gesichter sind offen und sie sind immer zu einem Lächeln bereit. Im Gegensatz zu der islamischen Umgebung gilt hier die Einehe, und beide Partner müssen mit einer ehelichen Verbindung einverstanden sein. Es werden keine Unterschiede zwischen Mann und Frau gemacht. Selbst in der Hochzeitsnacht kann sich eine Frau dem Ehemann verweigern, und sie hat das Recht, sich scheiden zu lassen. Heute, 2016, leben etwa 90 000 Menschen im Hunzatal. Zur Zeit unserer Reise waren es noch deutlich weniger.

Viele Jahre war das Hunzatal ein für Ausländer verbotenes Königreich. Im Süden grenzt das Tal an Pakistan, im Nordosten an die chinesische autonome Provinz Xinjiang, und im Nordwesten an Afghanistan. Erst 1974 ging die Meldung ‚Das Hunzatal ist nun frei‘ rund um die Welt. Aber warum durfte bis dahin kein Ausländer dieses kleine Königreich Hunza besuchen?

Es gab einen Vertrag zwischen Pakistan und China, der die Sicherheit Hunzas durch China garantierte. Da China mit dem Karakorum Highway große Investitionen vorhatte, wollte sich China nicht durch Ausländer in die Karten schauen lassen. China reagierte damals besonders empfindlich, wenn es um Xinjiang ging, obwohl die unklare Grenze im nördlichen Hunzatal zwischen Pakistan und China bereits 1963 korrigiert und festgelegt wurde. Nach der Übergabe des Mandats von England an Pakistan war China damals damit einverstanden, dass Hunza – das zuvor lange Mandatsgebiet Chinas war – pakistanisch wurde. China war an einem sicheren Puffer zwischen sich und den südlichen Nachbarn interessiert.

Hunza war ein Land ohne Kriminalität, ohne Polizei, ohne Gefängnisse und ohne Verwaltung. Es gab keine Hotels, keine Zeitungen und keine Banken, auch keine Kraftfahrzeuge und keine Tankstellen, Elektrizität war unbekannt. Da die Hunzukutz ein kerngesundes Volk waren, gab es auch keine Ärzte und Apotheken. Niemand musste Steuern bezahlen.

In der Bergwelt außerhalb des Hunzatals waren bereits mehrere ausländische Reisende, hauptsächlich Alpinisten, spurlos verschwunden. Der pakistanische Premierminister hätte die Verantwortung für jeden Reisenden ins Hunzatal übernehmen müssen. Und selbst für die pakistanische Regierung war das Königreich noch fremd und unheimlich. Hunza war so drastisch anders als das übrige Pakistan, daher war das Hunzatal für Ausländer lange verschlossen.

Für meinen Bruder Hartmut war die Meldung ‚Das Hunzatal ist nun frei‘ das Signal, sofort von Kabul über Rawalpindi nach Gilgit zu fliegen. Er gehörte mit seinem sechs Jahre alten Sohn Olaf im Mai 1974 zu den ersten ausländischen Besuchern9. Zu der Zeit war mein Bruder Hartmut Leiter des Goethe-Instituts in Kabul, Afghanistan. Sein Sohn Olaf war der jüngste ausländische Besucher, der das Hunzatal je besucht hatte. Bereits in Gilgit, aber besonders an der Grenze zum Hunzatal, wurden beide mit Blumengebinden empfangen. Besucher aus dem Westen waren noch etwas ganz Besonderes und eine große Seltenheit.

Für das Betreten des Staates Hunza musste damals zunächst eine Genehmigung der pakistanischen...

Erscheint lt. Verlag 7.7.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Sachbuch/Ratgeber Geschichte / Politik Politik / Gesellschaft
Schlagworte China • Hindukusch • Hunzatal • Karakorum • Pakistan
ISBN-10 3-8192-8937-2 / 3819289372
ISBN-13 978-3-8192-8937-8 / 9783819289378
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