Staatsfeind No. 1 - Innovation (eBook)
308 Seiten
Twinprint-Verlag e. K.
978-3-96856-100-4 (ISBN)
Dr. rer. pol. Sebastian Heinz, MSSc Humangeographie, ist Gründungsmitglied der High Performance Battery Technology GmbH und der High Performance Battery Holding AG, die er seit Juli 2023 als Geschäftsführer und CEO leitet. Zuvor war er bei der Telekom Deutschland im Geschäftskundenvertrieb für das Internet der Dinge (IoT) verantwortlich. Mit seiner Dissertation zur Markterschließung im Kooperationsmodell entwickelte er eine alternative Strategie für die freiwillige Einführung von Smart-Metering-Systemen in Deutschland. Die darin entwickelten Ansätze sind auch für den Einsatz von Batteriespeichern geeignet und erschließen damit das Potenzial von Plattformmodellen für die Energiewirtschaft. Im Jahr 2018 gründete er zudem das Institut für Innovations- und Kooperationsmanagement (InCoom), das sich auf die Entwicklung von nachhaltigen Geschäftsmodellen spezialisiert hat.
KLIMAWANDEL UND ANDERE SPALTEREIEN
Was steckt drin
Klimawandel ist eines der global am kontroversesten diskutierten Themen. Es spaltet vielerorts die Gesellschaften. Anstatt den Handlungsdruck in eine neue Vision für die Welt zu übersetzen, werden Wohlstand und Klimawandel gegeneinander ausgespielt. Als gäbe es das eine ohne die Konsequenz des anderen. Diese Diskussion überlagert vollkommen die Kraft von Innovation und die enorme Schubkraft für Wohlstand, die eine Vorreiterrolle bei skalierbaren, technologischen Lösungen einbringen kann. »Klimawandel« kann allerdings auch als Synonym für »Bedrohung durch Neues« stehen. Warum wir für die Begründung der Sinnhaftigkeit der Energie- und Mobilitätswende den Klimawandel gar nicht brauchen und warum es dennoch so schwerfällt, das Richtige zu tun, ist Gegenstand dieser Episode.
Die Episode
Fossile Energieträger wie Braunkohle, Steinkohle, Erdöl und Erdgas, sind dem Grunde nach nichts anderes als die sogenannten Erneuerbaren Energieträger, wie Windkraft, Solarenergie, Wasserkraft oder Biomasse. Ein wesentlicher und in der Tat beträchtlicher Unterschied besteht in der Bildungsrate, also in der Zeitdauer, die erforderlich ist, um den jeweiligen Energieträger zu bilden. Der Entstehung fossiler Energieträger liegen tektonische Prozesse zugrunde, die über tausende Jahre hinweg zur Bildung dieser Energieträger führen. Erneuerbare Energieträger stehen dagegen kurzfristig zur Verfügung.
Hinsichtlich der Verteilung der Energieträger gibt es ebenfalls gewichtige Unterschiede: Aufgrund der schieren Bildungsdauer der fossilen Energieträger und deren tektonischer Bildungsprozesse sind die Lagerstätten auf Dauer, und für unsere Nutzung »a priori« festgelegt. Die Verteilung verändert sich in unserer Zeitrechnung nicht geografisch, sondern im Proporz durch die Entdeckung neuer Lagerstätten, den technischen Fortschritt und den Wert des Rohstoffes. Dabei gilt: Je höher die Nachfrage, desto lohnender die Ausbeutung, und je besser die Technologie, desto effizienter deren Gewinnung und Nutzung. Erneuerbare Energien sind in ihrer Verteilung ebenfalls »a priori« festgelegt, allerdings hinsichtlich ihrer Entstehung einerseits sehr viel kurzfristiger verfügbar und andererseits in ihrer Ausbeutung zumindest bei Wind, Sonne und Biomasse im Wesentlichen vom Technikeinsatz abhängig, nicht von einer geologischen Lagerstätte.
Erneuerbare Energien haben allerdings auch »einen Zettel am Zeh«, einen Nachteil, der immer wieder ins Feld geführt wird, wenn es um den Kampf zwischen fossilen und erneuerbaren Energien geht: Ihre Volatilität, also ihre Abhängigkeit von lokalen klimatischen Ereignissen. Dem gegenüber steht eine sehr gute Steuerbarkeit bei der technischen Nutzung der fossilen Energieträger. Eine sichere Stromversorgung hängt von der Fähigkeit der Energieversorger ab, den Energiebedarf jederzeit zu decken. Je volatiler und damit sprunghafter ein Energieträger zur Verfügung steht, desto schwieriger ist der Ausgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch zu bewerkstelligen. Ist damit die Entscheidung zugunsten der fossilen Energieträger bereits gefallen? Scheinbar ja und sicherlich nein.
Ein Beispiel für die höhere Komplexität der Realität: Wasserkraft hängt natürlicherweise an der Verteilung von Flüssen, Stauseen und Gewässern und damit an der regionalen Topologie sowie der klimatischen Einbettung der Region. Für diese Energiequelle stellt der Klimawandel eine besondere Bedrohung dar, weil die Verfügbarkeit der Wasserkraft auf dem Festland – und damit auch die Kühlmöglichkeit für Atomkraftwerke – an Niederschlagsereignissen hängt. Perioden längerer Trockenheit sorgen für eine unkalkulierbare – im Falle der fehlenden Reaktorkühlung sogar extrem gefährliche – Volatilität dieser Energiequelle. Die Atomkraft hängt somit indirekt »am Tropf« der Wasserkraft.
Geopolitisch betrachtet gibt es drei Hauptursachen für Konflikte: Energie, Ernährung und Wasser. Positiv gesprochen geht es um die Versorgungssicherheit, negativ gesprochen um Verteilungskämpfe. Eine fehlende Versorgungssicherheit ist ursächlich für Kriege und globale Flüchtlingsströme. Die Abhängigkeit der Energieversorgung von fossilen und nuklearen Energieträgern birgt für all jene Länder erhebliche Risiken, die keine ausreichenden eigenen Reserven oder geologische Lagerstätten besitzen. Allein aus diesem simplen geopolitischen Grund wäre es grundsätzlich eher vorteilhaft als nachteilig, die eigene Energieversorgung auf Energieträger zu stützen, die unter der eigenen Kontrolle liegen. Windkraft, Solarenergie, Biomasse und Wasserkraft sind zwar volatil, können aber im Konfliktfall zumindest nicht ohne erheblichen Aufwand von außen abgestellt und eine erzwungene Energiekrise damit nicht als taktische Waffe benutzt werden. Der Krieg in der Ukraine hat zudem eindrücklich gezeigt, dass auch die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln, hier vor allem die Bündelung der globalen Weizenvorräte in nur wenigen Ländern, weltweite Auswirkungen auf erzwungene Hungersnöte und damit Flüchtlingsströme haben kann. Der Zugang zu Wasser, und insbesondere zu sauberem Trinkwasser, ist der dritte relevante Kriegsgrund, je knapper dieser Rohstoff bei zunehmender Trockenheit wird – mit Wechselwirkungen zur Versorgungssicherheit bei Ernährung und Energie.
Eine ganz andere Dimension eröffnet sich, wenn man berücksichtigt, was man alles aus den fossilen Rohstoffen herstellen kann. Insbesondere Erdöl ist die Grundlage vieler Produkte von Plastik bis hin zu wichtigen medizinischen Produkten. Viele dieser Produkte lassen sich auf dem Wege des Recyclings grundsätzlich in neue Produkte umwandeln, so dass der Rohstoff mehrfach benutzt werden kann. Dabei ist noch nicht berücksichtigt, welche Innovationen wir auf der Basis dieser Rohstoffe noch sehen werden. Bei der Verwendung als Energiequelle, sei es für die Stromerzeugung, Wärmeerzeugung oder die Mobilität, erfolgt die Nutzung dagegen über Verbrennung. Eine Nachnutzung ist damit ausgeschlossen. Ganz losgelöst von der Freisetzung des über Erdzeitalter gebundenen CO2 und den damit assoziierten Folgen für den Klimawandel. Verbrennen ist damit die sicherlich dümmste Nutzung für diese besonderen Rohstoffe.
Solange die Entnahme schneller erfolgt als die Nachbildung, kommt es rein mathematisch früher oder später zu einem Versiegen der Quellen für diese Rohstoffe. Die Verantwortung für einen intelligenteren Umgang mit den Ressourcen liegt in unseren Händen. Eine »fire and forget« Mentalität oder die Entschuldigung, dass wir in den wenigen Jahren bis zu unserer Rente eh nichts mehr tun können, ist gegenüber unseren Kindern und Enkeln unentschuldbar.
Diese Erkenntnisse sind nicht neu. Sie setzten auch kein umfangreiches Vorwissen voraus. Sie sind noch nicht einmal besonders kompliziert. Und doch erleben wir einen Kampf zwischen den vermeintlichen Gegenspielern Wohlstand und Klimawandel. Die Ursache dafür liegt in den persönlichen Befindlichkeiten und Egoismen, in denen wir alle gefangen sind. Der Umbau der Energieversorgung hin zu Erneuerbaren Energien erfordert Dekaden und ist nicht in einer Legislaturperiode abgeschlossen. Er erfordert Investitionen in Erzeugungstechnologien, vor allem aber in Speichertechnologien. Er erfordert ein Umdenken, ein neues Zielbild für die Zukunft, neue Wege zur Erreichung der Versorgungssicherheit – am Ende des Tages ein wahres El Dorado für Innovation! Dabei kommt es darauf an, dass wir die einzelnen Innovationen nicht gegeneinander ausspielen, sondern uns darüber austauschen, wie sich all diese Innovationen ergänzen können, um eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
Ich möchte Euch an dieser Stelle drei Beispiele für den Kampf um Innovation geben, die für mich sehr eindrücklich sind: Vor über 100 Jahren hat Rudolf Diesel den Dieselmotor erfunden. Eine Erfindung, die zu der damaligen Zeit niemand haben wollte und die dennoch Grundlage einer beispiellosen industriellen Revolution geworden ist. Rudolf Diesel hatte nichts von seiner Erfindung und ist verarmt gestorben. 2007 wurde in Deutschland exklusiv durch die T-Mobile, die Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, das erste iPhone in den Markt gebracht. Zu dieser Zeit war ich in der Vertriebsstrategie der Deutschen Telekom tätig. Niemand aus dem Vertrieb wollte iPhones verkaufen. Der Endgerätetrend ging voll in Richtung der Miniaturisierung, große Bildschirme wurden als Rückschritt empfunden, von Kameras und Apps war weit und breit nichts zu sehen. Nokia, Blackberry, Motorola und Sony Ericsson waren die unangefochtenen Platzhirsche. Erst als die Zielmarke von 1 Mio. Endgeräten zum Ende des Jahres 2007 vom damaligen Vertriebsvorstand erzwungen worden war, startete der Siegeszug des iPhones in Deutschland. Alle Annehmlichkeiten, die für uns heute selbstverständlich sind, waren zu dieser Zeit für die meisten nicht vorstellbar. Es war die Vision eines Steve Jobs, des Gründers von Apple, die Vision eines beeindruckenden Innovators.
Von diesen Beispielen gibt es sicherlich einige. Ich...
| Erscheint lt. Verlag | 23.6.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Beruf / Finanzen / Recht / Wirtschaft ► Bewerbung / Karriere |
| Schlagworte | Energiewende • Gründerwissen • Innovation • Pioniergeist • Systemkritik |
| ISBN-10 | 3-96856-100-7 / 3968561007 |
| ISBN-13 | 978-3-96856-100-4 / 9783968561004 |
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