Die Völker der Welt (eBook)
200 Seiten
Eulogia Verlag
978-3-96967-468-0 (ISBN)
In den Augen vieler Menschen weltweit gelten Deutsche als nüchterne „Macher“, die nicht lange herumreden und eher zu einer Ruppigkeit bis hin zur Rechthaberei neigen, dafür aber Dinge in einer Qualität produzieren, auf die man sich verlassen kann. Die Deutschen selbst halten sich für fleißig, ordnungsliebend, sauber, pünktlich und gründlich. Diese Eigenschaften setzen eine ernsthafte Grundhaltung voraus, die wenig Raum für Humor lässt. Deshalb halten die Engländer deutschen Humor für nicht existent. Für Engländer und Amerikaner geht das Verlangen nach individueller Freiheit allen anderen Werten vor. Auch die Deutschen schätzen die Freiheit in einem hohen Maß, doch ihr höchster Wert ist Sicherheit. Das wird deutlich, wenn man ein anderes Wort dafür verwendet, nämlich Geborgenheit. Die Sehnsucht danach ist etwas, das die Deutschen seit dem Dreißigjährigen Krieg prägt. Die Ursache dafür liegt auf der Hand: Bis zur Reichsgründung von 1871 hatten die Deutschen keinen gemeinsamen Staat. Sie lebten in vielen Staatsgebilden, die sich durch Eroberungen und Erbteilungen ständig veränderten. Noch immer hat die Heimat für Deutsche eine tiefere emotionale Bedeutung als für die meisten ihrer Nachbarvölker. Das rührt daher, dass die historisch gewachsenen Kleinstaaten nicht nur politische, sondern auch kulturelle Einheiten waren.
VERSCHIEDENE NAMEN FÜR DIE DEUTSCHEN UND DEUTSCHLAND
Frankreich heißt auf Englisch France, auf Italienisch Francia; England heißt auf Französisch Angleterre, auf Italienisch Inghilterra. Der Originalbegriff ist in vielen Fremdsprachen wiederzuerkennen. Deutschland dahingegen heißt auf Niederländisch Duitsland, auf Dänisch, Schwedisch und Norwegisch Tyskland. Die sprachlich verwandten nordeuropäischen Länder scheinen die Regel zu bestätigen: der Eigenname wird in abgewandelter Form übernommen. Aber auch das Englische ist verwandt mit dem Deutschen. Beides sind westgermanische Sprachen. Deutschland heißt aber auf Englisch Germany – und nicht etwa, wie man annehmen könnte, Dutchland. Denn Dutch ist bei den Engländern seit dem 17. Jahrhundert allein für die Niederländer reserviert. Zur Bezeichnung der östlichen Nachbarn mussten sie auf das lateinische Germania zurückgreifen. Diesen Begriff haben die Römer seit etwa 200 v. Chr. als Sammelbezeichnung für die rechtsrheinischen Stämme verwendet. Die Herkunft des Begriffs Germanoí (griechisch Γερμανοί) ist nicht geklärt. Eine Verbindung mit dem germanischen gaizaz, Ger (‚Wurfspeer‘) gilt als widerlegt. Unwahrscheinlich ist auch die Ableitung vom lateinischen germānus (‚leiblich‘, ‚echt‘, ‚wahr‘). Am wahrscheinlichsten ist eine keltische Etymologie. Erwogen werden die Wurzeln vom Altirischen gair (‚Nachbar‘) oder gairm (‚Schrei‘), woraus die Benennungsmotive „die Nachbarn“ bzw. „die Schreienden“ resultieren.
Die Eigenbezeichnung Deutsche(r) und für das Land Deutschland gehen wiederum auf das althochdeutsche Wort thiutisk, diutisk zurück, was ‚zum Volk gehörig‘ oder ‚die Sprache des Volkes sprechend‘ bedeutet. Dieses leitet sich von thiot, diot (‚Volk‘, ‚Stamm‘) ab, was im urgermanischen Wort þeuðo („theudō”) – ebenfalls mit der Bedeutung ‚Volk‘ oder ‚Stamm‘ – verwurzelt ist. Bei dem Begriff deutsch ging es ursprünglich nicht um eine ethnische Einheit, sondern um eine nicht lateinische Volkssprache (z. B. Fränkisch, Gotisch oder Normannisch). Die früheste belegte Form dieses Wortes (thiota) findet sich in der gotischen Bibelübersetzung des Bischofs Wulfila aus dem 4. Jahrhundert. In der lateinischen Form theodisce wurde das Wort erstmals im Jahre 786 in einem vatikanischen Kodex belegt. Dies bildete auch die Quelle des italienischen Wortes tedesco. Im Mittelalter und darüber hinaus wurde das lateinische Adjektiv teutonicus in lateinischen Texten als (Rück-)Übersetzung von ‚deutsch‘ gebraucht, beispielsweise in Regnum Teutonicum, dem nördlich der Alpen gelegenen Teil des römisch-deutschen Reichs. Die Römer schrieben den Germanen den Furor teutonicus, also die ‚teutonische Raserei‘, zu. Der Ausdruck spiegelt den Schrecken wider, den die Römische Republik beim ersten Zusammentreffen mit germanischen Stämmen auf ihrem italienischen Gebiet im 2. Jahrhundert v. Chr. ergriff. Dies wurde nach der Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. nochmals bestätigt und fortan allen Germanen zugeschrieben. Im Englischen ist Teuton heute noch eine umgangssprachliche Bezeichnung für den ansonsten als German bezeichneten Deutschen. Der Deutsche Orden heißt dort Teutonic Order, die Deutschordensritter werden Teutonic Knights genannt.
In einigen Ländern fallen die Volks- und Landesbezeichnung der Deutschen auseinander, z. B. Немец (Nemec) и Германия (Germania) bei den Russen oder tedesco und Germania bei den Italienern. Was man vom Französischen nicht behaupten kann: Allemagne heißt das Land, Allemands die Bewohner. In der Spätantike war das westgermanische Volk der Alemannen der östliche Nachbar der romanisch sprechenden Gallier. Die späteren Franzosen übertrugen den Namen dann auf alle germanischsprachigen Nachbarvölker. Wenn wir von Deutschland aus nach Osten reisen, kommen wir nach Polen. Dort nennt man die Deutschen Niemcy – wie in Russland. Der Deutsche heißt auch auf Tschechisch Němec und auf Ungarisch Német. Das ist eindeutig dieselbe Wurzel in ganz Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Man glaubt, dass die Bezeichnung von einem urslawischen Wort abstammt, das ‚Fremder‘ bedeutet und auf ein Adjektiv für ‚stumm‘ zurückgeht. Das Wort bezeichnet also Fremdsprachige, die sich mit den Slawen nicht verständigen konnten, und wurde später auf die Deutschen eingeengt. Damit entwickelte sich der Begriff genau in die entgegengesetzte Richtung wie Allemagne: Während die Slawen eine Allgemeinbezeichnung eingegrenzt haben, haben die Franzosen eine Sonderbezeichnung ausgeweitet, und das mit großem Erfolg: Der französische Wortstamm wurde ins Spanische und Portugiesische übernommen – und von dort nach Südamerika und in den Nahen Osten exportiert. Auf Finnisch und Estnisch heißt der Deutsche Saksa. Unverkennbar hat hier ein anderer Stamm Pate gestanden – einer, der näher an Nordosteuropa dran war: die Sachsen.
WOHER KAMEN DIE VORFAHREN DER DEUTSCHEN?
Die Deutschen haben kein einzigartiges genetisches Erbe. Denn sie und alle anderen Europäer sind ein buntes Gemisch – Nachfahren wiederholter urzeitlicher Einwanderungen. Schon Hermann der Cherusker – eigentlich Arminius – war alles andere als ein lupenreiner Mitteleuropäer. Er trug in sich das Erbe von mindestens drei großen Einwanderungswellen – und damit von Migranten aus Gebieten außerhalb Europas. Die wissenschaftlichen Ergebnisse enthüllen, dass die ersten Vertreter des Homo sapiens vor 40.000 Jahren aus Afrika über die arabische Halbinsel durch die Balkanroute nach Europa eingewandert sind. Ihre Verwandten, die Neandertaler, wurden dort von ihnen verdrängt, bis diese schließlich vor 30.000 Jahren ausstarben. Offensichtlich haben beide Gruppen aber auch gemeinsame Nachkommen gezeugt. Denn alle Nicht-Afrikaner tragen heute maximal 4 % der Neandertalergene in sich. Vor 9.000 Jahren begann die Einwanderung der ersten Bauern aus dem Nordwesten Anatoliens, wieder über den Balkan. Sie brachten nicht nur ihre Gene und die Technologie der Landwirtschaft mit. Wir verdanken ihnen auch einen kulturellen Wandel: Aus nomadischen Jägern und Sammlern entwickelten sich die sesshaften Bauern der Linearbandkeramik-Kultur. Die dritte Welle folgte in der frühen Bronzezeit: Vor rund 5.000 Jahren strömten die Jamnaja, ein halbnomadisches Volk von Steppenreitern, nach Südosteuropa ein. Vor allem die Männer der Jamnaja haben ihre Spuren im Erbgut der Europäer hinterlassen. Heute tragen alle Europäer eine „genetische Dreifaltigkeit“ der Stein- und der Bronzezeit in sich: 30 % Jäger und Sammler, 30 % anatolische Frühbauern und 40 % Steppen-Viehhirten, was auch ihr Aussehen prägt. Denn die blauen Augen haben sie von den dunkelhäutigen Jägern und Sammlern, die helle Haut von den anatolischen Frühbauern und die blonden Haare von den Yamnaya aus der Steppe.
GENETIK
Gemeinsam mit der Biologin Joelle Apter hat die Gen-Expertin Inma Pazos von der Firma „Igenea“ fast 19.500 Genanalysen von Deutschen verglichen. Die Ergebnisse beweisen, dass die Deutschen mehrere Wurzeln haben. Besonders deutlich wird das bei den väterlichen Linien. Sie sind bei deutschen Männern nur zu 6 % germanisch. Das steht im Widerspruch zu den mütterlichen Linien. Demnach sind 50 % der deutschen Frauen mütterlicherseits germanischer Abstammung. Unwissenschaftlich ausgedrückt: Deutsche Frauen sind deutscher als deutsche Männer. Über Jahrhunderte sind die Männer in der Urzeit durch Kriege, Naturkatastrophen und Jagdunfälle hinweggerafft worden. Die Frauen hatten schon damals eine geringere Sterblichkeit und eine höhere Lebenserwartung. Und offenkundig eine hohe Zahl an Geschlechtspartnern aus anderen Völkern, mit denen sie Kinder zeugten. Insgesamt 25 % der Deutschen entstammen der Haplogruppe I1, obwohl diese auch in den traditionellen germanischen Ländern durch die zahlreich...
| Erscheint lt. Verlag | 11.11.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Geschichte / Politik |
| Geisteswissenschaften ► Geschichte | |
| Schlagworte | Allgemeinbildung • Europäische Geschichte • Geschichte • geschichte von den ursprüngen der menschheit bis heute • Geschichtsbuch • Menschheitsgeschichte • Weltgeschichte |
| ISBN-10 | 3-96967-468-9 / 3969674689 |
| ISBN-13 | 978-3-96967-468-0 / 9783969674680 |
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