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Sauerbrunn – Gerichte aus der Sommerfrische

Rezepte und Erinnerungen
Buch | Hardcover
216 Seiten
2009
Bibliothek der Provinz (Verlag)
978-3-85252-789-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Sauerbrunn – Gerichte aus der Sommerfrische - Susanne Dobesch, Irene Lupinski
CHF 30,80 inkl. MwSt
Dieses Buch versucht einen Brückenschlag zwischen gestern und heute, zwischen der Zeit der Monarchie, der Zwischenkriegszeit und unserem modernen Leben in kulinarischer Hinsicht.
Es soll aber auch eine Erinnerung an die Zeit sein, in der der Kurort Sauerbrunn unter anderem von jüdischen Mitbürgern profitierte, die ihm über Jahrzehnte die Treue gehalten haben. In der Zeit von 1880 bis 1937 gab es bereits eine Vielzahl von Kurorten, die damit warben, "judenfrei" zu sein, was die jüdischen Bürger veranlasste, sich in Kurorten zu treffen, die eben nicht den Antisemitismus unterstützten. Für viele von ihnen wäre Karlsbad zu teuer und zu entlegen gewesen, also wählte man Sauerbrunn. Sie verbrachten hier ihre Sommerfrische, und wenn sie wohlhabend genug waren, errichteten sie Villen, die das Ortsbild der kleinen Gemeinde bis heute prägen.
Die Sommerfrische war für die Städter aus Budapest, Wien oder Wiener Neustadt die Gelegenheit, mit der Natur und ihren Zyklen in Berührung zu kommen, das einfache Leben, aber auch städtisches Gebaren zu genießen. Immerhin verbrachte so manche Familie von Mai bis September, den ganzen langen Sommer hindurch, unbeschwerte Tage abseits der städtischen Konventionen. Es mag so manchem Einheimischen einiges gewöhnungsbedürftig erschienen sein, was diese Städter verlangten und wie sie sich gaben. Das Resultat über die Zeit hinweg war jedenfalls eine spezielle Sommerfrischen-Symbiose. Einer lernte vom anderen und es entwickelten sich Freundschaften, Liebschaften und Dienstverhältnisse.Auch Nichtjuden besuchten den kleinen Kurort, der, weil gut mit der Bahn erreichbar und nicht allzu teuer, ein beliebtes Ziel mit allerlei Annehmlichkeiten wurde. Kurkonzerte, Tanz, feines Essen, Heiratsmarkt.
Die Männer, die aus beruflichen Gründen nur an den Wochenenden oder für ein paar Tage mit dem "Busserlzug" anreisten, fanden entspannte Ehefrauen und halb "verwilderte" Kinder vor. Heute kann man sich diese Art der Sommererholung, in der die bürgerliche Familie mit Dienstmädchen und Riesengepäck Monate am Land verbrachte, kaum vorstellen. Damals verlegte man in den Sommermonaten seinen Wohnsitz an die frische Luft, eben an die Sommerfrische.
Selbstverständlich fanden diese temporären Vorgänge und Bewegungen ihren Niederschlag auch im Essen und allem, was damit zu tun hatte. So vielfältig die Küchen der Völker der k. u. k. Monarchie waren, so vielfältig hielten sie Einzug auf den heimischen Speisezetteln. Beim Essen gab es keine Berührungsängste. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Auswahl, die in diesem Kochbuch getroffen wurde, die Einflüsse der donaumonarchischen Küchen widerspiegelt. Im Burgenland gab es Kraut in Hülle und Fülle, also bediente man sich der rumänischen Krautgerichte. Gänse und Enten wurden auf jedem noch so kleinen Hof gehalten. Einem Festtagsbraten mit Gänseleber stand nichts im Wege. Früchte und Köstlichkeiten aus dem Gemüsegartl wuchsen angesichts der unzähligen Sonnenstunden wie von selbst, also ernährte man sich nebenbei auch noch gesund.
Wie sich die Küche der Kuranstalt in Sauerbrunn einstmals an den Toprezepten der Monarchie orientierte, so sprach und aß man eben auch ungarisch, rumänisch, jüdisch, polnisch, böhmisch und wienerisch. Man vergesse auch nicht den italienischen Einfluss, der sich in diversen Reis- und Fischgerichten niederschlug. Diese Kulturleistungen des Kochens und Wissens um die vielfältigen Köstlichkeiten aus beinahe ganz Europa sind mittlerweile stark in Vergessenheit geraten.Nach den verheerenden Weltkriegen tauschten die Städter Bösendorferflügel gegen Schmalz. Hier am Land kannte man den Hunger nur begrenzt. Felder, Wiesen und Gärten gaben genug, um anständig zu überleben. Leider erforderten die politischen Ereignisse, dass vor allem meine Generation und die meiner Eltern schon sehr wenig von der kosmopolitischen Vielfalt der Küche der Donaumonarchie mitbekommen haben. Umso spannender ist dieser Streifzug durch die kulinarische Sommerfrische un

Susanne Dobesch: geboren 1957 in Wien, Studium der Rechtswissenschaften, lebt und arbeitet als Autorin in Bad Sauerbrunn, Generalsekretärin des Österreichischen P.E.N.-Clubs, Preisträgerin des Ersten Österreichischen Preises für Wein und Literatur „Vinum et litterae“ 2004. Zahlreiche Veröffentlichungen, 2008 erschienen „Die geheimen Erinnerungen des Joseph Haydn“ in der Edition VA bENE, Wien, 2010 „Von der Seife ins Fettnäpfchen“ in der Edition Roesner, Mödling.

Irene Lupinski: geboren 1941 in Wien, arbeitete als Angestellte im ORF, begeisterte Hobbyköchin, lebt seit 1976 in Bad Sauerbrunn.

Erscheint lt. Verlag 6.7.2009
Zusatzinfo zahlr. vierfärbige Abb.
Verlagsort Weitra
Sprache deutsch
Maße 150 x 215 mm
Gewicht 546 g
Einbandart gebunden
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Essen / Trinken Grundkochbücher
Sachbuch/Ratgeber Essen / Trinken Länderküchen
Sachbuch/Ratgeber Essen / Trinken Themenkochbücher
Schlagworte Bad Sauerbrunn • Geschichte 1880-1937 • Geschichte 1880–1937 • Hardcover, Softcover / Belletristik/Erzählende Literatur • Hardcover, Softcover / Ratgeber/Essen, Trinken/Allgemeine Kochbücher, Grundkochb • HC/Kinder- und Jugendbücher/Erzählerische Bilderbücher • Kochbuch • Kochen • Kochen/Kochbuch; Österreich-Ungarn • Österreich-Ungarn; Küche
ISBN-10 3-85252-789-9 / 3852527899
ISBN-13 978-3-85252-789-5 / 9783852527895
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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