Die Scheinheiligen (eBook)
224 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-7158-1 (ISBN)
Robert Düsterwald ist selbstständiger Unternehmensberater. Nach seinem Studium war er viele Jahre lang als Berater, Projektleiter und Führungskraft in Unternehmen verschiedener Branchen tätig. Er schreibt nebenberuflich Ratgeber und Sachbücher. In diesem Buch listet er die beobachtbaren Verhaltensmuster aus dem unredlichen und unethischen Tun vermeintlich wohlwollender Mitmenschen systematisch auf und beschreibt, wie man sich dagegen wehren kann.
2 Ethisches Verhalten in der Gesellschaft
2.1 Scheinheilige und ihr Blendwerk – was ist das?
Es war nicht ganz so einfach, einen Sammelbegriff für den Menschentyp zu finden, den ich in diesem Buch beschreiben möchte.
„Betrüger“ ist ein rechtlicher Begriff – aber hier geht es vorwiegend um die, sich gerade noch im Rahmen der Legalität bewegen, obwohl sie eigentlich betrügen. Das Wort „Trickser“ greift mir zu kurz, obwohl es gerade oft wie Taschenspielertricks wirkt, wie sie andere hereinlegen.
„Blender“ habe ich sie in den früheren Ausgaben dieses Buchs genannt, aber sie blenden nicht nur kurz auf, sie schaffen regelrechte Blendwerke.
Nach einiger Überlegung habe ich mich dafür entschieden, sie mit dem Begriff „Scheinheilige“ zu bezeichnen. „Scheinheilige“ scheint mir am passendsten, denn sie geben sich den Anschein der Redlichkeit, um ihre eigentlichen Motive zu verbergen. Gern stellen sie sich auch als Held und Retter dar.
Doch wie soll man ihr Verhalten bezeichnen? „Scheinheiligen“ ist kein Verb. Da kam mir wieder der Begriff des „Blendwerks“ in den Sinn.
Denn Scheinheilige errichten manchmal ein ganzes Blendwerk aus Unwahrheiten, Täuschungen und Fallen um sich herum. Dieses böswillige Tun kann man getrost mit dem Begriff „blendwerken“ bezeichnen. Für das Verhalten des Scheinheiligen werde ich also von nun an das Wort „blendwerken“ verwenden.
Wie ist ein Scheinheiliger definiert? Ich denke, er lässt sich am besten wie folgt beschreiben:
Ein Scheinheiliger (im Buch auch „Blendwerker“ oder „Böswilliger“) ist ein uns privat oder beruflich nahestehender Mensch, der seine Interessen grundsätzlich über die anderer stellt und ihnen dadurch bewusst regelmäßig materielle oder immaterielle Nachteile zufügt.
Nach außen hin stellt er sich aber meistens als anderen wohlgesonnen dar.
Nahestehend bedeutet im privaten Umfeld, dass es sich um jemand aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis oder aus unserer Familie handelt. Nahestehend bedeutet im beruflichen Umfeld, dass es sich um einen Kollegen, Mitarbeiter, Vorgesetzten, Kunden, Lieferanten oder einen anderen Menschen mit einem beruflichen Bezug zu uns handelt.
In beiden Fällen steht man sich relativ nah oder man hat zumindest häufigen Kontakt zueinander. Das bedeutet, hier liegt eine Situation vor, in der man sich eigentlich gegenseitig vertrauen können müsste, um besonders gut miteinander auszukommen. Der Umgang miteinander sollte respektvoll und fair sein.
Scheinheilige sind jedoch falsche Freunde, denn sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine Vertrauenssituation einseitig zu ihren Gunsten ausnutzen. Wir vertrauen ihnen, während sie uns misstrauen und ihre wahren Absichten verschleiern, um ihre eigenen Ziele rücksichtlos zu verfolgen.
2.2 Ethik, Moral und Gesellschaftsordnung
Das Tun der Scheinheiligen, das ich hier „blendwerken“ nenne, bezeichnet also ein Verhalten, das mit einem redlichen und ehrbaren Auftritt im Umgang mit anderen, mit Aufrichtigkeit und Verantwortung, mit Fairness oder Zuverlässigkeit nicht vereinbar ist.
Wir bewegen uns damit im ethisch-moralischen Bereich. Daher lohnt es sich, zu Beginn dieses Buches einen Blick darauf zu werfen, was diese Begriffe bedeuten, und warum Ethik in den meisten Zivilisationen einen hohen Stellenwert hat. Wenn ich Ihnen in einem späteren Kapitel dann den Begriff des Blendwerkens erläutere, werden Sie stets den Widerspruch zur Ethik erkennen.
Leider werden die beiden Begriffe, Ethik und Moral, in der Literatur nicht einheitlich und auch ein wenig abstrakt beschrieben. Ich erlaube mir deshalb einen eigenen Vorschlag zur Definition der beiden Begriffe:
Ethik – synonym: Ethos1
Ethik ist das Wertesystem einer Gruppe oder Gesellschaft, das deren Angehörigen insgesamt als anzustrebendes, wünschenswertes Ideal gilt. Das tatsächliche gezeigte Verhalten weicht in der Regel davon ab. Ethik ist insofern der Maßstab zur Beurteilung des Handelns Einzelner.
Wir unterscheiden menschliches Verhalten anhand dieses Maßstabs, indem wir es mit den Kategorien „gut“ (dem Ethos entsprechend) oder „böse“ (dem Ethos widersprechend) bewerten.
Moral
Moral spiegelt die in Bezug auf das Wertesystem gezeigten tatsächlichen Verhaltensweisen, aber auch die von den meisten Mitgliedern einer Gruppe oder Gesellschaft im Alltag akzeptierten Normen wider.
Moral bezeichnet also die im Alltag beobachtbaren Normen und Verhaltensweisen. Sie entsprechen nicht immer dem ethischen Ideal, sondern der allgemein üblichen Sitte. Eine Verhaltensweise, die dem ethischen Soll entspricht oder nahekommt, wird als ethisch oder als von hoher Moral zeugend bezeichnet. Eine Verhaltensweise, die unter der üblichen Moral liegt oder weit von ethischen Werten entfernt ist, wird als unethisch oder unmoralisch bezeichnet.
Es geht bei beiden Begriffen um die „Sinnesart“, um die Art, wie menschliches Handeln begründet und bewertet wird. Mit Ethik verfolgt eine Zivilisation das Ziel, eine einheitliche, für alle ihre Mitglieder verbindliche Grundlage des mehrheitlich als „gut“ angesehenen Handelns zu schaffen. Diese Grundlage soll dann dem Einzelnen zur Orientierung für sein eigenes Verhalten dienen. Die Gesellschaft wiederum hat damit einen Maßstab zur sittlichen Beurteilung des Handelns Einzelner und kann bei Abweichungen belohnend oder sanktionierend darauf reagieren.
Wie der Einzelne dieser ethischen Orientierung am besten nachkommen kann, das beschreibt meines Erachtens sehr anschaulich der „kategorische Imperativ“ von Immanuel Kant:
„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“2
Ähnlich lautet ein altes Sprichwort:
„Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg’ auch keinem anderen zu.“
Nun interessiert uns, warum solche Wert- und Moralvorstellungen als Regeln für das Verhalten aller Angehörigen einer Gruppe überhaupt aufgestellt werden. Es wäre doch zumindest einfacher, wenn jeder nur seinen eigenen Vorteil im Auge hätte, oder nicht? Stehlen z.B. geht schneller als kaufen und ist zudem eindeutig kostengünstiger, und betrügen ist meistens günstiger für den Betrüger als ehrlich zu verhandeln.
Der gesellschaftliche Konsens
Moral und Ethik sind aber keine individuellen, sondern gesellschaftliche Begriffe. Denn was falsch oder richtig ist, was vorteilhaft oder unredlich, das bestimmt eben nicht der Einzelne, sondern die Gesellschaft, also alle, die einer bestimmten Gruppe angehören. Die Gesellschaft gibt sich ein Wertesystem, an dem die einzelnen Mitglieder ihr Handeln orientieren sollen.
Warum tut die Gesellschaft das? Nun, weil es hierfür aus Sicht der Gruppe mehrere gute Gründe gibt. Dem individuellen schnellen Nutzen aus der Missachtung des Wertesystems Einzelner steht ein kollektiver Nachteil gegenüber: Mangelnder Schutz des Einzelnen vor ungerechtfertigter
Bereicherung durch Dritte mindert den Anreiz, selbst Vermögenswerte zu schaffen und ist somit volkswirtschaftlich schädlich.
Überdies ist Vertrauen die Grundlage einer fruchtbaren Zusammenarbeit. Die ständige Möglichkeit, hintergangen zu werden, bewirkt jedoch eine große Unsicherheit, die den Mut und die Tatkraft aller Beteiligten beeinträchtigt.
Nehmen wir ein Beispiel: Der Händler, der im Mittelalter dem Bauern die Ware abkauft, um sie am Markt gewinnbringend wieder zu verkaufen, wird irgendwann von Räubern überfallen, die ihm seine Ware als Beute abnehmen. Wenn dies wieder und wieder vorkommt, wird er irgendwann keine Ware mehr am Markt verkaufen. Der Bauer bleibt auf seiner Ware sitzen oder verbraucht sie selbst.
Nehmen wir nun an, dass irgendwann alle Händler ausgeraubt werden, dann wird vielleicht der Bauer überleben, aber der Rest der früher von seiner Ware belieferten Bevölkerung muss verhungern, weil die Ware nicht an die Frau/den Mann kommt oder verdirbt. Der Bauer wiederum wird nur noch für den Eigenbedarf produzieren, und auch die Räuber verhungern, weil kein Überschuss mehr vorhanden ist, der geraubt werden könnte.
Für die Räuber ist ihr Raub vielleicht kurzfristig lohnender und bequemer als ehrliche Arbeit, aber nur solange, bis der Bauer keine überschüssige
Ware mehr produziert.
Zudem gehen die Räuber das Risiko ein, vom zuständigen Ordnungshüter gefasst und gehängt zu werden – auch dies könnte ein vorzeitiges Ende für das gewählte „Geschäftsmodell“ der Räuber bedeuten.
Die Gesellschaft als Ganzes ist also daran interessiert, dass der Wert schöpfende Teil der Bevölkerung vor unredlichen Angriffen durch andere geschützt wird. Dies ist die Grundlage aller Zivilisationen: Sie geben sich gewisse, auch ungeschriebene Regeln, die für den Redlichen und die gesamte Gesellschaft auf Dauer von Vorteil sind, weil Leistung sich lohnt und die Möglichkeit, anderen in der Zusammenarbeit vertrauen zu...
| Erscheint lt. Verlag | 9.12.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Gesundheit / Leben / Psychologie ► Lebenshilfe / Lebensführung |
| Schlagworte | Betrüger • Egoismus • Ethik • Neid • Unehrlichkeit |
| ISBN-10 | 3-7693-7158-5 / 3769371585 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-7158-1 / 9783769371581 |
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