Grüne Fonds und ETF - Geld anlegen mit Nachhaltigkeit - Anlagestrategien, Ratings und Banken für Ihre Geldanlage (eBook)
160 Seiten
Stiftung Warentest (Verlag)
978-3-7471-0761-4 (ISBN)
Olaf Wittrock ist Mitgründer und Partner der Wirtschaftsredaktion wortwert mit Sitz in Köln und London. Er leitet die Finanzredaktion, berät Kunden bei Social-Media-Projekten und entwickelt visuelle journalistische Formate. Er ist Absolvent der Kölner Journalistenschule, und hat in den vergangenen 25 Jahren schon viele Blasen, Booms und Crashs medial begleitet. Er hat bereits mehrere Bücher zu Finanzthemen geschrieben, zuletzt für die Stiftung Warentest den Ratgeber 'Geldanlage für Vorsichtige'.
Olaf Wittrock ist Mitgründer und Partner der Wirtschaftsredaktion wortwert mit Sitz in Köln und London. Er leitet die Finanzredaktion, berät Kunden bei Social-Media-Projekten und entwickelt visuelle journalistische Formate. Er ist Absolvent der Kölner Journalistenschule, und hat in den vergangenen 25 Jahren schon viele Blasen, Booms und Crashs medial begleitet. Er hat bereits mehrere Bücher zu Finanzthemen geschrieben, zuletzt für die Stiftung Warentest den Ratgeber "Geldanlage für Vorsichtige".
Klassenbeste und Beste aller Klassen
Sind erst mal die größten Sünder per Screening aussortiert, folgt der nächste Arbeitsschritt. Wer was auf sich hält in Sachen Nachhaltigkeit, wird nun überlegen, welche Investitionsobjekte aus dem verbliebenen Angebot sich im Vergleich zu anderen besser eignen und somit durchsetzen können. Diese Überlegung ist umso wichtiger, je weniger streng man bei den Ausschlüssen im ersten Schritt war. Die gebräuchlichste Strategie dazu nennt sich die „Best-in-Class“-Auswahl.
Dahinter steckt der Gedanke, stets in die Klassenbesten einer bestimmten Kategorie zu investieren. Also die Lebensmittelunternehmen mit dem geringsten CO2-Ausstoß, den nachhaltigsten Autohersteller, das sauberste Energieunternehmen. Die Beispiele zeigen schon einiges über den vielleicht wichtigsten Nebeneffekt dieses Auswahlmechanismus. Denn einerseits gelingt es damit – so denn die nötigen Daten vorhanden sind –, stets die besten Anbieter eines Faches herauszusuchen. Andererseits könnten dabei aber Unternehmen durchrutschen, die es zwar besser machen als die Konkurrenz, die aber trotzdem weit entfernt von sauberen Geschäften sind. Entweder weil in einer Branche der allgemeine Standard vergleichsweise niedrig ausfällt. Oder weil eine Branche per se im Vergleich zu anderen Branchen keine sonderlich gute Figur macht: Nicht ganz so schlimm, als dass man sie komplett ausschließen müsste, aber eben auch nicht richtig sauber. Will man überhaupt in den Autosektor investieren? Oder in die Energieherstellung?
Wer so etwas vermeiden will, kann auch anders sortieren und selektieren. Zum Beispiel nach dem „Best-of-Classes“-Ansatz. Klingt ähnlich, meint aber unterm Strich in der Regel etwas anderes, nämlich, dass nur Unternehmen in die Auswahl kommen, die bestimmte Mindestanforderungen erfüllen. Unternehmen oder Institutionen müssen dann, um überhaupt für eine Anlage infrage zu kommen, zusätzlich nach der Negativauswahl noch eine Art positives Screening überstehen. Dazu definieren die Fonds oft recht spezielle Voraussetzungen. Das könnten Schwellenwerte bei der Ökoeffizienz sein, CO2-Grenzen, Geschlechterquoten in der Führungsriege, Höchstgrenzen für die Arbeitszeit oder die Zugehörigkeit zu ganz bestimmten Zielbranchen. Es zählt also nicht mehr der Vergleich innerhalb einer Gruppe, sondern auch die Klasse selbst muss den Nachhaltigkeitstest überstehen.
Schließlich schauen manche Fondsmanager nicht nur darauf, welche Unternehmen sich im Vergleich zu anderen besonders gut machen, sondern setzen vielmehr auf jene, die zuletzt besonders große Fortschritte in Sachen Nachhaltigkeit erzielt haben. Das heißt dann in den Fondsbeschreibungen gern „Best-Effort-Prinzip“ oder auch „Best-in-Progress“. Dahinter steckt unter anderem auch die Annahme, dass ein qualitativ hochwertiges Nachhaltigkeitsmanagement und ein ehrgeiziger Plan etwa zur CO2-Reduzierung auf Dauer den finanziellen Erfolg vergrößern. Anders gesagt, dass Unternehmen, die nachhaltiger werden, auf Dauer auch erfolgreicher sind.
Nachhaltiges aktives Fondsmanagement
Widmen wir uns nun der Frage, was eigentlich in einem Fonds laufend mit den Anlagen passiert, wenn diese es erst einmal ins Portfolio geschafft haben. Um es gleich vorwegzunehmen: Passive Fonds und ETF haben bei der laufenden Beurteilung weniger Möglichkeiten. Denn bei einem Index entscheidet der Indexlieferant und nicht das Fondsmanagement darüber, welche Titel im Portfolio sind und welche nicht. Die Einflussnahme geschieht hier lediglich indirekt – wir kommen noch einmal darauf zurück.
Zunächst widmen wir uns dem nachhaltigen aktiven Fondsmanagement. Letztlich geht es dabei um den Austausch zwischen dem Fondsmanagement und den Anlagezielen, vor allem der Unternehmen, in die der Fonds investiert hat. Der Grundgedanke dahinter lautet: Wer einem Unternehmen Kapital zur Verfügung stellt – und genau das tun die Fonds ja –, kann auch das Verhalten der Unternehmen beeinflussen. So könnten Fondsmanager zum Beispiel in regelmäßigen Treffen darauf drängen, dass eine neue Produktionsanlage mit erneuerbarer Energie betrieben wird, mehr Frauen in den Vorstand aufrücken, das Unternehmen seine Zulieferer strenger überwacht oder es detailliertere Daten über Umweltbelastungen und den Ausstoß von Treibhausgasen veröffentlicht.
Immer mehr Fondsgesellschaften schreiben sich auf die Fahnen, sich mit aktivem Engagement für Verbesserungen beim Umweltschutz oder bei sozialen Anliegen einzusetzen. Wie gut das am Ende funktioniert, ist in gewisser Weise Vertrauenssache – abgesehen von einem ganz speziellen Fall des Engagements, der sich konkret bewerten und nachvollziehen lässt, nämlich der Art und Weise, wie Fondsgesellschaften als Aktionäre die Stimmrechte ausüben, die Miteigentümer grundsätzlich besitzen. Diese Stimmrechte können Fonds treuhänderisch für alle Kunden ausüben, die Geld investiert haben – im Fachjargon heißt dieser Vorgang übrigens Proxy Voting oder auf Deutsch Stimmrechtsvertretung.
Diese Stimmrechte lassen sich auf Hauptversammlungen vielfältig nutzen, etwa wenn es darum geht, den Vorstand zu entlasten – oder auch nicht. Aktionäre haben darüber hinaus ein Rederecht, können eigene Anfragen und Anträge stellen. Und wenn Fondsgesellschaften gewisse Beteiligungsschwellen überschreiten, entsenden sie womöglich gar eigene Leute in die Aufsichtsräte und üben durch ihre Stimme besonders hohe Kontrolle aus. Daraus erwächst den Fondsgesellschaften eine gewisse Macht zur Veränderung in den Unternehmen – und die Verantwortung, sorgfältig damit umzugehen.
An dieser Stelle kommen im Übrigen auch die Anbieter passiver Fonds und ETF wieder ins Spiel. Denn auch wenn hier kein Management einzelner Fonds existiert, das sich mit Vorständen trifft oder Anträge stellt, treten die Anbieter als Ganzes schon auf Hauptversammlungen in Erscheinung. Die Kapitalanlagegesellschaft Blackrock, die mit ihrer Produktlinie iShares der Weltmarktführer für ETF ist, gibt beispielsweise an, jedes Jahr auf mehr als 18 000 Hauptversammlungen abzustimmen. Beim Abstimmungsverhalten hält man sich an einige weltweit gültige Standards, die man hier Stewardship nennt: es geht also um verantwortungsvolles Handeln. Das klingt indes etwas nachhaltiger, als es ist. So heißt es in den Regularien zwar, man ermutige Unternehmen dazu, offenzulegen, wie sie sich den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft langfristig vorstellen – und man begrüße es, wenn Unternehmen solche Übergangspläne veröffentlichen. Als einer von vielen Anteilseignern, der in der Regel bloß eine Minderheitsbeteiligung hält, „sagt Blackrock den Unternehmen aber nicht, was sie zu tun haben“. Das sei Aufgabe des Vorstands beziehungsweise der Geschäftsführung. Anlegerinnen und Anleger tun also gut daran, nicht allein auf die Versprechen der Fondsanbieter zu vertrauen, dass sie sich aktiv für nachhaltige Ziele einsetzen – sondern auch nachzuvollziehen, was das dann konkret bedeuten soll.
Die Krönung: Anlegen mit Impact
Mit Engagement und aktivem Einsatz der Stimmrechte sind die Möglichkeiten aber noch nicht ausgeschöpft, die Fondsgesellschaften haben, um sich für nachhaltige Ziele einzusetzen und einen positiven Beitrag zur Umwelt und für die Gesellschaft zu leisten. Ganz am Ende der Skala steht noch das „Impact Investing“. Der Begriff ist uns schon einmal begegnet bei der europäischen Regulierung nach Artikel 9 (siehe Kapitel 1, Seite 11). Fonds, die nach dieser neuen nachhaltigen Produktkategorie der EU-Offenlegungsverordnung geführt werden, sind angehalten, konkrete eigene nachhaltige Anlageziele zu verfolgen und Auskunft darüber zu erteilen, welche Wirkungen ihre nachhaltigen Investitionen im Sinne dieser Ziele entfalten. Was heißt das konkret? Nun, will ein Fonds beispielsweise Treibhausgasemissionen senken, dann können Investitionen in Wind- und Solarenergie konkret dabei helfen, etwa weil sie Strom produzieren, der dann nicht aus fossilen Energieträgern gewonnen werden muss. Häufig sind solche Impact-Fonds tatsächlich direkt an Sachwerten wir Solarparks beteiligt.
Quelle: https://www.nbim.no
DIVESTMENT FÜR BESSERES KLIMA: Der norwegische Staatsfonds gilt als Vorreiter für eine besondere Nachhaltigkeitsbewegung: 2015 beschloss der größte Staatsfonds der Welt, der damals bereits 800 Milliarden Euro an Pensionsgeldern verwaltete, Kapital aus allen Unternehmen abzuziehen, die Energie aus fossilen Rohstoffen gewinnen. Ende 2023 waren bereits 68 Prozent der vom Fonds finanzierten Emissionen auf klimaneutralem Kurs. Diesem Vorbild folgten viele Unternehmen weltweit.
Ausgerechnet Norwegen, einer der größten Gas- und Öl-Exporteure der Welt, entzog also der fossilen Wirtschaft das Kapital (Divestment = Desinvestition). Dem Beispiel folgten viele: Ende 2023 hatten sich fast 2 400 Portfolio-Unternehmen zum Netto-Null-Ziel bis 2050 bekannt...
| Erscheint lt. Verlag | 22.11.2024 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Beruf / Finanzen / Recht / Wirtschaft ► Geld / Bank / Börse |
| Schlagworte | Aktienbuch • Aktienhandel • Anfänger • Anlage • Anleihe • Börse • Einsteiger • ETF • Exchange Traded Fund • Finanzbuch • Finanzen • Finanzplaner • Finanzratgeber • Finanztipp • Finanzwissen • Handel • Investment • Kaufen • Leitfaden • nachhaltig anlegen • Rendite • Test • Tipps • Vermögen • Vermögensaufbau • Wertpapiere |
| ISBN-10 | 3-7471-0761-3 / 3747107613 |
| ISBN-13 | 978-3-7471-0761-4 / 9783747107614 |
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