Schicksal eines siebenbürgisch-sächsischen Dorfes (eBook)
254 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7583-9705-9 (ISBN)
Das Dorfleben vor dem Zweiten Weltkrieg
Nationen, Religionen und Kirchen
Wer osteuropäische Geschichte verstehen will, der muss wissen, dass man dort in den Vielvölkerstaaten im Unterschied zu Westeuropa und Amerika, wenn von einer Person oder einer Volksgruppen die Rede ist, zwischen Staatszugehörigkeit bzw. Staatsbürgerschaft, Nation und Religionsgemeinschaft unterschieden wird, d. h. Nation und Staatsbürgerschaft sind dort zwei verschiedene Begriffe, die man zu trennen hat. Ein rumänischer Mensch ist selbstverständlich als Staatsbürger des Rumänischen Staates ein Rumäne, aber Menschen anderer Nationen sind nicht einfach nur deshalb Rumänen, weil sie rumänische Staatsbürger sind, vielmehr bleiben sie Deutsche oder Ungarn, aber grundsätzlich immer mit der zusätzlichen Nennung der Nation, also Deutsche mit rumänischer Staatsbürgerschaft oder Ungar rumänischer Staatsbürgerschaft ist. Um dies verständlicher zu mahnen, merke man sich, dass ein Apfel der von einem Apfelbaum abstammt, für alle Ewigkeit immer ein Apfel bleibt, auch wenn er zufällig einmal in einem Birnengarten zwischen lauter Birnenbäumen gepflanzt wurde und dort aufgewachsen ist und solange er nicht um gepfropft wird, um danach andere Früchte zu tragen. Es ist falsch, wenn man das Umpfropfen lediglich mit einem Wechsel der Staatsbürgerschaft gleichsetzt, weil dafür die totale Umwandlung der Familie und Erziehung fehlt.
Die Religionen
Weiter vorne wurde ausgeführt, dass es zu der Zeit als Siebenbürgen zu Österreich kam, es dort vier rezipierte, also staatlich anerkannte Religionen gab, nämlich die katholische, die evangelisch-lutherische, die evangelisch calvinistische und die katholisch-orthodoxe oder Unitarier Religion. Zusätzlich gab es noch zwei geduldete Religionen nämlich die griechisch-orthodoxe und die mosaische bzw. jüdische Religion. Interessant ist es zu wissen, dass sich fast regelmäßig jede der in Siebenbürgen ansässigen Nation sich zu einer bestimmten Religion bekennt und dass deshalb oft Religion und Nationalität als Synonym gebraucht werden kann bzw. tatsächlich auch gebraucht wird. Deshalb bekennen sich ungarischer Adel und diejenigen Madyaren, die auf dem Gebiet des Adelsboden leben, zur katholischen Religionsgemeinschaft. Die Szekler der Gebiete Scik und der Haromsek bekennen sich zur calvinistischen Religionsgemeinschaft und die Siebenbürger Sachen zur evangelisch-lutherischen bzw. protestantischen Religion. Die große Zahl der Rumänen, die in allen genannten Landesteilen leben, bekennt sich zu einem kleineren Teil zur Unierten bzw. zur Katholisch-orthodoxen Kirche, während sich die Mehrheit der Rumänen aber zur Griechisch-orthodoxen Kirche bekennt. Diese Zuordnungen haben sich auch nach dem Anschluss Siebenbürgens an Rumänien nicht verändert.
Die Kirchen
Die heutige evangelische Kirche Weidenbachs wurde um 1300 aus Sand- und Tuffstein als dreischiffige Basilika zunächst im romanischen Stil gebaut und erst später gotisch umgestaltet. Sie wurde dem Apostel Paulus geweiht. Nach Osten hin erhielt sie einen Chor mit zwei Seitenschiffen. Nach Süden hin entstand eine Vorhalle und nach Norden hin die Sakristei. Der Turm, der nach der Zerstörung am Schreckenstag von 1658 nicht mehr in seiner ursprünglichen Höhe aufgebaut wurde, befindet sich auf der Westseite.
Die Decke der Südvorhalle verfügt über zwei Kreuzgewölbe. Von ihnen öffnen sich drei Spitzbogenarkaden zu den drei Schiffen der Kirche. In den Räumen, die den Turm flankieren, sind Rippengewölbe und gotisch Maßwerkfenster erhalten, Chor- und Schiffswände werden von abgesteppten Strebepfeilern gestützt. Der Chor wird innen Ausgemalt 1902 sind Wandmalereien freigelegt worden, sie wurden jedoch wieder übermalt. Der Glockenturm ist wehrtechnisch ausgebaut, wer misst bis zum Dachstuhl 19 m. Er ist mit Schießnischen für Bogenschützen ausgestattet. Im Erdgeschoss messen die Mauern 2,6 m. Den oberen Abschluss bildet ein Pyramidendach, darüber eine hölzerne Schallgalerie, gekrönt von einem Spitzhelm.
1658 wurde der Ort einschließlich der Kirche und der Burg von den eigefallenen im Verbund mit Ihren diversen grausamen Vasallen vollständig zerstört. Die Kirche wurde in den folgenden zwei Jahren mit Hilfe vielen Spenden wieder im heutigen Zustand neu aufgebaut.
1775 Das Schiff des Gotteshauses erhält ein Gewölbe. Die alten Dienste erhalten barocke Kapitelle, auf denen die Kreuzgewölbe mit spitzbogigen Schildbogen und Quergurten ruhen. Eine steinerne Westempore wird eingebaut An die Errichtung der Gewölbeerinnert eine Inschrift auf dem Dachboden.
1976 brennt der Dachstuhl ab und wird in Folgejahr neu ausgebaut. Die Profilierung verläuft ohne Kapitelle von der Seitenwandung zum Portalbogen. Auf dem Tympanon ist ein Dreipass angeblendet. Das Portal wird von Fialen flankiert.
Chor der Kirche mit Altar
Der klassizistische Altar wird durch die Christusfigur auf der Weltkugel dominiert. Den oberen Abschluss bildet ein breites Hauptgesimse. Das Mittelfeld wird von je drei Säulen flankiert.
Die Krönung des Altars bilden zwei Engelfiguren und ein Strahlenoval. Der Altar ist 1848 nach dem Plan des Heinrich Pop, Maler aus Kronstadt, gebaut worden. Von einem älteren Altar sind fünf beschädigte Holzfiguren erhalten: ein Kruzifix, Maria, Johannes und zwei Apostel. Sie gehören der Renaissancekunst um1550 an. Im Chor der Kirche ist eine dreiteilige gotische Altardecke vorhanden. Die drei Felder werden durch zwei Säulen getrennt, drüber in jedem Feld ein Dreipassornament.Die Klassizistische Kanzel ist 1812 im Biedermeierstil heergestellt worden. Der Kanzelkörper hat Tafeln mit Stuckornamenten. Der Baldachin trägt eine Holzfigur, welche einen Pelikan darstellt. Das Barocke Taufbecken wurde laut Inschrift von Kurator Johann Dick 1744 gestiftet.
Die Vorhalle der Kirche ist mit einem spätromanischen, zisterziensisch geprägten Portal versehen. Der Chor erhält ein quadratisches Kreuzgewölbe. Er hat die Maße 13,5 x 8m. Das Chorgewölbe ruht auf Diensten mit rundem Querschnitt, die an die Chorwände angefügt sind. Dienste und Gewölberippen verlaufen oh1870 wurden folgende Kirchenglocken festgestellt: eine große Glocke aus 1668, die 1832 umgegossen wurde, eine mittlere Glocke aus 1656, eine dritte Glocke, datiert aus 1591, eine vierte Glocke ohne Inschrift, eine fünfte Glocke aus 1823. Bis auf die Glocke aus 1591, welche die Inschrift trägt „Wer mich herunternimmt soll verflucht sein“ wurden alle anderen Glocken 1916 zu Kriegszwecken requiriert. Dafür wurden 1923 neue Stahlglocken aus Apolda mit einem E-Dur Septim Akkord angeschafft. Davon trägt die 1,15 m hohe, die so Genannte „Große Glocke“ das Wappen der Gemeinde Weidenbach. Weil sie auch die Inschrift „Ein feste Burg ist unser Gott“ trägt, wird sie auch die „Luther-Glocke“ genannt. Die Turmuhr wurde von der Firma Mannhardt aus München hergestellt und montiert. Das Chorgewölbe weist Einflüsse von der Bauhütte der Schwarzen Kirche auf.
1870 wurden folgende Kirchenglocken festgestellt: eine große Glocke aus 1668, die 1832 umgegossen wurde, eine mittlere Glocke aus 1656, eine dritte Glocke, datiert aus 1591, eine vierte Glocke ohne Inschrift, eine fünfte Glocke aus 1823. Bis auf die Glocke aus 1591, welche die Inschrift trägt „Wer mich herunternimmt soll verflucht sein“ wurden alle anderen Glocken 1916 zu Kriegszwecken requiriert. Dafür wurden 1923 neue Stahlglocken aus Apolda mit einem E-Dur Septim Akkord angeschafft. Davon trägt die 1,15 m hohe, die so Genannte „Große Glocke“ das Wappen der Gemeinde Weidenbach. Weil sie auch die Inschrift „Ein feste Burg ist unser Gott“ trägt, wird sie auch die „Luther-Glocke“ genannt. Die Turmuhr wurde von der Firma Mannhardt aus München hergestellt und montiert.
Die Kirchenburg
Was die Kirchenburg betrifft, stellen wir fest, dass sie in der Vergangenheit etliche Umbauten erfahren hat. Die heutige Kirchenburg von Weidenbach weist Züge der Verteidigungsbauten des 15. Jahrhunderts auf. Ein älterer Befestigungsring ist anzunehmen, kann jedoch nur durch Grabungen nachgewiesen
Die die Kirchenborg im heutigen, entkernten Zustand
(die Flucht- bzw. Vorratskammern wurde ca. 1955 wegen Baufälligkeit abgetragen)
werden. Der polygonale Bering mit vor die Mauerflucht vorspringenden Türmen wurde ursprünglich von einem Wassergraben umgeben Im Südosten stand der Torturm mit Zugbrücke. Der Zugang erfolgte im Erdgeschoss durch eine tonnengewölbte Einfahrt, die durch ein Fallgitter und Falltüren versperrt werden konnte. Darüber befanden sich zwei Wehrgeschosse, die mit zahlreichen Pechnasen und Schießscharten versehen waren. Zwei halbzylinderförmig vorspringende kleine Türmchen flankierten den Eingang. Über diesen Zugang war der Kirchhof bzw. Die Kirche zu erreichen.
Die Ringmauer, aus der im oberen Bereich der Wehrgang ausgespart war, hat eine...
| Erscheint lt. Verlag | 21.12.2023 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| Sachbuch/Ratgeber ► Geschichte / Politik ► Politik / Gesellschaft | |
| Schlagworte | Ceausescu • Siebenbürgen • Verrat • Vertreibung • Weidenbach |
| ISBN-10 | 3-7583-9705-7 / 3758397057 |
| ISBN-13 | 978-3-7583-9705-9 / 9783758397059 |
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